Die Erweiterungsbox von Nvidia verwandelt den 4K-TV in ein Heimkino mit Spielfähigkeiten.Bananen sind Produkte, die laut Marketingexperten beim Kunden reifen. Die erste Generation der 4K-Fernseher wurde oft auch als Bananenprodukt bezeichnet, weil bei deren Verkauf bestimmte technische Standards noch gar nicht definiert waren und vor allem auch passende UHD-Inhalte fehlten.
HDMI-Dose genügt
Die Situation hat sich inzwischen gebessert. Auch Einstiegsmodelle kommen mit dem passenden HDMI-2.2-Anschluss, integriertem Decoder für das Videoformat H.265 und verstehen sich mit dem Kopierschutz HDCP 2.2. Diese drei Kriterien sind bei der Neuanschaffung ein Muss.
Trotzdem ist der Spass auch mit modernen 4K/UHD-Fernsehern noch immer eingeschränkt. Denn die Inhalte fehlen. Zwar wurden an der CES erste UHD-BD-Abspieler und die passenden Silberscheiben gezeigt. Bis diese aber bezahlbar in der Schweiz auftauchen, werden noch Monate vergehen. Auch die 4K-Box von Swisscom bringt in einigen Monaten zwar einen technischen Schub in helvetische Stuben, aber das Schweizer Fernsehen wird noch für Jahre keine 4K-Inhalte produzieren.
Die Nvidia-Box basiert auf Android und bietet volle 4K/UHD-Unterstützung.Bequemster 4K-Lieferant bleibt also der Videomietdienst Netflix, der wenigsten eine Handvoll Serien und Filme in 4K-Auflösung bietet. Allerdings muss dann der TV mit der passenden App ausgestattet sein.
Fehlt die App, oder will man grundsätzlich mehr 4K-Spass am TV haben, kann man sich die Settop-Box Shield TV von Nvidia anschaffen. Diese ist inzwischen für rund 250 Franken auch in Schweizer Shops zu haben.
Als einzige externe Box beherrscht die Nvidia Shield Netflix in 4K-Auflösung.Android-TV-Apps mit 4K-Auflösung
Das Angebot an Apps für Android TV ist ausreichend. Normale Android-Apps können nur mit Tricks installiert werden.Die Shield-Box hat ein gefälliges Design und kommt je nach Preis mit zwei Fernbedienungen. Der kleinere Stick beschränkt sich auf reine TV-Funktionen, das grössere Gamepad dient zusätzlich auch zum Zocken. In der Praxis haben wir uns immer mit dem Gamepad einfach und schnell durch alle Funktionen geklickt. Dank zwei Joysticks und zahlreicher Tasten funktioniert das schnell und intuitiv.
In Innern der Nvidia-Box werkelt Android. Und zwar in einer speziellen Version für Fernseher. Die passenden Apps kommen also ohne Fingerbedienung zurecht. Statt einer halben Million normaler Android-Apps gibt es allerdings für Android-TV nur einige Tausend.
Die wichtigsten gewohnten Apps von Netflix bis Facebook sind aber vorhanden. Das Wichtigste ist aber: Einige Android-TV-Apps unterstützten die native 4K-Auflösung. Am nützlichsten sind dabei der Film- und Medienverwalter Plex, sein Konkurrent Kodi, das allseits bekannte YouTube und der Filmmietdienst Netflix. Alle diese App gewährleisten, dass Filme und Bilder auch wirklich in 4K-Auflösung auf dem 4K-Fernseher erstrahlen.
Für Live-TV kann man auf die angepasste App von Zattoo zugreifen. Für Videomiete steht neben Google auch der Schweizer Anbieter Hollystar mit einer App zur Verfügung.
Die Shield-Box ist übrigens auch ein Chromecast-Client. Dank diesem kann man Bildschirminhalte von Apps auf Mobilgeräten (iOS, Android) und PC (Windows, OS X) direkt auf den TV streamen. (Vergl. auch den Beitrag "Boxebkampf um den Fernseher" auf avguide.ch). Allerdings unterstützt Chromecast maximal Full-HD-Auflösung, man verliert also auch mit der Nvidia-Box bei dieser Nutzungsart die 4K-Fähigkeiten.
