TESTBERICHT
Kompakt im Vollformat: Die spiegellose Sony Alpha 7C bringt eine starke Leistung bei kleinsten Abmessungen.Kompakt im Vollformat: Die spiegellose Sony Alpha 7C bringt eine starke Leistung bei kleinsten Abmessungen.

«Hat dir jemand den Sucher geklaut?» fragt mich mein vorwitziger Waschbär, als er die neue Sony Alpha 7C in meinen Händen sieht. Die Kamera ist wirklich sehr kompakt und hat kaum hervorstehende Teile. Sie gleicht mehr einer der früheren Kompaktkameras als einer Vollformat-Systemkamera mit Wechselobjektiv.

Natürlich besitzt die Alpha 7C einen Sucher. Er befindet sich jedoch nicht in der Mitte wie bei einer Alpha 7 III, sondern sitzt bündig ganz links aussen an der Kamera. Die beiden oberen Drehräder wurden ebenfalls tiefergelegt. So steht auf der Oberseite nichts vor, das Gehäuse wirkt besonders kompakt und wie aus einem Guss.

Für den Test erhielt ich die silberne Version, die im Vergleich zu anderen Marken nicht nach «Retro» schreit, sondern den modernen Look unterstützt. Anstelle einer genarbten Lederimitation besteht der Griff der Alpha 7C aus einem Punkte-Muster.

Misst man vom Handgriff vorne bis zum Display auf der Rückseite, erhält man eine Breite von 124, eine Höhe von 71 und eine Tiefe von 53,5 mm. Die Kamera allein wiegt betriebsbereit 509 Gramm und bringt mit dem Kit-Zoomobjektiv FE 28–60 mm knapp 680 Gramm auf die Waage. Damit hat sie eine ähnliche Grösse und ein ähnliches Gewicht wie die APS-C-Kamera Sony Alpha 6600. Auch im Aussehen ähneln sich beide Kameras sehr.

Starke Leistung auf kleinstem Raum

Die Alpha 7C ist gemäss Sony die kleinste und leichteste Vollformatkamera der Welt. Sie ist dennoch überraschend umfangreich ausgestattet. Auch das Gehäuse macht beim Anfassen einen wertigen Eindruck, obwohl es auf den ersten Blick und durch das Gewicht sehr nach Kunststoff aussieht. Laut Hersteller ist es jedoch eine robuste Magnesium-Monocoque-Konstruktion.

Darin befinden sich der rückwärtig belichtete Exmor-CMOS-35-mm-Vollformatsensor mit effektiven 24,2 Megapixeln, der Bionz-X-Bildprozessor, das 5-Achsen-Bildstabilisierungssystem, das erwiesenermassen sehr gute Autofokus-System mit Gesichts- und Augenerkennung, eine optimierte Verschlusseinheit und vielseitige Funktionen für Videoaufnahmen.

Apropos Video: Die Alpha 7C kann das Display nicht nur auf- und hochklappen wie die Alpha 7 III oder die Alpha 6600, sondern auch zur Seite ausschwenken und nach vorne drehen. Da freuen sich alle Youtuber, Vlogger und Selfie-Fans.

In den Handgriff der 7C quetscht Sony tatsächlich den grossen Lithium-Ionen-Akku NP-FZ100, der genügend Leistung für 740 Bilder nach CIPA-Standard aufweist. Dadurch ist im Griff jedoch kein Platz mehr für die Kartenslots vorhanden, die normalerweise an der rechten Seite der Alpha-Kameras zu finden sind. Auch im Kameraboden neben dem Akku, einem weiteren typischen Speicherkartenort, wird man nicht fündig.

Sony hat den Kartenslot in die linke Gehäuseseite gepfercht, umgeben von Mikrofon- und Kopfhörerbuchsen sowie einem UBS-C- und winzigem Micro-HDMI-Anschluss. Dieser einzige SD-Kartenslot ist dafür mit der schnellen UHS-II-Norm kompatibel und wie die anderen Anschlüsse hinter robusten Gummiklappen mit Scharnieren wettergeschützt abgedichtet untergebracht.

Der USB-C-Anschluss ist mit SuperSpeed USB 5 Gbit/s (USB 3.2) kompatibel. Damit ist eine schnelle Bildübertragung bei Fernaufnahmen am PC und eine Stromversorgung über externe mobile Akkupacks möglich.

