Nubert.Einleitend sei zu bemerken, dass die Sache mit Klang, Kraft und Kontrolle bei Nubert schon einige Zeit «geht». Der guten Ordnung halber sei zu präzisieren, dass es den Endverstärker NuPower D bereits seit 2015 gibt und den Vorverstärker NuControl 2 seit 2018 (als Nachfolger des NuControl von 2015). Die Geräte sind also nicht wirklich Neuheiten – und dennoch sind sie es auf die eine oder andere Weise trotzdem.
Selbst mir, als eher gut informierten Branchen-Insider, ist es nicht aufgefallen, dass der Direktanbieter Nubert eine dermassen leistungsfähige Stereoendstufe im Programm hat – und das schon seit geraumer Zeit. Hersteller gehen mit dem Begriff «Neuheit» erfahrungsgemäss unterschiedlich um, besonders im Audio-Bereich. Bei den einen ist eine Neuheit bereits eine neue Farbvariante, eine bessere Firmware, eine Jubiläums-Ausführung oder ein paar «neue» Komponenten in der Schaltung, neue Lautsprecheranschlüsse zum Beispiel. Bei den anderen braucht es viel mehr, bis man von einer «Neuheit» spricht.
Zu Letzteren zählt auch Nubert. Der Entwicklungschef von Nubert bestätigte eine ganze Reihe von kleineren, aber konsequenten Verbesserungen bei der Endstufe NuPower D über die vergangenen Jahre. Darauf kommen wir zurück. Im Grundsatz ist es eine Entscheidung, inwieweit sich ein Hersteller in die Karten blicken lassen will. Die HiFi- und High-End-Audio-Klientel ist gar süchtig nach kleinsten Hinweisen von Produkteverbesserungen und gleichwohl nur selten in der Lage, solche Verbesserungen richtig einzuordnen. Da ist man als Hersteller gut beraten, Hinweise dazu eher auf die Goldwaage zu legen als auf den Präsentierteller.
Ein Direktanbieter wie Nubert hat auch ein wenig den Nachteil eines verringerten Multiplikationseffekts. Dies im Gegensatz zum klassischen Hersteller mit seinem Distributionsnetzwerk und den darin enthaltenen vielen Händlern, welche die gute Kunde effizient verbreiten. Es kommt beim Direktanbieter eher mal vor, dass ein relativ spektakuläres Produkt oder Konzept übersehen wird oder lange braucht, bis man es registriert. So ist es mir jedenfalls mit der Endstufe NuPower D ergangen.
Die Stereo-Endstufe NuPower D mit prominentem Umschalter zwischen zwei Stereo-Lautsprecher-Paaren.Sie verkauft sich gut, die NuPower D, und sie wurde stets aktualisiert. Somit ist sie auch zurzeit aktuell, zudem eigenständig und recht einmalig im Markt. Wir konnten dem Wunsch nach einem Testbericht fraglos zustimmen, auch wenn man Testberichte sonst eher mit Neuheiten in Verbindung bringt.
Unser Grundsatz, nur einzelne Geräte zu testen, macht wenig Sinn bei einer Endstufe. Ein passender Vorverstärker muss ebenfalls her. Die Bedingungen werden von Nuberts NuControl 2 bestens erfüllt. Auch die NuControl 2 ist kein Neuling. Die überarbeitete Version ihrer Vorgängerin kam bereits 2018 auf den Markt. Dass man die beiden Geräte als Paarung verstehen kann, erklärt sich hingegen von selbst.
Enorme Leistungsreserven – wofür?
Die Leistungsdaten des Endverstärkers NuPower D sind verblüffend: Bei 8 Ohm Anschlussimpedanz der Lautsprecher sind es 2 x 780 Watt bzw. 2 x 920 Watt bei 4 Ohm – und das bei niedrigen Verzerrungswerten von 0,06 % THD+N (Total Harmonic Distortion + Noise). Bei hohen Lautstärken fallen Verzerrungen nicht so ins Gewicht. Da ist ein Wert von 0,5 % THD+N durchaus tragbar. Nubert definiert bei diesem Wert die Musikleistung von 2 x 920 Watt bei 8 Ohm bzw. 2 x 1290 Watt bei 4 Ohm.
