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Publikationsdatum
3. Februar 2003
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Parallel zur Ski-WM in St. Moritz startet die SRG mit der Ausstrahlung des digitalen terrestrischen Fernsehens im Engadin. Fünf DVB-T-Sender werden neu in Betrieb genommen: Celerina, Zernez, Lavin, Tarasp und Sent. Sie übertragen SF1, SF2, TSR1 und TSI2. Neue Inhalte sind nicht geplant. Die SRG will mit dem DVB-T-Projekt verhindern, dass die Schweiz eine analoge Insel im digitalen Europa wird.

Berlin hat letztes Jahr mit DVB-T begonnen. Bereits sechs Monate nach dem Start sollen die analogen Sender abgeschaltet werden. Wer dann noch mit einer Antenne fern sehen will, kommt um die Anschaffung eines digitalen Empfängers – das heisst einer Settop-Box oder einer Einschubkarte für TVs mit digitalem Chassis - nicht herum.

Einführung von DVB-T in der Schweiz bis 2009

W. Gentsch vom Schweizer Fernsehen demonstriert die einfache Installation einer Set-Top-Box zum Empfang des DVB-T-Signales.
W. Gentsch vom Schweizer Fernsehen demonstriert die einfache Installation einer Set-Top-Box zum Empfang des DVB-T-Signales.
Die SRG hat es nicht so eilig. Nach der Einführung von DVB-T – der Vollausbau soll 2009 abgeschlossen sein – wird das Programm für mindestens sechs, ev. acht weitere Jahre sowohl analog wie digital übertragen. Im Jahre 2015 werden allerdings aufgrund internationaler Vereinbarungen alle analogen Sender abgeschaltet.

Nach dem Engadin soll DVB-T im Tessin noch dieses Jahr aufgebaut werden. Motivation dazu ist die Angst vor einem Wildwuchs in Italien, bei dem auch die von der SRG beanspruchten Frequenzen besetzt werden könnten. Dann wäre ein Aufbau nur noch auf diplomatischem Weg möglich, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, wie Roberto Rivola vom BAKOM in St. Moritz ausführte.

Er erläuterte im Weiteren, warum aus der Sicht des Bundes DVB-T gewünscht wird. Die Grundversorgung mit Rundfunk-Programmen soll terrestrisch bleiben. Diese erfolge in Zukunft digital, da die Analogtechnik ein Auslaufmodell sei.

Aber auch sicherheitspolitische Überlegungen führen zur Förderung von DVB-T von Seiten des Bundesamtes für Kommunikation. Die Satelliten seien alle in ausländischen Händen, was in einer Krisensituation zu Problemen führen könne.

Für die Zukunft sieht das BAKOM einen erleichterten Marktzugang für private Veranstalter. Dank DVB-T stehen einerseits mehr Übertragungskanäle zur Verfügung und andererseits reduzieren sich die Betriebskosten.

Einfacher Empfang

Sowohl die herkömmlichen Zimmerantennen für den analogen Empfang wie spezielle Digitalantennen eignen sich für DVB-T. Sie werden nach dem stärksten Signal ausgerichtet, das auch eine Reflexion sein kann, denn Geisterbilder gibt es beim digitalen Fernsehen
Sowohl die herkömmlichen Zimmerantennen für den analogen Empfang wie spezielle Digitalantennen eignen sich für DVB-T. Sie werden nach dem stärksten Signal ausgerichtet, das auch eine Reflexion sein kann, denn Geisterbilder gibt es beim digitalen Fernsehen
Die technischen Aspekte von DVB-T bieten auf verschiedenen Ebenen Vorteile. Auf den vorhandenen Frequenzen haben mehr Programme Platz. Damit reduziert sich auch die abgestrahlte Leistung pro Programm. Übertragen wird ein digitaler Datenstrom, der mit Zusatzdiensten flexibel den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden kann.

Der Empfang ist über Dach- oder Zimmerantenne möglich. Verwendbar sind sowohl die bestehenden als auch kleinere, digitale Antennen. Letztere erhöhen die Mobilität im Haus. Unterwegs im Auto ist DVB-T als „Staufernsehen“ empfangbar, das heisst bei Geschwindigkeiten bis maximal 60 km/h.

Mit DVB-T ist die Ausstrahlung in der Single Frequency Technik möglich. Hierbei strahlen alle Sender mit derselben Frequenz. Ein Umschalten des Empfängers bei Gebietswechsel ist also nicht mehr nötig.

Mit dieser Single Frequency Technik sind in der Schweiz bis sechs Senderketten realisierbar. Die landesweite Senderkette der SRG überträgt vier TV-Programme, zwei sprachregionale und zwei im Sprachaustausch. Theoretisch sind mehr Programme pro Kette möglich. Die SRG beschränkt sich jedoch auf deren vier, um das Ziel der 80%igen Erreichbarkeit zu erfüllen.

Beim digitalen Fernsehen sind Geisterbilder eine Erscheinung der Vergangenheit. Daher können bei der Ausstrahlung auch Reflexionen zum Beispiel an Bergen ausgenutzt werden. Bis 20% weniger Standorte für Sender sind die Folge.

Insgesamt ist die drahtlose terrestrische Übertragung die billigste Variante bei technisch besserer Qualität. Die Verbreitungskosten sollen sich bei Vollausbau und ohne die parallele analoge Übetragung um 25% reduzieren. DVB-T bietet zwar weniger Programme als Satellit oder Kabel, ist dafür aber mobil. Der grosse Pluspunkt jedoch ist, dass die Übertragung nicht verschlüsselt ist.

Geringer Zusatznutzen

Für den DVB-T-Empfang ist bereits eine umfangreiche Palette an Geräten erhältlich. Grundig etwa hat einen Einschub, der für alle Digi100-Chassis geeignet ist. Im Vordergrund die Settop-Box von Panasonic.

Trotz guter Versorgung mit Fernsehprogrammen in der Schweiz (85% Kabel- und Satellitenpenetration) führt die SRG DVB-T ein. Sie sieht eine Marktchance bei Zweit-Fernsehern, die – etwa im Schlafzimmer – über keinen Kabelanschluss verfügen. Zudem stellt sie bei jugendlichen Leuten einen Trend zu kleinen Fernsehgeräten fest, die mobil betrieben werden.

Gerade für diese Gruppe kann das beschränkte Programmangebot die Attraktivität von DVB-T in Frage stellen. Der eigentliche Zusatznutzen ist die kleinere und damit mobilere Antenne – etwas wenig für die mindestens 300 Franken Zusatzkosten für eine Settop-Box.
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