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Zaubermittel Raumeinmessung?Zaubermittel Raumeinmessung?

Menschen richten sich zuhause so ein, dass sie sich wohlfühlen. Neben der Ästhetik spielt auch eine angenehme Akustik mit, etwa damit man sich gut verständlich unterhalten kann. Mag sein, dass moderne, minimalistische Wohntrends mit kahlen Wänden mehr Wert auf die stylische Bühne des modernen Lebens setzen und durch die allgegenwärtige Nutzung des Smartphones und Kopfhörer die Akustik eine untergeordnete Rolle spielt. Für highfidele Menschen, welche dieses Magazin lesen, wird aber die gute Akustik wichtig sein. Sie ist auch für eine wohlklingende Wiedergabe der Musikanlage unabdingbar. Dabei orientiert man sich gerne am Ideal einer Tonregie, jedoch mit etwas mehr Nachhall, damit man sich nicht wie in einem Cocon fühlt.

Kollege Daniel Weiss hat darüber in einem Artikel ausführlich berichtet.

Akustik im Wohnraum

Grob lässt sich die Akustik in einem Wohnraum in einen Frequenzbereich oberhalb und einen Bereich unterhalb der Schröderfrequenz aufteilen. Bei üblichen Wohnräumen liegt die Frequenz im Bereich um 100 bis 250 Hz.
Schröderfrequenz ≈ 2000 * √ (Nachhallzeit / Raumvolumen).

Oberhalb verhalten sich die Schallwellen ähnlich wie Lichtstrahlen und werden an den Begrenzungsflächen gespiegelt, somit bei zahlreich vorhandenen Flächen wie Möbeln und Dekoelementen diffus verteilt. Unterhalb der Frequenz dominieren Raummoden. Der Schall kann sich nicht mehr natürlich ausbreiten und schaukelt sich zwischen Begrenzungsflächen (Wände, Boden-Decke) zu einer akustischen Berg- und Tallandschaft auf.

Raumantwort unterhalb 250 Hz.Raumantwort unterhalb 250 Hz.

Lautsprecher strahlen oberhalb der Schröderfrequenz direkt auf den Hörer, aber auch diffus reflektiert in den Raum. Der Räumlichkeit einer Musikaufnahme wird somit die Räumlichkeit des Raumes übergestülpt. Die Wahrnehmung der Räumlichkeit einer Aufnahme wird vor allem durch den Direktschallanteil geprägt. Eine geringere Hördistanz und eine stärkere Absorption im Raum erhöhen diesen Anteil.

Man spricht vom Hallradius innerhalb dessen der Anteil von Direkt- zu Diffusschall gleich hoch ist. In einem Wohnraum von 30 m2 und einer Nachhallzeit von 1 s liegt er für eine kugelförmige Schallquelle nur etwa bei 1,5 m. Ausserhalb dominiert der Diffusschall.

Raumantwort bei 500 Hz.Raumantwort bei 500 Hz.

Unterhalb der Schröderfrequenz, also im Grundton- und Bassbereich, regen Lautsprecher die Raummoden an. Diese sind durch die Geometrie des Raumes definiert. Die Art der Anregung ändert sich je nach Aufstellung der Lautsprecher, deren Bassabstimmung und danach, ob das Gehäuse geschlossen, eine Bassreflexbox oder eine offene Schallwand ist. Man hört im Bass immer ein Gemisch von Lautsprecher und Raummoden.

Oft klingt das Gemisch unangenehm. Es ändert sich auch, wenn der Raum selbst im Bass eher absorbiert (Holzbau, Leichtbau) oder nur reflektiert (Massivbau). Die Raummoden können dank passiven oder aktiven Bassabsorbern geglättet und bedämpft werden. Interessant sind etwa die aktiven Bassabsorber von PSI Audio.

Eine speziell in Heimkinos mit quaderförmigen Räumen interessante Methode sind nach Berechnungen verteilte Subwoofer-Gitter an der Front- und Rückwand (Double Bass-Array, oder DBA), wobei Letztere zeitverzögert so abstrahlen, dass die Moden weitgehend neutralisiert werden.

Raumantwort bei diversen Positionen und Frequenzen.Raumantwort bei diversen Positionen und Frequenzen.

Weshalb Raumeinmessung?

Pioneer Equalizer SG-9500 von 1977.Pioneer Equalizer SG-9500 von 1977.

Es gibt automatisierte Systeme, welche auch einen manuellen Eingriff zulassen, etwa das erwähnte, exklusive Trinnov oder das in vielen Geräten integrierte, populäre Dirac. Beim Einmessprozess sieht man die gemessene Kurve, sowie die Raumkurve, nach welcher die Korrektur erfolgt. Durch ein Anpassen der Raumkurve kann man auf das Ergebnis stark Einfluss nehmen.

