Rotel S14.Dass Rotel sein Handwerk versteht, was den Verstärkerbau betrifft, hat der Traditionshersteller längst schon eindrücklich bewiesen. Der neue S14 kann sich – sowohl bezüglich analoger als auch digitaler Technik – ganz auf einschlägige Erfahrungswerte verlassen. Vier spezielle Hochleistungstransistoren generieren bis zu 2 x 150 Watt in ausgereifter Class-AB-Technik, was zusammen mit dem hohen Dämpfungsfaktor von 400 (bezogen auf 8 Ohm) ein problemloses Zusammenspiel mit allen möglichen Lautsprechern verspricht. Rotel-typisch ist auch das potente Netzteil mit satt dimensioniertem Custom-made-Ringkerntrafo und reichlich Siebkapazität.
Typisch Rotel: Der blitzsaubere Aufbau und das mächtige Netzteil zeugen von der jahrzehntelangen Erfahrung des Herstellers.Der Autor hat schon verschiedene Vollverstärker von Rotel getestet – und wurde punkto Wiedergabequalität noch nie enttäuscht. Fast schon zur Standard-Ausstattung gehört, dass auch ein hochwertiger DA-Wandler mit an Bord ist. Der im S14 eingesetzte 32-Bit-DAC aus der ESS-Sabre-Reihe dekodiert HiRes-Daten bis zu 24 Bit/384 kHz.
Dieser Vollverstärker setzt den Schwerpunkt ganz eindeutig auf die Wiedergabe digitaler Quellen: Dafür offeriert er drei Eingänge (SPDIF optisch/koaxial und PC-USB) – währendem auf der analogen Seite gerade noch ein Cinch-Eingang vorhanden ist. Darüber können Vinyl-Liebhaber eine externe Phonostufe anschliessen – auf einen dedizierten Phono-Eingang hat Rotel verzichtet. Dafür findet sich ein rückwärtiger Anschluss für USB-Datenträger. So kann man seine Lieblingsmusik bequem auch ab USB-Stick hören.
Ich bin ein Digitalo: Für analoge Quellen offeriert der S14 lediglich einen Cinch-Eingang. Nützlich sind der Vorverstärker- und Subwoofer-Ausgang.Ein grosses Ausstattungsplus offeriert der S14 mit dem integrierten Streaming-Modul: Man kann ihn über verschiedene Wege als Streaming-Client einsetzen: Einerseits offeriert Rotel dazu eine eigene Streaming-App für Android und iOS, andererseits ist der S14 auch «Roon ready». Zudem lässt er sich ebenso via Airplay 2, Google Chromecast und Spotify Direct zur Musikwiedergabe ab Internet einsetzen. Und nicht zuletzt ist auch das Streamen ab Smartphone/Tablet via Bluetooth (inklusive aptX HD) möglich. Ein visuelles Highlight bildet das in die Gerätefront integrierte Farbdisplay, das nicht nur bei der Konfiguration des S14 Hilfe leistet, sondern beim Streamen nebst Laufzeit des aktuellen Titels auch noch das Cover des gerade gehörten Albums abbildet. Durch Drücken der «+» Taste auf der Gerätefront kann man wahlweise den Titel, Interpreten oder das Album anzeigen lassen. Dies funktioniert erfreulicherweise beim Streamen über diverse Apps. Im Einsatz als Roon-Endpoint zeigt der S14 auf dem Display sogar an, wenn ein MQA-kodierter Titel läuft. Wirklich nett.
Zugang zum Heimnetzwerk gewinnt der Rotel wahlweise via Ethernet-Anschluss oder per WiFi (über zwei Antennen). Wir wählten letztere Variante und fanden den S14 problemlos über ein iPad mittels Suche nach Airplay-Komponenten in «Home». Das gleiche Prozedere soll auch auf Android-Handys/Tablets via Google Home möglich sein. Man muss den S14 also nicht erst (wie so oft bei anderen Netzwerkkomponenten) über Bluetooth suchen und einbinden.
Bedienen lässt sich der S14 zunächst ganz traditionell über die schicke, in Metall gehaltene Fernbedienung. Sie offeriert nebst Einstellung der Lautstärke auch die Quellenwahl und – beim Streamen – Play/Pause sowie den Titelsprung. Über eine Menü-Taste eröffnet man weitere Optionen wie Klangregelung (Bass/Höhen) und Balance; ausserdem kann man hier die Helligkeit sowohl der Leuchtdioden wie des Displays auf Wunsch reduzieren. Und nicht zuletzt lässt sich hier die Zeitdauer einstellen, nach der der S14 bei Nichtgebrauch automatisch in den Standby wechselt. Der Verstärker lässt sich via Fernbedienung ein/ausschalten – jedoch nicht via LAN und App. Nur anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass man jeweils zwei Sekunden lang auf die Ein-/Aus-Taste drücken muss.
Die Rotel Streaming App ist schön gestaltet und übersichtlich, zeigte jedoch (zum Testzeitpunkt) noch zu viele Kinderkrankheiten.Streaming-App mit Kinderkrankheiten
Die von Rotel speziell für den S14 selbst entwickelte «Network Stream App» beinhaltet den Zugang zu den Musikportalen Qobuz und Tidal. Ausserdem ist das «airable»-Webradio mit an Bord und man kann Musiktitel auch ab einem USB-Stick wiedergeben.