Damit nicht genug. Die Stromversorgung verfügt über eine Leistungsaufnahme von maximal 3000 Watt und zieht somit bei maximalen Leistungsimpulsen kurzfristig 13 Ampère Strom aus der Steckdose. Eigentlich sind es sogar 4000 Watt, denn die Stromversorgung basiert auf einem Netzteil von Hypex, aber bei 3600 Watt kommt dann ohnehin die Netzbeschränkung. Die Endstufe ist vermutlich ja nicht das einzige Gerät, das an dieser Phase hängt.
Davon fliesst beim hohen Wirkungsgrad von Schaltnetzteil und Schaltverstärker (Class D) ein guter Teil in die Speaker, sofern benötigt. Da ist also für den Fall des Falles jede Menge Power vorhanden – und dies aus einer «Kiste», die gerade einmal 9 cm hoch, 43 cm breit und 36 cm tief ist.
Wofür aber braucht man so viel Leistung?
Innenleben: Rechts sieht man ein faktisches 4000-Watt-Schaltnetzteil, links davon im abgeschirmten Gehäuse verbirgt sich der Schaltverstärker mit ca. 2 x 1000 Watt, je nach Impedanz und THD+N.Das ist die Gretchenfrage. Die audiophilen Musikhörer, welche Leistung nicht für erforderlich halten und aus «Qualitätsgründen» sogar ablehnen, sind zahlreich. Man sitzt auf der Theorie, dass geringe Leistung mit hohem Wirkungsgrad – des Lautsprechers – kompensiert werden könne. Das mag zum Teil möglich sein, aber es gibt enge Grenzen. Ich bezeichne es als den SET-Mythos (SET = Single Ended Triode). Klar, wer im Atmosphärischen alter Aufnahmen schwelgt, liegt vermutlich nicht falsch. Moderne Musikgenres wie zum Beispiel Elektro sind aber sehr viel anspruchsvoller, was die Tiefbass-Performance angeht – und bei jüngeren Musikhörern mit audiophilem Anspruch nicht weniger beliebt.
Das hat bereits viele Aufnahmestudios dazu bewogen, ihr Aktiv-Monitoring (also die Abhörlautsprecher) zu erneuern. Heute müssen in der Produktion 40 Hz und auch noch etwas darunter wirklich trocken und exakt abgehört werden können. Beim Musikhörer gilt dasselbe. Seine passiven Lautsprecher wären durchaus in der Lage dazu, aber mit der Leistung hapert es. Kommt hinzu, dass DSP-gesteuerte Vorverstärker wie der NuControl 2 die gewünschten Klangkorrekturen im Subbassbereich zulassen. Wer also bei einer Mittenfrequenz von 40 Hz und einem steilen Filter um 6 dB oder so «anreichert», der braucht nach der Klangkorrektur nur noch etwas: LEISTUNG. Sonst klappt das nicht.
Der Subwoofer ist zwar die Alternative dazu, aber Nuberts Lösung mit einer kompakten Leistungsendstufe, die an sich leistungsfähigen Lautsprecher im Subbassbereich auf Trab zu bringen und unter Kontrolle zu halten, erscheint mir der direktere und konsequentere Weg. Er hat noch nicht viele Nachahmer gefunden.
Symmetrische (XLR) und asymmetrische (RCA) Eingänge, umschaltbar (entweder/oder).Class D und optimale thermische Stabilität
Class-D-Verstärker, korrekt Schaltverstärker, hatten lange Zeit ein zweifelhaftes Image. Es begann bereits mit der unglücklichen Wahl des Buchstabens D, was mit «digital» in Verbindung gebracht wurde. Nebst den damit in Verbindung bringbaren Vorurteilen wird auch immer noch das Frequenzspektrum mit oberer Grenzfrequenz von max. 24 oder 25 kHz bemängelt. Vermutlich liegen die Hauptgründe aber im Blackbox-Charakter der Class-D-Module: Es gibt weltweit ein paar hoch spezialisierte Entwickler und Hersteller solcher Verstärkermodule. Die Entwickler der eigentlichen Anwendung mit Beispiel NuPower D erzeugen ihre Lösungen in Kooperation. Die «Romantik» des individualistischen Manufaktur-Verstärkerbaus leidet da ein wenig.
