Wer von Musik-Streaming redet, beginnt meist bei Spotify. Das hat gute Gründe. Der Dienst, welcher Musik aus dem Internet auf Mobilgeräte, Fernseher und Stereoanlagen liefert, hat sich mit breitem Musikangebot und guter Integration in unterschiedlichste Geräte zum Marktführer entwickelt.
Von der App zur Stereoanlage
Spotify lässt sich nicht nur via Apps sondern auch in jedem Browser nutzen. Einige Möglichkeiten, insbesondere das Streaming auf Multiroomanlagen, funktionieren aber nur mit einem bezahlten Abo.Am einfachsten lernt man Spotify kennen, wenn man die Internetadresse https://play.spotify.com in den Browser tippt. Nach kostenloser Registrierung kann man bereits im Musikangebot mit zig-Millionen Titeln stöbern und seine Lieblingssongs abhören. Die Titel werden dabei als kontinuierlicher Datenstrom auf den PC geliefert, bricht das Internet ab, verstummt die Musik.
Ist man erst einmal von Spotify angetörnt, sollte man unbedingt auch die Apps für Windows, OS X oder für alle gängigen Mobilgeräte installieren. Nur damit erhält man den kompletten Funktionsumfang des Dienstes. Weil man sich bald über Werbung und Limitierungen nervt, landet man auch schnell bei einem Bezahlabo. Für knapp 13 Franken pro Monat darf man dann sogar Musik direkt auf Mobilgeräte herunterladen und kann sie dann auch ohne Internetverbindung anhören. Wollen zwei Familienmitglieder unterschiedliche Musik hören, kostet dies monatlich knapp 20 Franken.
Von Brüllbox bis HiFi-Anlage
Wer bei Spotify bezahlt, kann Musik einfach via Airplay, Chromecast oder Spotify-Connect auf externen Lautsprechern abspielen. Allerdings kann gleichzeitig nur ein Lautsprecher aktiv sein.Wenn man die Spotify-Musik nicht mehr nur via Kopfhörer oder PC-Lautsprecher hören will, ist die Anschaffung eines spotify-tauglichen Zusatzgerätes angesagt. Hierbei gibt es zwei verschiedene Lösungen. Vor allem ältere Geräte haben Spotify so integriert, dass es über die App des Geräteherstellers gesteuert werden muss. Das hat den Vorteil, dass man sämtliche Möglichkeiten des Gerätes direkt ausnutzen kann. Hört man beim Nachhausekommen noch Spotify am Handy, muss man aber erst mühsam die App der Stereoanlage starten und sich dort wieder zur Musik durchhangeln.
Spotify hat deshalb die Technik Spotify Connect entwickelt. Damit ausgestatte Audio-Geräte sind direkt innerhalb der Spotify-App auf allen Plattformen verfügbar. Sie erscheinen einfach als zusätzliche, direkt anwählbare Lautsprecher. Kommt man nach Hause, tippt man am Handy einfach den Spotify-Lautsprecher der Stereoanlage an, damit die Kopfhörerbuchse verstummt und die Heimanlage übernimmt. Connect-Geräte verbinden sich dann direkt mit dem Musikdienst und holen die Daten aus dem Internet. Man darf also das Handy ausschalten und die Playlist dudelt weiter auf dem Lautsprecher.
Weil Spotify-Connect als fertiger Chipsatz geliefert wird, gibt es Dutzende passender Geräte. Deren Qualitäten reichen von Brüllbox für 100 Franken bis zum audiophilen AV-Receiver für mehrere Tausend Franken. Connect unterstützt auch einen Disco-Modus, bei dem auf mehreren Geräten identische Musik mehr oder weniger synchron abgespielt wird. Will man in mehreren Räumen unterschiedliche Musik hören, benötigt man aber zwingend mehrere bezahlte Spotify-Accounts.
Mit Adaptern lassen sich auch bestehende Stereoanlagen nachträglich für Spotify fit machen. Besonders preisgünstig ist der von Google verkaufte Chromecast Audio
Für 40 Franken rüstet Chromecast Audio jedes Gerät via Analog- oder optischem Anschluss auf Spotify Connect auf.Lossless statt eingedampft
Spotify liefert Musik immer komprimiert aus, bestenfalls mit einer Datenrate von 320 kbps. Audiophile Ohren wünschen sich aber eine Musikquelle mit verlustfreiem Lossless-Format.
Diese Lücke füllen alternative Streaming-Dienste wie Deezer, Tidal, Wimp und Qobuz. Sie liefern Musik auch in verlustfreier Qualität mit hoher Datenrate aus. Teils muss man aber für eine Nutzung in der Schweiz tricksen. Ferner muss auch das Audiogerät technisch und qualitativ die audiophilen Formate unterstützen.
