Der Rotel RA-6000 zeigt sich in einem klassischen HiFi-Gewand. Dem Kenner wird das aufgeräumte Frontlayout mit den Drucktasten für die Eingangswahl und dem rechter Hand angeordneten Lautstärke-Drehsteller vertraut vorkommen. Richtig: Das bisherige Topmodell unter den Rotel-Vollverstärkern, der RA-1592 MKII sieht äusserlich fast gleich aus. Lediglich die seitlichen Gehäusekanten sind beim RA-6000 anders – in der Form von Kühlrippen – gestaltet. Diese verleihen ihm einen durchaus reizvollen technischen «Retro-Touch».
Auch die Leistungsdaten des RA-6000 unterscheiden sich nicht gross von denen des RA-1592 MKII: Satte 2 x 200 Watt an 8 Ohm sowie 2 x 350 Watt an 4 Ohm können fast schon mit separaten Endverstärkern konkurrieren und sind mehr als genug, um selbst grosse, anspruchsvolle Standlautsprecher auf Touren zu bringen. So viel Leistung in einem Vollverstärker unterzubringen, benötigt Platz: Mit rund 43 cm Tiefe beansprucht das Kraftpaket reichlich Stellplatz. Weniger als 15 cm in der Höhe lassen den RA-6000 optisch dennoch nicht allzu wuchtig erscheinen.
Bilderbuch-Aufbau: Das Innenleben des RA-6000 zeugt vom exorbitanten Materialaufwand, den die Rotel-Ingenieure bei diesem Vollverstärker betrieben haben.
Kompletter geht's kaum: Die Anschlussperipherie des RA-6000 lässt keine Wünsche offen.
Die Fernbedienung des RA-6000 ist ausnehmend übersichtlich gehalten. Sie ist beleuchtet und verfügt über Direktwahltasten.Eine entscheidende Frage ist natürlich die nach dem Qualitätsniveau des integrierten DA-Wandlers. Der verwendete DAC-Chip von Texas Instruments ist zwar deutlich günstiger als etwa ein ESS Sabre ES9028PRO, wie er im neuen CD-Spieler der Diamond-Serie von Rotel (Test des DA-6000 demnächst hier auf avguide.ch) zum Einsatz kommt. Dennoch liess er im Hörtest nichts anbrennen und verwies externe DAC der 500-Franken-Klasse klar in ihre Schranken.
Da musste schon ein Gerät der 1000-Franken-Klasse her. Eine Pro-Ject Pre Box DS2 Digital (Test nachzulesen: hier) spielte etwa auf dem gleichen hohen Niveau – vorausgesetzt sie durfte mit wirklich guten NF-Kabeln am Rotel andocken. Besserer Digitalklang ergab sich erst nach dem Anschluss des neuen DAC/CD-Spielers aus der Diamond-Serie von Rotel: Der DA-6000 generierte mit seinem exklusiven ESS Sabre ES9028PRO eine noch kultiviertere Ansprache und bessere räumliche Tiefenstaffelung. Allerdings musste der DA-6000 mit teuren XLR-Kabeln am RA-6000 andocken, um sein klangliches Potenzial voll zu entfalten.
Selbst im Zusammenspiel mit einem kostengünstigen Streaming-Player, einem Yamaha WXC-50, realisierte der integrierte DAC des RA-6000 eine ausgezeichnete Klangqualität – vorausgesetzt, man verband die beiden mit einem hochwertigen Digitalkabel. Insbesondere bei der koaxialen Verbindung lohnt es sich, etwas mehr (sprich: über 100 Franken) auszugeben. Aber auch schon mit einem preisgünstigen optischen Kabel vom Typ «Inakustik Exzellence Digital» klang es ausgesprochen schön. Generell ist das Niveau der Lautsprecher Bowers & Wilkins so hoch, dass jeder qualitative Zuwachs bei der Peripherie hörbar wird. Und der Rotel RA-6000 macht diese Steigerung bis zu einem erstaunlich hohen Level klaglos mit. Auch beim Netzkabel lohnt es sich somit, aufzurüsten, denn das satte Netzteil des Rotel bezieht reichlich Strom. Empfehlenswerte Exemplare gibt es im Übrigen schon für weniger als CHF 100.