Sowohl von lokalen Medien als auch via YouTube lassen sich 4K-Videos in perfekter Qualität abspielen.Unterhaltung via USB, LAN oder Internet
Die Anschlüsse der Shield von links nach recht: SD-Speicherkarten, USB 2.0, 2 x USB 3.0, Gigabit Ethernet, HDMI 2.2, NetzteilanschlussDie Nvidia-Box ist reich mit Anschlüssen ausgestattet. Eine Ethernetdose (Gigabit) sorgt dafür, dass auch bandbreitenhungrige Anwendungen ruckelfrei funktionieren. Wird sie drahtlos angeschlossen, sorgt der Standard 802.11ac mit 2,4 und 5 GHz bei einem passenden Router für ebenfalls ausreichendes Tempo. Zusatzgeräte lassen sich auch via Bluetooth verbinden. An zwei USB-3.0-Dosen lassen sich auch externe Festplatten anschliessen und nahtlos einbinden. Ein MicroSD-Slot liest die Speicherkarten von Kameras oder Handys direkt. Der HDMI-Anschluss für das TV-Gerät unterstützt CEC (Consumer Electronics Control), was dafür sorgt, dass beim Einschalten der Box der Fernseher automatisch umgeschaltet wird. Ferner lässt sich die Lautstärke des PC via Fernsteuerung der Box regeln. Wer seine Box in die Haussteuerung integrieren will, freut sich über den Infrarot-Empfänger, der mit der Logitech Harmony harmoniert. Die Box kommt ohne Lüfter aus, ist also absolut geräuschlos.
Die vom Handy gewohnte Gallery-App spielt Fotos und Filme direkt und in 4K-Auflösung ab. Mit exotischen Packungs- und Untertitelformaten kommt sie aber nicht zurecht. Da helfen dann die obigen Player wie Plex und Kodi oder Abspiel-Apps wie MX Player oder VLC. Will man sich durch die Laufwerke des heimischen Netzwerkes hangeln, empfiehlt sich der ES Datei Explorer.
Im Shield-Paket befinden sich neben dem Kontroller auch die nötigen Anschlusskabel.Erfahrungen mit Kodi
Wichtigste Aufgabe von Kodi ist das Abspielen der persönlichen Filmsammlung ab Festplatte oder Netzwerkfreigabe.In unserem Test installierten wir als Erstes den kostenlosen Kodi-Player. Er ist ein klassischer Alleskönner, der praktisch sämtliche Video- und Musikformate abspielt und das Ganze in eine gute Oberfläche verpackt.
Kodi auf der Nvidia-Box macht schlicht Spass. Die Rechenleistung ist ausreichend, damit auch 4K-Videos perfekt abgespielt werden. Auch Musikdateien in verlustfreien Formaten (FLAC) oder hohen Auflösungen (192/24) sind ein Genuss.
Kodi kann sowohl Medien eines angeschlossenen Speichers (USB, SD-Karte) als auch aus dem Heimnetzwerk abspielen. Für Letzteres muss man sich zwar durch eine Konfigurationsorgie klicken, die aber grösstenteils selbsterklärend ist.
Über Plugins lässt sich Kodi gut erweitern. So lässt sich beispielsweise die Mediathek des Schweizer Fernsehens einbinden und nachträglich 10-vor-10 als Video-on-demand konsumieren. Gefallen hat uns auch die Integration der Multiroom-Audiolösung von Sonos in Kodi.
In unserem Test kam Kodi sogar mit 4K-3D-Inhalten zurecht. Dabei muss man darauf achten, dass sowohl Kodi als auch der Fernseher auf die richtige 3D-Art (meist side-by-side) eingestellt ist. Kodi kann sogar sein eigenes Bedienmenü in 3D darstellen, was einem vom permanenten Brillenabsetzen befreit.
