Pixel Magic Systems aus Hongkong entwickelt und vermarktet seit der Firmengründung im Jahr 2009 Netzwerk-Audioplayer unter der Marke Lumin. Das Unternehmen begann mit kompakten Streamern und baute sein Portfolio schrittweise zu vollständigen Audiohubs aus. Das Flaggschiff X1 setzte dabei technische Massstäbe, insbesondere mit seinem proprietären Femto-Clock-System und der Glasfasernetzanbindung.
Der P1 übernahm und erweiterte dieses Konzept um Vorverstärker-Funktionen. Mit dem P1 Mini erschliesst Lumin nun das Prinzip für einen preislich breiter zugänglichen Bereich: Die wichtigsten Technologien des P1 werden in ein kompakteres und günstigeres Gehäuse überführt – mit einigen konkreten Abstrichen.
Das Herzstück bilden zwei ESS-Sabre-Chips des Typs ES9028PRO, die im Dual-Mono-Betrieb arbeiten. Die Wandlersektion ist vollständig symmetrisch aufgebaut, auch wenn der P1 Mini im Gegensatz zum grösseren P1 auf Lundahl-Ausgangsübertrager verzichtet. An deren Stelle kommen Op-Amp-Ausgangsstufen zum Einsatz. Die Wandler werden vom Femto-Clock-System gesteuert: Zwei Crystek-Quarzoszillatoren in Femtosekunden-Präzision liefern den Systemtakt, der über einen FPGA-Controller verteilt wird. Diese Taktarchitektur stammt aus dem X1 und gilt als einer der klangkritischen Vorteile des P1 gegenüber günstigeren Lumin-Modellen. Der P1 Mini übernimmt sie vollständig.
Die Stromversorgung erfolgt über ein internes Linearnetzteil mit einem Ringkerntrafo – eine Entscheidung, die in dieser Gerätekategorie nicht selbstverständlich ist. Digitale und analoge Sektionen werden separat versorgt, um gegenseitige Einstreuungen zu minimieren. Im Vergleich zum P1, der ein Doppel-Ringkernnetzteil besitzt, fällt der Aufwand beim P1 Mini geringer aus.
Eingangsseitig stehen fünf Anschlüsse bereit. Der USB-Eingang nutzt einen XMOS-Controller der aktuellen Generation und unterstützt natives DSD bis zu 512-facher Basisrate sowie PCM bis 384 kHz und 32 Bit. Optischer und koaxialer SPDIF-Eingang akzeptieren PCM bis 192 kHz sowie DSD64 über DoP. Der HDMI-2.0-Eingang ermöglicht PCM-2.0-Audiodekodierung, 4K-Video-Passthrough und ist ARC-kompatibel, was die Einbindung des Fernsehtons in die Stereoanlage direkt ermöglicht. Als fünfter Eingang steht ein unsymmetrischer RCA-Stereoeingang zur Verfügung, über den analoge Quellen wie CD-Spieler oder Phono-Vorverstärker angebunden werden können.
Ausgangsseitig bietet der P1 Mini symmetrische XLR-Ausgänge mit 6 Volt Ausgangspegel sowie unsymmetrische RCA-Ausgänge mit 3 Volt, zusätzlich einen USB-Ausgang für digitale Weiterverarbeitung und einen BNC-SPDIF-Ausgang.
Das Netzwerkmodul verfügt gleichzeitig über einen optischen SFP-Glasfaserport und einen Gigabit-Ethernet-RJ45-Anschluss. Beide Ports können parallel betrieben werden, was etwa die direkte Verbindung eines NAS-Servers an den einen Port und des Netzwerk-Routers an den anderen erlaubt. Die Glasfaserverbindung trennt das Gerät galvanisch vom Netzwerk und soll so Einstreuungen aus dem Heimnetzwerk eliminieren. WLAN und Bluetooth sind nicht an Bord – eine Konstante im Lumin-Portfolio, die technisch nachvollziehbar ist, für manchen Nutzer aber eine reale Einschränkung darstellt.
Die Lautstärkeregelung arbeitet nach dem Leedh-Verfahren, einem mathematisch verlustfreien Algorithmus in 32-Bit-Präzision, entwickelt vom französischen Ingenieur Gilles Millot. Herkömmliche digitale Lautstärkeregelungen reduzieren bei Absenkung die effektive Bittiefe; Leedh soll diesen Informationsverlust durch eine besondere Berechnungsmethode vermeiden. In der Praxis bedeutet dies, dass der P1 Mini direkt an eine Endstufe oder Aktivlautsprecher angeschlossen werden kann. Der analoge Eingang wird dabei intern digitalisiert und nach der Pegelanpassung wieder gewandelt – ein Umweg, den analoge Fundamentalisten möglicherweise als Blasphemie empfinden.
Das inzwischen wohl kaum mehr benötigte MQA-Decoding, die Roon-Ready-Zertifizierung sowie Unterstützung für Tidal Connect, Qobuz Connect, Spotify Connect und AirPlay 2 sind implementiert. Die Lumin-App für iOS und Android ermöglicht die vollständige Steuerung und Konfiguration, einschliesslich Upsampling-Optionen, Signalphasenlage und Ausgangspegel.
Das Gehäuse aus CNC-gefrästem Aluminium ist in Schwarz eloxiert oder im Roh-Aluminium-Look erhältlich und misst 400 × 77 × 314 mm bei einem Gewicht von 7 Kilogramm. Die mitgelieferte Infrarot-Fernbedienung aus Zink und Acryl wird erstaunlicherweise in Österreich hergestellt.
avguide.ch meint
Der P1 Mini ist ein durchdachtes Gesamtpaket für Anwender, die Streamer, DAC und Vorverstärker zu einer Box zusammenfassen wollen. WLAN und Bluetooth hätte man aber durchaus noch draufpacken können. Bei einem Schweizer Preis von 4490 Franken ist er eine variable Option zu den kürzlich lancierten Streamer/DAC/Vorverstärkern wie etwa einem von McIntosh DS200 oder dem Rose RS151.

Alle Themen









