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Publikationsdatum
9. März 2026
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Am Zürichsee kann ein Wintermorgen so still sein, dass man fast schon den eigenen Atem als Geräusch wahrnimmt. Der in der Nacht nach der Ausfahrt mit dem Polestar 3 Performance und seinem Bowers & Wilkins 3D Surround System mit Dolby Atmos gefallene Schnee schluckt die grossen Töne. Übrig bleibt das Feine, das Knirschen unter den Schuhen, das leise Schaben eines Eiskristalls am Radkasten – die Art von Mikrodetail, die man im Sommer übersieht. Genau deshalb mag ich Wintertests. Sie tauchen den zweiten Teil meiner Testfahrt rund um den Zürichsee in ein weisses Gewand.

Und sie sind das perfekte Gegenbild zu meiner früheren Fahrt in Spanien. Sonne, trockener Asphalt, ein leichter Rausch in der Luft, dazu ein Studiobesuch, bei dem es um Dolby-Atmos-Produktionen ging. Damals war das Thema «Atmos im Auto» noch eine sehr junge Idee. Inzwischen ist der aus guten Kinos bekannte 3D-Klang im Markt angekommen. Zahlreiche Volvos, Audis, Porsches und Mercedes schicken sich an, damit die Fahrt in eine Lustreise zu verwandeln.

Auf Schnee konnten ABS und ESP zeigen, ob sie so viel Feingefühl wie das Dolby-Atmos-Sound-System haben.Auf Schnee konnten ABS und ESP zeigen, ob sie so viel Feingefühl wie das Dolby-Atmos-Sound-System haben.

Wenn ABS so regelt, wie ein guter DSP arbeitet

Der erste Aha-Moment kommt nicht bei den 517 PS des Polestar 3 Performance, sondern beim Anfahren oder Abbremsen auf frischem Schnee. Traktionskontrolle und ABS regeln so subtil, dass man es eher als souveräne Gelassenheit wahrnimmt als Eingriff. Kein hektisches Pulsieren im Pedal, kein nervöses Zerren am Lenkrad. Es fühlt sich an, als hätte jemand die Regler so fein justiert, dass das Auto einfach tut, was es soll.

Das ist eine erstaunlich passende Analogie für das, was später beim Hören passiert. Ein gutes Surround-System wirft dir nicht permanent Effekte ins Gesicht. Es schafft Ordnung, ohne dass du die Arbeit hörst. Der Polestar macht beides. Strasse und Sound wirken wie Spiegelbilder derselben Ingenieursphilosophie.

Polestar 3 Performance im Premium-Segment

Der Polestar 3 Performance ist ein fünfsitziger Elektro-SUV der Oberklasse im E-Segment. Er tritt damit in einer Liga an, in der sich viele Käufer normalerweise zwischen einem Porsche Cayenne, einem BMW iX und einem Audi Q8 e-tron bewegen. Die Performance-Variante setzt auf Dual-Motor-Technik mit bis zu 517 PS und 910 Nm, Torque Vectoring und sportlichem Handling trotz Grösse und Gewicht. Das ist keine Nische, das ist das Zentrum des Premium-Markts.

Was ihn für avguide.ch-Leser besonders macht, ist jedoch nicht die Beschleunigung, sondern die Frage, ob sich dieser Wagen als audiophiler Rückzugsort eignet.

Der Polestar 3 fährt rein elektrisch mit 517 PS.Der Polestar 3 fährt rein elektrisch mit 517 PS.

Warum das Auto ein fast idealer Hörraum sein kann

Home-HiFi-Fans kennen die klassischen Feinde des guten Klangs. Kabel, die irgendwo entlang müssen. Nachbarn, die Bass als Belästigung definieren. Eine Couch, die aus ästhetischen Gründen dort steht, wo sie akustisch am schlechtesten ist. Und ein Wohnzimmer, das ständig anders klingt, weil Türen offenstehen oder Möbel verrückt werden.

