TESTBERICHT
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Video mit Profi-Ambitionen

Ton ab: Der ausgezeichneten Videobildqualität der Sony Alpha 7C kann mit einem externen Mikrofon auch ein guter Ton mitgegeben werden.Ton ab: Der ausgezeichneten Videobildqualität der Sony Alpha 7C kann mit einem externen Mikrofon auch ein guter Ton mitgegeben werden.

Die Liste der Videoformate der Alpha 7C sieht auf den ersten Blick bescheiden aus. Es stehen nur 4K/UHD mit 3840 x 2160 Pixel im Sony-eigenen XAVC-S-Aufnahmeformat sowie Full-HD-Video mit 1920 x 1080 Pixel zur Auswahl. Bei 4K/UHD darf man mit 24, 25 oder 30 Bildern, bei Full-HD auch mit 50, 60, 100 oder 120 Bildern pro Sekunde filmen. Für Zeitraffer-Videos in HD sind zwischen 1 und 15 fps möglich. Die Bitrate kann maximal 100 Mbps betragen.

Theoretisch könnte die Alpha 7C bis zu 13 Stunden Film am Stück aufnehmen. Durch das kompakte Kameragehäuse hängt die verfügbare Zeit für ununterbrochene Videoszenen jedoch stark von der Temperatur, dem Dateiformat und dem Zustand der Kamera vor Aufnahmebeginn ab.

So ist bei 4K/UHD-Videos nach 20 oder 30 Minuten, je nach Temperatur, bereits Drehschluss. Stellt man den Menüpunkt «Autom. AUS Temp.» auf «Hoch», lässt sich bei 25 Grad Celsius bis zu 120 Minuten ununterbrochen filmen. Das Handbuch warnt dabei vor «Niedertemperatur-Verbrennungen» an der Hand und empfiehlt ein Stativ für die Aufnahme.

Full-HD-Videos brauchen deutlich weniger Leistung und erlauben immer eine durchgehende Aufnahmedauer bis zu 120 Minuten. Mit meinen kurzen Videosequenzen kam ich nie ans Hitze-Limit der Kamera.

Filmaufnahmen können über den Video-Auslöser in allen Foto-Aufnahmemodi gestartet werden. Dabei werden die meisten Fotoeinstellungen übernommen, was bei hoher Verschlusszeit zu ruckelnden Bewegungen des Videomotivs führen kann. Dann dreht man am besten das Moduswahlrad über das Film-Symbol in den Filmmodus und stellt dort manuell videokonforme Werte ein.

Kleine Verbesserung gegenüber der Alpha 7 III: Bei der Umschaltung von PAL auf NTSC, was für Aufnahmen mit 24p zwingend notwendig ist, wird die Speicherkarte in der Kamera nicht mehr neu formatiert. Besten Dank dafür, Sony. Die PAL/NTSC-Auswahl befindet sich übrigens nicht in den Foto- oder Filmmenüs, sondern unter dem Werkzeug-Symbol auf Seite 2.

Videoaufnahmen lassen sich im Film- oder Zeitlupenmodus viel sanfter und bequemer per Foto-Auslösertaste starten. Die Einstellung dazu ist etwas versteckt. Nach längerer Suche fand ich tatsächlich den entsprechenden Menüpunkt. Er befindet sich im Fotokamera-2-Reiter und heisst «Film mit Verschluss».

Erweiterte Video-Möglichkeiten

Zur Tonüberwachung eines externen Mikrofons kann ein Kopfhörer an die Alpha 7C angeschlossen werden. Die Tonaussteuerung lässt sich anpassen und der Audiopegel auf dem Bildschirm anzeigen. Ein Audiobegrenzer ist immer eingeschaltet.

Durch Auswählen von vordefinierten Bildprofilen (Picture Profile PP1 bis PP10) kann das Bild bestimmten Gamma-Kurven (ITU.709, Sony Cine, S-Log2, S-Log3, HLG) und Detail-Einstellungen angepasst werden. Die Parameter der Profile (Schwarzwert, Gamma-Kurve, Knie, Farbmodus, Sättigung, Farbphase, Tiefe, Detail) dürfen auch nach eigenem Geschmack verändert werden und bieten eine grosse Experimentier-Spielwiese für Videoprofis. Amateure lassen besser die Finger davon, ausser sie wissen genau, was sie tun. Eigentlich erstaunlich, dass Sony diese umfangreichen professionellen Bildbeeinflussungen in einer solch kompakten Kamera ermöglicht.

