Edelteil im Mini-Format: Bose SoundLink Mini Bluetooth Lautsprecher-System
(Richtigstellung: Die hier abgebildete Geige ist keine Stradivari. Dieses Exemplar stammt von Emil Baltensberger Chur 1907)Bei diesem kleinen Schallerzeuger erhebt sich aufgrund der erstklassigen Anfassqualität und des nicht gerade niedrigen Preises von rund 250 Franken die Frage: Klingt dieses Miniatur-Bluetooth-Lautsprecher-System in der Grössenordnung einer Mundharmonika schön wie eine Stradivari oder grell-zirpend wie eine schlechte Schnurregige?
Winzig klein, aber nobel...
Weder Plastik noch irgendwelche anderen schnöden Materialien verunzieren dieses musikalische Kleinod. Massives, kratz- und Fingerabdruck-resistentes (!) Aluminium ist Trumpf.
Das Ding, das nicht viel grösser ist als eine Mundharmonika und locker in die Tasche passt, wiegt aufgrund potenter Innereien stolze 670 Gramm.
Sinnvolles Zubehör: Gut geschützt auf der Reise ist das Bose SoundLinkMini mit einer optional erhältlichen Tasche.Hochwertige Treiber
Hochwertige Chassis-Bestückung in raffiniert ventiliertem Gehäuse mit je einer vorderen und einer hinteren Passivmembrane.Bezüglich der Chassis-Bestückung lassen die Bose-Leute ihr ganzes Können, das sie über Jahrzehnte mit Mini-Systemen gewonnen haben, aufblitzen: zwei neue, patentierte Breitband-Driver mit extrem kräftigen Neodym Magneten werkeln in einem aus einem Stück bestehenden Alu-Gehäuse.
Für einen „abgrundtiefen“ Bass sorgen zwei einander gegenüberliegende, ovale Passivmembranen. Diese Anordnung mit je einem auf der Front- und einem auf der Rückseite montierten passiven Chassis verhindert zudem unerwünschte Gehäuse-Vibrationen.
Auf die mitgelieferte Ladeschale gestellt, spielt das System auch während des Ladevorgangs weiter. Der Lithium-Ionen-Akku ermöglicht eine Wiedergabezeit von bis zu sieben Stunden.
Nach der Pfeife von König Harald Blaatand tanzen...
Bumpers (Gummi-Hüllen) sind in der Farben blau, orange oder granit-grün erhältlichDas SoundLink Mini Lautsprechersystem kann via Bluetooth oder auch übers Kabel via Aux-Anschluss mit 3,5 mm-Mini-Stereo-Klinke angesteuert werden und lässt sich elegant mit Smartphones, iPads oder anderen Bluetooth-Geräten verbinden. Die sechs zuletzt per Bluetooth gepaarten Geräte werden gespeichert, wodurch das erneute Verbinden noch einfacher wird. Die Reichweite des sehr schwachen Bluetooth-Funksignales (minimer Elektrosmog!) beträgt ungefähr 9 m.
Über den USB-Anschluss ist die Kompatibilität mit zukünftigen Bluetooth-fähigen Geräten durch die Möglichkeit von Softwareaktualisierungen gewährleistet. Abdeckungen sind als Zubehör in Blau, Grün und Orange erhältlich.
Entweder Bass oder Pegel
Zunächst etwas grundlegende Theorie. Ein Lautsprecher-System kann man, unter Berücksichtigung der Thiele-Small Parameter von Chassis und Gehäuse, im Bassbereich entweder auf Pegelstärke oder Tiefgang optimieren.
Beides gleichzeitig – also de Feufer und s'Weggli – gibts in der Praxis nicht. Zieht man den Bass bis zu ganz tiefen Tonlagen hinunter, kann ein kleineres System aufgrund der grossen Auslenkungen der Membranen nicht mehr sehr laut spielen, ohne an seine Grenzen zu stossen.
Will man einen Lautsprecher auf hohe, unverzerrte Lautstärke optimieren, muss man ihn im Bass bezüglich Tiefgang tüchtig begrenzen.
Die entscheidenden Fragen
Nun erheben sich die entscheidenden Fragen: Wie tief soll man einen Mini-Lautsprecher mit geradezu winzigen Membränchen hinunter spielen lassen? Wie soll der Kompromiss zwischen Tiefbass und maximalem Pegel aussehen - oder besser - klingen?
Dieser Kompromiss wird, wie später noch ausführlich besprochen wird, von Bose mit raffinierten elektronischen Schaltungen geradezu genial realisiert und nennt sich inoffiziell: pegelabhängige Bass-Begrenzung!
Wer misst...