Neben herkömmlichen 2,4-GHz-WiFi-Verbindungen unterstützt die Alpha 7C auch den 11ac-Standard zur Übertragung über das schnelle und wenig störempfindliche 5-GHz-Band (IEEE 802.11a/b/g/n/ac).

Anschluss gefunden: Der SD-Kartenschacht der Sony Alpha 7C befindet sich inmitten der übrigen Buchsen auf der linken Kameraseite.Anschluss gefunden: Der SD-Kartenschacht der Sony Alpha 7C befindet sich inmitten der übrigen Buchsen auf der linken Kameraseite.

Kombination für Vlogger und Youtuber

Das Sony-Objektiv FE 28–60 mm F4–5.6 hatte ich ebenfalls im Test. Es ist sehr kompakt und durch seine einfahrbare Linsenkonstruktion problemlos zu transportieren. Dazu ist es staub- und feuchtigkeitsbeständig und kompatibel mit einer Vielzahl von 40,5-Millimeter-Filtern. Das Objektiv wird zusammen mit der Alpha 7C auch im Kit für 2550 Franken angeboten.

Seine Lichtstärke von f/4–5.6 ist nicht gerade berauschend und der etwas mehr als zweifache Zoomfaktor reicht auch nicht sehr weit. Dafür besitzt es einen Mindestfokussierabstand von 30 Zentimetern im Weitwinkel- und bis 45 Zentimeter im Tele-Bereich. Schraubt man den optionalen Multifunktionsgriff GP-VPT 2 BT an die Kamera, erhält man ein kompaktes Gespann, das sich hervorragend für Vlogging und Youtuber eignet.

Social-Media-tauglich: Die Sony Alpha 7C ist durch das nach vorne drehbare Display ein ideales Werkzeug für Youtuber, Vlogger und Selfie-Fans. Hier im Einsatz mit dem Zoom-Objektiv FE 28–60 mm und dem Griff GP-VPT 2 BT.Social-Media-tauglich: Die Sony Alpha 7C ist durch das nach vorne drehbare Display ein ideales Werkzeug für Youtuber, Vlogger und Selfie-Fans. Hier im Einsatz mit dem Zoom-Objektiv FE 28–60 mm und dem Griff GP-VPT 2 BT.

Fotos top, Bedienung flop

Aufgeräumt: Neben dem Multi-Interface-Schuh befinden sich auf der Oberseite der Sony Alpha 7C nur noch der Moduswahlknopf, die Belichtungskorrektur und die Movie-Taste.Aufgeräumt: Neben dem Multi-Interface-Schuh befinden sich auf der Oberseite der Sony Alpha 7C nur noch der Moduswahlknopf, die Belichtungskorrektur und die Movie-Taste.

Bei der Bedienung der Sony Alpha 7C müssen einige Kompromisse eingegangen werden. Am kompakten Gehäuse finden grosse Hände zu wenig «Grip». Der Handgriff ist nicht besonders tief und liegt zudem etwas nahe beim Objektiv.

Im Vergleich zu einer Alpha 7 III, die mit Knöpfen, Rädchen und Custom-Tasten nur so um sich wirft, kommt die Alpha 7C ganz brav und sehr aufgeräumt daher. Es fehlt ihr das sonst so typische vordere Einstellrädchen unter dem Auslöser, anstelle eines Joysticks thront ein grosser AF-ON-Knopf und nur eine einsame Taste ist als «Custom» beschriftet.

Die übrigen Bedienungselemente befinden sich zum grössten Teil am gewohnten Platz und sind auch gleich bezeichnet. Alteingesessene Sony-Alpha-Besitzer werden nach etwas Umgewöhnung keine Mühe bei der Bedienung haben.

Ich habe vor allem das vordere Rädchen beim Fotografieren im manuellen Modus vermisst. Damit konnte man bequem mit dem Zeigefinger die Blende einstellen, während der Daumen am hinteren Rad für die Verschlusszeit zuständig war.

Wer frisch zu Sony kommt, wird sich schnell mit dem Tastenlayout der Alpha 7C zurechtfinden. Mehr Mühe wird wohl das umfangreiche Menüsystem bereiten, das leider nach wie vor mit unverständlichen Abkürzungen, nichtssagenden Hilfstexten und verwirrenden Anzeigen daherkommt. Ich dachte, mit Einführung des neuen Bedienungsmenüs bei der Alpha 7S III hätte sich dieses Thema endlich erledigt.