Doch sind wir ehrlich: Professionelle Anwender von Schaltverstärkern und somit Integratoren dieser komplexen Technologie kommen traditionell sehr oft aus der Ecke der Eintakt-Triode (SET). Beispiel: John Stronczer von Bel Canto. Die Musikalität einiger Schaltverstärker ist beeindruckend. Ihr Einsatz folgt bei weitem nicht nur aufgrund ihrer Leistungseffizienz.
Die Hersteller der Verstärkermodule sind auch auf die passenden Stromversorgungen spezialisiert und betrachten das als Einheit von Stromversorgung und Signalverstärkung. Die 4-kW-Stromversorgung im NuPower D stammt zum Beispiel kundenspezifisch von Hypex.
Leistungseffizienz hin oder her: Bei 2 x 1000 Watt (je nach Messmethode) wird es auch mit Schaltverstärkern warm. Die thermische Stabilität war beim NuPower D ein wichtiges Thema und im Verlauf des bisherigen Produktlebenszyklus eine Frage stetiger Optimierung. Es ging dabei natürlich schon auch um Anwendungen, bei denen das Gerät nicht frei an der Luft zu stehen kommt, sondern auch im engen Regal in der Ecke der Dachwohnung im Hochsommer.
Die thermische Konstruktion ist sehr ausgeklügelt: Die Bodenplatte ist massiv ausgeführt und dient der primären Wärmeableitung. Mit der Zeit kommt dann dank der Wärmeausbreitung auch das ganze Gehäuse zum Tragen. In der Bodenplatte sind zwei spezielle Hightech-Lüfter integriert. Sie sind laut dem Entwicklungschef von Nubert magnetisch gelagert und daher sehr geräuscharm. Sie saugen die Luft aus dem Geräteinneren an und blasen sie durch die Öffnungen in der Bodenplatte nach unten weg. Die Kühlschlitze im massivem Gerätedeckel sind exakt oberhalb des Sub-Gehäuses mit den Endstufen angebracht. Die Anordnung bewirkt einen sanften und ausgeglichenen «Durchzug».
Einer von insgesamt zwei Lüftern auf der Geräteunterseite: Sie sind magnetisch gelagert und damit sehr geräuscharm – und «sauteuer», wie uns die Entwicklung bei Nubert versicherte.Und sonst? Der NuPower D hat frontseitig einen grossen und «sanftmütigen» Stufendrehschalter für die Wahl der aktiven Lautsprecherausgänge A, B und A+B. Links findet man die Powertaste. Mit dem mitgelieferten Trigger-Kabel kann man Ein- und Abschaltung von Vorstufe und Endstufe synchronisieren. Das ist ganz praktisch, aber nicht wirklich erforderlich. Auf der Geräterückseite findet man einen kleinen Kippschalter für die Umschaltung der Eingänge von XLR auf RCA. Man kann nur entweder/oder. Im Grunde ist die Wahl eigentlich nur eine Frage der verwendeten Kabel. Die Bedienungsanleitung weist aber auch noch auf die Möglichkeit hin, an die Endstufe eine weitere Quelle bzw. einen Vorverstärker anzuschliessen und mit dem Kippschalter die Quelle zu wählen. Daran hätte ich gar nicht gedacht.
Auf dem Geräteboden findet man im Bereich des rechten Standfusses (von hinten gesehen) einen praktischen Kippschalter mit der Funktion «Groundlift». Damit kann man den Erdungskontakt der Stromzuführung unterbrechen, was bei massebezogenen Brummgeräuschen (Brummschleifen) sehr wirkungsvoll sein kann. Der NuControl 2 verfügt über dieselbe Funktion.
