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Publikationsdatum
29. April 2019
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MEDIEN

Es ist saukalt um sechs Uhr früh im Nationalpark Kemeri, unweit von Riga, der Hauptstadt von Lettland. Die herrlich frische Morgenluft vertreibt die letzte Müdigkeit aus den Knochen und macht den Kopf klar für die Schönheiten der Natur.

Ein Dutzend dick vermummte Journalisten des Canon EOS-RP-Workshops stapft vorsichtig über die gefrorenen Bretter des Holzstegs, der sich über die Sumpflandschaft zum Aussichtsturm hinschlängelt. Schon ist ein schwaches Rotgelb der aufgehenden Sonne zu erhaschen, und die völlig ruhig daliegenden Tümpel und Seen bieten fantastische Fotomotive. Bäume, Pflanzen, Wolken und erste zaghafte Sonnenstrahlen spiegeln sich darin. Auch Nicht-Naturfotografen können sich kaum dieser Faszination entziehen.

Das noch spärlich vorhandene Licht kümmert den Vollformat-Sensor der neuen spiegellosen Canon EOS RP kaum. Durch seine grossen Pixelabmessungen ist er entsprechend lichtempfindlich, sodass der Fotograf die ISO-Empfindlichkeit nicht bis zum Anschlag hochdrehen muss. Mit Blende und Verschlusszeit werden die nun immer heller werdenden Sonnenstrahlen fürs Foto manuell angepasst – oder die Einstellung wird einem der Motiv-Programme der Kamera überlassen. Mit «Nachtporträt», «Nachtaufnahme ohne Stativ» und «HDR-Gegenlicht-Steuerung» habe ich gute Erfahrungen gemacht.

Wer kein Stativ dabei hat, platziert seine Kamera auf einen der Holzpflöcke der Abschrankungen, die immer wieder den Lauf des Stegs unterbrechen, um so möglichst verwacklungsfrei fotografieren zu können. Dies ist besonders bei den HDR-Aufnahmen wichtig, bei denen die Kamera mehrere Fotos schnell hintereinander erstellt und zusammenrechnet. Das Display der EOS RP lässt sich um 180 Grad ausschwenken und nach oben drehen. So hat man bequemen Zugriff auf den Touchscreen, auf dem man per Fingertipp den Fokuspunkt verschiebt oder auch gleich noch das Foto auslöst.

Leider hatte ich keine speziellen kapazitiven Handschuhe dabei, um damit auf das Display tippen zu können. So fror meine linke Hand bzw. deren Finger etwas mehr als die rechte, die in wohlig warmen Fingerhandschuhen steckte. Trotz der kompakten Kameraabmessungen gelang es mir nach einiger Übung, mit spitzen Fingern durch den rechten Handschuh hindurch die Knöpfe und Drehräder der EOS RP zu bedienen.

Ohne Fingerwärmer passte die Kamera sehr gut in meine normalgrossen Hände. Ich hatte keine Mühe, die einzelnen Bedienungselemente zu erreichen. Andere Teilnehmer schraubten sich den als Zubehör erhältlichen Verlängerungsgriff EG-E1 unter ihre EOS RP, der ihnen mehr Halt für den kleinen Finger und mehr Sicherheit gegen Abrutschen versprach. Der Griff ist so konstruiert, dass sich damit durch ihn hindurch immer noch Akku und Speicherkarte wechseln lassen. Einen zusätzlichen Akku kann er leider nicht aufnehmen. Er darf somit nicht mit einem Hochformat-Batteriehandgriff verglichen werden.

Die Aufnahmen in der Fotostrecke sind, wenn nichts anderes vermerkt ist, Original-JPEG-Bilder direkt aus der Kamera. Die Fotos wurden nur in der Grösse dem Web-Format angepasst. Fotografiert wurde vor allem mit dem Zoom-Objektiv RF24–105 mm F4 L IS USM, das von Canon zusammen mit der Kamera und einem EF-Objektivadapter als Kit angeboten wird.