Die Alpha 7C wird mit einer «Einführungsanleitung» geliefert. Sie beschreibt auf 12 Seiten auf Deutsch grundlegende Bedienungsverfahren und Vorsichtsmassnahmen für den Gebrauch. Wer Genaueres wissen möchte, findet auf der Sony-Webseite eine Online-Hilfe, die als PDF-Datei heruntergeladen 679 Seiten umfasst. Dort lässt sich per Mausklick auf einzelne Erklärungen springen.

Wie das Menükonzept ist auch diese Anleitung – drücken wir es mal höflich aus – sehr gewöhnungsbedürftig. Manchmal beschlich mich das Gefühl, der Autor wie auch der Übersetzer haben mit der Kamera noch nie selber fotografiert. Da heisst ein Menüpunkt «Finder/Monitor», gleich darunter wird wieder vom «Sucher» gesprochen, es gibt den «BenutzerKey» und im «Menüposten» werden «Einheiten» hinzugefügt oder sortiert. Einmal heisst es «Bildprofil», dann wieder «Fotoprofil» oder abgekürzt «PP». Und wieso die Alpha 7C in der Anleitung oft als «das Produkt» bezeichnet wird, weiss wohl nur Sony («Stellen Sie das Produkt auf die zu registrierende Einstellung ein.»).

Oben durchgehend flach: Die Alpha 7C bietet die gewohnte Sony-Bedienungsanordnung. Nur der Sucher rutschte nach links aussen. Einzelne Menüpunkte geben immer noch Rätsel auf.Oben durchgehend flach: Die Alpha 7C bietet die gewohnte Sony-Bedienungsanordnung. Nur der Sucher rutschte nach links aussen. Einzelne Menüpunkte geben immer noch Rätsel auf.

Unter dem Steuerkreuz auf der Rückseite der Alpha 7C gibt es die Wiedergabe-Taste sowie eine Benutzertaste (C), die als Löschfunktion vorbelegt ist. Neben dieser lassen sich auch dem Movie-Startknopf, der AF-ON-Taste, der Fn-Taste sowie den Richtungstasten des Steuerkreuzes eigene Funktionen zuweisen. Wenn gewünscht, sogar getrennt für Foto-, Video- und Wiedergabemodus.

Im Hauptmenü unter «Mein Menü» darf sich der Benutzer auch noch seine eigenen, häufig benötigten, maximal 30 Optionen zusammenstellen. Wem das nicht ausreicht, belegt noch die drei Speicherplätze auf dem Moduswahlrad.

Wer noch mehr benötigt, kann zusätzlich vier Kamerakonfigurationen (M1 bis M4) auf einer Speicherkarte ablegen und bei Bedarf wieder einlesen. Und wem auch dies noch nicht genügt, hat die Möglichkeit, auf der Benutzertaste im Voraus bis zu drei temporäre Optionen zu registrieren und diese durch Gedrückthalten der Taste vorübergehend abzurufen.

Menü für benutzerdefinierte Tasten, nach Foto, Video und Wiedergabe getrennt.
Menü für benutzerdefinierte Tasten, nach Foto, Video und Wiedergabe getrennt.
Auswahlmenü für die Steuerkreuz-Mitteltaste im Foto-Modus.
Auswahlmenü für die Steuerkreuz-Mitteltaste im Foto-Modus.
Auswahlmenü für die AF-ON-Taste im Video-Modus.
Auswahlmenü für die AF-ON-Taste im Video-Modus.
Eigene Einstellungen für das Funktionsmenü bei Foto und Video.
Eigene Einstellungen für das Funktionsmenü bei Foto und Video.
Drehrichtungs-Bestimmung für Blenden- und Shutter-Tasten.
Drehrichtungs-Bestimmung für Blenden- und Shutter-Tasten.
Abruf einer der vier auf Karte gespeicherten Konfiguration.
Abruf einer der vier auf Karte gespeicherten Konfiguration.

Die Technik der 7C basiert im Wesentlichen auf der Sony Alpha 7 III. Somit ist auch dessen Sucher mit seiner nicht mehr zeitgemässen Auflösung von 3,36 Millionen Bildpunkten an Bord. Da er auch noch sehr klein und unbeweglich ausgefallen ist, machte mir das Fotografieren damit wenig Spass.

