Musikaufnahmen sind entweder wie «akustische Fotografien» eines Konzerts oder aber eine im Studio geschaffene, kunstvolle Inszenierung einer musikalischen Idee. Beide Ansätze können den Anspruch haben, livehaftig zu wirken. Für die Landenberg Sessions haben wir den ersten Ansatz gewählt: die akustische Fotografie. Der «Fotoapparat» besteht nur aus zwei Mikrofonen und dazwischen die Jecklin-Scheibe.
Diese minimalistische «One Point»-Technik erfasst die Musik ähnlich wie ein Mensch sie im Saal hört. Tonmeister Jürg Jecklin hat diese Mikrofonierung im Jahr 1980 für klassische Musik entwickelt, bei welcher ein austarierter Klangkörper in einem akustisch guten Saal spielt. Wir haben jedoch seit der Einführung der Landenberg Sessions im Jahr 2022 die stilistischen Grenzen auf Jazz-, Folk-, Flamenco-, Blues- und Pop-Ensembles ausgeweitet, aber immer basierend auf akustischen Instrumenten. Die Ergebnisse sprechen für sich.
Livehaftigkeit dank komplexer Technik
Die allermeisten Musikaufnahmen sind aus mehreren unabhängigen Tonspuren (Multitrack) zusammengesetzt, die oft sogar an unterschiedlichen Orten aufgezeichnet werden. Damit hat der Sound-Engineer eine maximale Flexibilität beim Gestalten einer Klangvorstellung durch umfangreiche Nachbearbeitung. Will er damit eine livehaftig klingende Aufnahme umsetzen, nutzt er seine Vorstellungskraft und gestaltet die Aufnahme derart, dass über zwei Lautsprecher ein Live-Effekt entsteht, wie man ihn im Saal erleben könnte.
Er überlistet quasi die Grenzen des Wiedergabesystems, das ein ganz anderes Schallfeld schafft, als es in einem Saal bestehen würde. Das Kunstprodukt «Aufnahme» spiegelt unserem Gehör Authentizität vor. Damit lassen sich auch die spieltechnischen Grenzen überwinden und analog zu Fotografien durch «akustisches Photoshoppen» eine vermeintliche Perfektion erzielen.
Mit der Musiksoftware Pro Tools werden die Aufnahmen minimal bearbeitet.Livehaftigkeit dank einfacher Technik
Nutzt man eine minimalistische Technik wie bei den Landenberg Sessions, mit nur zwei Tonspuren, welche direkt auf eine Tonbandmaschine und einen HD-Recorder aufgezeichnet werden, so können im Nachhinein nur diese Spuren minimal nachbearbeitet werden. Der klanglich ausgewogene Mix der Instrumente entsteht durch unterschiedliche Positionierung derselben im Raum.
Alle Stimmen und Instrumente haben dadurch denselben Raumhall, jedoch in unterschiedlicher Stärke – je nachdem, wie weit weg sie von den zwei Mikrofonen sind. Dies schränkt die klanggestalterischen Möglichkeiten stark ein und alle Aufnahmen haben einen ähnlichen Charakter. Gleichzeitig steigen die spieltechnischen Anforderungen, denn Fehler können nicht wegretuschiert und Pegel nicht mehr ausgeglichen werden. Weil aber die Instrumente in derselben Akustik von denselben Mikrofonen eingefangen werden, stimmen die zeitlichen Bezüge immer. Dies äussert sich in einer sehr natürlich wirkenden, authentischen Wiedergabe. Livehaftigkeit entsteht durch Echtheit.
Jecklin-Scheibe mit zwei Mikrofonen.Die Wiedergabe im Saal als Referenz?
Wer im Saal die Aufnahmesessions hört, der ist versucht, dieses Erlebnis als Referenz zu werten. Tatsächlich ist die Wiedergabe nicht mit derjenigen über die Lautsprecher zu vergleichen, denn der klangliche Mix stimmt nur für die zwei Mikrofone. Wer also diesen Mix erleben will, der müsste genau bei den Mikrofonen sitzen. Schon eine Sitzreihe weiter hinten stimmt er nicht mehr und seitlich noch weniger.
Leise Instrumente wie eine akustische Gitarre oder feine Stimmen kann man weiter hinten im Saal kaum hören. Als Konzert taugt diese Situation nicht. Was man jedoch sehr wohl hören kann, ist der echte «Live-Effekt», das Zusammenspiel der Musikerinnen und Musiker, das visuelle Erlebnis und die Klangfarben der Instrumente im Raum. Trainiert man sich die Pegelunterschiede gehörmässig weg und sitzt im vorderen Bereich, so ist in Grenzen durchaus eine Referenzwiedergabe möglich, an der man die Wiedergabe über Lautsprecher messen kann.
