Munich M1T.Der Netzwerkspezialist Thunder Data erweitert stetig sein Angebot an Audio-Streaming-Produkten. Den Anfang hatte 2019 der Ethernet-Switch Bonn N8 gemacht, der im Test (nachzulesen hier) eine signifikante Steigerung der Klangqualität angeschlossener Streaming-Clients brachte. Inzwischen bietet Silent Angel mit dem testbewährten Rhein Z1 V2 (nachzulesen hier) einen ausgereiften, Roon-zertifizierten Musikserver an. Auch der als Streaming-Player konzipierte Munich ist «Roon Ready». Will heissen, in einem Roon-System wird er als Wiedergabe-Client erkannt und kann via Roon-App gesteuert werden.
Freilich ist ein vorhandenes Roon beim Munich keine Voraussetzung für den unbegrenzten Musikgenuss. Schliesslich hat Silent Angel das VitOS-Betriebssystem im Köcher, welches eigens für Raspberry Pi 4 (Modell B) entwickelte wurde und auch im Munich zum Zug kommt. Es beinhaltet die komfortable VitOS-App (wahlweise für iOS oder Android) und ermöglicht so – abgesehen von DAC, Verstärker und Lautsprecher – die Nutzung des Streamers als Stand-alone-Musikwiedergabegerät ohne weitere Hard-/Software.
Den Silent Angel Munich gibt es in zwei Versionen: Das Modell Munich M1 beinhaltet einen HiRes-DAC sowie einen Kopfhörerverstärker und kann via Cinch-Ausgänge an einen Line-Eingang eines Verstärkers angeschlossen werden. Dank integrierter Pegelregelung ist auch der direkte Anschluss des M1 an Aktivlautsprecher möglich. Ein Test des Munich M1 hier auf avguide.ch ist bereits in Planung.
Die hier von uns unter die Lupe genommene Version M1T ist als reiner Streamer ohne eingebauten DAC/Kopfhörerverstärker ausgelegt. Für die Musikwiedergabe wird also ein separater DA-Wandler bzw. ein Verstärker mit integriertem DAC benötigt.
Anschlussfülle: Unglaublich, was der M1T auf dicht gedrängtem Raum an Connectivity anbietet. In der Schweiz wird der M1T im Übrigen ausschliesslich mit 4 GB DRAM angeboten.Die Anbindung erfolgt über den Digitalausgang, wahlweise AES/EBU, koaxial oder IS2. Die herkömmliche SPDIF-Anbindung erlaubt die Übertragung von HiRes bis zu 24-Bit/192-kHz. Über IS2 können auch «exotische» Audioformate (bis PCM/FLAC 384 KHz und DSD 5.6M/128) an einen DAC mit der passenden Schnittstelle ausgegeben werden. Dies ist ebenso über den «USB Audio»-Ausgang möglich. Der M1T spannt in diesem Falle den kompatiblen USB-DAC als HiRes-Wiedergabegerät ein. Da der M1T Linux-basiert ist, muss dafür (im Unterschied zu einem Windows-basierten System) kein Treiber extra installiert werden. Der Munich gibt via USB-DAC-Schnittstelle nominell sogar HiRes bis zu PCM 768 kHz und DSD 11.2M (DSD256) aus. In unserem Hörtest war allerdings bei DSD128 Schluss. Höhere Taktraten quittierte der als Spielpartner eingesetzte Vollverstärker Cyrus i9-XR mit unschönen Störgeräuschen. FLAC-Formate mit 352,8 kHz Samplingrate sowie Aufnahmen im Format DSD128 wurden von der Kombi jedoch einwandfrei und in bestechender Qualität wiedergegeben.