Zum Glück gibt es unterhalb des Suchers noch den 7,5 cm grossen Bildschirm, der mit seinen 921'600 Bildpunkten jedoch auch keinen mehr vom Hocker haut. Sony bezeichnet ihn zwar als Touchscreen, doch sind viele Anzeigen darauf nur per Tasten zugänglich, können also nicht direkt angetippt werden. Dafür lässt er sich seitlich ausschwenken und nach vorne drehen. Und zum Transport gut geschützt mit der Displayseite nach innen zuklappen.

Erkennen und verfolgen

Nachdem ich mich an die Bedienung ohne Joystick und vorderes Einstellrad gewöhnt hatte, wurde ich sehr positiv von der Gesichts- und Augenerkennung, der AF-Nachführfunktion und der Bildqualität der Alpha 7C überrascht.

Laut Sony behält die Kamera dank ihres KI-basierten Echtzeit-Tracking-Systems die präzise Scharfstellung automatisch bei, wenn der Auslöser halb gedrückt wird. War «Touch Tracking» aktiv, brauchte ich nur das gewünschtes Motiv auf dem Display zu berühren, um es auszuwählen – sowohl beim Fotografieren als auch beim Filmen.

Die Echtzeit-Augenerkennung für Menschen und Tiere funktioniert wirklich sehr zuverlässig und stellt schnell und präzise scharf. Steht die Motiverkennung auf «Personen», wählt die Kamera das scharfzustellende Auge automatisch aus oder man bestimmt im Menü, ob links oder rechts Priorität hat.

Rechts oder links: Der Menüpunkt «Ges./AugenAF-Einst» der Sony Alpha 7C zeigt die Einstellungen für den Gesichts- und Augen-Autofokus bei Mensch und Tier.Rechts oder links: Der Menüpunkt «Ges./AugenAF-Einst» der Sony Alpha 7C zeigt die Einstellungen für den Gesichts- und Augen-Autofokus bei Mensch und Tier.

Bei meiner Pirsch wurden sowohl die Augen von weissen, getigerten und schwarzen Katzen, von Gänsen, Enten, australischen Sittichen, Diamanttäubchen und Eseln zuverlässig scharfgestellt. Auch dann, wenn sie nicht direkt in die Linse schauten.

Da die Viecher nicht immer stillhielten, war die Serienbildfunktion der Alpha 7C mit bis zu zehn Aufnahmen pro Sekunde und AF-/AE-(automatische Belichtung)-Tracking eine willkommene Hilfe.

Die Beispielfotos wurden mit dem Sony-Kitobjektiv FE 28–60mm F4–5.6 mit 24 MB Auflösung im Kreativmodus «Standard» aus der Hand ohne Stativ erstellt und sind Original-JPEGs direkt aus der Kamera, jeweils auf Webgrösse verkleinert. Bildausschnitte sind angegeben.

Bemerkungen bei den Bildern: Bw = Verwendete Brennweite; Belichtungs-Modus A = Automatik, P = Programm, A = Blendenvorwahl bzw. Zeitautomatik, S = Zeitvorwahl bzw. Blendenautomatik, M = manuelle Einstellung; Verschlusszeit; Blende; ISO-Empfindlichkeit; Weissabgleich (WB); spezielle Anmerkungen.

Bw 60 mm, M, 1/250 s, f 5.60, ISO 6400, WB Auto, Bildausschnitt.
Bw 60 mm, M, 1/250 s, f 5.60, ISO 6400, WB Auto, Bildausschnitt.
Bw 60 mm, M, 1/125 s, f 5.60, ISO 400, WB Auto, Bildausschnitt.
Bw 60 mm, M, 1/125 s, f 5.60, ISO 400, WB Auto, Bildausschnitt.
Bw 60 mm, M, 1/125 s, f 5.60, ISO 400, WB Auto, Bildausschnitt.
Bw 60 mm, M, 1/125 s, f 5.60, ISO 400, WB Auto, Bildausschnitt.
Bw 39 mm, P, 1/25 s, f 5.0, ISO 200, WB Auto, Bildausschnitt. Auch Wollkameraden werden als Tiere erkannt und Augenfokussiert.
Bw 39 mm, P, 1/25 s, f 5.0, ISO 200, WB Auto, Bildausschnitt. Auch Wollkameraden werden als Tiere erkannt und Augenfokussiert.
Bw 60 mm, M, 1/320 s, f 9.0, ISO 800, WB Bewölkt, Bildausschnitt.
Bw 60 mm, M, 1/320 s, f 9.0, ISO 800, WB Bewölkt, Bildausschnitt.
Bw 60 mm, M, 1/500 s, f 8.0, ISO 320, WB Bewölkt.
Bw 60 mm, M, 1/500 s, f 8.0, ISO 320, WB Bewölkt.
Bw 60 mm, M, 1/400 s, f 16, ISO 640, WB Bewölkt, Bildausschnitt. Wenn es dem Esel zu wohl wird.
Bw 60 mm, M, 1/400 s, f 16, ISO 640, WB Bewölkt, Bildausschnitt. Wenn es dem Esel zu wohl wird.