Ich kann aus langer Erfahrung berichten, dass die auf diese Weise sehr einfache Möglichkeit der Masse-Unterbrechung bei Brummstörungen im System extrem praktisch ist. Ich finde es toll, dass Nubert an solche Details denkt.
DSP-Vorverstärker NuControl 2
Der NuControl 2 erfüllt so zahlreiche Möglichkeiten und Funktionen, dass ich am besten damit beginne, was er nicht kann: Er kann kein «Streaming» und er hat keine Wireless-Eingänge – weder WiFi noch Bluetooth. Er ist auch nicht netzwerkfähig. Das hat nach meiner Einschätzung mit der ursprünglichen Entwicklung aus den Jahren 2014 und 2015 zu tun, als man mit Wireless noch nicht so freimütig umging. Streamingdienste gab es damals noch nicht. Man wusste aber bereits, welche Aufgaben ein Vorverstärker eigentlich erfüllen muss, und welche Aufgaben nicht unbedingt dazugehören. Und so lässt er sich funktional perfekt in eine HiFi/AV-Kette integrieren.
Schlichtes Design des NuControl-2-Vorverstärkers und logische Bedienung mit Funktionstasten und Lautstärkendrehrad.Dafür braucht es entsprechende digitale Quellen bzw. Geräte. Insofern ist der NuControl 2 ein reiner Vorverstärker mit Digital- und Analog-Eingängen bzw. Digital- und Analog-Ausgängen. Das Upgrade zu Version 2 – vorher hiess er einfach NuControl – enthielt zwei wichtige Verbesserungen: Die erhöhte Taktrate zu 192 kHz bei 24 Bit und lautstärkengeregelte Digitalausgänge (SPDIF coaxial und Toslink) für den Betrieb von digitalen Aktivlautsprechern ohne geregelte Lautstärke.
Unverändert verfügt die Version 2 über 4 Analogeingänge (davon einmal XLR), 4 Analogausgänge (davon einmal XLR) und 3 x RCA (Cinch) und davon einmal prioritär für Subwoofer und einmal mit Fixvolumen für Aufnahmegeräte. Auch Digitaleingänge sind grosszügig vorhanden: 2 x SPDIF coaxial (RCA), 2 x SPDIF optisch (TosLink) und einmal USB asynchron.
Der Trigger-Ausgang synchronisiert das Ein- und Ausschalten des Vorverstärkers mit einer Endstufe, die getriggert werden kann (in unserem Beispiel die NuPower D).
NuControl 2 verfügt über eine grosse Zahl von Ein- und Ausgängen für mehrere Einsatzmöglichkeiten. Hervorzuheben ist der geregelte SPDIF-Digitalausgang für den Betrieb von digitalen Aktivlautsprechern.Auf dem Geräteboden findet man im Bereich des rechten Standfusses (von hinten gesehen) einen praktischen Kippschalter mit der Funktion «Groundlift». Damit kann man den Erdungskontakt der Stromzuführung unterbrechen, was bei massebezogenen Brummgeräuschen (Brummschleifen) sehr wirkungsvoll sein kann. Der NuPower D verfügt über dieselbe Funktion.
avguide.ch meint
Die sogenannten Brummschleifen oder Brummschlaufen sind eine Art verkabelungsbedingte «Empfangsantennen» von Störsignalen, die meistens von den Geräten selbst ausgehen bzw. von den Transformatoren. HiFi-Ketten sind besonders anfällig auf das Problem, wenn alle Geräte über die Netzkabel geerdet sind und dazu die Gehäusemasse der Geräte untereinander verbunden ist. Die Daumenregel ist, dafür zu sorgen, dass nur der Vorverstärker über sein Netzkabel geerdet ist und die anderen Geräte nicht, bzw. nur einmal über die Masseverbindung mit dem Vorverstärker. Die praktischen Groundlift-Schalter bewirken, dass man den Erdleiter in den Netzkabeln nicht mühsam unterbrechen muss. Das Problem kommt nicht immer vor.
