Der Netzwerkspieler ist zur Schlüsselkomponente der Musikanlage geworden. Er ersetzt CD-Laufwerk und Wandler, oft auch die Vorstufe, sofern eine Lautstärkeregelung mitkommt. Genau in diese Rolle schickt YBA den Design YM302. Im unteren und mittleren Preisbereich setzen Eversolo und WiiM den Massstab, teurere Marken müssen den Aufpreis begründen. Was nicht immer gelingt. Die Streaming-Software entwickeln die wenigsten selbst. Verbreitet sind zugekaufte OEM-Plattformen für Streamer, etwa vom Wiener Anbieter StreamUnlimited, den Bose im Juni übernommen hat.
YBA hat eine ungewöhnliche Vorgeschichte. Yves-Bernard André gründete die Firma 1981 in Frankreich. 2009 stieg der chinesische Hersteller Shanling mit einem erheblichen Anteil ein. André hält gemäss Firmenangaben weiterhin Anteile. Entworfen wird in Frankreich, gefertigt in China. YBA benennt das offen. Wer für eine europäische Marke mehr zahlt, kauft nicht zwingend europäische Fertigung.
Die Design-Serie ist der Einstieg in die Marke. Sie startete 2025 mit SACD-Laufwerk, Vorstufe, Wandler und Vollverstärker. Nun folgt die kompakte Zentrale, nach der die Kundschaft fragt. Der YM302 vereint Netzwerkspieler, Wandler und Vorstufe in einem Gehäuse aus gefrästem Aluminium. Die Streaming-Software hat YBA selbst auf Linux-Basis entwickelt. Das Betriebssystem ist frei verfügbar, die Bedienoberfläche darauf nicht – dort kaufen die meisten zu. Bedient wird über einen 8,8 Zoll grossen Touchscreen oder über die App Eddict Controller, die von Shanling stammt.
Warum ein Glasfaser-Schacht auf der Rückseite sitzt
Neben der Netzwerkbuchse sitzt ein kleiner Schacht. SFP steht für Small Form-factor Pluggable. Dort hinein kommt ein Modul, das Netzwerkdaten als Licht über Glasfaser überträgt statt als Strom über Kupfer. In Rechenzentren ist das Standard, in HiFi-Geräten die Ausnahme. WiFi und LAN bleiben daneben.
Glas leitet keinen Strom. Zwischen Router und Streamer besteht damit keine elektrische Verbindung, und Schmutz aus dem Netzteil des Routers findet keinen Weg ins Gerät.
Analog über RCA und XLR, digital über Toslink, Koaxial und AES/EBU. Ganz links der SFP-Schacht des YBA YM302, über den die Netzwerkdaten als Licht statt als Strom ins Gerät kommen.Ob man das hört, ist umstritten. Jeder normgerechte Ethernet-Eingang ist ohnehin via Übertrager galvanisch getrennt. Die Musikdaten kommen fehlerfrei an, weil ein fehlerhaftes Paket neu angefordert wird. Wer einen Klangunterschied beschreibt, meint deshalb nicht die Daten, sondern Störeintrag, der die Taktrückgewinnung im Empfänger beeinflussen kann. Messbar ist er. Ob er hörbar wird, ist die Streitfrage. YBA legt keine Messwerte vor.
Ein Wandlerchip mit Brandgeschichte
Die Wandlung übernimmt ein AK4497S von AKM. Das S ist mehr als eine Nummer. Im Oktober 2020 brannte AKMs Halbleiterwerk in Nobeoka. Die begehrten Velvet-Sound-Wandler verschwanden vom Markt. AKM liess die Typen später bei anderen Herstellern neu auflegen, das S kennzeichnet diese Neuauflage. Der Chip steckt in etlichen teureren Geräten von vor dem Brand. Über den Klang sagt er trotzdem wenig, denn Analogstufe, Takt und Netzteil wiegen schwerer.
An Diensten sind Tidal Connect, Qobuz Connect, Roon Ready, AirPlay 2 und DLNA an Bord. Apple Music läuft nur mit 44,1 und 48 Kilohertz. Ein externes USB-Laufwerk spielt CDs ab und kopiert sie auf eine SSD. Die Analogausgänge arbeiten wahlweise fest oder geregelt. Wer eine Endstufe oder Aktivlautsprecher direkt anschliesst, spart die Vorstufe.
YBA nennt einen Einstiegspreis von 3500 US-Dollar, verfügbar ab Juli 2026. Ein Schweizer Preis liegt noch nicht vor, den Vertrieb führt die High-End Company. Zur Einordnung: YP302 und YT302 kosteten zur Lancierung je 3000 Franken.
avguide.ch meint
Der YM302 schliesst eine Einstiegsserie mit einem formschönen Streamer ab. Als Softwareplattform dient ein Linux-Derivat und kein OEM-Einerlei. Der Glasfaser-Anschluss ist der interessanteste Punkt und zugleich der am schwersten zu belegende. Wer ihn nicht braucht, bekommt einen gut ausgestatteten Streamer mit Vorstufenfunktion.

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