TESTBERICHT
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Unser Chefredaktor Daniel Schmid hat sich im avguide.ch-Magazin-Beitrag «Der letzte Schritt zur digitalen Audio-Kette» schon vor rund 20 Jahren eingehend und passioniert der im Jahr 2000 revolutionären Verstärkertechnik gewidmet. Mit dem Artikel am Ende dieses Beitrags können Sie noch weiter in diese spannende Thematik abtauchen!

Seit dieser Zeit ist zwar viel passiert und die Digitalverstärker-Technik hat sich im Audio-Bereich teilweise etabliert, aber der damals prognostizierte Verbreitungsgrad von 65 % hat sich (noch) nicht realisiert. Über Marktanteile der verschiedenen Techniken gibt es keine offiziellen Statistiken, aber ich wage mal zu behaupten, dass digitale Verstärkertechnologie gesamthaft nicht über 30 % Marktanteil ausmachen. Das war bisher also eher eine Evolution als eine Revolution. Über die Gründe kann man spekulieren. Sicher ist, dass hochqualitative Digitalverstärker in der Theorie weniger grosse Gehäuse, Trafos, Strom-Versorgungen und Kühl-Elemente benötigen, hingegen beim Digital-Know-how und bei der Erfahrung umso höhere Ansprüche stellen. Die Audio-Industrie war anscheinend nicht bereit, im grossen Stil zu investieren. 

Am wohl häufigsten findet man die digitale Verstärkermodule in aktiven Lautsprechern und TV-Soundbars, wo ihre platzsparende Bauweise massive Vorteile bietet. Natürlich gibt es Hersteller, die sich konsequent der Digitaltechnik verschrieben. Neben Lyngdorf sind sicherlich unter anderem Devialet, Jeff Rowland und NAD zu erwähnen. Kleinere Hersteller produzieren inzwischen auch interessante Hybridgeräte, bei denen eine Röhren-Vorstufe und eine digitale Endstufe kombiniert werden – bei denen sozusagen das Beste aus beiden Welten zusammenkommt. Aber nun zurück zum Hauptdarsteller.

Der Lyngdorf bietet die RoomPerfect-Einstellungen «By-Pass», «Global» und die individuell zu benennenden Hör-Orte des Besitzers an. Ich habe zum Beispiel neben meinem Standard-Sofa-Sitzplatz «Golden Buddha» noch den Ess-Sitzplatz einmessen lassen. Diese wurden dann auch einzeln eingemessen und abgespeichert. «Global» ist ein Mix aller Mess-Punkte. Als Test-Stück habe ich «Out of Sight» vom neuen Yello-Album «Point» gewählt.

Yello-Stücke haben einen schnellen und bisweilen sehr tiefen Bass, was sie für meine Beurteilung perfekt macht. Die Umschaltung der einzelnen Modi erfolgt per App, sodass man bequem sitzen bleiben kann. RoomPerfect bietet neben den erwähnten Modi noch zusätzlich verschiedene Klang-Modi an, genannt Voicing: Music, Relaxed, Soft Open-Air, Action, Bass1, Bass2 usw. Mein Vergleich hat im Modus «Neutral» stattgefunden, da die Voicing-Modi den Klang noch zusätzlich akzentuieren. Trotzdem ist Voicing ein zusätzlicher Spielplatz für Klang-Fetischisten. Spannend sind ja auch die Kombinationen zum Beispiel aus «Sitzplatz» und «Bass2» etc.

Verschiedene Raum-Positionen können definiert werden.Verschiedene Raum-Positionen können definiert werden.
Der Voicing-Spielplatz.Der Voicing-Spielplatz.
Die manuellen Einstellmöglichkeiten sind fast endlos.Die manuellen Einstellmöglichkeiten sind fast endlos.

Ich bin beim Vergleichstest vor allem den Unterschieden der Einstellung «By-Pass» – also ohne RoomPerfect – und meinem bevorzugten Hörplatz nachgegangen. Begonnen habe ich im By-Pass-Modus, dann mit und wieder ohne RoomPerfect. Interessanterweise fand ich den By-Pass-Modus etwas farbiger, basslastiger (in meinem Hörraum) und subjektiv auch lauter. Mit RoomPerfect war die Musik subjektiv leiser, der Bass zurückhaltender/schlanker und die Räumlichkeit hat zugenommen.

Die Einstellung «Global» war ein Mittelding zwischen By-Pass und «Sofa-Sitzplatz», tendenziell aber näher bei der Sitzplatz-Einstellung. Anzumerken sei noch, dass ich hier meine subjektiven Eindrücke zur Veränderung durch RoomPerfect in meinem wie bereits beschrieben eher basslastigen Hörraum wiedergebe. Ich wage folgendes Statement: Mit RoomPerfect kann man generell lauter und ermüdungsfreier Musik hören. Der anfängliche Bling-Bling-Effekt ohne Raumkorrektur verfliegt schnell und das Hören wird durch Raum-Moden, Verfärbungen etc. schneller ermüdend. 1:0 für Herrn Lyngdorf!