Mit Kodi haben wir auch eine 4K-Handy-auf-TV-Lösung gebaut. Denn 4K-Inhalte vom Handy lassen sich nicht drahtlos auf den Fernseher übertragen. Wir lassen deshalb Filme und Fotos von iOS-Geräten und Androiden mit der App Photosync drahtlos auf einen Windows-PC spielen und geben dann den Ordner für Kodi frei. Dann kann man am TV einfach durch seine Bildersammlung zappen.
Wer sich die Nvidia-Box anschafft, sollte unbedingt einen Nachmittag für die Spielerei mit Kodi einplanen. Man entdeckt dabei immer wieder neue Möglichkeiten. Die Benutzeroberfläche von Kodi als Erstes auf Deutsch umzustellen, hilft dabei ungemein.
Kodi ist auf praktisch allen Plattformen und sogar auf dem neuen Apple-TV verfügbar. Wer sich einmal einarbeitet, kann den Medienplayer also auf Notebooks, Tablets und Fernsehern nutzen.
Kodi kann auch direkt auf die Sendungskonserven des Schweizer Fernsehens zugreifen.Erfahrungen mit Plex
Der Medienverwalter Plex ergänzt die Filme mit unzähligen Zusatzinformationen.Während bei Kodi sich die Nvidia-Box die Filme einfach als Dateien aus dem Netz holt, hat der Medienspieler Plex ein anderes Konzept. Bei ihm werkelt ein Medienserver auf einem PC oder einem NAS-Gerät. Dazu muss man einfach das entsprechende Programm installieren und starten.
Dieser Server kümmert sich nicht nur um die Filmverwaltung, sondern ergänzt die Sammlung auch vollautomatisch um Zusatzinformationen wie Posters, Schauspielerverzeichnisse und dergleichen. Weil er dabei eine umfangreiche Datenbank pflegt, kann man nach dem Betrachten eines Films auch einfach weitere Werke desselben Regisseurs abrufen.
Der Plex-Server kümmert sich ferner auch um Transcodierung. Er weiss, welche Fähigkeiten ein Abspielgerät hat und bereitet den Film in Echtzeit dafür auf. Das erfordert allerdings bei 4K-Filmen ausreichend Rechenkapazität. Wer will, kann aber auch Filme „auf Reserve“ transcodieren lassen, auf dem Server liegen danach zwei Filmversionen bereit.
Der Plex-Player auf der Nvidia-Box kann allerdings 4K-Inhalte im Ursprungsformat abspielen, der Server liefert dann einfach die Datei an den Player.
Hat man Plex auf einem PC installiert, ist die Bedienung von Plex auf der Nvidia-Box simpel. Man verbindet sich mit seiner Bibliothek und klickt verzögerungsfrei durch die Filmsammlung. Plex bietet dann im Player an, die Auflösung beziehungsweise die Datenrate zu ändern. Klemmt das Netzwerk, kann man hier zu einer ruckelfreien Auflösung zurückschalten.
Im Test glänzte Plex vor allem durch die bessere Anreicherung mit Metadaten. Ferner kann man auf seine Plex-Filmsammlung nicht nur von allen Geräten im Heimnetz, sondern auch via Internet zugreifen. Dabei kann man sogar Gästen Zugriff auf die Sammlung erlauben. Praktisch ist auch, dass Plex Filme automatisch konvertiert auf Mobilgeräte speichern kann.
Wer seine Musik mit Plex verwaltet, kann ihn auch als DLNA-Server nutzen. Musik lässt sich dann auf praktisch allen vernetzten Audiogeräten via UPnP/DLNA abspielen. Auch hier kann Plex automatisch konvertieren, ein billiges Küchenradio also mit MP3 statt mit Lossless Flac versorgen.
Auch Plex ist praktisch für alle Plattformen und auch auf Apple-TV 2 erhältlich.
Plex ist zwar nicht kostenlos, bietet aber vor allem beim Verwalten von sehr grossen Filmsammlungen mehr Komfort als Kodi.
