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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
21. Juli 2019
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Der britische Traditionshersteller Naim gehört seit Mitte der 1970er Jahre zu den eigenständigsten und auch eigenwilligsten Vertretern im Geschäft der hochwertigen Musikwiedergabe. Eigenständig bezüglich Klangphilosophie und eigenwillig in mancher Hinsicht: Lange Jahre gab es Naim-Komponenten nur mit DIN-Anschlüssen, während sich der Rest der Welt von DIN-Steckern in Richtung RCA (Cinch) verabschiedete. Eigenwillig auch in Bezug auf die Kabel: Sie stellten stets ihre eigenen «Strippen» her, die nicht einmal besonders auffällig oder kostspielig waren und mit Naim-Komponenten sehr gut harmonierten.

Eigenwillig auch in Bezug auf Stromkomponenten, mit denen man die bestehende Elektronik immer «upgraden» konnte und kann. Wer als Naim-Fan hinter der daraus resultierenden Gefahr der Geräteinflation eine beutelschneiderische Strategie vermutete, musste dennoch eingestehen, dass diese teuren Massnahmen wirkungsvoll waren und sind.

Naim gehörte aber auch zu den ersten Herstellern nebst Linn, die sich früh mit Musikspeicherung und Wiedergabe ab Festplatte beschäftigten. Bereits vor über 10 Jahren kam Naim mit wegweisenden Geräten auf den Markt. Deren Weiterentwicklung führte zu hoch integrierten All-in-One-Playern inkl. Verstärkung. Man brauchte nur noch ein Paar passive Lautsprecher dazu.

Mit dem Mu-so brachte Naim schliesslich ein All-in-One-System auf den Mark, welches nun als zweite Generation (Mu-so 2nd Generation) stark überarbeitet vorliegt. Es beinhaltet alles, all in one eben.

Naim erweiterte seine Kompetenz aber auch geschickt in Richtung Auto und Boot: Seit 2008 gibt es die Luxuskarossen von Bentley mit Musiksystemen von Naim und Motorjachten des Herstellers Princess mit Naim-Systemen an Bord für die stille Bucht. Damit wird die Marke Naim von einem Kundensegment entdeckt, welches sonst kaum auf den Gedanken käme, sich auf einen Brand einzulassen, der vorwiegend von audiophilen Musikhörern geschätzt und zuweilen fast religiös verehrt wird.

Die Beleuchtung am Akrylsockel und dem Multifunktionsrad stellen so manches in den Schatten. Die Inbetriebnahme ist berührungslos. Man braucht nur die Hand über das Multifunktionsrad zu halten.

Anmutung und Verarbeitung

Der Mu-so 2nd Generation ist ein schweres Gerät mit einer beeindruckenden Anfassqualität. Das Innengehäuse ist eine sehr solide Kunststoff-Konstruktion, und das Aussengehäuse ist Alu mit einem durchgehenden Kühlkörper auf der Rückseite. Die abnehmbare Frontabdeckung besteht aus einem Kunststoffgitter mit attraktiver Stoffbespannung. Die Abdeckung hat eine schöne Wellenform und wird als Anthrazit-Ausführung geliefert. Drei weitere Farbvarianten sind als Zubehör bestellbar.

Die Bedienung am Gerät erfolgt über eine versenkte multifunktionale Bedieneinheit, eine Kombination aus Drehrad und Touchscreen mit attraktiver Beleuchtung, die bei Erhöhung der Lautstärke entsprechend heller wird. Will man das Gerät einschalten, braucht man nichts zu berühren. Man muss nur die Hand nahe über die Bedieneinheit schwenken. Für Fernbedienung steht die Naim-App und eine klassisch IR-Fernbedienung zur Verfügung. Dazu kommt ja nach Anwendung das jeweilige User-Interface von Roon & Co.

Das aktive und von einem DSP orchestrierte Stereo-Dreiwegsystem macht einen hochwertigen Eindruck. Die Hochton-Kalottentreiber mit Gewebekalotten stammen von Focal. Die dynamischen Konus-Mitteltontreiber sind aussen positioniert, gefolgt von den Hochtönern. Die beiden Langhub-Tieftöner mit Fasermembranen wirken sehr leistungsstark, und die strömungsoptimierte Bassreflexöffnung befindet sich auf der linken Schmalseite und wirkt gegen unten. Die Lautsprechertreiber «strahlen» alle direkt gegen vorne ab.

Unter der Bodenplatte befindet sich ein massiver Sockel aus Akryl, perfekt verarbeitet und sehr schön beleuchtet. Die gesamte Rückseite ist ein durchgängiger, dezenter Kühlkörper. Die Verarbeitung und Anmutung des Mu-so 2nd Generation von Naim ist schlicht überragend. Das ist High End im Kleinformat.

Das Stereo-Dreiwegsystem ist natürlich aktiv. Die individuelle Ansteuerung jedes Treibers erfolgt über ein DSP. Folgerichtig verfügt jeder Treiber über einen vorgelagerten DA-Wandler und einen Class-D-Verstärker. Überlastungen werden limitiert.
Bassreflexöffnung auf der Unterseite des Mu-so 2nd Generation. Bei hohen Pegeln kommt viel Luft heraus, aber ohne Windgeräusche.
Netzwerk-Buchse, 3.5-mm-Jack-Analogeingang, Tos-Link-Digitaleingang. HDMI-Eingang und Strom-Gerätestecker: Alles schön versenkt.
Mu-so 2nd Generation: Kühlkörper auf der Rückseite.
Die wellenförmig gestaltete Frontabdeckung ist sehr edel und optional in drei weiteren Farben erhältlich.
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