Akustik im Wohnraum
Grob lässt sich die Akustik in einem Wohnraum in einen Frequenzbereich oberhalb und einen Bereich unterhalb der Schröderfrequenz aufteilen. Bei üblichen Wohnräumen liegt die Frequenz im Bereich um 100 bis 250 Hz.
Schröderfrequenz ≈ 2000 * √ (Nachhallzeit / Raumvolumen).
Oberhalb verhalten sich die Schallwellen ähnlich wie Lichtstrahlen und werden an den Begrenzungsflächen gespiegelt, somit bei zahlreich vorhandenen Flächen wie Möbeln und Dekoelementen diffus verteilt. Unterhalb der Frequenz dominieren Raummoden. Der Schall kann sich nicht mehr natürlich ausbreiten und schaukelt sich zwischen Begrenzungsflächen (Wände, Boden-Decke) zu einer akustischen Berg- und Tallandschaft auf.

Raumantwort unterhalb 250 Hz.
Lautsprecher strahlen oberhalb der Schröderfrequenz direkt auf den Hörer, aber auch diffus reflektiert in den Raum. Der Räumlichkeit einer Musikaufnahme wird somit die Räumlichkeit des Raumes übergestülpt. Die Wahrnehmung der Räumlichkeit einer Aufnahme wird vor allem durch den Direktschallanteil geprägt. Eine geringere Hördistanz und eine stärkere Absorption im Raum erhöhen diesen Anteil.
Man spricht vom Hallradius innerhalb dessen der Anteil von Direkt- zu Diffusschall gleich hoch ist. In einem Wohnraum von 30 m2 und einer Nachhallzeit von 1 s liegt er für eine kugelförmige Schallquelle nur etwa bei 1,5 m. Ausserhalb dominiert der Diffusschall.

Raumantwort bei 500 Hz.

Raumantwort bei diversen Positionen und Frequenzen.
Weshalb Raumeinmessung?
Ein Lautsprecher interagiert vielfältig mit einem Raum. Steht er etwa nahe bei einer Wand, wird der Bass verstärkt. Ist der Raum kahl, kann der Hochton schrill klingen. Schon früh besassen Musikanlagen deshalb Bass- und Höhenregler, um ein Minimum von Anpassungen zu ermöglichen. In den 70er-Jahren wurden die damals populären HiFi-Türme gerne mit Equalizern ausgestattet. Das unterstrich den technischen Style und suggerierte Einflussmöglichkeiten. Meist wussten die Kunden jedoch nicht recht, wie damit umgehen und der aufkommende HiFi-Purismus machte dieser Gattung den Garaus.
Reden ist gut, hören ist besser
Mit der modernen Digitaltechnik und ihren umfangreichen Möglichkeiten der Beeinflussung der Wiedergabe erlebt der gute alte Equalizer ein Revival, jedoch in komplexerer Form und als Software ausgelegt in einem DSP (Digitaler Signalprozessor).
Was immer dazu gehört, ist ein Messmikrofon, um den Istzustand zu analysieren. Daraus wird die Anpassung der Wiedergabe abgeleitet. Für den audiophilen Puristen bleibt dies ein Frevel, denn das originale Signal wird beeinflusst. Der Pragmatiker erkennt darin die Möglichkeiten, akustische Probleme zu entschärfen. Die Methode heisst: Raumeinmessung. Im Heimkinobereich ist sie schon länger gang und gäbe, im HiFi wird sie beliebter, bleibt aber umstritten!
In einem aufschlussreichen AES-Paper schildert der Akustikexperte Floyd Toole die komplexe Problematik der Raumeinmessung.
Automatische Raumeinmessung
Die allermeisten Geräte auf dem Markt, welche eine Raumeinmessung integriert haben, nehmen die Korrekturen automatisiert vor. Die Anlage wird aufgestellt, das Messmikrofon misst an einem oder mehreren Orten im Raum die Wiedergabe und die Software im Gerät errechnet eine Korrekturkurve anhand einer idealen «Raumkurve» oder «house curve». Diese Korrekturkurve, welche das Musiksignal durchläuft, wird von der Messmethode, der Qualität der Raumkurve sowie der Funktionsweise der Software abhängen. Es sind also zahlreiche Parameter, die einen Einfluss auf die Wiedergabe haben werden.
Automatische Raumeinmessung
Jeder Lautsprecher besitzt sein eigenes Übertragungs- und Abstrahlverhalten, welches sich in der gemessenen Kurve niederschlagen wird. Korrigiert man diese Kurve nun gemäss der idealen Raumkurve, so ändert man auch den Klang des Lautsprechers. Um den unerwünschten Raumeinfluss zu korrigieren, muss man also die Wiedergabe beeinflussen, damit das gehörte Signal näher einem «idealen» Signal ist.
Wie gut dies gelingt, entscheidet die Software in unserem digitalen Equalizer, einer Blackbox, der man vertrauen muss. Doch erst der Hörtest wird zeigen, wie gut die Blackbox gearbeitet hat. Die Unterschiede zwischen einem einfachen System wie Trueplay, das in die populären Sonos Lautsprecher integriert ist und mit einem iPhone eingemessen wird und einem High End Messsystem wie Trinnov mit eigens entwickeltem 3D-Messmikrofon und spezieller Software sind deutlich.
Aus eigener Erfahrung attestiere ich schon einfachen Systemen, verblüffende Resultate, gerade wenn die Aufstellung der Lautsprecher nicht optimal ist, aber auch die Gefahr, dass überkorrigiert wird. Dass sogar auf höchstem Niveau in einem Top-Studio ein System wie Trinnov noch Optimierungen erlaubt, zeigt folgendes Feedback von dem geschätzten Tonmeister Daniel Dettwiler.