Infolge der hohen Integration auf den verschiedenen Platinen hat es noch Luft im Gehäuse. Der gekapselte Transformator ist weit entfernt von kritischen Komponenten positioniert.Bedienung und Klangmanagement
Klangmanagement ist ein zutreffender Begriff für die vielfältigen Klangregelungen, die dank des digitalen Signalprozessors (DSP) möglich sind. Die Bedienung erfolgt auf dem Gerät mittels verschiedener Funktionstasten oder mit der IR-Fernbedienung. Die Bedienung am Gerät ist vollständig. Sie umfasst also sämtliche Einstellungen. Die Bedienung mit der IR-Fernbedienung ist komfortabler, weil man dank sinnvoll angelegter Funktionstasten bestimmte Funktionen direkt anwählen kann, ohne zuerst durch Menüs zu scrollen (zum Beispiel für die Wahl der Quelle).
Das monochrome Standard-Display umfasst maximal 4 Zeilen. Funktionen können durch scrollen gewählt und mit «OK» bestätigt werden. Für eine weiterführende Wahl tippt man z. B. nach rechts. Mit der Back-Taste kommt man wieder zurück. Das Navigationstastenkreuz ist praktischer als die oft gesehenen Drehschalter mit Drucktaste. Der Lautstärkeregler ist ausschliesslich für die Lautstärke zuständig. Die Mute-Funktion findet man nur auf der Fernbedienung. Das ergibt auch Sinn.
Klang à la carte
Beim NuControl 2 besteht das Klang-Dinner aus 5 Gängen – oder besser 5 Menüs. Es sind dies:
Das Tone-Menü
das Equalizer-Menü
das Speaker-Menü und
das Subwoofer-Menü
Beim Tone-Menü geht es um relativ einfache und alltägliche Korrekturen, wie man sie im Grunde seit Jahrzehnten auf den Frontplatten unzähliger Verstärker findet und nutzt. Dank Korrekturfunktionen mittels Algorithmen in der Digital Domain eines Signalprozessors kann man hingegen erleichtert zur Kenntnis nehmen, dass Zeit- und Phasen-Fehler oder Rauschen aller Couleur im Gegensatz zu früheren Klangregelungen nicht mehr zu beklagen ist.
Es gibt im Tone-Menü eine 2-stufige Loudnesskorrektur, eine Anhebung des Tieftonspektrums bei geringen Lautstärken um 10 dB oder 20 dB. Die Mittenfrequenz liegt bei 50 Hz. Das Wirkungsspektrum reicht von 20 Hz bis gut 200 Hz. Man sollte Loudness aber wirklich nur bei «Leisehören» anwenden.
Die Bassregelung liegt bei einer Mittenfrequenz von 80 Hz und erlaubt variable Korrekturen von +8 dB bis -12 dB. Man erkennt bei der Kurve sehr eindeutig die Anwendung zur Verminderung von typischen und unangenehmen Bassmoden im Mid-Bass bis High-Bass. Die Hochtonregelung erlaubt die variable Anhebung bei 20 kHz um bis +8 dB oder die Absenkung um bis -12 dB. Die Kurve, die bis ganz hinunterführt, bleibt dabei gerade. Das Spektrum wird nach vorne oder hinten geneigt. Das Prinzip nennt man Klangwaage.
Im Equalizer-Menü können insgesamt 7 eingeschränkt parametrische Filter definiert werden: Die Einschränkung bezieht sich auf bloss einen Filtertyp, nämlich der des Bandpasses bzw. der Bandsperre. Damit lässt sich aber viel bewirken. Bei jedem Bandpass können die Mittenfrequenz, die Stärke des Eingriffs (+6 dB bis -12 dB) und die Güte des Filters (Flankensteilheit) gewählt werden.