Der Munich M1T benötigt einen externen DAC oder Vollverstärker mit integriertem DA-Wandler wie den Cyrus i9-XR, an dem der M1T am besten via USB-Audio anbandelt.Voll vernetzt
Schon beeindruckend, was Thunder Data dem ultrakompakten Silent Angel Munich an Schnittstellen mitgegeben hat. Da finden sich nicht weniger als drei USB-Anschlüsse für Datenspeicher (2 x USB 2.0, 1 x USB 3.0). Darüber kann man nicht nur Musik ab USB-Stick wiedergeben. Ein USB-Anschluss stellt auch 100 mA Speisung zur Verfügung. Somit kann man portable Festplatten anschliessen. Tatsächlich erkannte der M1T im Praxistest eine 1-TB-Festplatte (WD My Passport) auf Anhieb und las die Musikfiles via VitOS-App auch schnell ein. Er nimmt ausschliesslich via Ethernet Kontakt zum Heimnetzwerk auf. Dafür garantiert der integrierte Gigabit-LAN-Anschluss, dass der Datentransfer auch vom heimischen Netzwerkspeicher (NAS) in HiRes reibungslos und störungsfrei erfolgt.
Der Munich M1T basiert zwar auf einem Raspberry Pi 4, der gesamte Innenaufbau des Players wurde auf geringe Wärmeentwicklung sowie hohe Störungs- und Geräuscharmut von Grund auf neu konzipiert.Als Netzwerkspezialist versteht der Hersteller Thunder Data hier natürlich sein Handwerk und hat auch dem Munich diverse Massnahmen zugunsten einer sauberen Signalübertragung beim Streamen spendiert. So etwa eine aufwändige Abschirmung zur Verminderung elektromagnetischer Interferenzen. Ausserdem haben die Chinesen den Munich vollständig geräuschlos konzipiert und ihm ein durchdachtes passives Kühlsystem für den problemlosen Dauereinsatz spendiert. Damit unterscheiden sich M1 und M1T von anderen Raspberry-Pi-4-basierten Geräten, die oft mit mehr oder weniger geräuscharmen Ventilatoren arbeiten.
Sinnvolles optionales Upgrade bildet der bewährte Ethernet-Switch Bonn N8 aus gleichen Hause.Auch Jitter (digitale Taktschwankungen) kann bei der Wiedergabe von HiRes-Audiofiles mit hohen Datenraten zum Thema werden. Für eine zusätzliche Reduktion desselben offeriert Silent Angel den «audiophilen» Ethernet-Switch Bonn N8 (Preis: CHF 439), der im Test hier auf avguide bereits seine Meriten unter Beweis gestellt hat. Ein weiteres optionales Upgrade ist das Linearnetzteil F1 (Preis: CHF 439). Die gute Botschaft für den potenziellen Käufer eines Munich: Auch ohne diese Upgrades ist die Streaming-Qualität des M1T schon ausgezeichnet. Dennoch kann man auf sehr hohem Niveau noch eine Steigerung der Klangqualität (etwa bei der räumlichen Abbildung) damit erzielen.
Gelungene VitOS-App
Natürlich steht und fällt bei einem rein Netzwerk-basierten Musikplayer der Praxisnutzen mit der Qualität der Bedienapp. Zwar kann man den Munich M1T wie schon gesagt auch über Roon steuern; aber auch die hauseigene VitOS-App kann sie sich mehr als sehen lassen. Sie vermochte schon beim Test des Musikservers Rhein Z1 V2 (nachzulesen hier) zu begeistern.
Die Integration der Musikprovider (hier Qobuz) in die VitOS-App ist gut gelungen. So wird auch der unkomplizierte Zugriff auf Playlisten und Favoriten geboten.Inzwischen ist die Funktionalität noch erweitert worden. So kann man nun auch Internetradio via VitOS nutzen – wenn auch noch ohne Favoritenspeicher und Suchfunktion. VitOS soll jedoch noch um den Webradio-Service TuneIn erweitert werden. Bereits jetzt nahtlos integriert sind die führenden Musikprovider wie Tidal, Qobuz und Spotify. Amazon Music HD und Highresaudio.com sind ebenfalls schon mit an Bord, falls diese Services zukünftig auch hierzulande mal angeboten werden sollten.