In der Schweiz aktiv sind auch die Dienste von Apple, Napster, Deezer, Google Play, Xbox Music sowie die kostenlosen Vertreter wie Rdio und last.fm. In der klassischen Nische bewegt sich die Deutsche Grammophon mit ihrem DG Discovery. Bei Wikipedia sind Dutzende Dienste gelistet, die teils aber in der Schweiz gar nicht verfügbar sind. Bekanntester Newcomer ist Apple, dessen Musikdienst wir bereits vorgestellt haben.
Mit der jeweiligen App lassen sich alle Dienste problemlos nutzen, die Integration in bestehende HiFi-Systeme ist allerdings stark vom Hersteller abhängig.
Tidal bietet Musikstreaming in verlustfreien Formaten an. Der Dienst lässt sich das aber teuer bezahlen.Selber sammeln
Wer ausgefallenen Musikgeschmack hat oder lieber „besitzt statt mietet“, wird mit Streaming-Anbietern aber nicht immer glücklich. Hier muss man selber seine Musiksammlung abspeichern und auf seine Musikgeräte verteilen.
Am umfangreichsten, technisch saubersten aber nicht immer einfachsten funktioniert das mit der Technik UPnP/DLNA. Musik wird auf eine Netzwerkfestplatte (ab 200 Franken für Hunderttausende Songs) gespeichert.
Zum Auswählen und Steuern des Musikprogramms benötigt man eine DLNA-App (Allconnect, Media:Connect PlugPlayer, BubbleUPnP, Allcast, Kinsky, Windows Media Player, Plex). Die Töne kommen dann aus einer DLNA-tauglichen Stereoanlage oder passenden Aktivlautsprechern.
DLNA-Apps wie AllConnect (Bild) machen Smartphones, Tablets und den PC zum Dirigenten für die heimische Musikunterhaltung.Die Bedienung ist simpel. In der Bedienapp wählt man aus, welches Geräte welche Songs aus welcher Sammlung abspielen soll. Dabei darf man auch parallel mehrere Abspieler füttern, eine wirklich synchrone Wiedergabe des gleichen Songs auf mehreren Geräten ist aber nicht möglich.
In der Praxis erhält so das Abspielgerät den Befehl, sich eine bestimmte Datei vom Server zu holen und abzuspielen. Das Wiedergabegerät erhält dabei die Datei in Originalqualität, also beispielsweise als FLAC-Datei mit 24/192-Auflösung. Gute DLNA-Server, wie die Synology-Netzwerkfestplatte, können sogar „schlechte Abspieler“ automatisch mit angepassten Dateiformaten wie MP3 füttern. Die audiophile FLAC-Datei wird dazu in Echtzeit beim Ausliefern umgewandelt (recodieren).
Zusätzliche Flexibilität erhält man, wenn man die eigene Musiksammlung zu einem Cloud-Dienst wie Google Music kopiert. Dort darf man bis zu 50‘000 Songs speichern und kann sie dann problemlos auch unterwegs auf Mobilgeräten via Internet konsumieren. Ähnliche Dienste bieten auch Apple und Amazon, dort landen bei ihnen gekaufte Songs sogar automatisch in der Cloud.
Spezialisten für Multiroom
Mit allen obigen Lösungen kann man problemlos auch Musik in verschiedenen Räumen abspielen. Eine echte Multiroom-Lösung bietet aber zusätzliche Vorteile. Dank perfekter Synchronisation kann man auch in benachbarten Räumen identische Musik hören, ohne dass lästige Echo-Effekte auftreten. Das Konzept von Musikzonen und Szenarien macht es ferner möglich, einfach mehrere Lautsprecher je nach Anwendung zusammenzufassen. Ferner erlauben gute Multiroom-Systeme auch das Einspeisen von analogen Quellen und verteilen dieses Signal ebenfalls auf alle Komponenten.
Eine zusätzliche Anforderung an Multiroom-Systeme ist ferner die Integration von unterschiedlichen Musikquellen. Wer Abos bei verschiedenen Anbietern hat oder private Musik mit Gemietetem kombinieren will, braucht eine integrierte Bedienoberfläche. Guten Multiroom-Systemen ist es auch egal, ob die eigene Musik auf dem Mobilgerät oder irgendwo im Heimnetz gespeichert ist.
Die Stärke von Sonos
Sonos vereint in seiner breiten Produktepalette viel Erfahrung. Bei der Integration von verschiedenen Streamingdiensten ist das System unübertroffen.Bei Multiroom-System ist der Hersteller Sonos unangefochtener Marktführer. Über 10 Jahre Erfahrung sind in die Systeme eingeflossen. Grösste Stärke von Sonos ist, dass es praktisch alles integriert. Über ein Dutzend Musikdienste, Internetradios, Podcasts, Cloud-Dienste, NAS, lokaler Speicher und auch analoge Audio-Quellen sind in einer Oberfläche vereint.