Zum Testzeitpunkt erwies sich die App (in der iOS-Version) freilich als noch reichlich instabil und mit objektiven Mängeln behaftet. So wurde beim Streamen ab Qobuz kein Gapless-Play angeboten. Abgespielt wurde jeweils nur der erste Titel aus einem Album. Playlisten konnte man auch nicht erstellen. Beim Abspielen eines Albums ab einem USB-Stick funktionierte Gapless-Play hingegen einwandfrei.
Umfangreiche Album- und Titelsammlungen las die App hingegen nicht vollständig ein. Ausserdem wollte sie partout nicht mehr von der USB-Wiedergabe zurück auf ein anderes Streaming-Angebot wechseln. Kurzgefasst: Bis Rotel die offensichtlichen Kinderkrankheiten nicht behoben hat, sollte man diese App tunlichst auf der Seite lassen. Dabei hat sie zweifellos Potenzial: Sie ist schön animiert und übersichtlich gehalten. Man kann auch Hintergrundinformationen zu Album/Künstler auf Qobuz ohne Umschweife abrufen.
Glücklicherweise kann man den S14 problemlos auch über andere Wege (Airplay 2, Google Chromecast, Spotify Direct) als Streaming-Verstärker einsetzen. Wir probierten ihn zunächst als Roon-Endpoint aus und durften zufrieden feststellen, dass in diesem Zusammenspiel alles bestens und reibungslos funktionierte. Ab Roon konnten wir Musik mit bis zu 24 Bit/192 kHz wiedergeben. Der S14 beherrscht sogar Samplingraten von bis zu 384 kHz. Um dies zu nutzen, müsste man ihn jedoch per USB-Audio an einen PC anschliessen und auf Letzterem den erforderlichen Windows-Treiber installieren. Rotel liefert diesen auf einem USB-Stick erfreulicherweise gleich mit.
Vitaler, anspringender Klang
Wir hörten den Rotel S14 im Zusammenspiel mit einem Paar 703 S3 von Bowers & Wilkins und waren von der Klangqualität mehr als nur angetan.Passiv betrieben, klingt der Hörer bereits recht hell und brillant, aber insgesamt verfärbungsarm und recht ausgewogen. Klassische Musik wirkt zwar etwas unterkühlt und lieblos, doch bei jazzigen und rockigen Klängen fetzt der Hörer tüchtig los und kann ganz gehörig Stimmung machen. Wer auf fette, satte Bässe steht, wird hier jedoch enttäuscht: Der Bass kommt wohl lupenrein, aber sehr diskret.
Im aktiven Betrieb legt er im Hoch- und Obertonbereich ganz tüchtig zu und begibt sich punkto Brillanz ins Grenzgebiet für sensible Ohren. Gerade Streicher wirken sehr oft grell und Beckenschläge beginnen zu zischeln.
Auch Rebecca Pidgeons glockenreine Stimme wirkt kehlig, ja sogar zeitweise etwas rau. Dadurch, dass man den Hochtonbereich dermassen aufpeppt, geht der an und für sich schon eher schwachbrüstige Bass fast total unter. Das Klangbild wirkt deutlich höhenlastig und dünn.
Eine der bestgeratenen Pop-Aufnahmen, die Donald Fagen Nightfly, nervt mit ihren durch die Sony-Elektronik zu stark forcierten hochfrequenten Perkussions-Impulse und enttäuscht aufgrund des fast abwesenden Bassbereichs.
Offenbar hat da Sony etwas zu allzu tief in die Trick-Kiste gegriffen, mit der an und für sich löblichen Absicht, müden MP3-Aufnahmen neues Leben einzuhauchen.
Alles in allen ein Hörer für Freunde ausgeprägter Höhen.
In Sachen Noise Cancelling schlägt Sony einen ganz anderen Weg als alle anderen ein. Hier werden wohl tieffrequente Störgeräusche sehr effizient reduziert, gleichzeitig hebt man aber die Höhen des Umgebungsgeräusches an!
Das kann dann so ausgehen: Man sitzt im Garten und der Hörer blendet den Lärm des Rasenmähers des Nachbarn fast vollständig aus, was sehr erfreulich ist. Gleichzeitig aber verstärkt der Hörer hochfrequenten Kinderlärm, Sirenen und zum Beispiel harte Hammerschläge auf Metall.
Das Positive daran ist, dass man es, trotz eingeschaltetem Noise Cancelling, nicht überhört, wenn die Köchin oder der Koch zum Abendessen ruft! Andrerseits kann der Hörer keine wohltuende Stille über den gesamten Frequenzbereich garantieren, wie etwa ein Bose QC 15.
Hier sollte Sony halt doch bei Audio-Technica etwas spionieren und zwei wählbare Noise Cancelling-Modi zur Verfügung stellen. Ganz klar zeigen auch die Messungen dieses eigenartige Verhalten.
Fazit
Dem Rotel S14 darf man eine goldene Zukunft prophezeien – sobald nämlich der hauseigenen Streaming-App die Kinderkrankheiten ausgetrieben werden. Vorab verdient dieser zierliche, erstaunlich kraftvolle Vollverstärker eine Kaufempfehlung für User von Roon oder Spotify. Auch wer Musik via Handy/Tablet streamt, kommt mit dem S14 jetzt schon voll auf seine Kosten.

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