Man kann die Raumkurve auch frequenzmässig beschränken, so dass sie zum Beispiel nur unterhalb der Schröderfrequenz aktiv ist, womit der Klangcharakter der Lautsprecher weitgehend unberührt bleibt. Eine gründliche und positive Besprechung von Dirac Live 3 in Stereophile sei hier verlinkt. In zahlreichen Foren und Blogs findet man aber auch kontroverse Kommentare. Interessant an Dirac ist die Korrekturmethode, welche zusätzlich die Impulsantwort eines Lautsprechers bearbeitet, um auch auf der Zeitebene das Resultat zu optimieren (siehe White Paper). 

Auf avguide.ch hat Daniel Schmid schon im 2001 in einem Grundlagenartikel auf die Bedeutung der Impulsantwort in der Raumkorrektur hingewiesen!

In einem aufschlussreichen AES-Paper schildert der Akustikexperte Floyd Toole die komplexe Problematik der Raumeinmessung. 

Die allermeisten Geräte auf dem Markt, welche eine Raumeinmessung integriert haben, nehmen die Korrekturen automatisiert vor. Die Anlage wird aufgestellt, das Messmikrofon misst an einem oder mehreren Orten im Raum die Wiedergabe und die Software im Gerät errechnet eine Korrekturkurve anhand einer idealen «Raumkurve» oder «house curve». Diese Korrekturkurve, welche das Musiksignal durchläuft, wird von der Messmethode, der Qualität der Raumkurve sowie der Funktionsweise der Software abhängen. Es sind also zahlreiche Parameter, die einen Einfluss auf die Wiedergabe haben werden.

Typische Raumkurve.Typische Raumkurve.

Jeder Lautsprecher besitzt sein eigenes Übertragungs- und Abstrahlverhalten, welches sich in der gemessenen Kurve niederschlagen wird. Korrigiert man diese Kurve nun gemäss der idealen Raumkurve, so ändert man auch den Klang des Lautsprechers. Um den unerwünschten Raumeinfluss zu korrigieren, muss man also die Wiedergabe beeinflussen, damit das gehörte Signal näher einem «idealen» Signal ist.

Wie gut dies gelingt, entscheidet die Software in unserem digitalen Equalizer, einer Blackbox, der man vertrauen muss. Doch erst der Hörtest wird zeigen, wie gut die Blackbox gearbeitet hat. Die Unterschiede zwischen einem einfachen System wie Trueplay, das in die populären Sonos Lautsprecher integriert ist und mit einem iPhone eingemessen wird und einem High End Messsystem wie Trinnov mit eigens entwickeltem 3D-Messmikrofon und spezieller Software sind deutlich.

Aus eigener Erfahrung attestiere ich schon einfachen Systemen, verblüffende Resultate, gerade wenn die Aufstellung der Lautsprecher nicht optimal ist, aber auch die Gefahr, dass überkorrigiert wird. Dass sogar auf höchstem Niveau in einem Top-Studio ein System wie Trinnov noch Optimierungen erlaubt, zeigt folgendes Feedback von dem geschätzten Tonmeister Daniel Dettwiler.

Es gibt automatisierte Systeme, welche auch einen manuellen Eingriff zulassen, etwa das erwähnte, exklusive Trinnov oder das in vielen Geräten integrierte, populäre Dirac. Beim Einmessprozess sieht man die gemessene Kurve, sowie die Raumkurve, nach welcher die Korrektur erfolgt. Durch ein Anpassen der Raumkurve kann man auf das Ergebnis stark Einfluss nehmen.

Man kann die Raumkurve auch frequenzmässig beschränken, so dass sie zum Beispiel nur unterhalb der Schröderfrequenz aktiv ist, womit der Klangcharakter der Lautsprecher weitgehend unberührt bleibt. Eine gründliche und positive Besprechung von Dirac Live 3 in Stereophile sei hier verlinkt. In zahlreichen Foren und Blogs findet man aber auch kontroverse Kommentare. Interessant an Dirac ist die Korrekturmethode, welche zusätzlich die Impulsantwort eines Lautsprechers bearbeitet, um auch auf der Zeitebene das Resultat zu optimieren (siehe White Paper). 

Auf avguide.ch hat Daniel Schmid schon im 2001 in einem Grundlagenartikel auf die Bedeutung der Impulsantwort in der Raumkorrektur hingewiesen!

Typische Raumkurve.Typische Raumkurve.