Die VitOS-Startoberfläche ist zwar relativ schmucklos, dafür umso übersichtlicher gehalten.Musikstreamen ab NAS ist ebenso möglich. In unserem Test wurde eine (ältere) 4-TB-WD-MyCloud auf Anhieb erkannt. Der Zugriff auf die dort gespeicherte Musiksammlung erfolgte verzögerungsfrei und auch HiRes-Files (FLAC bis zu 352,8 kHz) wurden einwandfrei über den M1T wiedergeben. Diesbezüglich gab es keinen Unterschied zur Wiedergabe ab direkt eingestöpseltem USB-Speicher. Wir nutzten die VitOS-App über ein iPad. Der Zugriff etwa auf Qobuz vermochte wirklich zu gefallen, inkl. der Nutzung von Playlists und Favoriten. Bei Spotify verlässt sich VitOS hingegen auf die Connect-App und schaltet bei Bedarf automatisch auf diese Applikation um. Ganz interessant für Mehrraum-Nutzer: Sogar das Ansteuern mehrer M1T bzw. M1 über die App inklusive Partymode (synchronisierter Abspielmodus ohne Delay) ist möglich.
Internetradio ist ebenfalls in die VitOS-App integriert. Derzeit allerdings nur mit Senderzugang via Genre-Suche. Später soll der Webradio-Dienst TuneIn hinzukommen.Bestechende Klangqualität bei HiRes
Wir hatten den Munich M1T über längere Zeit im Einsatz und lernten ihn wirklich zu schätzen. Als DAC/Vollverstärker fungierte der Cyrus i9-XR (Test nachzulesen: hier), dessen integrierter DA-Wandler zum Besten gehört, was der Markt (für einen vernünftigen Preis) zurzeit hergibt. Im Zusammenspiel mit einem Paar Spendor A7 (Test nachzulesen hier) generiert der britische Vollverstärker eine beeindruckend transparente Musikdarbietung, deren räumliche Abbildungstreue ihresgleichen sucht.
Die Spendor A7 klingen ungemein räumlich und losgelöst, dabei dennoch sehr präzise.Gerade bei guten HiRes-Aufnahmen kann man als Zuhörer mühelose die Illusion entwickeln, live dabei zu sein. Der M1T erwies sich innerhalb dieser immerhin rund CHF 8000 teuren Verstärker-Lautsprecher-Kombi tatsächlich als ebenbürtiger Spielpartner. So machte es ungemein Spass, neueste HiRes-Titel ab Qobuz darüber zu hören. Inzwischen sind ja Streaming-Angebote in einer Samplingrate von 192 kHz keine Seltenheit mehr, und gerade hier punktete die Höranlage mit einer schier unglaublich räumlichen Transparenz und perfekten Detailauflösung.
Natürlich ist die Qualität des im Cyrus integrierten DA-Wandlers wohl essenziell für die Klangqualität. Tatsächlich klang auch ein zum Vergleich herangezogener preisgünstiger Streamer von Yamaha (Modell WXC-50 für rund CHF 500) über den i9-XR fantastisch, mit einwandfreier Feinzeichnung und schönen Klangfarben. Bei komplexer sinfonischer Musik oder auch bei guten Opernaufnahmen generierte der M1T jedoch eine überzeugendere Raumabbildung. Damit klang es weniger vordergründig; Einzelinstrumente wurden klarer herausgeschält, Solisten waren präziser lokalisierbar. Diese Vorzüge bei der räumlichen Ortbarkeit des Musikgeschehens wurden im Übrigen noch deutlicher, wenn man den M1T über den Ethernet-Switch Bonn N8 ans Heimnetzwerk anschloss.
