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Publikationsdatum
17. März 2004
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Anlässlich der Spring-Show, der traditionellen Neuheitenpräsentation von John Lay Electronics, Vertreterin der Marken Panasonic und Technics, am ersten frühlingshaften Tag dieses Jahres, sprach Hans Jürg Baum von avguide mit Bruno Wüst, Marketingleiter Unterhaltungselektronik bei John Lay über die Stärken der Marke Panasonic, die Neuheiten dieses Frühlings und die allgemeine Entwicklung der Unterhaltungselektronik.

Flachdisplays im Vormarsch

Die gute Figur, die Flachbildschirme machen, demonstrierte Panasonic mit hochauflösendem Fernsehen ab dem Euro1080 HDTV-Kanal: gestochen scharfe Bilder hoher Auflösung, ein wahres Sehvergnügen.
avguide: Wo liegen dieses Jahr die Stärken von Panasonic?
Wüst: Die Stärken liegen vor allem im Flachdisplaybereich, wo wir eine gewaltige Präsenz zeigen. Wir haben Geräte in jeder Grösse, vom 14 Zoll-Bildschirm bis hinauf zum 50 Zöller in den Bildformaten 4:3 und 16:9, mit und ohne eingebautem Tuner. Wir haben verschiedene Designvarianten - also ein sehr breites Programm.

avguide: Damit der grosse Durchbruch bei den Flachdisplays einsetzt, müssen die Preise noch etwas fallen. Wann wird das der Fall sein?
Wüst: Man geht davon aus, dass im Jahre 2004 jeder vierte verkaufte Fernseher ein flaches Display haben wird - sprich ein LCD- oder ein Plasma-Fernseher sein wird. Damit sind wir Schweizer Europameister. Es ist in Europa kein anderes Land in der Lage, den Wechsel so rasch zu vollziehen.

avguide: Hat das nur mit der Kaufkraft zu tun?
Wüst : Einerseits mit der Kaufkraft, andrerseits mit der Innovationsfreudigkeit des Schweizers, der den Wunsch entweder nach einem schönen Auto oder nach etwas Schönem in der Wohnung hat.

Ist die Röhre tot?

Röhren-Fernseher sind noch nicht out. Vor allem kleine Bilddiagonalen aber auch die Bildqualität sind Verkaufsargumente.
avguide: Ist der Röhrenfernseher jetzt schon tot?
Wüst: Nach der letzten ifa hat man geglaubt, der Röhrenfernseher sei tot. Wir haben aber lernen müssen, dass das nicht so schnell der Fall ist. Bis zu einer Preisklasse von 2000 Franken ist nach wie vor der Röhren-TV eine Alternative mit erstklassiger Bildqualität.

avguide: Wie lange bleibt die Röhre denn noch aktuell?
Wüst: Wir rechnen damit, dass das mittelfristig zwei bis vier Jahre dauern kann. Verschiedene grosse Bildröhrenhersteller geben ihre Produktion auf. Matsushita produziert immer noch Bildröhren, hat aber die Kooperation mit Toshiba aufgebeben. Solange dieser Markt besteht, wird Panasonic Röhrengeräte anbieten können.

avguide: Weshalb bietet Panasonic keine Fernseher mit eingebauter Harddisc an?
Wüst: Matsushita bietet solche Kombinationen seit einem Jahr in Japan an. Und sobald der Markt einen Bedarf zeigt, können wir solche Geräte von heute auf Morgen auch in der Schweiz anbieten. Solange das jedoch Nischenprodukte sind, werden wir sie nicht anbieten.

avguide. Hat der Konsument generell Angst vor Kombigeräten?
Wüst: Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass die Kombigeräte, also zum Beispiel grosse Fernseher mit eingebauten Videorecordern, sich nicht durchsetzen konnten. Der Konsument hatte den Eindruck, dass entweder der Fernseher oder der Viodeorecorder kaputt gehe und je nachdem könne man dann etwas nicht mehr brauchen. Da fängt sicher das Sicherheitsdenken des Schweizers an.