Prächtige Klangfarben: Diese Neuaufnahme französischer Barockmusik aus Versailles gefällt mit überbordender Spielfreude.Dergestaltet umsorgt machte die Kombination von Bowers & Wilkins 805 D4 und Rotel RA-6000 sehr viel Freude beim HiRes-Streamen von Klassik-Neuerscheinungen auf Qobuz. So war es ein grosses Vergnügen, die sehr gute Aufnahme französischer Barockmusik «Grands Motets pour Louis XV» mit dem Flötisten Sylvain Sartre und dem Ensemble Les Ombres, eingespielt in einem Saal im Schloss Versailles, anzuhören. Das musikalische Geschehen pulsiert und lebt. Da ist keine Spur von historischer Angestaubtheit. Das Timbre der Originalinstrumente und der Stimmen kommt wunderschön mit authentischen Klangfarben. Von der räumlichen Abbildung darf man schwärmen. Alles fein miteinander verwoben und doch differenziert, bestens lokalisierbar. Das ist emotionale Musik, die vereinnahmt und – über die Rotel/B&W-Kombi gehört – die Schranken zum Hörraum mühelos überwindet.
Anrührende Aufnahme mit Renaissance- und Barockmusik: Die Mezzosopranistin Eva Zaïcik mit dem Ensemble Le Poème Harmonique, unter der Leitung von Vincent Dumestre.Ähnliches gilt für eine weitere Neuaufnahme, die emotional fast noch anrührender rüberkommt: «Nisi Dominus» interpretiert italienische Vokalmusik aus der Renaissance und dem Barock auf eine ebenso lebendige, farbenfrohe Weise. Die Mezzosopranistin Eva Zaïcik mit dem Ensemble Le Poème Harmonique unter der Leitung von Vincent Dumestre, zeigt eindrücklich, mit welcher Intensität historische Musik zu neuem Leben erwachen kann (sehenswertes Video der Aufnahme in einer Kathedrale zu sehen: hier). Diese Aufnahme hat Referenzqualität und ist auch in Studio-Masterqualität als Download erhältlich.
Genesis reloaded: Steve Hacket hat das legendäre Konzert «Seconds Out» aus dem Jahr 1977 neu aufgeführt.Wirklich gute Klangqualität der Wiedergabekette generiert jedoch nicht nur bei Klassik-Aufnahmen hörbaren Mehrwert. Auch Popmusik profitiert vom Niveau eines Vollverstärkers vom Kaliber Rotel RA-6000. Die Atmosphäre der Konzertaufnahme «Steve Hackett: Genesis Revisited Live» kommt über die 805 D4 hautnah packend in den heimischen Hörraum. Wabernde Synthesizer-Klänge, fette Bassorgien, eindringliches Gitarrenspiel – die Wiederaufführung der Live-Musik von Genesis aus dem Jahr 1977 hat es in sich. Auch ohne die charakteristische Stimme von Phil Collins wähnt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Klanglich erweist sich das Konzertspektakel jedoch ganz modern und viel transparenter als das Live-Album von 1977.
Fazit
Der RA-6000 aus Rotels Diamond-Serie bietet klanglich zweifelsfrei High-End-Qualität und realisiert insgesamt ein Wiedergabeniveau, das auch für sehr teure Lautsprecher ausreicht. So gesehen geht der Preis von CHF 4890 für den top ausgestatteten Vollverstärker völlig in Ordnung. Zumal High-End-Geräte auf einem vergleichbaren Level meist deutlich teurer zu Buche stehen. Freilich gilt auch für den RA-6000, dass man erst mit adäquater Peripherie (in Form guter Verbindungs- und Netzkabel) das Optimum an Klangqualität herauskitzelt. Aber das ist nun mal typisch für waschechte High-End-Geräte. Sowohl der Phono-Eingang wie auch der integrierte DAC agieren auf einem erfreulich hohen Niveau.
Den Rotel RA-6000 gibt es wahlweise in Silber oder Schwarz.
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