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Publikationsdatum
29. Mai 2023
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Als Tester oder Verkäufer wird man immer wieder gefragt, welche denn die besten Kopf- oder Ohrhörer seien. Um diese Frage wirklich auf den Fragenden zugeschnitten zu beantworten, benötigt unsereins meist mehr Angaben zu Musikgeschmack, klanglichen Vorlieben und Abneigungen, wie zum Beispiel Freude an hoher Bass-Quantität oder Empfindlichkeit bei allzu scharfen Höhen. Im Zentrum stehen aber überwiegend das Budget und die Benutzerfreundlichkeit.

Folgende Höhepunkte aus dem High-End-Bereich beachten weder monetäre Schranken noch werden Geräte mit kabellosen Technologien wie Bluetooth in Betracht gezogen – zu sehr hinken diese dem tatsächlichen «High-End»-Erlebnis klanglich hinterher.

Im High-End neu etabliert: Die Flaggschiffe von Dan Clark Audio (ehem. Mr. Speaker).Im High-End neu etabliert: Die Flaggschiffe von Dan Clark Audio (ehem. Mr. Speaker).

Dan Clark Audio aka (früher) Mr. Speaker gibt es schon eine Weile auf dem audiophilen Kopfhörermarkt. Lange Zeit waren dessen Produkte unterhalb von 1500 Franken angesiedelt. Mit dem «geschlossenen» Modell Stealth wurde letztes Jahr die 4000-Franken-Marke geknackt – ein durch das Band komfortabler Kopfhörer, der klanglich sehr neutral daherkommt, aber nichts missen lässt.

Etwas später erschien der «geöffnete» Expanse, der im Gegensatz zum Stealth eine winzige warme Note im Klangbild erhalten hat. Grund dafür ist wohl zum einen die offene Hörerschale, die dem Bass zu viel Luft geben würde, und zum anderen der Umstand, dass ein allzu neutraler Frequenzgang einem breiten Publikum zu langweilig und unspektakulär erscheint.

Klangpuristen und Liebhaber des ungefärbten Audioerlebnisses müssen diese beiden Kopfhörer gehört haben!

Der Musterschüler: Meze Audio macht seit Jahren vieles richtig. Klang, Design, Ergonomie und Komfort geniessen hier den höchsten Stellenwert. Der Erfolg ist mehr als verdient und Meze Audio ist schon lange kein Geheimtipp mehr.Der Musterschüler: Meze Audio macht seit Jahren vieles richtig. Klang, Design, Ergonomie und Komfort geniessen hier den höchsten Stellenwert. Der Erfolg ist mehr als verdient und Meze Audio ist schon lange kein Geheimtipp mehr.

Wer Meze Audio noch nicht kennt, sollte den nächsten Kopfhörerkauf «nördlich» von 300 Franken nicht machen, ohne Meze Audio in Erwägung zu ziehen. Da wird einem viel Exzellenz und Liebe zum Detail gewährt.

Das Flaggschiff der Rumänen ist derzeit das Modell Elite. Obwohl der Frequenzgang nicht extrem gefärbt ist, würde ich das Klangerlebnis eher musikalisch als natürlich und eher energetisch als zurückhaltend beschreiben. Er ist ein persönlicher Favorit, der meinen derzeitigen klanglichen Vorlieben sehr entgegenkommt.

Auch betreffend Technologie und Bauart ist der Elite überaus interessant und raffiniert. Um alle Spezifikationen und Details des «Musterschülers» zu beschreiben, könnten hier locker mehrere Seiten gefüllt werden.

Ein persönlicher Favorit und möglicher Rivale von Stax & Orpheus: Warwick Audio könnte einmal ganz gross werden. Vorausgesetzt, den kleineren Kinderkrankheiten (und dem schwindelerregenden Preis) werden Einhalt geboten.Ein persönlicher Favorit und möglicher Rivale von Stax & Orpheus: Warwick Audio könnte einmal ganz gross werden. Vorausgesetzt, den kleineren Kinderkrankheiten (und dem schwindelerregenden Preis) werden Einhalt geboten.

Warwick Audio sind mir erstmals 2018 mit ihrem Sonoma Model One aufgefallen. Damals erlebte ich bei einem ersten Testhören eine Art «out of body»-Erlebnis, als ich mit geschlossenen Augen den überzeugenden Eindruck bekam, nicht mehr im zweckmässig eingerichteten Testzentrum zu sitzen. Stattdessen erlebte ich gewissermassen live ein Konzert von Bob Marley and the Wailers. Model one hatte aber auch Kinderkrankheiten wie etwa Tonartefakte bei höherer Lautstärke und eine zweifelhafte Haptik und Ergonomie – dies bei einem stolzen Preis von mehr als 5000 Franken.