Brennweite 58 mm, f/4, 1/60 sec., ISO 2500, Weissabgleich Auto. Mazais loks = kleiner Kreis.
Brennweite 58 mm, f/4, 1/60 sec., ISO 2500, Weissabgleich Auto. Mazais loks = kleiner Kreis.
Brennweite 24 mm, f/5.6, 1/80 sec., ISO 100, Weissabgleich Auto.
Brennweite 24 mm, f/5.6, 1/80 sec., ISO 100, Weissabgleich Auto.
Brennweite 77 mm, f/9, 1/160 sec., ISO 100, Weissabgleich Auto.
Brennweite 77 mm, f/9, 1/160 sec., ISO 100, Weissabgleich Auto.
Brennweite 89 mm, f/9, 1/125 sec., ISO 400, Weissabgleich Bewölkt.
Brennweite 89 mm, f/9, 1/125 sec., ISO 400, Weissabgleich Bewölkt.
Brennweite 50 mm, f/9, 1/320 sec., ISO 100, Weissabgleich Bewölkt.
Brennweite 50 mm, f/9, 1/320 sec., ISO 100, Weissabgleich Bewölkt.
Brennweite 24 mm, f/6.3, 1/160 sec., ISO 100, Weissabgleich Bewölkt.
Brennweite 24 mm, f/6.3, 1/160 sec., ISO 100, Weissabgleich Bewölkt.

Kleine Schwester

Die spiegellose EOS RP ist die kleinste und leichteste digitale Vollformatkamera mit Wechselobjektiven von Canon. Als kleine Schwester der EOS R ist sie mit 440 Gramm rund 140 Gramm leichter, über 13 mm niedriger und 14 mm weniger tief als diese. In der Breite beträgt der Unterschied nur etwas mehr als 3 Millimeter. Diese Schrumpfkur hat weniger Auswirkungen auf die Bedienung als manch einer vielleicht befürchtet.

Die Bedienungselemente auf der Rückseite der EOS RP befinden sich grösstenteils an derselben Stelle wie beim Modell R. Die drei Tasten oben rechts sind nur etwas nach innen gerückt. Ganz weggelassen wurden die viel und kontrovers diskutierte Touch-Leiste, das Zusatzdisplay auf der Oberseite sowie die neuartige «MODE»-Taste der EOS R. Sie wurde durch ein herkömmliches Modus-Wahlrad ersetzt und – ehrlich gesagt – kam ich damit viel direkter und schneller zum Ziel als mit dieser «MODE»-Taste.

Das geniale ausklapp- und drehbare Display der EOS R wurde glücklicherweise übernommen. Nur besitzt es jetzt weniger Auflösung und eine kleinere Bildschirmdiagonale. Ebenfalls gespart wurde beim elektronischen Sucher, sowohl bei der Anzahl Bildpunkte als auch bei der Grösse. Dadurch fehlt der Kamera der typische «Höcker» der EOS R oberhalb des Canon-Schriftzugs.

Der schwenkbare Monitor ist ein echtes Canon-Alleinstellungsmerkmal bei spiegellosen Vollformat-Kameras. Ideal für Selfie-Fans und Vlogger. Aber auch Fotografen und «normale» Videofilmer profitieren davon. Aufnahmen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln gelingen damit bequem und ohne allzu grosse Verrenkungen. Und beim Transport klappt man einfach die Bildschirmseite nach innen und schützt das Display so perfekt gegen Kratzer und Stösse.

Die automatische Schutzvorrichtung für den Sensor, der bei der EOS R in Aktion tritt, sobald die Kamera zum Beispiel für einen Objektivwechsel ausgeschaltet wird, fehlt bei der EOS RP.

Leichter und kompakter: Durch den fehlenden «Höcker» der Canon EOS R (links) wurde die EOS RP um einiges niedriger und ist auch weniger tief. Der Sensorschutz der EOS R fehlt bei der EOS RP.
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