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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
28. Oktober 2018
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MEDIEN

Nikon Schweiz konnte avguide.ch eines der ersten begehrten Serienmodelle der neuen spiegellosen Nikon Z 7 für ein paar Tage zur Verfügung stellen, zusammen mit den neuen Nikkor-Z-Objektiven 24–70 mm/4 S und 35 mm/1.8 S. Mit dazu gab es noch den FTZ-Adapter, um F-Objektive wie zum Beispiel das AF-S Nikkor 70–200 mm/2.8E FL ED VR anzuschliessen.

Das Testen von Nikon Kameras mit Wechselobjektiven beginnt wie üblich zuerst mit einer Gehirnumpolung. Alle Drehbewegungen wie Objektive ans Bajonett ansetzen oder Deckel abnehmen werden nicht in der wie bei allen anderen Kamerasystemen üblichen Richtung, sondern entgegengesetzt ausgeführt. Auch das neue Z-Bajonettsystem ändert nichts daran. Wer dies vergisst, schraubt den Objektivdeckel noch fester an anstatt ihn zu lösen. Und bringt ihn danach kaum mehr ab.

Die Nikon Z 7 ist seit diesem Monat erhältlich und läutet mit ihrem Z-Bajonett bei Nikon das spiegellose Vollformat-Zeitalter ein. Ihre Auflösung von über 45 Megapixel ist eine der höchsten unter den Kleinbildkameras. Wer mehr möchte, muss sich schon im Mittelformat-Bereich umsehen.

Ihre kleine Schwester Z 6 bietet mit 24,5 Megapixel weniger Auflösung und weniger Autofokus-Punkte, dafür einen grösseren ISO-Bereich und mehr Serienbilder pro Sekunde. Ansonsten jedoch entspricht sie der Z 7. Die Nikon Z 6 soll ab Ende November 2018 in den Handel kommen.

Wer die Nikon Z 7 das erste Mal in den Händen hält, glaubt kaum, dass dies das allererste Modell einer neuen Kamerageneration ist; so gelungen gestaltet und «fertig» kommt sie daher. In manchen Dingen übertrifft sie gar das Spiegelreflex-Topmodell D850 von Nikon. Von diesem hat sie vieles geerbt und muss sich auch damit vergleichen lassen.

Zum Beispiel beim Gewicht. Die Z 7 wiegt mit Akku und Speicherkarte gut 330 Gramm weniger als die rund ein Kilogramm schwere D850. Mit 134 x 100,5 x 67,5 mm Abmessung ist die Z 7 zwar etwas kleiner, lässt sich jedoch auch mit grossen Fingern immer noch gut halten. Dem Trend zur extremen Miniaturisierung folgt Nikon bei der Z 7 definitiv nicht.

Das Gehäuse der neuen Kamera besteht aus einer robusten Magnesiumlegierung. Laut Nikon ist die Stabilität wie auch die Staub- und Tropfwasserresistenz auf dem Niveau der D850, also wie bei High-End-Spiegelreflexkameras. Dasselbe gilt für Ergonomie und Bedienbarkeit, die von der langjährigen Erfahrung von Nikon profitieren. Neben einem komfortablen Griff wurden Bedienelemente wie der Sub-Wähler, AF-ON-Taste, ISO-Einstellung und Belichtungskorrektur so platziert, dass sie die Bedienung schnell und einfach gestalten. Zusätzlich gibt es oben auf der Kamera ein Display, auf dem Informationen zu den Einstellungen angezeigt werden.

Der elektronische Sucher basiert auf einem OLED-Display mit 3,69 Millionen Bildpunkten, hat eine Bildfeldabdeckung von ca. 100 Prozent und einen Vergrösserungsfaktor von 0,8. Damit lässt er sich mit einem optischen Sucher vergleichen, bietet jedoch viel mehr Anzeigemöglichkeiten. So lässt sich zum Beispiel das Nikon-typische «i»-Menü anzeigen. Damit kann die Fotografin oder der Fotograf verschiedene Aufnahmeeinstellungen wie ISO-Empfindlichkeit, AF-Messfeldsteuerung und Picture-Control-Konfiguration betrachten und schnell einstellen, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen.

Der 8,1 cm grosse, neigbare LCD-Monitor besitzt rund 2,1 Millionen Bildpunkte und eine Touch-Funktion, die ihrem Namen wirklich gerecht wird. So kann man damit nicht nur bequem mit den Fingern das AF-Feld (mit oder ohne Foto-Auslösung), sondern auch die meisten angezeigten Werte und die vielen Menü-Einstellungen direkt auswählen und anpassen. Und bei der Wiedergabe startet ein Druck auf das grosse Play-Symbol auf dem Display auch tatsächlich den Film. Hast du das gehört, Sony?

Kompakt: Die Nikon Z 7 ist kleiner und leichter als eine DSLR, aber dennoch voluminös genug, um sie auch mit grossen Händen sicher zu halten. Der Monitor ist nicht mehr fest eingebaut, sondern lässt sich neigen.