DVD-Recorder mit und ohne Harddisc

DVD-RAM und DVD-R sind die Stärken von Panasonic. Vier neue Modelle bereichern die Palette. Der DMR-E85H nimmt zusätzlich auf Festplatte und der DMR-E75V (Bild) auf VHS auf.
avguide: DVD-Recorder sind eine Stärke von Panasonic. Seit über einem Jahr gibt’s Modelle mit und ohne eingebaute Festplatte. Welche Geräte bevorzugt der Schweizer?
Wüst: Auch da sind wir Europameister. Wir haben in der Schweiz in absoluten Stückzahlen gleich viele Geräte verkauft wie England mit einem 12- bis 13-fach grösseren Marktvolumen. In ganz Europa wird ein Drittel der Geräte mit Festplatte verkauft und zwei Drittel ohne. In der Schweiz ist es genau umgekehrt. Wir verkaufen also zwei Drittel mit eingebauter Festplatte und ein Drittel in der Einsteigerklasse.

avuide: Ist der Schweizer einfach ein bisschen gescheiter oder nur reicher?
Wüst: Gescheiter glaube ich nicht unbedingt. Aber das Sicherheitsdenken ist wichtig und das Wahrnehmen eines Vorteiles. Und wenn man dann mal etwas kauft, dann etwas rechtes.

avguide: DVD-RAM ist im Vormarsch. Macht Panasonic dem DVD+RW den Garaus?
Wüst: A propos Vormarsch: Wir waren nie im Nachmarsch! Wir reden einfach nicht von DVD-RAM oder von DVD+R oder –R. Wir stellen den Vorteil in den Vordergrund. Der durchschlagende Erfolg ist sicher die Harddisc-Kombination, die Panasonic vor 1 ½ Jahren vor allen anderen auf den Markt gebracht hat. Panasonic hat heute eine Markstellung, die zwischen 65% und 70% Marktanteil bei DVD-Recordern in der Schweiz liegt.

Optik so wichtig wie Pixelzahl

Ein neues Topmodell der Lumix-Serie präsentiert Christian Hermle, Leiter Kommunikation bei Panasonic. Die Zusammenarbeit zwischen Panasonic und Leica soll Lumix zu einer herausragenden Marke bei digitalen Fotoapparaten machen. Die FZ10 mit 12fachem optischem Zoom kostet 1199 Franken.
avguide: Was tut sich bei der digitalen Fotografie? Sind die Pixelzahl oder Wechselobjektive die grossen Themen?
Wüst: Die Pixelrennerei findet auch in Zukunft noch statt. Aber die Optik steht heute klar im Vordergrund. Die Lichtstärke, der Weitwinkel- und Telebereich werden immer wichtiger. Mit zunehmendem Telebereich wird die Bildstabilisation ein Thema. Panasonic reizt diese Werte voll aus.

avguide: Was ist wichtiger: die Pixelzahl oder die Qualität der Optik?
Wüst: Wir - und übrigens auch avguide - haben festgestellt, dass eine 2 Megapixel Kamera mit erstklassiger Optik bessere Bilder bringen kann als eine 3 Megapixel Kamera mit mässiger Optik. So ist eine 4 Megapixel-Kamera mit 12fach-Optik Testsieger geworden und dies in einem Testfeld, wo auch 5 Mega-Pixel-Kameras dabei waren. Mann kann heute sagen, dass man mit einer sehr guten Optik bis zu einem Megapixel gut machen kann.

avguie: Hat sich der Schritt zum Leica-Objektiv für Panasonic gelohnt?
Wüst: Das ist eine sehr tiefe Kooperation, die auch weitergeführt wird. Auch bei der Einsteigeklasse bringen wir heute Leica-Objektive.

avguide: Panasonic hat eine wunderschöne Kamera, die DMC-LC1EG-L. Ich habe gehört, dass es die gleiche Kamera auch unter der Marke Leica gibt, aber 500 Franken teurer. Ist das wirklich 1:1 die gleiche Kamera?
Wüst: Das möchte ich so nicht behaupten. Das Chassis und die Optik sind identisch, aber im Nuancenbereich ist die Leica-Version im Detail mit einer etwas anderen Software ausgerüstet als bei Panasonic. Gewisse Werte in der Software können je nach Kundensegment anders eingestellt sein. Möglicherweise sind auch Unterschiede in der Speicherkarte und im Zubehör zu finden.

