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Publikationsdatum
5. Mai 2000
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Viele Wege führen zum Rundum-Klang. Neben dem ersten
Verfahren, dem Dolby Surround (oder Dolby Stereo, wie es
im Kino genannt wurde) und den heute aktuellen
Mehrkanalverfahren mit 5.1 diskreten Kanälen gibt es eine
Reihe weiterer Verfahren, die das normale Stereosignal (ab
CD, Fernseh- oder Radioempfänger usw.) bei der
Wiedergabe so beeinflussen, das eine gewisse räumliche
Wirkung hörbar wird. Diese Klangsimulationen arbeiten mit
Phasenverschiebungen unterschiedlicher Stärke, so dass das
Ohr den ganzen Ton oder auch nur Frequenzbereiche aus
unterschiedlichen Richtungen kommend wahrnimmt. Zum
Einsatz gelangen sie vor allem bei Fernsehgeräten, aber
auch bei HiFi-Anlagen und Computermonitoren.

Dolby Surround

Das auch heute am weitesten verbreitete Verfahren ist
Dolby Surround, und zwar aus dem einfachen Grund, weil es
auf ein analoges Stereosignal passt, also auf eine
VHS-Kassette oder in ein Fernsehsignal.

Dolby Surround
arbeitet mit vier Kanälen. Sie werden in die zwei
Stereokanäle matriziert und müssen bei der Wiedergabe mit
dem Dolby Surround-Decoder aufgeschlüsselt werden. Für
den mit dem Bildgeschehen vorn zusammengehenden Ton
werden drei Kanäle eingesetzt: links, Mitte und rechts. Für
den umgebenden Ton bleibt ein Surround-Kanal, der über
zwei hinten aufgestellte Lautsprecher wiedergegeben wird.
Die Auftrennung in die zwei identischen Rear-Kanäle erfolgt
meist bereits im Decoder oder im Endverstärker. Die aktiv
gesteuerte Version des Dolby Surround-Decoders heisst
Dolby Pro Logic. Seine Einführung verhalf dem räumlichen
Kinoton zum Durchbruch.

Dolby Digital

Das aktuelle Format heisst Dolby Digital - früher mit AC-3
bezeichnet. Es enthält als digitalen Datenstrom die
Toninformation für sechs verschiedene Kanäle, nämlich drei
Frontkanäle (links, Mitte, rechts), zwei Surround-Kanäle auf
der Seite oder hinten (mit Surround beziehungsweise Rear
links und rechts bezeichnet) sowie einen LFE-Kanal (Low
Frequency Effects) für die tieffrequenten Anteile von
Geräuschen (Explosionen, vorbeidonnernde Jets etc.) Dolby
Digital benötigt einen digitalen Datenträger. Es ist daher auf
der DVD enthalten, nicht jedoch im analogen Fernsehsignal
oder auf der VHS-Kassette. Zur Entschlüsselung braucht es
einen Decoder, der die Information auf die sechse Kanäle
aufteilt und an die separaten Ausgänge gibt Der Dolby
Digital-Decoder ist flexibel. So lässt sich das Signal auch als
Dolby Surround wiedergeben oder der LFE-Kanal kann, wenn
kein Subwoofer zur Verfügung steht, auf die Front- oder gar
auf alle Kanäle aufgeteilt werden. Damit ist ein schrittweiser
Ausbau der Surround-Anlage bezüglich Lautsprecher und
Endstufen möglich.

Dolby Digital Surround EX
Eine Erweiterung des Dolby Digital-Formates heisst Dolby
Digital Surround EX. Sie wurde letztes Jahr in den Kinos
eingeführt. Die EX-Version verfügt über einen zusätzlichen
Surround-Kanal in der Mitte, so dass räumliche Bewegungen
noch präziser wiedergegeben werden können. Im Kino sind
die Surround-Kanäle links und rechts als Lautsprecherreihen
an den Seitemwänden aufgestellt, während der mittlere
Surround-Kanal eine Lautsprecherreihe an der Rückwand
speist. Zusammen mit den drei Frontkanälen ergibt sich so
eine gute Abdeckung des 360°-Hörradius. Ob diese
Aufstellung auch zu Hause realisierbar ist, bleibt angesichts
von Türen und Fenstern fraglich. Hier werden wohl meist die
drei Surround-Kanäle hinten platziert.

THX

THX ist ein Verfahren der Lucasfilm, das die Wiedergabe ab
einem Surround Sound-System zu Hause so weit wie
möglich der Wiedergabe im Kino angleichen möchte. Hierzu
wird zusätzliche Elektronik und Steuerung nach dem
gewählten Surround Sound-Verfahren (Dolby Surround,
Dolby Digital, DTS) eingesetzt. Zudem definiert THX
Mindestanforderungen an die Audio-Anlage.

Zu den von THX eingeführten Verfahren gehört das
Re-Equalization, das die Unterschiede in den Raumakustiken
im Kino und zu Hause berücksichtigt, das Timbre-Matching,
das die Unterschiede zwischen den vorderen und den
Surround Lautsprechern ausgleicht und die Dekorrelation,
welche den Ton von hinten diffuser macht, wenn er mono
ist; sie wird ausgeschaltet, wenn er stereo ist. Für die
Lautsprecher wird die Abstrahlcharakteristik vorgeschrieben.

DTS

Ähnlich wie Dolby Digital arbeitet DTS, das mit "Jurassic
Parc" in die Kinos eingeführt wurde. Es ist ein digitales
5.1-Verfahren; die Informationen für die sechs Kanäle sind
jedoch weniger stark datenreduziert als bei Dolby Digital, so
dass es den Ton differenzierter und dynamischer
wiedergeben kann.

Die erhöhte Information benötigt mehr
Platz, weswegen DTS zwar auf DVD abgespeichert jedoch
nicht im digitalen Fernsehsignal übertragen werden kann. Für
die Wiedergabe von DTS-Ton braucht es einen DVD-Spieler
mit einem entsprechenden DTS-tauglichen digitalen
Ausgang. Dieser wird mit dem DTS-Decoder verbunden.
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