Alltagsbilder

An der Qualität der Fotos gab es nichts zu meckern. Der Vollformat-Sensor bietet eine hohe Empfindlichkeit bei geringem Bildrauschen und einen grossen Dynamikumfang. Im Kreativmodus «Standard» werden auch die manchmal kitschigen ... äh ... sehr lebhaften Sony-Farben neutralisiert und lassen Raum für weitere Bearbeitungen.

Der Weissabgleich überzeugt bereits in der Automatik-Einstellung. Diese lässt sich noch anpassen in «warme Atmosphäre» oder «Vorrang für weisse Farbe bei wenig Licht».

Wer noch mehr Spielraum benötigt, nimmt im 14-Bit-RAW-Format auf. Damit erhält man den vollen Dynamikumfang des Sensors mit erweiterten Helligkeitsinformationen, die sonst bei JPEG-Aufnahmen verloren gehen oder «geclippt» werden.

Der Standard-ISO-Bereich der Alpha 7C reicht bis ISO 51'200 und ist bis auf ISO 50–204'800 erweiterbar, um auch bei schlechten Lichtverhältnissen gute Ergebnisse zu gewährleisten. In der Praxis bringt der Sensor auch bei ISO 6400 überzeugende Aufnahmen zustande. Hinzu kommt eine sehr gut arbeitende Rauschunterdrückung. Je nach Motiv sind auch Bilder mit ISO 12'800 akzeptabel. Sie zeigen zwar schon sichtbares Rauschen, was aber bei normaler Betrachtungsdistanz kaum auffällt.

Bei extremen Hell-Dunkel-Übergängen sind auf den Aufnahmen chromatische Aberrationen (CA) auszumachen, zum Beispiel im Bild mit den dunklen Ästen gegen den hellen Himmel. Dafür kann der Sensor jedoch nichts. Hier kommt das Kit-Zoomobjektiv an seine Grenzen.

Bw 28 mm, P, 1/80 s, f 5.60, ISO 100, WB Auto, Kit-Objektiv Weitwinkel.
Bw 28 mm, P, 1/80 s, f 5.60, ISO 100, WB Auto, Kit-Objektiv Weitwinkel.
Bw 60 mm, P, 1/160 s, f 8.0, ISO 400, WB Bewölkt, Kit-Objektiv Tele.
Bw 60 mm, P, 1/160 s, f 8.0, ISO 400, WB Bewölkt, Kit-Objektiv Tele.
Bw 60 mm, M, 1/100 s, f 10.0, ISO 500, WB Bewölkt. Bildprofil S-Log-Gamma.
Bw 60 mm, M, 1/100 s, f 10.0, ISO 500, WB Bewölkt. Bildprofil S-Log-Gamma.
Bw 28 mm, M, 1/100 s, f 5.0, ISO 100, WB Bewölkt.
Bw 28 mm, M, 1/100 s, f 5.0, ISO 100, WB Bewölkt.
Bw 60 mm, A, 1/80 s, f 5.60, ISO 100, WB Bewölkt, Bildausschnitt. Auch das Kit-Objektiv ermöglicht ein ansprechendes Bokeh im Unschärfebereich.
Bw 60 mm, A, 1/80 s, f 5.60, ISO 100, WB Bewölkt, Bildausschnitt. Auch das Kit-Objektiv ermöglicht ein ansprechendes Bokeh im Unschärfebereich.
Bw 28 mm, M, 1/20 s, f 8.0, ISO 200, WB Bewölkt.
Bw 28 mm, M, 1/20 s, f 8.0, ISO 200, WB Bewölkt.
Bw 60 mm, P, 1/60 s, f 5.60, ISO 16000, WB Auto, hoher ISO-Wert.
Bw 60 mm, P, 1/60 s, f 5.60, ISO 16000, WB Auto, hoher ISO-Wert.
Bw 60 mm, M, 1/400 s, f 9.0, ISO 320, WB Bewölkt, Bildausschnitt.
Bw 60 mm, M, 1/400 s, f 9.0, ISO 320, WB Bewölkt, Bildausschnitt.
Bw 41 mm, M, 1/400 s, f 9.0, ISO 250, WB Bewölkt, chromatische Aberrationen (CA) in den Ästen sichtbar.
Bw 41 mm, M, 1/400 s, f 9.0, ISO 250, WB Bewölkt, chromatische Aberrationen (CA) in den Ästen sichtbar.
Bw 60 mm, M, 1/160 s, f 8.0, ISO 320, WB Bewölkt, Bildausschnitt. Trotz Gegenlicht noch Zeichnung im weissen Gefieder.
Bw 60 mm, M, 1/160 s, f 8.0, ISO 320, WB Bewölkt, Bildausschnitt. Trotz Gegenlicht noch Zeichnung im weissen Gefieder.

