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28. Juli 2026
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Vor zehn Jahren galten HiFi-Geräte aus China als billige Kopien. Das hat sich geändert. Marken wie Eversolo, WiiM, FiiO und Shanling bauen heute Geräte mit Premium-Bauteilen und Top-Spezifikationen, verlangen aber nur einen Bruchteil des üblichen Preises. Eversolo verbaut im Wandler DAC-Z10 zwei AKM-Module und drei getrennte Netzteile. WiiM verkauft Streaming-Verstärker mit vollem Funktionsumfang für unter 1000 Franken. Der Druck auf etablierte Hersteller im mittleren Preissegment ist real.

Shanling gehört zu dieser Gruppe. Die Firma sitzt in Shenzhen und baut seit 1988 Röhrenverstärker und CD-Laufwerke. Der EC Zero T Max ist ein tragbarer CD-Player und ist die überarbeitete Fassung des EC Zero T von 2025.

Neu ist vor allem der Kopfhörerverstärker. Er soll am symmetrischen 4,4-mm-Ausgang bis zu 1300 Milliwatt an 32 Ohm liefern, und zwar im Akkubetrieb. Beim Vorgänger gab es die volle Leistung nur mit Netzteil. Die Ausgangsimpedanz sank von 4,7 auf 0,4 Ohm. Das ist für In-Ear-Hörer wichtig. Eine hohe Ausgangsimpedanz verbiegt bei ihnen den Frequenzgang.

Der Wandler bleibt unverändert. Shanling nutzt eine R2R-Letter. Dabei bilden 192 Widerstände die analoge Spannung direkt aus dem Bitmuster. Ihre Genauigkeit bestimmt das Ergebnis, denn jede Abweichung wird zu Verzerrung. Shanling nennt eine Toleranz von 0,1 Prozent, aber nicht den Bautyp. FiiO verwendet im DM15 Dünnschichtwiderstände. Bei ihnen liegt eine hauchdünne Metallschicht auf Keramik. Sie rauschen wenig, altern langsam und ändern ihren Wert bei Wärme kaum. Dafür sind sie teurer als Dickschichttypen und vertragen weniger Impulsleistung. Einen eigenen Klang haben sie nicht. Wer von warmem Widerstandsklang spricht, überdehnt die Physik. Der Vorteil liegt schlicht in weniger Fehlern.

Bedient wird über klassische Transporttasten und ein 1,68-Zoll-Display. Der Kopfhörerausgang sitzt an der Frontkante, ebenso der Lautstärkeschieber.Bedient wird über klassische Transporttasten und ein 1,68-Zoll-Display. Der Kopfhörerausgang sitzt an der Frontkante, ebenso der Lautstärkeschieber.

Anders bei den Röhren. Zwei Miniaturtypen JAN6418 sitzen im Ausgang, umschaltbar gegen einen Transistorbetrieb. Über den Sinn von Röhren in Treibern und Endstufen streitet man seit den 1970er-Jahren. Messtechnisch ist die Sache eindeutig. Der Klirrfaktor steigt von 0,02 auf ein Prozent. Röhren, insbesondere Trioden, erzeugen dabei vor allem geradzahlige Obertöne, in der Fachsprache K2. Diese liegen genau eine Oktave über dem Grundton, weshalb das Ohr sie als harmonisch empfindet. Transistoren neigen eher zu ungeradzahligen oder komplexen Klirranteilen, die als Härten wahrgenommen werden. Daraus entstand der Ruf des warmen Röhrenklangs.

Nur ist das keine Wiedergabetreue, sondern eine Zumischung von Verzerrungen. Das Gleiche passiert übrigens auch bei Tonabnehmern. Nur ist dort der Anteil an K2-Verzerungen noch deutlich extremer. Entwickler wie Nelson Pass weisen zudem darauf hin, dass die Vorliebe für K2 nicht allgemein ist. Ein gutes Drittel der Hörer bevorzugt im Vergleich den K3-Typ. Ein reines Marketing-Gimmick ist die Röhre trotzdem nicht. Sie verändert das Signal mit einem Tick Glanz und Schimmer. Ob man diese Veränderung will, bleibt Geschmackssache. Shanling überlässt die Entscheidung dem Nutzer. Wahlweise lässt sich auf eine Transistorendstufe umschalten.

Als Preis nennt Shanling bislang nur 689 Euro und 629 US-Dollar. Ein Frankenpreis fehlt. Der Vorgänger EC Zero T steht beim Schweizer Vertrieb Portacomp AG mit 659 Franken in der Liste, der FiiO DM15 R2Ra CD-Player, ebenfalls mit Ladder-DAC, aber ohne Röhren, mit rund 252 Franken. Auch das gehört zum Bild. Der Preisdruck kommt inzwischen aus China selbst.

avguide.ch meint

Der EC Zero T Max liefert die volle Leistung nun im Akkubetrieb und senkt die Ausgangsimpedanz auf 0,4 Ohm. Damit sind zwei echte Schwächen des Vorgängers behoben. Die Röhre bleibt Geschmackssache, immerhin ist sie abschaltbar. Solche Technik kostete vor zehn Jahren ein Vielfaches.