Der USB-Audio-Ausgang kann passend zum externen DAC detailliert konfiguriert werden.Richtig krass zugunsten des M1T fiel der Klangvergleich aus, wenn man Letzteren via USB-Audio mit dem Cyrus i9-XR verbandelte. Diese Wiedergabevariante funktioniert auf Anhieb, ohne zusätzliche Treiberinstallation. Man muss lediglich innerhalb der VitOS-App den USB-Audio-Ausgang aktivieren und passend konfigurieren. Die Musik gewann hörbar an Ausdruckskraft und Unmittelbarkeit – dies interessanterweise auch beim Streamen von HiRes-Tracks direkt ab Qobuz.
Über die Gründe dafür kann man spekulieren. Eine USB-Audio-Anbindung zwischen digitaler Musikquelle und DAC gilt dann als überlegen, wenn sie «asynchron» verläuft und das Quellgerät den digitalen Takt vorgibt. Ob dies beim Zusammenspiel zwischen Munich M1T und Cyrus i9-XR tatsächlich der Fall ist? Die Höreindrücke lassen dies jedenfalls vermuten. Tatsächlich bestätigte der Hersteller Silent Angel auf Anfrage, dass in der Firmware für den Munich spezielles Augenmerk auf eine gute USB-Audio-Verbindung gelegt wurde. Demnach soll auch die AES/EBU-Schnittstelle dem koaxialen Digitalausgang überlegen sein. Dies konnten wir aber mangels passendem DAC nicht überprüfen.
Gute HiRes-Aufnahmen in originaler DXD-Auflösung wie hier bei «Quiet Winter Night» vom skandinavischen Label 2L stellen die Streaming-Qualität des Munich M1T eindrücklich unter Beweis.Definitiv zum Hörgenuss wird die Wiedergabe von DSD-Aufnahmen, beispielsweise vom skandinavischen Label 2L. Vergleicht man den Download einer (original im DXD-Format vorliegende) Aufnahme mit der gestreamten Version, so sind klanglich doch Welten dazwischen. Freilich gibt 2L seine Aufnahmen auf Qobuz zwar in 24-Bit, jedoch nur in 44,1 kHz zum Streamen frei. Demgegenüber kann man die Aufnahme in der Original-DXD-Version erwerben und über den Munich M1T ab NAS bzw. USB-Stick via USB-Audio in der ursprünglichen Samplingrate von 352,8 kHz an den Cyrus schicken. Der Zugewinn an Feinzeichnung, Ausdruckskraft und räumlicher Abbildung bei dieser Art der digitalen Wiedergabe ist bestechend. Der gleiche Track in DSD 128 klingt noch charmanter und natürlicher, wenn auch minim weniger dynamisch.
Weiträumige Kirchenakustik perfekt eingefangen: Das Label 2L nimmt bevorzugt in skandinavischen Kirchen auf, wie hier das «Magnificat» mit Nidarosdomens jentekor & TrondheimSolistene.Fazit
Der Munich M1T von Silent Angel erweist sich als technisch durchdachter Streaming-Player, der sowohl als Roon-Client wie auch als selbständiger Streamer durchweg überzeugt. Nicht nur die Streaming-Qualität ab Internet lässt keine Wünsche übrig; auch die resultierende Klangqualität bei der Wiedergabe von HiRes-Downloads beeindruckt. Wer bereits über einen separaten DAC oder über einen Verstärker mit eingebautem DA-Wandler verfügt, bekommt mit dem ultrakompakten und lautlosen M1T für CHF 839 ein ausgereiftes Gerät für den Dauereinsatz, das mühelos zu installieren und – dank komfortabler App – auch sehr einfach zu bedienen ist. Wer einen digitalen All-in-One-Musikplayer mit integriertem DAC und Kopfhörerausgang sucht, kann das ansonsten identisch ausgestattete Brudermodell Munich M1 für CHF 1299 ins Auge fassen.
Beim Streamen von HiRes-Downloads in Originalauflösung über den Munich M1T zeigt der Cyrus die entsprechende Samplingrate auf dem Display an.
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