Piccolo JB swiss. Tonarm und Staubschutz
Tolle Verarbeitung
Das Gehäuse der Piccolo besteht aus MDF und ist lackiert und poliert. Die Verarbeitungsqualität ist fantastisch. Die Klavierlack-Ausführungen in Schwarz oder Weiss verdient den Namen Klavierlack. Die Flächen sind dank der sorgfältigen Politur der Lackierung absolut makellos. Die Klavierlackversion kostet denn auch mehr, aber schon die Standard-Mattlack-Ausführung beeindruckt. Mit dieser Ausführung kostet ein Paar Piccolo 4500 CHF. Mit Klavierlack 4900 CHF, die Ständer kosten 490 CHF.
Treiber an der Seite
Hersteller von Lautsprechern neigen oft dazu, irgend eine auffällige Spezialität in Erscheinung treten zu lassen, damit ihr Lautsprecher dank einer geheimnisvollen Komponente besonderes Interesse weckt. Sehr typisch dafür ist der inzwischen verbreitete Einsatz von Lautsprechertreibern, die nicht auf der Schallwand sitzen, sondern gegen oben oder nach hinten abstrahlen. Bruno Jeker experimentierte schon vor Jahrzehnten mit solchen Anordnungen und erzielte damit eine Präsenz des Klangbilds im Raum, die den Eindruck eines echten Konzerts verstärkte.
Es ist nicht schlüssig beweisbar, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gross, dass JB der erste Hersteller war, der dieses Prinzip anwandte und immer wieder verfeinerte. Bei der Piccolo sieht man rein äusserlich einen Konus-Mitteltöner mit «Phase Plug» an der Seitenwand, der gegen die Mitte der Klangbühne gerichtet ist. Die Lautsprecher sind auf der Rückseite für die korrekte Platzierung mit L/R markiert. Die Frage, welches Frequenzspektrum von diesen zusätzlichen Treibern in welcher Phase und mit welchem Pegel wiedergegeben wird, bekam ich mit einem Lächeln «beantwortet». Ich wurde also freundlich abgewiesen und kann das verstehen.
Das Hörerlebnis
JB swiss hat sich für ihren Demoraum einen ZENmini von Inuuos angeschafft. Der kleine Musikserver/Streamer dient dort als Roon Endpoint. Ich konnte das Gerät auf der Betriebssoftware kurzerhand als Roon Core definieren und mit meinem Login auf meine Musik von Qobuz zugreifen. Der DA-Wandler ist im CD-Player von Vincent integriert. Vorverstärker und Endstufe sind ebenfalls von Vincent.
Sorgfältige Präsentation der JB Swiss Piccolo.Ich begann mit «Flight of the Cosmic Hippo» von Béla Fleck and the Flecktones. Mir gefällt das witzige Stück, obwohl ich es schon viele Male in Vorführungen verwendete. Die ganz tiefen Register sind extrem aufschlussreich, vor allem die ab 2:25. Ich traute meinen Ohren kaum. Nicht so, dass man das mit den Piccolo mit einem Wahnsinnspegel wiedergeben könnte, aber es war anständig laut, präzise und bis in tiefsten Register ausgewogen. Der Bass zeigt einen guten Mix aus Rundheit und Trockenheit.
Dann kam ein Song namens «Engingilaye» des Kameruners Richard Bona. Der Vertraute, von Bonas blubbrigem Singsang mit perkussiver Farbenpracht auf tiefgründiger Basssuppe angereicherte Sound ist einfach nur fröhlich und unbeschwert. Es war mitreissend, packend und ich hörte den Song bis an sein Ende. Wow!
Dasselbe mit Brandi Disterheft auf ihrem neuen Album «Surfboard» und dem Song «Nana» (mit so einem Kringel über dem letzten a). Die kanadische Jazzbassistin kam so richtig quirlig, witzig mit viel Temperament und Fundament rüber. Und auch hier: Ich schaute zwar auf die Uhr, hörte aber bis zum Ende.
Händels «Ombra mai fu» aus Rinaldo, neu eingespielt von – na von wem wohl – Cecilia Bartoli auf ihrem neuen Album «Queen of baroque». Die Piccolos stellten die Komplexität und Intuition dieser Stimme so perfekt in den Raum, dass ich nicht davon ablassen konnte. Es sei gesagt, dass Bartoli je nach Aufnahme und Wiedergabeequipment schon ganz gehörig nerven kann. Hier nicht.
Dann Jimmy Smith mit «See See Rider» auf «Home Cookin'» mit den subtilen Geräuschen rund um seine fantastische Hammond-Darbietung. Und auch Glen Gould mit dem Cellisten Leonard Rose, Gamba spielend. Beide verspielt und etwas zurückhaltend gedämpft. Eine wunderbare Atmosphäre entstand um mich herum. Der richtige Zeitpunkt, durch den Raum zu wandern und festzustellen, dass der Sweet Spot nicht der einzige Ort im Raum ist, an dem ich mich in der Musik glücklich aufgehoben fühle.
Fazit
So kann man sich die Piccolo gut auf einem Sideboard vorstellen.Die JB swiss Piccolo sind ein Wurf – und ganz und gar keine gewöhnlichen Monitor-Lautsprecher. Die Musikalität und ihre packende, mitreissende Spielart erinnert an etwas Lebendiges, Organisches, was es natürlich nicht ist. Ich kann mich nur an wenige Momente erinnern, die mich emotional so beeindruckten, wie diese Hör-Session. Der Preis von 4500 bis 4900 CHF, je nach Lackierung und ohne Ständer, kann man als absolut gerechtfertigt ansehen. Die Klangreife ist es wert und man schafft sich mit den Piccolo etwas ganz Besonderes an. Dazu bekommt man noch 7 Jahre Werksgarantie. Probehören?

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