Erster kamerainterner Bildstabilisator von Nikon

Die Nikon Z 7 und die Z 6 verfügen über einen in die Kamera integrierten Bildstabilisator, in der Nikon-Welt als «VR» («Vibration Reduction») bezeichnet. Der Bildstabilisator kompensiert Bewegungen über fünf Achsen, indem der beweglich gelagerte Bildsensor horizontal, vertikal und in der Rotation verschoben wird. Die Wirksamkeit des Stabilisators soll einer um ca. 5,0 Lichtwertstufen (EV) kürzeren Belichtungszeit entsprechen.

Das Geniale daran: Die Stabilisation funktioniert auch mit bereits vorhandenen Nikkor-F-Objektiven, sogar bei solchen ohne Bildstabilisator, wenn sie mit dem optionalen Bajonettadapter FTZ verwendet werden. Bei Objektiven mit eigenem Stabilisator arbeiten beide Systeme gemeinsam. Das Objektiv übernimmt dabei die Korrektur bei Verschwenkungen, die restlichen Achsen werden vom Kamerastabilisator ausgeglichen.

Da momentan nur die beiden Z-Nikkor-Objektive 24–70mm/4 S und 35mm/1.8 S erhältlich sind (ein Nikkor Z 50mm f/1.8 S ist auf Ende Oktober 2018 angekündigt), werden die meisten Nikon-Fans eine Kit-Variante mit dem FTZ Objektivadapter kaufen. Damit stehen ihnen die ganze Palette an Nikkor-Objektiven mit F-Bajonettanschluss zur Verfügung.

Wir haben das AF-S Nikkor 70–200 mm/2.8E FL ED VR sowie das AF-S Nikkor 24–70 mm/2.8G ED via Adapter an der Z 7 betrieben und konnten keine Performance-Einbussen oder sonstige Beeinträchtigungen gegenüber einer Spiegelreflexkamera feststellen. Mit den originalen Z-Objektiven fokussiert die Z 7 noch etwas schneller, was gegenüber den adaptierten Optiken jedoch nur bei wenig Licht auffiel.

Das Handbuch listet nicht kompatible Objektive und Zubehör wie Telekonverter oder Zwischenringe auf. Ohne Probleme sollten AI-, AF-S- und AF-P-Objektive funktionieren. Der FTZ-Adapter selbst ist linsenlos. Er überbrückt im Grunde genommen nur die unterschiedlich langen Auflagemasse von F- und Z-Bajonett und überträgt die Anschlusskontakte.

Der Bajonettadapter FTZ (F-to-Z-Bajonett) ermöglicht es, Nikkor-Objektive mit F-Bajonett am Z-Bajonett zu benutzen.

Speichern und verbinden

Ja, die Nikon Z 7 hat nur einen Karten-Slot und benötigt die exotischen und teuren XQD-Speicherkarten. Ob dies ein Fehler der Nikon-Ingenieure war, wird die Zukunft zeigen. Die Meinungen darüber kann man im Web nachlesen. Ich denke, wer schon mal eine dieser robusten XQD-Karten gesehen hat, wird sich wieder etwas beruhigen. Für diejenigen, die ihren Datenverlust durch Kartenfehler bereits hinter sich haben oder zwingend auf zwei Slots angewiesen sind, ist die Nikon Z 7 aus dem Rennen.

Bei der Stromversorgung macht Nikon wieder Boden gut. Der Akku EN-EL15b kann im Ladegerät oder in der Kamera über USB geladen werden. Ältere EN-EL15-Batterien dürfen ebenfalls verwendet werden, lassen sich jedoch nicht per USB, sondern nur extern laden.

Apropos Akkuladung: Nach CIPA-Standard schiesst die digitale Spiegelreflexkamera Nikon D850 mit einer Akkuladung 1840 Fotos, die spiegellose Z 7 nur gerade 330 Bilder. Hier spricht der Stromverbrauch des elektronischen Suchers eine deutliche Sprache. Soweit die Theorie, im praktischen Einsatz sind mit der Z 7 deutlich mehr Fotos möglich. Profifotografen berichten auch bei intensiver Sucher- und Monitor-Nutzung von gut 800 Bildern.

Die Anschlussvielfalt der Z 7 umfasst integriertes Wi-Fi (für direkte Verbindungen zu Smartgeräten bei Verwendung der SnapBridge-App), Bluetooth, Mikrofon, Kopfhörer, Zubehör, HDMI Typ C (Mini-HDMI) und USB-C. Eine Blitzsynchronbuchse fehlt ebenso wie ein interner Blitz. Der muss extern über den Standard-Blitzschuh angeschlossen werden.

Vorhandene Nikon-Zubehörkomponenten wie der Wireless-LAN-Sender WT-7 oder das Advanced Wireless Lighting mit Funksteuerung zum Fotografieren mit mehreren Blitzgeräten werden von der Z 7 unterstützt.

Kritikpunkt: Es ist nur ein Kartenschacht für exotische XQD-Speicherkarten vorhanden.
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