Frequenzgang bei unterschiedlichen Lautstärken ( 2 dB/Div), gemessen in 50 cm Distanz zum System. Untere Kurve bei 70 dBC, jede nach oben folgende Kurve um rund 10 dB lauter. Gut sichtbar: Radikale Bassbeschneidung bei höherer Lautstärke.Unser aussergewöhnlicher Testling veranlasste mich, die Messgeräte zu aktivieren und den Frequenzgang aufzunehmen. Die Messung zeigt die Genialität der Bose-Leute und der Lösung die sie gewählt haben. Die unterste Kurve unseres Mess-Schriebes (2 dB/Div) zeigt den Frequenzgang bei leisem Schallpegel (70 dB (C) in 50 cm Abstand), die oberste bei drastisch erhöhter Lautstärke bei 100 dB (C).
Die Loudness-Tendenz mit einer Absenkung der Mitten, verbunden mit einer mässigen Anhebung des Hoch-und Obertobereichs ist geschickt gewählt worden.
Doch nun zum fast Unglaublichen: Der Bass reicht bei leisem Pegel (unterste Kurve) ohne Abfall bis rund 70 Hz, und zwar mit „echten“ und nicht mit sogenannten „Pseudo-Bässen“. Erhöht man die Lautstärke um 10 dB, so verändert sich der Frequenzgang aufgrund des immer noch recht leisen Pegels kaum. Doch bei weiterer Erhöhung der Lautstärke wird der Bass unterhalb 200 Hz bereits tüchtig abgesenkt. Wer nun weiter gnadenlos den Pegel erhöht, veranlasst das System, den Bass bereits ab 400 Hz drastisch zu beschneiden.
Diese an und für sich geniale, pegelabhängige Bassbegrenzung verhindert grobe Verzerrungen und Beschädigungen der Chassis.
Was die Bose Magier leider nicht verhindern können, ist die Tatsache, dass das System bei erhöhter Lautstärke keinen Bass mehr liefern kann. So kommen wir auf die bereits im Lead dieses Artikels angetönte Problematik zurück, dass es den Bose Technikern in der Tat nur „fast“ gelungen ist, die Grenzen der Physik zu sprengen.
Gemässigte Erwartungen
Der Kleinlautsprecher kommt überall mitDie klanglichen Erwartungen an einen solch kleinen Musikspender liegen, nachdem ich nur wenige Tage zuvor eine riesige Line Source Anlage für rund 200'000.- anhören konnte, am untersten Ende der Skala. Doch hat eine solche Giganto-Anlage, gerade für den Einsatz bei einer Camping-Ferienreise im VW-Bus, auch gewisse Nachteile.
Also fühle ich mich keineswegs zu gut, mal mit Kollegen und Bekannten eines der kleinsten, eventuell sogar noch ernst zu nehmenden Lautsprechersysteme der Welt, anzuhören.
Und los geht's
Die ISO-Einstellung "niedrig" erlaubt zwar einen tieferen Wert als 200, aber der Dynamikbereich verkleinert sich ebenfalls. Wer damit die Lichtmenge reduzieren möchte, greift besser zu einem ND-Filter. Die verschiedenen Möglichkeiten der Rauschminderung sollte man auch ausprobieren. Während Serienaufnahmen wird sie jedoch automatisch ausgeschaltet.
Interessanter ist die Möglichkeit, anstelle von ISO 1600 oder 3200 immer noch mit ISO 200 zu fotografieren und länger zu belichten. Dank des sehr guten Stabilisators ist dies auch von Hand durchaus möglich. Gleichzeitig bleibt die Blende weiter geöffnet und hilft zur gewünschten Hintergrund-Unschärfe.
Tatsächlich wird die bekannte Fotografen-Faustregel "Beim Fotografieren aus der Hand wird das Bild genügend scharf, wenn die Belichtungszeit kürzer als der Kehrwert der Brennweite ist" durch den tollen Bildstabilisator in der E-M1 Mark II aufgehoben. Damit sind beinahe alle Objektive auch bei längerer Belichtungszeit durchaus "freihand-tauglich". Entdecke die neuen Möglichkeiten!
Bilder bei schönem Wetter bzw. genügend Licht und mit niedrigem ISO-Werten (am besten ISO 200) aufgenommen, dürfen meiner Meinung nach durchaus mit Fotos aus Kameras mit APS-C-Sensoren verglichen werden. Muss jedoch am ISO-Wert geschraubt werden, zeigen besonders bei "Available Light"-Aufnahmen die grösseren Sensoren einfach mehr Reserven.
In Vergleichen waren unbearbeitete JPEG-Bilder aus der E-M1 Mark II für "normale" Betrachter auch bei ISO-Werten über 1600 durchaus akzeptabel, während Profis darüber nur noch die Nase rümpften. Einmal mehr wie immer persönliche Ansichtssache.
Im weiteren Laufe des Tests bestätigt sich dann das Problem, das ein solches Mini-Gerät hat. Die Platzierung entscheidet über dessen Soundqualität. Direkt an einer Rückwand, auf einem Tisch oder gar in einer Ecke klingt es voll und rund. Frei im Raum, also zum Beispiel in der Hand gehalten, wirkt der Klang eher etwas dünn.