Natürlich beherrscht die Sony Alpha 7C neben Serienbildern in verschiedenen Geschwindigkeiten auch lautlose Aufnahmen, Belichtungsreihen, HDR- und Intervall-Funktionen sowie Zeitraffer und Zeitlupe.

Video mit Profi-Ambitionen

Ton ab: Der ausgezeichneten Videobildqualität der Sony Alpha 7C kann mit einem externen Mikrofon auch ein guter Ton mitgegeben werden.Ton ab: Der ausgezeichneten Videobildqualität der Sony Alpha 7C kann mit einem externen Mikrofon auch ein guter Ton mitgegeben werden.

Die Liste der Videoformate der Alpha 7C sieht auf den ersten Blick bescheiden aus. Es stehen nur 4K/UHD mit 3840 x 2160 Pixel im Sony-eigenen XAVC-S-Aufnahmeformat sowie Full-HD-Video mit 1920 x 1080 Pixel zur Auswahl. Bei 4K/UHD darf man mit 24, 25 oder 30 Bildern, bei Full-HD auch mit 50, 60, 100 oder 120 Bildern pro Sekunde filmen. Für Zeitraffer-Videos in HD sind zwischen 1 und 15 fps möglich. Die Bitrate kann maximal 100 Mbps betragen.

Theoretisch könnte die Alpha 7C bis zu 13 Stunden Film am Stück aufnehmen. Durch das kompakte Kameragehäuse hängt die verfügbare Zeit für ununterbrochene Videoszenen jedoch stark von der Temperatur, dem Dateiformat und dem Zustand der Kamera vor Aufnahmebeginn ab.

So ist bei 4K/UHD-Videos nach 20 oder 30 Minuten, je nach Temperatur, bereits Drehschluss. Stellt man den Menüpunkt «Autom. AUS Temp.» auf «Hoch», lässt sich bei 25 Grad Celsius bis zu 120 Minuten ununterbrochen filmen. Das Handbuch warnt dabei vor «Niedertemperatur-Verbrennungen» an der Hand und empfiehlt ein Stativ für die Aufnahme.

Full-HD-Videos brauchen deutlich weniger Leistung und erlauben immer eine durchgehende Aufnahmedauer bis zu 120 Minuten. Mit meinen kurzen Videosequenzen kam ich nie ans Hitze-Limit der Kamera.

Filmaufnahmen können über den Video-Auslöser in allen Foto-Aufnahmemodi gestartet werden. Dabei werden die meisten Fotoeinstellungen übernommen, was bei hoher Verschlusszeit zu ruckelnden Bewegungen des Videomotivs führen kann. Dann dreht man am besten das Moduswahlrad über das Film-Symbol in den Filmmodus und stellt dort manuell videokonforme Werte ein.

Kleine Verbesserung gegenüber der Alpha 7 III: Bei der Umschaltung von PAL auf NTSC, was für Aufnahmen mit 24p zwingend notwendig ist, wird die Speicherkarte in der Kamera nicht mehr neu formatiert. Besten Dank dafür, Sony. Die PAL/NTSC-Auswahl befindet sich übrigens nicht in den Foto- oder Filmmenüs, sondern unter dem Werkzeug-Symbol auf Seite 2.