Das Speaker-Menü bevorzugt natürlich Nubert-Lautsprecher, bei denen geeignete Voreinstellungen im Untermenü «Nubert Speaker Set» aufgerufen werden können. Andere Lautsprecher profitieren aber auch: Man kann die Lautstärke des linken oder rechten Lautsprechers verändern und dazu auch eine Zeitverzögerung definieren, um einem der Lautsprecher eine virtuelle Distanz vom Hörplatz zuzuweisen. Das eignet sich für die asymmetrische Platzierung von Stereolautsprechern, was im Normalfall aber vermieden wird. Es gibt im Speaker-Menü auch eine High-Pass-Funktion für die Optimierung der Lautsprecher im Zusammenspiel mit Subwoofern. Man kann damit den Bassbereich gezielt dämpfen und hat drei Kurven zur Auswahl. Zu guter Letzt gibt es auch noch einen Bass-EQ – eigentlich ein weiteres Filter, vergleichbar mit dem Equalizer.
Auf das Subwoofer-Menü gehe ich nicht im Detail ein. Man kann damit einfach alle relevanten Parameter zur Integration eines Subwoofers in den Raum und die Anlage definieren. Ich empfehle aber, Redundanzen zu den Einstellungen beim eigentlichen Subwoofer zu erkennen/vermeiden. Auch Subwoofer verfügen heute über schlaue Subwoofer-Menüs.
Auf das Options-Menü gehe ich nicht ein. Es ist ebenfalls umfangreich. Insgesamt sind die Möglichkeiten des Klangmanagements beim NuControl 2 enorm. Dank der guten Strukturierung der Menüs ist das Ganze beherrschbar, aber doch auch etwas umständlich. Wenn es für die Bedienung eine App gäbe, dann wäre das bestimmt nicht von Nachteil.
Soundcheck
Der Soundcheck erfolgte an zwei Positionen: einmal im Nahfeld mit meinen leistungshungrigen Abhörlautsprechern mit geringem Wirkungsgrad und einmal an meiner Anlage mit grosszügig bemessenen Standlautsprechern. Als Quelle kam ein Musikserver von Innuos (Zenith) via USB-Eingang zum Einsatz und dazu ein CD-Spieler über den Analogausgang (RCA). Damit hatte ich auch eine quasi analoge Quelle zum Vergleich. Als Lautsprecherkabel kamen die NuCable Exklusiv von Nubert zu Einsatz. Das sind sehr gute Lautsprecherkabel zu einem anständigen Preis, hergestellt von InAkustik.
Aus thermischen Gründen ist die Platzierung der Endstufe auf dem Vorverstärker vorteilhaft. Man muss die Geräte natürlich nicht stapeln.Das Musikmaterial kam dieses Mal von der Playliste «Great Sound Quality – High End-Playlist» von Qobuz. Die hat es in sich und schien mir sehr geeignet. Es hat viele gute Aufnahmen mit Perkussion und tiefen Bässen, viel Electronic und Ähnliches, also auch «junges» Material. Sie sehen das Intro der Playliste im Bild unten, einmal als Screenshot von der Qobuz-App und einmal von der App der digitalen Quelle.
Beim ersten Warmlauf-Durchgang erging es mir, als ob eine grosse Autorität hinter den Lautsprechern zu stehen schiene, wie wenn jemand leise den Raum betreten hätte, ohne aufzufallen oder sich in irgendeiner Weise bemerkbar zu machen. Im übertragenen Sinne war es die Präsenz einer beruhigenden Leistungsreserve, die eine noch kaum wahrnehmbare Kontrolle auf die Musik ausübte. Kleine Abhörmonitore von hoher Güte im Nahfeld fordern im Grunde wenig von den Verstärkern, und doch spielten meine «Abhör-Preziosen» irgendwie anders auf als sonst. Sie erzeugten auch bei leisen Pegeln einen nachvollziehbar grösseren Raum und füllten diesen mit der Musik ein wenig besser aus. Bei grösseren Pegeln wurde dann klar, dass die Tieftoneigenschaften meiner Monitore – mit geschlossener Gehäusekonstruktion – bislang nicht wirklich hörbar gewesen waren. Mit der Kombi aus NuPower D und NuControl 2 wirkten sie bis etwa 50 Hz runter um einiges souveräner als sonst.