Im Auto ist vieles davon anders. Die verschiedenen Sitzpositionen sind immer gleich. Der Hörplatz ist definiert. Es gibt keine quer durch den Raum verlaufenden Lautsprecherkabel, keine Diskussion über den Subwoofer-Standort und keinen Stress mit der «zu laut»-Fraktion im Treppenhaus. Natürlich ist ein Auto kein perfektes Studio. Glasflächen reflektieren, die Kabine ist eng und zudem asymmetrisch. Genau deshalb entscheidet nicht der gute Wille, sondern die Technik. Und hier kommt das Bowers-&-Wilkins-System ins Spiel.

Die Hochtöner der Vordertüren sitzen in den Spiegeldreiecken hinter edlen Aluminium-Blenden.Die Hochtöner der Vordertüren sitzen in den Spiegeldreiecken hinter edlen Aluminium-Blenden.

Das Bowers & Wilkins 3D Surround System: Nicht Show, sondern Struktur

Der Fokus dieses Tests liegt bewusst auf dem Sound. Polestar setzt im Performance-Paket sichtbar auf Premium-Anmutung: Aluminium-Gitter, beleuchtete Leisten mit Bowers-&-Wilkins-Logos. Dazu ein Nachhaltigkeitskonzept mit recycelten Materialien und neuen Stoffen wie MicroTech. Das hat Haptik, aber es hat auch eine Botschaft: Dieser Innenraum soll nicht nur schnell sein, sondern nachhaltig bleiben.

Das eigentliche Argument ist das 3D-System. Dolby Atmos ist hier nicht einfach ein Label, das bei entsprechenden Titeln wie «Fast Car» in der Cover-Version von Luke Combs auf dem Display erscheint. Atmos ist ein objektbasiertes Mischverfahren, bei dem Tonereignisse als Objekte im Raum definiert werden. Die Wiedergabe-Elektronik skaliert dann auf das jeweilige Lautsprecherlayout, inklusive Downmix, wenn weniger Kanäle vorhanden sind. Das ist besonders sinnvoll, weil kein Auto wie das andere bestückt ist – und weil man trotzdem eine konsistente Raumillusion erreichen will.

Der praktische Effekt ist hörbar. Der Polestar baut eine für Autoverhältnisse extrem breite Bühne auf, vermittelt das Gefühl von Tiefe und bleibt auch bei hohem Pegel stabil. Dazu liefert er Bass so druckvoll und präzise, dass man ihn nicht als «viel» wahrnimmt, sondern als genau «richtig».

Für die Bedienung mit den EQ-Presets gilt, was ich aus dem früheren Polestar-3-Test bereits kenne: Es gibt nicht nur einen für Laien konzipierten 3-Band-Equalizer, der lediglich eine grobe, aber einfache Anpassung von Höhen, Bass und Subwoofer-Pegel ermöglicht. Es gibt auch einen 9-Band-EQ für Fortgeschrittene, die wissen, was sie tun. Dazu kommen Presets, die den Innenraum klanglich transformieren. Neben dem nüchtern abgestimmten Studio-Modus steht auch das Preset «Bühne» bereit. Dieser Modus ist ideal, um bei Live-Aufnahmen rundum im Sound zu baden. Das klappt mit normalen Stereo-Tracks, die im DSP aufbereitet werden. Dabei lassen sich Intensität und Umhüllung individuell anpassen.

Besonders stolz ist Bowers & Wilkins auch auf den zuschaltbaren Abbey-Road-Klangeffekt.Besonders stolz ist Bowers & Wilkins auch auf den zuschaltbaren Abbey-Road-Klangeffekt.
Der anpassbare Bühnen-Klangeffekt verwandelt Stereo-Aufnahmen in Surround-Klänge.Der anpassbare Bühnen-Klangeffekt verwandelt Stereo-Aufnahmen in Surround-Klänge.

Gegenüber meiner ersten Testfahrt in Spanien kam inzwischen via Over-the-Air-Update noch der Abbey-Road-Studio-Modus hinzu. Mit diesem spielt Bowers & Wilkins auf seine stolze Historie mit den Abhörmonitoren der legendären Tonstudios (Beatles, Alan Parsons) an.

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