Videoaufnahmen lassen sich im Film- oder Zeitlupenmodus viel sanfter und bequemer per Foto-Auslösertaste starten. Die Einstellung dazu ist etwas versteckt. Nach längerer Suche fand ich tatsächlich den entsprechenden Menüpunkt. Er befindet sich im Fotokamera-2-Reiter und heisst «Film mit Verschluss».

Erweiterte Video-Möglichkeiten

Zur Tonüberwachung eines externen Mikrofons kann ein Kopfhörer an die Alpha 7C angeschlossen werden. Die Tonaussteuerung lässt sich anpassen und der Audiopegel auf dem Bildschirm anzeigen. Ein Audiobegrenzer ist immer eingeschaltet.

Durch Auswählen von vordefinierten Bildprofilen (Picture Profile PP1 bis PP10) kann das Bild bestimmten Gamma-Kurven (ITU.709, Sony Cine, S-Log2, S-Log3, HLG) und Detail-Einstellungen angepasst werden. Die Parameter der Profile (Schwarzwert, Gamma-Kurve, Knie, Farbmodus, Sättigung, Farbphase, Tiefe, Detail) dürfen auch nach eigenem Geschmack verändert werden und bieten eine grosse Experimentier-Spielwiese für Videoprofis. Amateure lassen besser die Finger davon, ausser sie wissen genau, was sie tun. Eigentlich erstaunlich, dass Sony diese umfangreichen professionellen Bildbeeinflussungen in einer solch kompakten Kamera ermöglicht.

Die Alpha 7C kann somit auch HDR-Filme (High Dynamic Range) aufnehmen, wenn ein entsprechendes Bildprofil mit HLG-Gamma ausgewählt wird. HLG (Hybrid Log-Gamma) ist ein abwärts kompatibler HDR-Standard, mit dem auf HDR-tauglichen Fernsehern extrem realistische Videobilder wiedergegeben werden können.

Dem unlogischen Alpha 7C Menüsystem entsprechend sind die Bildprofile für die Videoeinstellungen unter dem Kamera-1-Symbol bei den Fotoprofilen zu finden.

Die übersichtliche Videoformat-Auswahl.
Die übersichtliche Videoformat-Auswahl.
Einstellung von Bildern/Sekunde und Datendurchsatz.
Einstellung von Bildern/Sekunde und Datendurchsatz.
Anpassung des AF-Verhaltens beim Filmen.
Anpassung des AF-Verhaltens beim Filmen.
Autofokus Übergangsgeschwindigkeit.
Autofokus Übergangsgeschwindigkeit.
Autofokus-Empfindlichkeit beim Wechsel auf ein anderes Motiv.
Autofokus-Empfindlichkeit beim Wechsel auf ein anderes Motiv.
S&O, Slow & Quick Anzeige: Wird mit 100 fps in HD-Video aufgenommen, wird die Wiedergabe bei 25p um ein Viertel verlangsamt.
S&O, Slow & Quick Anzeige: Wird mit 100 fps in HD-Video aufgenommen, wird die Wiedergabe bei 25p um ein Viertel verlangsamt.
Sonys Lachnummer: Die Videowiedergabe startet erst nach Drücken der Mitteltaste im Steuerkreuz – nicht über das Play-Symbol auf dem Touchscreen.
Sonys Lachnummer: Die Videowiedergabe startet erst nach Drücken der Mitteltaste im Steuerkreuz – nicht über das Play-Symbol auf dem Touchscreen.
PAL/NTSC-Umschaltung: Zum Glück wird die Karte nicht mehr neu formatiert wie noch bei der Alpha 7 III.
PAL/NTSC-Umschaltung: Zum Glück wird die Karte nicht mehr neu formatiert wie noch bei der Alpha 7 III.

Scharfstellen und Stabilisieren

Beim Videofilmen funktioniert der Autofokus mit Echtzeit-Augenerkennung für Menschen ebenfalls. Das erleichtert das Filmen von Personen ungemein, sodass man sich ganz dem Bildinhalt widmen kann.

In den Voreinstellungen lässt sich die AF-Übergangsgeschwindigkeit in sieben Stufen und die Empfindlichkeit für den AF-Motivwechsel in fünf Stufen seinen Motiven und Wünschen anpassen. Beim AF-Verlagerungstest war mir die Standard-Stufe 3 der Geschwindigkeit etwas zu schnell. Deshalb habe ich sie im Film2-Menü unter «AF-ÜbergGschw.» etwas langsamer eingestellt. Gleich darunter lässt sich bei «AF-MotVerEmpfl.» festlegen, wie schnell auf ein anderes Motiv reagiert wird, das neu ins AF-Feld rückt.