Weg von der Mechanik

Noch mit Mechanik, aber auf dem Stand der Technik: Die DVD-Camcorder VDR-M50 und VDR-M70 zeichnen bis zu 120 Minuten Film auf einer nur acht Zentimeter grossen DVD-RAM oder DVD-R auf. Bearbeiten lassen sich die Aufnahmen komfortabel auf einem DVD-Recorder.
avguide: Beim Camcoder wäre es ja so langsam Zeit, dass die Speicherkarte das Band ablöst. Wann wird man 20 oder mehr Minuten gute Bildqualität auf Speicherkarte bringen können?
Wüst: Das wird schon ab diesem Sommer möglich sein. Im Juni kommt definitiv die 1 GB-Specherkarte auf dem Markt. Dann kann man mit dem bisherigen SD-Camcorder bis zu 20 Minuten in sehr guter Qualität und 40 Minuten in reduzierter Qualität aufehmen. Im nächsten Jahr geht’s mit diesen D-Snap-Produkten weiter.
Mit der SV-AV50 und SV-AV25 präsentiert Panasonic zwei neue Mitglieder seiner aufsehenerregenden D-snap-Serie. Dank der nur briefmarkengrossen SD Memory Card sind sie so klein und kompakt, dass sie locker in die Hosentasche passen.
avguide: Wann wird das Band und damit auch die störungsanfällige Mechanik verschwinden?
Wüst: Man geht davon aus, dass das Band und die Mechanik wahrscheinlich in drei bis fünf Jahren abgelöst werden.

avguide: Ist die Harddisc in Camcordern kein Thema, wie das bei den Musik-Jukeboxes der Fall ist?
Wüst: Nein. Der Trend geht in Richtung Flash-Speicher, also weg von der Mechanik. Wir bringen aber im zweiten Halbjahr auch eine Jukebox mit Harddisc im MP3-Bereich.

Homcinema mit DVD-Recorder

Das letztes Jahr eingeführte Heimkinosystem mit DVD-Recorder, das SC-HT1000 ist ein Renner. Ab Juli erweitert Panasonic diese äusserst praktische Kombination um die Anlage SC-HT37R, ebenfalls mit DVD-Recorder und 700 Watt Heimkinopower für 2499 Franken.
avguide: In welchem Preis- und Qualitätssegement bietet Panasonic im Homecinemabereich Produkte an?
Wüst: Unser Segment liegt im mittleren Bereich. Wir haben sehr leistungsfähige Anlagen mit bis zu 1000 Watt. Panasonic will sich aber spezialisieren und von anderen unterscheiden, durch vermehrte Integration von DVD-Recodern in Homecinema-Anlagen, entweder in Komponenten- oder Komplettanlagen.








Notebooks

avguide: Panasonic macht auch bei Notebooks mit. Was wird hier Spezielles angeboten?
Wüst: Vor allem mit den extrem strapazierfähigen Toughbooks im industriellen und Systemsektor bieten wir Produkte, die weltweit auf dem Markt sind, sei es bei Armee, Polizei aber auch in der Gas- und Ölindustrie. Wir haben aber auch sehr kompakte und leistungsfähige Business Notebooks mit Wireless LAN.

DVD-Recoder als Homeserver

avguide: Wie stehts mit dem Thema Homesever bei Panasonic?
Wüst: Für uns ist eigentlich bereits ein DVD-Recorder mit Harddisc ein Homeserver. Wir werden das Gerät aber dahin erweitern, dass es – ab Herbst - mit LAN-Anschluss kommt und problemlos ins Heimnetzwerk eingefügt werden kann. Das sind die Zukunftsrichtungen von Panasonic. Der DVD-Recorder wird mehr und mehr zum Homeserver.

Neuer Internetauftritt

avguide: Gibt es sonst noch Neues von Panasonic?
Wüst: Zu erwähnen ist der neue Internetauftritt. Er ist sehr informativ und lohnenswert. Im Händlerbereich kann jeder gratis Preisangaben, Fotos, Bedienungsanleitungen und vieles mehr herunterladen.

avguide: Besten Dank für die wertvollen Informationen.
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