Die Alpha 7C kann somit auch HDR-Filme (High Dynamic Range) aufnehmen, wenn ein entsprechendes Bildprofil mit HLG-Gamma ausgewählt wird. HLG (Hybrid Log-Gamma) ist ein abwärts kompatibler HDR-Standard, mit dem auf HDR-tauglichen Fernsehern extrem realistische Videobilder wiedergegeben werden können.

Dem unlogischen Alpha 7C Menüsystem entsprechend sind die Bildprofile für die Videoeinstellungen unter dem Kamera-1-Symbol bei den Fotoprofilen zu finden.

Die übersichtliche Videoformat-Auswahl.
Die übersichtliche Videoformat-Auswahl.
Einstellung von Bildern/Sekunde und Datendurchsatz.
Einstellung von Bildern/Sekunde und Datendurchsatz.
Anpassung des AF-Verhaltens beim Filmen.
Anpassung des AF-Verhaltens beim Filmen.
Autofokus Übergangsgeschwindigkeit.
Autofokus Übergangsgeschwindigkeit.
Autofokus-Empfindlichkeit beim Wechsel auf ein anderes Motiv.
Autofokus-Empfindlichkeit beim Wechsel auf ein anderes Motiv.
S&O, Slow & Quick Anzeige: Wird mit 100 fps in HD-Video aufgenommen, wird die Wiedergabe bei 25p um ein Viertel verlangsamt.
S&O, Slow & Quick Anzeige: Wird mit 100 fps in HD-Video aufgenommen, wird die Wiedergabe bei 25p um ein Viertel verlangsamt.
Sonys Lachnummer: Die Videowiedergabe startet erst nach Drücken der Mitteltaste im Steuerkreuz – nicht über das Play-Symbol auf dem Touchscreen.
Sonys Lachnummer: Die Videowiedergabe startet erst nach Drücken der Mitteltaste im Steuerkreuz – nicht über das Play-Symbol auf dem Touchscreen.
PAL/NTSC-Umschaltung: Zum Glück wird die Karte nicht mehr neu formatiert wie noch bei der Alpha 7 III.
PAL/NTSC-Umschaltung: Zum Glück wird die Karte nicht mehr neu formatiert wie noch bei der Alpha 7 III.

Scharfstellen und Stabilisieren

Beim Videofilmen funktioniert der Autofokus mit Echtzeit-Augenerkennung für Menschen ebenfalls. Das erleichtert das Filmen von Personen ungemein, sodass man sich ganz dem Bildinhalt widmen kann.

In den Voreinstellungen lässt sich die AF-Übergangsgeschwindigkeit in sieben Stufen und die Empfindlichkeit für den AF-Motivwechsel in fünf Stufen seinen Motiven und Wünschen anpassen. Beim AF-Verlagerungstest war mir die Standard-Stufe 3 der Geschwindigkeit etwas zu schnell. Deshalb habe ich sie im Film2-Menü unter «AF-ÜbergGschw.» etwas langsamer eingestellt. Gleich darunter lässt sich bei «AF-MotVerEmpfl.» festlegen, wie schnell auf ein anderes Motiv reagiert wird, das neu ins AF-Feld rückt.

Der 5-Achsen-Bildstabilisator SteadyShot gleicht Verwacklungen beim Filmen sehr gut aus und kann in vielen Aufnahmesituationen ein Stativ oder sonstiges Stabilisierungssystem ersetzen. Mit einer einigermassen ruhigen Hand gelingen so beinahe wackelfreie Videofahrten. Das Kit-Objektiv habe ich dabei auf Weitwinkel gestellt.

Wie schon die Fotoqualität können auch die Videoaufnahmen aus der Alpha 7C bestens überzeugen. Durch die vollständige Pixelauslesung ohne Pixel-Binning kommen mehr als die doppelte Datenmenge zusammen, die für 4K-Videos benötigt wird. Dadurch entstehen hochwertige 4K-Aufnahmen mit aussergewöhnlicher Detailgenauigkeit, natürlichen Farben und Tiefen.

Bei den Entenaufnahmen im Gegenlicht spricht die Zeichnung im weissen Gefieder für einen sehr grossen Dynamikbereich der Kamera.

Die Sony Alpha 7C bringt die herbstliche Stimmung mit den schwimmenden Blättern farblich sehr schön zur Geltung.

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