Hinzu kommt, dass der Bass bei erhöhter Lautstärke beschnitten wird. Dies führt dazu, dass der Klang bei maximal möglicher Lautstärke einen etwas schreienden Charakter bekommt.
Stattliche Erscheinung: Mit dem optionalen Batteriehandgriff kann bequemer im Hochformat hantiert und dank Zusatzakku länger fotografiert werden. Zudem kommt die Kamera im Aussehen wuchtiger daher.
In der Hand gehalten, klingt das Mini-PA nicht mehr ganz so gut wie bei guter Platzierung auf einem Tisch, Regal oder an einer Rückwand.Der „Gwunder“ bewegt die Test-Crew, den Lautsprecher auch mal mit ein paar Takten anspruchsvoller Klassik aufspielen zu lassen. Wie der Lautsprecher mit Kammermusik mit Streichern und Bläsern umgeht, ist wiederum erstaunlich: Grobe Verfärbungen fehlen gänzlich. Bei gemässigter Lautstärke erkennt man sogar die Violine beim Guarneri Trio Prague nicht als Stradivari sondern als echte Guarneri! Und dies bedeutet für ein solch kompaktes System eine kleine Sensation!
Natürlich fehlt einer Kirchen-Orgel der Tiefstbass. Doch der Midbass ist vorhanden, aber nur bis zu einem gewissen Pegel. Wird der Volumeregler etwas aufgedreht, verschwindet er fast völlig.
Dasselbe Spiel bei David Sanbornes Time Again. Auch hier macht sich die pegelabhängige Bassbegrenzung klanglich folgendermassen bemerkbar: Eher leise gespielt, erklingt zum Beispiel der Track „Tequila“ mit sehr tiefen Bässen. Je mehr man die Lautstärke erhöht, umso schwächer wird der Bass, bis er sich bei voll aufgedrehtem Lautstärkeregler praktisch vollständig abmeldet. Lauter können nur noch die mittleren und hohen Tonlagen gemacht werden, was zu einem eher dünnen Klang führt.
Weiter geht's mit klassischen Chor-Klängen, Solstimmen und diversen „unplugged“, also natürlichen, akustisch nicht verstärkten Musikinstrumenten. Summa summarum darf man dem SoundLink Mini bis zu mittleren Lautstärken eine für seine Grösse fast unglaubliche Klangqualität zugestehen.
Nach uns die Sintflut...
Zum Schluss des Tests wird, nach dem Motto: „Nach uns die Sintflut“, der ultimative Highfidelity-Witz zelebriert: Sowohl am iPhone wie auch am Bose System wird auf maximale Lautstärke gestellt, und der berüchtigte Boxenkiller der High-End-Test-Record, ein Schlagzeug-Solo, dessen brachiale Drum-Kicks schon manchen Verstärker und manche Boxen haben abrauchen lassen, wird abgespielt.
Zu Beginn säuseln die Becken gar fein - dann folgen die ersten Bass-Drum-Kicks. Wer Rauch und Flammen erwartet hatte, wird enttäuscht: Die Pegel-und Bass-Limiter des SoundLink Mini funktionieren perfekt. Die Bass-Kicks kommen kaum lauter als die feinen Becken und absolut ohne Bass-Anteil. Damit ist man auf der tod-sichern Seite, was die Sicherheit des Gerätes angeht. Nichts geht kaputt – lediglich die Musik bleibt auf der Strecke...
Doch wer will schon einen Boxenkiller hören? Daher stellen wir zum Abschluss fest, dass das SoundLink Mini, wenn es mit normalem und mit in der Praxis meist durch MP3-Datenreduktion tüchtig beschnittenem Musikmaterial gefüttert wird, eine für viele Out- und Indoor-Zwecke gute Klangqualität bieten kann.
Fazit
Selten hat die avguide.ch-Test-Crew ein Gerätchen so erstaunt, wie das SoundLink Mini-System von Bose. Wie schon erwähnt, ist es nicht die absolute Klangqualität die verblüfft, sondern dass ein solches Klangvolumen aus einem extrem miniaturisierten Lautsprecher kommen kann.
Dabei ist jedoch zu bemerken, dass der Spass am Hören schon ab mässiger Lautstärke getrübt wird. Es ist somit eher ein Leise- als ein Lautsprecher! So empfiehlt es sich für einigermassen sensible Ohren, die maximal mögliche Lautstärke eher selten zu benutzen und sich mit Vorteil mit gemässigter Lautstärke berieseln zu lassen. Dies wird - vor allem im Outdoor-Bereich - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur von den eigenen Ohren, sondern auch von der Umgebung positiv gewertet.
Die bereits im Titel gestellte Frage ob Stradivari oder Schnurregige, kann nach seriöser Auswertung aller Testergebnisse nun wie folgt beantwortet werden:
Leise und bis zu mittlerer Lautstärke nähert man sich dem Sound einer Stradivari und laut demjenigen einer Schnurregige.

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