3D ohne Brille ist jedoch noch weitgehend Zukunftsmusik, aber die dafür erforderlichen autostereoskopischen Displays sind bereits in Entwicklung. Dabei kommen unterschiedliche Technologien zum Einsatz - beispielsweise Kameras, welche die Augen des Betrachters verfolgen und permanent den Blickwinkel des dargestellten Bildes anpassen. Eine andere Technik arbeitet nach dem Prinzip von Wackelbildern. Über jeder Pixelspalte des Panels liegt eine so genannte Parallaxenbarriere - eine durchsichtige Schicht, die mit Schlitzen versehen ist. Über je zwei Pixelspalten befindet sich ein Schlitz. So sieht das eine Auge aus seinem Blickwinkel nur die erste Reihe an Bildpunkten und das andere nur die zweite.
Professionelle Anwendungen setzen in der Regel auf eine Kombination aus Blickwinkelerfassung und Parallaxentechnik. Dabei wird die Parallaxenschicht mit der Kopfbewegung verschoben, was deutlich höhere Blickwinkel möglich macht. Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) in Berlin hat ein System entwickelt ("Free2C_digital"), das auf diese Weise funktioniert. Perfektioniert wird die Darstellung über ein multimodales Display, das gleichzeitig verschiedene Ansichten einer Szene zeigen kann, so dass mehrere Zuschauer in den Genuss der 3-D-Wiedergabe kommen.
Samara Joy
Samara Joy McLendon (Jahrgang 1999) ist anscheinend nur mir bis heute noch nicht aufgefallen, hat sie doch mit «Linger Awhile», dem Album, das schon im September 2022 veröffentlicht wurde, bereits 2023 den Grammy für «Best Jazz Vocal Album» gewonnen und wurde zum «Best New Artist» erkoren.
Samara wuchs in Castle Hill, einem Teil von New York City, auf. Ihre Musikalität scheint sie von ihrem Vater, einem Sänger und Bassisten, mitbekommen zu haben, dessen Eltern bereits eine bekannte Gospelgruppe gegründet hatten.
Samara wurde schon während ihrer Highschool-Zeit mit einem Preis als beste Jazzsängerin ausgezeichnet. Und noch während ihres Studiums, das sie magna cum laude abschloss, nahm sie ihr erstes Album auf, das schlicht mit «Samara Joy» betitelt wurde. In einem Interview wurde sie als «die junge Frau, in deren Körper Sarah Vaughan und Ella Fitzgerald zu leben scheinen» bezeichnet.
Sie veröffentlichte einige Videos auf verschiedenen Social-Media-Kanälen. Eines davon wurde (Stand Oktober 2020) über 1,5 Millionen Mal angeschaut. Im November 2020 hatte sie bereits 200’000 Follower auf TikTok. Nicht zuletzt dank dieses Erfolgs tourte sie durch Europa, sang in ausverkauften Konzerten vorwiegend in Italien und Österreich. 2021 und 2022 trat sie auf weiteren Tourneen auch an diversen renommierten Jazz-Festivals in den USA auf und kam danach zurück nach Europa.
Am 16. September 2022 veröffentlichte Verve Records das vorliegende Album, das von ihrer inzwischen riesigen Fan-Gemeinde fieberhaft erwartet wurde.

«Linger Awhile»
Beinahe hätte ich (wieder einmal) eine Neuerscheinung wegen des Covers übersehen: Irgendwie erwartete ich eher eine mittelmässige R&B-Produktion von einer mir nicht bekannten Sängerin. Und nur die Tatsache, dass das Album von Verve in der Abteilung Jazz aufgeführt war, liess mich ein Ohr voll nehmen.
In alter Gewohnheit wählte ich die bereits unzählige Male interpretierte Erroll-Garner-Komposition «Misty» als Amuse Oreille. Ich war völlig überrascht: Das war eine komplett neue Variante: fantasie-, stimmungs- und geschmackvoll interpretiert. Also begann ich von vorn.
Auch das Eröffnungsstück faszinierte. Unweigerlich dachte ich an eine neue Sarah Vaughan (nein, ich hatte noch keine Berichte gelesen): diese Phrasierung, diese Stimmbeherrschung!
In «Guess Who I Saw Today» überzeugt Samara mit ihrer Art, Texte als Geschichten zu erzählen, nicht einfach nur gut zu singen. Oder z. B. in «Nostalgia», einer Komposition des Trompeters Fats Navarro, übernimmt sie gleich dessen Originalsolo, versieht es mit passendem Text und wird so zur perfekten Be-Bop-Sängerin à la Annie Ross, die vor Jahren im Trio Lambert, Hendricks & Ross mit Text versehene Instrumentalsoli interpretiert hatte. Nur, dass Samara dies hier perfektioniert!
Einzig, wenn Samara in den höheren Registern die Lautstärke erhöht, grenzt ihr Gesang für mich ans Schreien, ist zwar immer noch sauber und «in tune», doch spricht mich die leisere Stimme wesentlich mehr an … Geschmacksache!
Erfreulicherweise sind auch alle Musiker auf diesem Album spitze. Allerdings kannte ich nur Pasquale Grasso (Gitarre) und natürlich den Senior-Drummer Kenny Washington. Doch beeindruckten mich vor allem der Pianist Ben Paterson sowie der swingende Bassist David Wong.
Mittlerweile gibt es schon (mindestens) drei verschiedene Varianten dieses Albums, das in seiner Originalversion zehn Stücke umfasst. Das «Deluxe Album» bietet acht weitere Stücke, wobei z. B. zwei weitere Versionen von «Guess Who I Saw Today» darauf zu finden sind. Doch Versionen sind hier nicht einfach zusätzliche Takes, sondern völlig neue Interpretationen.
Die «Amazon Original Deluxe Edition» enthält dann noch als 19. Stück «Lush Life».
Fazit
Für mich trat hier ein, was anscheinend für hunderttausende von Fans bereits Geschichte war: Ich entdeckte einen neuen Jungstar am Jazz-Horizont.
Samara Joy ist nicht nur eine hervorragende Sängerin mit einer aussergewöhnlichen Stimme, sie besitzt dazu noch eine beinahe «abgeklärte Reife», kann alten Jazzsongs neues Leben einhauchen … und dies alles mit Stil und Geschmack. Und das ist umso erfreulicher, als dass sie mit ihren kaum 24 Jahren noch viel vor sich haben kann.
Hoffen wir, dass sie sich möglichst lange in diesen Gefilden aufhält, ohne zu schnell in den Kommerz abgleiten zu müssen. Es gibt ja noch hunderte verstaubte Songs, die nach einer Neuinterpretation Samaras dürsten.

Alle Themen