Bei Plex kümmert sich der Server um die Videoaufbereitung. Auf der Shield-Box kann man wählen, wieviel Bandbreite für das Abspielen zur Verfügung steht.Musik ohne Spotify
Spotify steht noch nicht offiziell als Android-TV-App zur Verfügung. Mit einer Betaversion lässt sich Musik zwar abspielen, die Box aber nicht via Spotify-Connect nutzen.Wie bereits erwähnt, kann man mit Plex und Kodi praktisch alle Musikformate auf der Nvidia-Box abspielen. Allerdings werden digitale Tonsignale nur via HDMI weitergereicht, ein optischer Audioanschluss fehlt. An die Nvidia-Box lässt sich via USB-Dose zwar ein USB-DAC anschliessen. Das haben wir aber wegen der Komplexität nicht getestet.
Schwächen zeigt die Nvidia-Box bezüglich Spotify. Die App ist nicht als TV-Version verfügbar. Ein Notbehelf ist TV Player Spotify (https://play.google.com/store/apps/details?id=com.sregg.android.tv.spotifyPlayer) . Die Nvidia-Box steht damit aber nicht als Spotify-Connect-Gerät zur Verfügung. Allerdings ist es möglich, die Tonausgabe der Spotify-App auf Mobilgeräten via Chromecast auf Nvidia und den Fernseher umzuleiten.
Als Musikmietdienst wird Google Music vollumfänglich auf der Box unterstützt. Auch der Internetradiodienst TuneIn und der Streamingdienst iHeart sind als App verfügbar.
Auf der musikalischen Seite hinterlässt also die Nvidia-Box einen eher schwachen Eindruck.
Lasst uns spielen
Über den Spiele-Streaming-Dienst von Nvidia kann man hunderte Games auf der Box zocken.Nvidia ist vor allem als Hersteller von Grafikkarten für Gamer bekannt. Ursprünglich wurde die Nvidia TV-Box denn auch als Spielkonsole positioniert. Im App-Store finden sich dann auch Hunderte Games, von denen aber nur sehr wenige die 4K-Auflösung nutzen.
Stark beworben wird von Nvidia ihr Spiele-Streaming-Dienst Geoforce Now. Dabei laufen die Spiele auf einem Server im Internet. Lediglich der Bildschirminhalt wird an die Box gestreamt. Im Gegenzug werden die Steuerkommandos der Fernbedienung ins Internet geschickt. Das funktioniert in der Praxis erstaunlich gut. Gegen eine monatliche Abogebühr kann man so Dutzende klassische Games nutzen.
Wer einen leistungsstarken PC hat, kann auch von dort seine Spiele auf die Box streamen. Dabei wird sogar 4K-Auflösung geboten.
Grundsätzlich macht das Zocken auf der Shield vor allem mit den nativen Android-Apps viel Spass. Die Fernbedienung ist komfortabel, die Bildqualität auf dem grossen Fernseher beeindruckend.
Solitaire ist eines der wenigen Games, dass die 4K-Auflösung der Shield ausnutzt. Aus technischen Gründen ist unser Screenshot aber nur in Full-HD-Auflösung.Fazit: Die beste 4K-Box
Im Vergleich mit anderen TV-Boxen punktet Nvidia Shield vor allem mit 4K-Auflösung, Android und hoher Rechenleistung.Wer die Fähigkeiten seines 4K-Fernsehers vollständig ausreizen will, wird mit Nvidia Shield TV viel Spass haben. Bereits in der Grundkonfiguration mit dem Game-Controller macht sie viel Spass und die TV-Nutzung ist einfacher als mit den darin integrierten Apps. Wer sich in Apps wie Kodi und Plex einarbeitet, erlebt, wie gut und flexibel vernetzte Unterhaltung heute sein kann. Vor allem für die Darstellung selbstgemachter 4K/UHD-Inhalte ist uns zurzeit keine einfachere Lösung bekannt.

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