Zoë Mës Band verteilt um die Jecklin-Scheibe.Sessions Playback mit Cabasse – die neue Hörerfahrung
Damit man im Saal den klanglichen Mix wirklich hören kann, installieren wir ein hochkarätiges Lautsprechersystem des berühmten französischen Herstellers Cabasse (la Sphère EVO), über welches der Sound-Engineer Ralph Zünd unmittelbar nach den Sessions einzelne Tracks abspielen wird.
Die Lautsprecher werden in einem grösseren Hörbereich wiedergeben, was Ralph Zünd über seine Nahfeldmonitore hört. Damit werden sie auch seine klangästhetische Idee wiedergeben. Man darf sich auf einen spektakulären Vergleich freuen, denn dem Erlebnis «Live im Saal» steht der «echte Live-Mix» über Lautsprecher gegenüber. Beide sind nicht perfekt, bilden aber die Bausteine, um die Arbeit an einer Aufnahme akustisch nachvollziehen zu können.
Um einen möglichst guten Eindruck von den Cabasse-Lautsprechern zu erhalten, empfiehlt es sich, möglichst nahe vor diesen zu sitzen. Je weiter weg man sitzt, desto stärker wird der Mix vom Raumklang des Saals überlagert. Über die Aufnahme eingefangen und im Saal reflektiert, hört man ihn dann doppelt. Weil es dieselbe Akustik ist, entsteht jedoch eine Kongruenz, welche in einer anderen Akustik wie etwa zuhause nicht möglich ist. Vorteilhaft im grossen Raum ist zudem, dass die Raummoden in einem viel tieffrequenteren Bereich liegen werden und weniger stören.
Sessions-Playback mit Cabasse.Cabasse la Sphère EVO – ein futuristisches Aktivsystem
Der französische Hersteller hat in den 80er-Jahren an der FERA (Fernseh- und Radioausstellung) im Hallenstadion ein ganz ähnliches Setup aufgebaut, um die Qualität ihrer damaligen aktiven Referenzlautsprecher «Cabasse Albatros» zu demonstrieren. Im Saal wurde ein Pianist an einem Flügel aufgezeichnet und danach über die Lautsprecher wiedergegeben. Ich war absolut verblüfft, wie nahe die Lautsprecherwiedergabe dem Originalklang kam.
Fast Forward ins Jahr 2026: Lassen wir uns überraschen, was die innovativen Cabasse la Sphère EVO leisten werden. Das koaxiale 4-Wege-System baut auf der Kugel auf, dem akustisch optimalen Gehäuse für eine Punktschallquelle. Die digitale, aktive Frequenzweiche erlaubt eine zeitrichtige Wiedergabe bei optimiertem Abstrahlverhalten, und die einzelnen Endstufen treiben die Lautsprecherchassis direkt an. Cabasse baut seit vielen Jahren koaxiale Lautsprecher und hat sich ein grosses Know-how erarbeitet. Als Wireless-Aktivsystem benötigen die Kugeln keine weiteren Gerätschaften, können aber auch analoge Signale, wie von der Bandmaschine, empfangen.
Zwischen den Sessions wird genügend Zeit zur Verfügung stehen, um die Lautsprecher mit ganz unterschiedlicher Musik zu hören. In dem grossen Saal ist dies ein besonderes Erlebnis, das nicht mit dem häuslichen Hören zu vergleichen ist, aber eine neue Hörerfahrung bietet.
Sessions Stream & Playlist
Seit der Einführung der Landenberg Sessions haben wir die jeweils erste Aufnahmesession des Tages etwas später über alle ausgestellten Musikanlagen gestreamt. Dieses einmalige Hör-Event zeigt, wie unterschiedlich dieselbe Aufnahme je nach System und Raum wiedergegeben wird. Mit der Hörerfahrung des Sessions Playback im Saal wird der Stream noch aussagekräftiger. Glücklicherweise zeigten die Reaktionen in den letzten Jahren, dass die Besucherinnen und Besucher unterschiedliche Systeme im Vergleich favorisiert haben. Der Anlass soll auch kein Wettbewerb sein, denn Hören bleibt sehr subjektiv.
Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen erweitern wir den Stream mit einer von den Ausstellern kuratierten Qobuz-Playlist zu einem 45-minütigen Hörvergleich.
Landenberg Sessions mit drei Sängerinnen
Die Landenberg Sessions bespielen dieses Jahr drei herausragende Sängerinnen aus unterschiedlichen Stilrichtungen und Sprachregionen: Am Freitag gibt Stefanie Boltz aus München mit dem Cellisten Nenad Uskovic ein jazzig-poppiges Kammerspiel. Am Samstag entführt uns die Singer-/Songwriterin Martina Linn mit ihrem Trio ins rätoromanische Graubünden und am Sonntag fliegen wir musikalisch nach Argentinien, ins Land des Tango mit der stimmgewaltigen Marcela Arroyo, dem Gitarristen Quique Sinesi und der Schweizer Akkordeonistin Patricia Draeger.
Stefanie Boltz, Martina Linn, Marcela Arroyo.Live dabei zu sein, bleibt das Highlight beim Klangschloss vom 27. bis 29. März in Greifensee! Tickets

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