Leistung und Kontrolle sind nicht nur bei «Party & Big Speaker» ein Argument. Es zeigt auch in eher intimen Hör-Settings eindeutig Wirkung, wie ich feststellen durfte. Ganz besonders eindrücklich wurde die Vorstellung bei Perkussion aller Art. Die Schnelligkeit und Impulsfreudigkeit der Endstufe ist aussergewöhnlich und auch in Bezug auf die perkussiven Eigenschaften findet man die Antwort gut bei leisen Pegeln.
Laut macht immer Eindruck, wenn Verzerrungen und Raummoden den Spass nicht verderben (was sie aber oft tun). Bei meinen Versuchen war denn «laut» an der Grenze dessen, was mein grosser Hörraum zulässt. Es hängt auch von den Lautsprechern ab, aber diese Endstufe macht das Beste daraus, womit man sie auch verkabelt.
Die klangliche Abstimmung, sofern man überhaupt von Abstimmung sprechen kann (was ist das überhaupt?), ist neutral, mit einer sanftmütigen Note, die man heutzutage unter dem Begriff «musikalisch» halbwegs treffend beschreiben würde. Der Verstärker fügt zur Musik keine Härten hinzu und macht auch nicht auf Softie.
Er hat eine sehr angenehme Ausgewogenheit und wirkt dabei auch ein wenig unauffällig und vor allem nicht aufdringlich. Er vermag in den von mir eingesetzten Ketten sehr überzeugend zu vermitteln, weshalb bestimmte Musiker so absolut genial sind oder waren – oder was man an einem Live-Konzert von Talking Heads erlebt hätte, wenn man dabei gewesen wäre.
Ich hatte den Eindruck, als wäre Leistung schon ein sehr gewichtiges Argument und eine wichtige Eigenschaft, um Authentizität zu erzeugen. Die Erkenntnis oder nur Vermutung ist nicht neu für mich, aber ihre Wiederholung bestätigt so einiges.
Die Playliste stammt von Qobuz, wo Sie sie finden können. Links die Ansicht der Playliste auf der Innuos Sense App.Hier einige Anspieltipps aus meiner Musikauswahl. Track/Interpret/Album:
Nightwalker/Trentenmöller/The Last Resort
Sakana/Nicoals Parent Trio/Mirage
New Bass Song/Nenad Vaslic/Bass Room
Soothing/Laura Marling/Semper Femina
The Land of/Matthew Halsdall/Into Forever
Unanswered Letters/ ? /Music for Mindfullness Vol.3
Fazit
Die NuPower-D-Endstufe von Nubert ist mit Musikalität, Leistung und Kontrolle ein nahezu idealer Antrieb für praktisch alle passiven Lautsprecher auf dem Markt. Wer sich nicht zu spezifischen «Klangdesigns» hingezogen fühlt, kommt am NuPower D in seiner Shortlist nicht vorbei. Dass man ihn auch mit zwei Lautsprecherpaaren und zwei Vorverstärker-Quellen einsetzen kann, ist ein zusätzliches Plus.
Die NuControl 2 ist eine Vorverstärkerzentrale sondergleichen und behandelt alle digitalen oder analogen Zuspieler gleich und gerecht. Die Beschränkung auf Kabel-Zuspieler kann im Wireless-Zeitalter als Nachteil gesehen werden. Bei HiFi-Anwendungen ist wireless aber eher eine Aufgabe der spezifischen Quellengeräte und eigentlich nicht die des Vorverstärkers. Insofern sehe ich das nicht als Nachteil. Die Klangmanagement-Möglichkeiten sind sehr umfassend.
Das Design und die Verarbeitung der Geräte sind erstklassig.
Optisch und akustisch stimmungsvoll und sehr musikalisch mit enormen Leistungsreserven.avguide.ch meint
Zum Thema Schaltverstärker empfehlen wir die Lektüre unseres Gesprächs mit John Stronczer «Eine Art von Magie».

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