21. Mai 2019 | seit 1999
TESTBERICHT
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Im letzten Herbst wagte Canon mit der EOS R den ersten Schritt in die Welt der spiegellosen digitalen Vollformatfotografie. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Neben vielen typischen Canon-Qualitäten fanden sich auch einige unverständliche Mankos bei der Ausstattung.

Sportfotografen, Hochzeits- und Event-Spezialisten sowie Filmemacher warteten deshalb auf eine professionellere Variante der EOS R – und Canon überraschte in diesem Februar mit einer kostengünstigen Kamera für die Masse. Die EOS RP, das P steht für populär, soll Ein- und Umsteiger ins spiegellose EOS-Vollformatlager von Canon bringen.

Während sich die EOS R mit der Canon-Spiegelreflexkamera EOS 5D Mark IV vergleichen lässt – in ihr arbeitet ein sehr ähnlicher Sensor mit einer Auflösung von über 30 Millionen effektiven Pixeln – hat die neue EOS RP vieles von der EOS 6D Mark II, einer beliebten Canon-Spiegelreflexkamera, übernommen. Sie ist um einiges kleiner als diese und gut 280 Gramm leichter, doch die inneren Werte sind bis auf den fehlenden Spiegel vergleichbar.

So ist der CMOS-Bildsensor der EOS RP mit 35,9 x 24,0 mm genau gleich gross wie bei der 6D II. Darauf befinden sich ebenfalls 26,2 Millionen effektive Pixel, und die grösste Bildauflösung beträgt genau gleiche 6240 x 4160 Pixel. Auch die ISO-Werte und die kürzeste Belichtungszeit sind mit der Spiegelreflexkamera identisch. Dafür unterstützt die EOS RP dank des leistungsstärkeren Prozessors neben UHS-I- auch UHS-II-Speicherkarten, was die 6D II nicht kann. Und statt nur tonloser 4K/UHD-Zeitlupe wie bei der 6D II gibt es jetzt richtiges 4K/UHD-Video mit bis zu 25 Bildern pro Sekunde.

Abmagerungskur

Um die laut Canon kleinste und leichteste und nicht zuletzt preiswerteste digitale Vollformatkamera mit Wechselobjektiven zu konstruieren, mussten gegenüber einer EOS R nicht nur das Gehäuse verkleinert und Bedienungselemente weggelassen werden, sondern auch Sucher, Display und Akku wurden bei der EOS RP abgespeckt.

Am offensichtlichsten erkennt man dies am fehlenden EOS-R-«Sucherhöcker» auf der Canon EOS RP, die dadurch um einiges niedriger und auch weniger tief wurde. Der elektronische Sucher in OLED-Technik besitzt mit 2,36 Millionen Bildpunkten rund 1,33 Millionen weniger als die EOS R. Ähnlich sieht es beim TFT-LCD-Monitor aus, der ebenfalls kleiner wurde und mit 1,04 Millionen Bildpunkten nur die Hälfte der Auflösung einer EOS R besitzt.

Auf die neuartige «MODE»-Taste und das Zusatzdisplay auf der Oberseite der EOS R sowie die Multifunktions-Touchleiste an der Rückseite wurde bei der EOS RP ganz verzichtet. Dadurch sind die oberen drei Tasten an der rechten Kante der EOS RP etwas nach innen gerückt. Die automatische Schutzvorrichtung für den Sensor, der bei der EOS R in Aktion tritt, sobald die Kamera zum Beispiel für einen Objektivwechsel ausgeschaltet wird, fehlt bei der EOS RP ebenfalls. Ob sich die Kamera nach so vielen Einschränkungen und Weglassungen überhaupt noch richtig bedienen lässt, steht auf den nächsten Seiten.

Leichter und kompakter: Die Canon EOS RP ist durch den Wegfall des «Sucher-Höckers» der EOS R (links) um einiges niedriger und weniger tief. Der Sensorschutz der EOS R fehlt der kleinen Schwester ebenfalls.
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