Manuelle Raumeinmessung

Fazit

Die Krux: man sollte ein Verständnis für die akustischen Zusammenhänge mitbringen und Messergebnisse interpretieren können. Für Musikliebhaber, die gerne etwas ausprobieren und lernen möchten ist REW attraktiv und auf youtube finden sich zahlreiche Tutorials (Beispiel in Englisch). Die Software REW ist komplex und es besteht die Gefahr, dass «wer misst misst Mist»!

Hat man aber ein Gerät mit einem eingebauten DSP zur Verfügung, dessen parametrischer Equalizer sich einstellen lässt, so steht dem Einstelltrieb nichts im Weg! In letzter Zeit sind solche Geräte immer wie preiswerter geworden, etwa die shooting Stars von WIIM, die auch automatische Raumeinmessungen erlauben. Für audiophile Ansprüche in Studioqualität empfiehlt sich unter anderem der Weiss DAC501, konzipiert vom eingangs erwähnten Daniel Weiss. Dank Presets können unterschiedliche Einstellungen abgespeichert und bequem unmittelbar verglichen werden.

Raumantwort unterhalb 250 Hz.Raumantwort unterhalb 250 Hz.

Weil die Einstellung eines DSP anhand einer Messung viel Erfahrung benötigt, ist es naheliegend, sich einen Profi zu leisten, der das Gerät einstellt. Darauf basierend lässt sich dann gut auch selbst experimentieren.

Einen Schritt weiter geht die Schweizer Firma Illusonic. Sie haben eine eigene Software für ihre Audio-Prozessoren entwickelt, welche nicht nur die Messungen sichtbar macht, sondern alle möglichen Einstellungen unmittelbar simuliert. Anhand von Nachmessungen können sie beweisen, dass die Simulation der Realität entspricht. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, ein Einmessprojekt bequem am Computer zu tunen. Weil das Tuning in Echtzeit funktioniert, kann man auch gleich den Effekt hören, wie bei einem Mischpult. Mit dem Laptop auf dem Schoss hat man sein kleines Einmessstudio zur Hand.

Auch hier lohnt sich aber, Illusonic ein erstes Tuning des Einmessprojektes vornehmen zu lassen. Gerade bei mehrkanaligen Setups erkennen sie anhand der Messung auch öfters Fehler im Aufbau der Anlage oder deren Funktionsweise. Die Messungen geben zudem auch Auskunft über allfällige Mängel oder unschönes Verhalten der Lautsprecher selbst, weil diese von der Raumakustik gesondert betrachtet werden können. Illusonic haben sogar eine Simulation entwickelt, um auch auf Distanz, per Kopfhörer, die Wirkung der Einmessung nachvollziehen zu können. Sie hören damit quasi in den Wiedergaberaum hinein.

Die Audio-Prozessoren sind so ausgelegt, dass die Kanäle deren mehrkanaligen Geräte nicht nur für eine Raumeinmessung genutzt werden können, sondern auch als Aktivfilter, um passive Lautsprecher zu aktivieren, oder selbst ein Aktivkonzept zu bauen. Die Geräte können noch viel mehr, wie im folgenden Bericht erläutert:

Fazit

Die automatische Raumeinmessung ist ein wertvolles Tool, um klangliche Defizite der Musikanlage wegen der Aufstellung der Lautsprecher und deren Übertragungsverhalten auszugleichen, gerade wenn der Raum akustisch ungünstig ist. Moderne DSP’s und deren Software können erstaunliches leisten, doch wirklich entscheiden sollten die eigenen Ohren.

Für Audiophile welche Lust haben, die eigene Musikanlage auch akustisch zu begreifen und mit einer modernen Software zu optimieren, empfiehlt sich die manuelle Einmessung und Einstellung eines DSP.

Reden ist gut, hören ist besser

Illusonic bietet in der Schweiz zwei Adressen an, wo eine Anlage nach Voranmeldung vorgeführt werden kann. Zusätzlich werden jährlich die «Magic Days» bei Klangwerk veranstaltet, wo in lockerer Atmosphäre und bei einem Glas Wein und Snacks ein Ohr voll genommen werden kann, gerne auch mit eigener Musik. Bitte beachten sie die jeweiligen Homepages.

Illusonic GmbH
Stationsstrasse 20
8606 Greifensee

Klangwerk GmbH
Wieslergasse 6
8049 Zürich

In der Praxis erleben:

Illusonic Magic Days bei Klangwerk GmbH
Freitag 26. September 2025: 13-18 Uhr
Samstag 27. September 2025: 12-17 Uhr

Anmeldung erwünscht: info@klangwerk.ch

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