Der 5-Achsen-Bildstabilisator SteadyShot gleicht Verwacklungen beim Filmen sehr gut aus und kann in vielen Aufnahmesituationen ein Stativ oder sonstiges Stabilisierungssystem ersetzen. Mit einer einigermassen ruhigen Hand gelingen so beinahe wackelfreie Videofahrten. Das Kit-Objektiv habe ich dabei auf Weitwinkel gestellt.

Wie schon die Fotoqualität können auch die Videoaufnahmen aus der Alpha 7C bestens überzeugen. Durch die vollständige Pixelauslesung ohne Pixel-Binning kommen mehr als die doppelte Datenmenge zusammen, die für 4K-Videos benötigt wird. Dadurch entstehen hochwertige 4K-Aufnahmen mit aussergewöhnlicher Detailgenauigkeit, natürlichen Farben und Tiefen.

Bei den Entenaufnahmen im Gegenlicht spricht die Zeichnung im weissen Gefieder für einen sehr grossen Dynamikbereich der Kamera.

Die Sony Alpha 7C bringt die herbstliche Stimmung mit den schwimmenden Blättern farblich sehr schön zur Geltung.

Fazit

Die Sony Alpha 7C lässt sich vielseitig einsetzen und bietet eine sehr gute Bildqualität bei Foto- und Videoaufnahmen. Durch die kompakte Form leidet jedoch die Bedienung etwas.Die Sony Alpha 7C lässt sich vielseitig einsetzen und bietet eine sehr gute Bildqualität bei Foto- und Videoaufnahmen. Durch die kompakte Form leidet jedoch die Bedienung etwas.

Die Sony Alpha 7C ist eine äusserst kompakte, sehr leichte und trotzdem robuste Systemkamera mit 35-mm-Vollformat-Sensor. Mit dem Kit-Zoomobjektiv zusammen wiegt sie nur etwas mehr als ein halbes Kilogramm.

Ihre Leistungen beim Autofokus mit Gesichts- und Augenerkennung, bei der Bildstabilisierung sowie in der Bildqualität bei Foto- und Videoaufnahmen können trotz der kleinen Abmessungen vollends überzeugen.

Kompromisse muss man hingegen bei der Bedienung eingehen. Kein Einstellrad vorne, kein Joystick hinten, ein kleiner Sucher mit schwacher Auflösung und nur eine Speicherkarte sind Einschränkungen, an die man sich erst mal gewöhnen muss. Auch das Menüsystem der Kamera könnte eine Generalüberholung vertragen.

Gut ist der schwenk- und drehbare Bildschirm und die lange Akkulaufzeit. Mit kleinen und leichten Optiken zusammen erhält man mit der Alpha 7C eine kompakte Reiselösung, die zudem staub- und feuchtigkeitsbeständig ist und auch etwas rauere Wetterkapriolen sicher übersteht. Wer jedoch lange Teleröhren oder lichtstärkere Objektive verwenden möchte, verschenkt den Grössenvorteil wieder.

avguide.ch meint

Steht das C der Sony Alpha 7C vielleicht für «Compact»? Ich weiss es nicht, jedenfalls quetscht der Hersteller so ziemlich alles an aktueller Foto- und Videotechnik in das kleine Gehäuse, inklusive grossem Akku sowie Mikrofon- und Kopfhörerbuchsen.

Wer gerne mit leichtem Gepäck unterwegs ist und Gefallen am
besonderen, etwas untypischen Systemkamera-Design findet, für den könnte die Sony Alpha 7C die perfekte Foto- und Videokamera für Alltag und Reise werden.

Schaut man hingegen nur auf Abmessungen und Gewicht, befindet sich die 7C zwischen zwei Alternativen. Denn wer weniger auf die Grösse achtet, ist mit einer Alpha 7 III besser bedient. Nicht wegen der Bildqualität, da sind beide Kameras ebenbürtig, sondern weil er dort keine Kompromisse bei der Bedienung eingehen muss. Und wer eine noch kompaktere Lösung sucht, greift gleich zu einer Alpha 6600.

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