Keine von den beschriebenen Kinderkrankheiten bleiben beim Aperio-Kopfhörerverstärker, gepaart mit dem Bravura, dem neusten Kopfhörerflaggschiff von Warwick Audio, bestehen. Klanglich ist der offen erklärte Rivale der unübertroffene Sennheiser HE1 Orpheus – und dies bei der Hälfte dessen Preises bei läppischen 26'000 Franken.

Die wirklich Portablen

Bei den sogenannten In-Ears sollten alle audiophilen Pendler einen genauen Blick wagen. Heutige In-Ears werden immer technisch komplexer und trumpfen gegenüber grossen, offenen Kopfhörern mit ihrer Leichtigkeit, Portabilität und ihren schalldämpfenden Eigenschaften auf.

In den vergangenen Jahren entstand ein Trend, unterschiedene miniaturisierte Klangtreiber in sogenannten Hybrid- oder gar Tribrid-Ohrhörern zusammenzuschliessen. Diese Entwicklung hat nicht nur die Klangqualität, sondern auch den Pries für In-Ear Flaggschiffe in die Höhe getrieben. Doch dazu gibt es auch Gegentrend aus dem Fernen Osten, wie weiter unten beschrieben wird.

Wahrscheinlich der objektiv ausgereifteste Ohrhörer unserer Zeit: Der Empire Ears Odyssey wurde zusammen mit der renommierten Marke Astell & Kern entwickelt.Wahrscheinlich der objektiv ausgereifteste Ohrhörer unserer Zeit: Der Empire Ears Odyssey wurde zusammen mit der renommierten Marke Astell & Kern entwickelt.

Technisch gesehen handelt es sich beim Odyssey sogar um einen Quabriden. Das heisst, dass zwei spezielle dynamische Treiber einen Subwoofer bilden. Vier sogenannte «balanced armature»-Treiber decken die mittleren Frequenzbereiche ab. Zwei miniaturisierte Elekrostaten kümmern sich um die Höhen. Abgerundet wird das Ganze mit einem «Knochenleiter», der im Tiefbereich spür- und hörbar ist.

Auch akustisch gesehen ist der Odyssey sehr vereinnahmend und komplex. Als Hörer befindet man sich in einer akustischen Klangblase, in der verschiedene Instrumente klar getrennt, aber kohärent einen umzingeln. Auch lässt sich gesagt sein, dass die Zeiten mit dem Odyssey offenbar eindeutig vorbei sind, in denen In-Ears grösseren Kopfhörern und Boxensystemen im Hinblick auf Detailtreue hinterherhinkten.

Der Odyssey oder sein kleinerer Bruder, der Odin, setzen Massstabe, welche auch von Boxenfanatikern zumindest registriert werden sollten. Erhältlich ist der Odyssey zum Preis von knapp unter 4000 Franken.

 

Das UFO: Klanglich und ergonomisch solide ist der Campfire Trifecta leider auch beim Preis ein Überflieger.Das UFO: Klanglich und ergonomisch solide ist der Campfire Trifecta leider auch beim Preis ein Überflieger.

Campfire Audio hat es zum Ende des letzten Jahrzehnts mehrfach geschafft, klangliche Höchstleistungen zu einem Preis von unter 1500 Franken in den audiophilen Markt zurückzubringen. Leider wurde der einstmalige Preis-Leistungs-Paulus auch beim Triftecta wiederholt zu einem Preis-Saulus. Der Trifecta wird zu einem Preis von 3400 Franken angeboten.

Klanglich ist das Dreigestirn aus drei dynamischen Treibern für einen In-Ear sehr offen klingend, mit einem kraftvollen Bass und satten Mitten. Erstaunlich filigran, detailliert und prickelnd erscheinen die Höhen. Dies sind Qualitäten, welche dynamische Treiber vor einigen Jahren bei den Höhen nicht hervorbringen konnten.

 

Chinesisches portables HiFi – mancherorts «ChiFi» genannt – experimentiert mit den neusten Technologien zu einem Bruchteil des Preises, den westliche Firmen verlangen.Chinesisches portables HiFi – mancherorts «ChiFi» genannt – experimentiert mit den neusten Technologien zu einem Bruchteil des Preises, den westliche Firmen verlangen.

Manch einer mag bei den Vorstellungen von chinesischem Audio die Nase rümpfen. Doch gerade im Preis-Leistungs-Verhältnis haben chinesische Audioprodukte einen meilenweiten Vorsprung.

Ein pikantes Insider-Detail für Skeptiker: Es kommt nicht selten vor, dass Ohrhörer von audiophilen chinesischen Ohrhörern gleich in der Nebenhalle unserer überteuerten westlichen Audioprodukte hergestellt werden.

Besonders für Audioliebhaber mit begrenztem Budget stellt ChiFi eine Möglichkeit dar, verschiedene Technologien und Klangsignaturen zu einem erschwinglichen Preis auszuprobieren.

 

 

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