Der gewisse Unterschied

Andreas Koch, ein in den USA arbeitender Digitalspezialist, gibt Auskunft über die mehrkanalige SACD
Koch: Bei der SACD mit der DSD-Technik ist die Wandlung von analog zu digital und zurück viel einfacher als bei PCM. Im A/D-Wandler brauchen wir kein Downsampling, und auf der Seite des D/A-Wandlers kein Upsampling.
avguide: SACD startete in Stereo und kam erst später mehrkanalig. War dies eine Folge der mehrkanaligen DVD-Audio?
Koch: Die SACD war von Anfang an als Mehrkanalformat definiert. Die ISC (International Steering Committee), das Gremium aller grossen Record Labels, hat die "Bibel” für das nächste System nach der CD festgelegt. Unter den 14 Punkten waren Hybrid-Disc, Sechskanal etc. Sony und Philips haben sich zusammengetan,haben die 14 Punkte genau angeschaut und versucht, diese zu beantworten. Das grösste Problem dabei war die Hybrid Disc. Philips hat die Hybrid Discs mehr oder weniger im Alleingang entwickelt und bewiesen, dass sie machbar ist.
Keine Hybrid Discs von Sony

SACD-Mastering und Edit-Station mi dem Namen Sonoma, die das Engineering Team von Andreas Kosch entwickelt hat
Koch: Das ist schwierig zu beantworten. Es ist eine rein politische Sache. Die Sony Corp. wird in Japan stark von Sony Music Japan getrieben. Was Sony Music sagt, ist die "Bibel”.
avguide: Weshalb startete Sony mit Stereo-SACD-Spielern und Philips etwas später mit einem Mehrkanalplayer?
Koch: In Japan ist der Markt für Mehrkanal wahrscheinlich wegen den kleinen Räumlichkeiten nicht so gross. Deshalb unterstützte Sony Japan das Mehrkanalformat weniger als Philips. So ist eine Diskrepanz zwischen Sony und Philips entstanden. Philips sah den Erfolg vor allem mehrkanalig.
avguide: Wer macht denn nun neben Sony Music Mehrkanalaufnahmen?
Koch: Neu im SACD-Lager hinzugekommen ist Universal. Aber auch etliche kleine audiophile Labels wie DMP, Telarc, Delos und wie sie alle heissen nehmen mehrkanalig auf. Telarc hat pro Monat mehrere Aufnahmen gemacht und besitzt nun ein grosses Inventar an Mehrkanalaufnahmen, die nun alle abgemischt und editiert werden müssen.
5.1 - das unbekannte Medium

Der Subwooferkanal wird bei Telarc als Höhenkanal eingesetzt.
Koch: Das stimmt. Es ist immer noch die grosse Frage, wie die sechs Kanäle überhaupt einzusetzen sind. Bei einer Tonmeistervereinigung in den USA gab es zum Beispiel Diskussionen, wie wichtig der Centerkanal ist. Einer fand ihn sehr wichtig zur Darstellung der Frontperspektive, eine anderer behauptete gerade das Gegenteil. So gibt es auch verschiedene Philosophien. Das kommt sicher auch auf die Musik an. Die räumliche Abbildung wird am Schluss eine artistische Entscheidung sein.
avguide: Die DMP SACD "Blues Band" mit den Vivino Brothers benutzt weder einen Center- noch einen Subwooferkanal. Wie reagiert aber der Konsument, wenn bei einem 5.1 System nur aus 4 Kanälen Musik kommt?
Koch: Da gab es tatsächlich Anrufe bei Sony, die meinten ihr Mehrkanalspieler sei kaputt, weil aus dem Centerkanal und Subwoofer kein Signal kam. Also ist es besser, man lässt ein ganz leises Signal aus diesen Kanälen als gar nichts.
avguide: Was meinen Sie zum Overhead-Kanal von dmp und Telarc? Hier wird ja der Subwooferkanal für die Information der Raumhöhe verwendet. Dieses Signal wird von ein oder zwei Lautsprechern über den Köpfen der Zuhörer abgestrahlt.
Koch: Es gab viele Abhandlungen darüber, wieviele Kanäle und welche Konstellationen es braucht, um einen Raum optimal abbilden zu können. Aber ein wesentlicher Bestandteil einer Mehrkanalaufnahme ist doch die Höhe.
Probleme durch hohe Töne?
Testraum mit Lautsprechern und Mehrkanal-Equipment. Im Hintergrund ist die Stadt San Francisco zu sehen.Koch: Wenn man schon eine Achtkanalmaschine bauen will, muss man auch Achtkanalwandler haben. Sony hatte bis dahin nur Stereowandler gebaut. Wir taten uns mit Ed Meitner zusammen. Auch er glaubt an DSD. Bei Vergleichstests gewann er mit seinen Wandlern jeden Vergleich. Der grosse Erfolg der SACD ist sicher der Wandlertechnologie zuzuschreiben.
avguide: Können Sie heute komplette Aufnahmesysteme anbieten?
Koch: Unser System heisst Sonoma. Dieses System hat alle Features zum Editieren. Wir mussten unter sehr grossem Zeitdruck 80 Prototypen bauen, die man dann den Studios abgibt.
avguide: Für Pop-Produktionen benötigen Sie heute bis zu 48 Kanäle oder sogar mehr. Sie haben aber nur 8 Kanäle.
Koch: Eine 48-Kanalmaschine ist jetzt gerade im Bau.
avguide: Können durch die enorme Bandbreite von DSD nicht Probleme für Verstärker und Lautsprecher auftreten?
Koch: Das Problem ist weniger die enorme Bandbreite, als die unangenehmen Nebeneffekte der ganzen Geschichte. Delta-Sigma braucht Noise Shaping, ein Prozess, welcher das Rauschen vom hörbaren Bereich hinauf in eine unhörbare Region verschiebt. Dieses hochfrequente Rauschen kann nicht nur analogen Verstärkern Probleme bereiten. Wann man ein solch breitbandiges Signal in ein analoges Mischpult lässt, so zeigen die VU-Meter scheinbar einen zu hohen Pegel an, der vom hochfrequenten Rauschen stammt. So muss man zum Abmischen ein gefiltertes Signal zu den VU-Metern senden.
Musik für Fledermäuse?

Mögliche Varianten der SACD: Einschichtige SACD, zweischichtige Disc mit doppelter Spielzeit und Hybrid-Disc.
Kombispieler in Sicht
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Der Auswanderer
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Koch: Im Moment sind wir immer noch in einem Formatkrieg
Andreas Koch lebt mit seiner Frau (Schweizerin) und 2 Töchtern in der Nähe von San Francisco auf dem Lande und macht pro Jahr einmal Ferien in der Schweiz. Mit seinen Töchtern, die sich auf dem Lande mit ihren vielen Tieren wohl fühlen, redet er schweizerdeutsch. Er selbst fühlt sich in der Business-Welt jedoch bereits als Amerikaner.

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