Ein wahres Kunststück ist Sonos mit der globalen Suchfunktion gelungen. Sucht man Beatles, werden alle Titel aufgelistet, egal ob die in der privaten Sammlung liegen oder von Spotify stammen. Auf der technischen Seite profitiert Sonos von seinem drahtlosen, vermaschten Netzwerk. Neue Lautsprecher funktionieren darin als Repeater oder Relais-Station und erhöhen automatisch die Reichweite des Netzwerkes.
Sonos hat allerdings auch seine Schwächen, insbesondere im audiophilen Bereich. Gängige verlustfreie Audioformate wie FLAC kann Sonos nicht in audiophiler Qualität abspielen. Die aktiven Lautsprechersysteme von Sonos bieten zwar guten Klang, in der Preiskategorie von 200 bis 1000 Franken aber kein High-End.
Aufgrund der langen Geschichte hat Sonos auch Schwächen bei der Verwaltung der persönlichen Musiksammlung. Diese ist grundsätzlich auf 65‘000 Songs beschränkt und Sonos unterstützt weder UPnP noch Spotify Connect. Einige dieser Schwächen lassen sich lösen, wenn man im Heimnetz einen Assset UPnP-Server oder den von uns getesteten Jamcast installiert.
Alternativen prüfen
Ein wichtiger Konkurrent von Sonos ist das Multiroom-System von Raumfeld. Es glänzt mit besseren audiophilen Qualitäten und Unterstützung von HD-Audio. Inzwischen gibt es aber zahlreiche Alternativen zu Sonos. Sowohl LG als auch Samsung bauen ihre Multiroom-Konzepte permanent aus und bieten Vorteile wie Integration des Fernsehers oder Follow-Me-Funktion, bei der die Musik dem Hörer in verschiedene Räume folgt.
Auch der Hersteller Raumfeld stellt sich als direkter Konkurrent zu Sonos auf und hat vor allem bei der verlustfreien Audiowiedergabe Stärken aufzuweisen.
Die AllCast-Lösung von Panasonic kann praktisch alle Musikquellen, inklusive CD, auf allen Geräten abspielen.
Wer simples Multiroom-Audio sucht, sollte sich auch Philips Izzy demonstrieren lassen. Mehrere Boxen vernetzen sich via Tastendruck in einem selbst erstellen WLAN. Eine App ist nicht nötig.
Guten Sound mit einfacher Bedienung via App oder Fixtasten am Gerät bietet Bose mit Soundtouch. Wir haben diese Lösung ausführlich getestet.
Interessant ist auch das Multiroom-System Heos von Denon. Es zeichnet sich vor allem auch dadurch aus, dass alle an den Lautsprechern angeschlossenen Musikquellen im ganzen Heim verteilt werden können. Auch zu Denon Heos finden Sie einen ausführlichen Testbericht.
Auch im High-End-Bereich gibt es ausgereifte Multiroom-Lösungen. Hier sind vor allem Hersteller wie Naim, Linn, Bluesound, B&O und Revox vertreten. Alle Lösungen haben individuelle Stärken, bewegen sich aber bei mehreren Räumen schnell im fünstelligen Frankenbereich.
Airplay, Chromecast und Bluetooth
Wer in einer reinen Apple-Welt lebt, kann viele Beschallungsfragen mit der Airplay-Technik lösen. Dabei wird meist auf einem Mobilgerät die Audiodatei aufbereitet und drahtlos an einen Airplay-Lautsprecher geschickt. Dabei kann eigentlich alles, was aus einem iOS-Lautsprecher krächzt, umgeleitet werden. Airplay ist aber weder audiophil noch hat es ein richtiges Multiroom-Konzept. Ferner saugt es den Akku von Mobilgeräten leer.
Ähnliches erreicht Google mit seinem Chromecast-Stick. Dieser war bisher auf Videowiedergabe spezialisiert und hatte keinen Audio-Ausgang, sondern nur einen HDMI-Anschluss. Neu gibt es aber für rund 40 Franken den Chromecast Audio, der über eine analoge Klinke und einen digitalen Ausgang verfügt. Er ist damit wohl die günstigste Lösung, um bestehende Aktivlautsprecher oder Verstärker zu vernetzen.
Audioübertragung via Bluetooth ist nur eine Notlösung. Die Qualität ist nicht audiophil und die Reichweite auf wenige Meter beschränkt. Lediglich mit Erweiterungen wie AptX wird vernünftige Audioqualität erreicht. Viele Mobilgeräte, darunter auch alle iOS-Geräte, unterstützen aber kein AptX. Ferner „killen“ Telefonanrufe auf ein Handy meist auch die Musikwiedergabe.

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