17. Dezember 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
1. März 2004
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Die 700er Linie mit Stand-, Regal- und Center-Lautsprechern sowie Subwoofern löst die erfolgreiche DCM NT-Serie ab.

Schon rein optisch zeigt sich der Fortschritt: Die Gehäuse sind gefälliger und eleganter geworden.

Von der Technik her hat man nicht einfach an der NT-Serie gefeilt, sondern wichtige Konstruktionsmerkmale der 800-Nautilus-Reihe übernommen.

Das tönt vielversprechend. Ob es so ist, zeigt aber erst der Hörtest.


Stabil und doch elegant

Auf minimale Windgeräusche optimiertes Bassreflexrohr mit "Golfballoberfläche"
Dass man elegantes Design mit stabiler Konstruktion vereinen kann, hat B&W bereits bei ihrer Nautilus 800er Linie gezeigt.

Die Front und Deckplatte der 703 bestehen neu aus einem Stück. Die abgerundete Kante verhindert Gehäusereflexionen.

Nichtparalelle, nach hinten zusammenlaufende Seitenwände minimieren stehende Wellen im Inneren des Gehäuses. Die Öffnung des Bassreflexrohres hat man mittels einer speziellen Formgebung und Oberflächenbeschaffenheit, ähnlich derjenigen bei Golfbällen, auf minimale Turbulenzen und damit geringste Windgeräusche optimiert.

So sind auch Zupfbass-Solis nicht von Blasgeräuschen begleitet und ein Kontrabass klingt nicht wie eine Basstuba.

Die Chassis machen die Musik

Basschassis in "Pilzbauweise": Die Membran wölbt sich nach aussen.
Die Basstreiber sind disziplinierte Kraftprotze mit leichten, so doch sehr stabilen Papier/Kevlar-Membranen.

Technisches Detail: Der Schwingspulenträger wurde durch Verlängerung der Schwingspule bis zur Staubkappe hochgezogen. Dies erhöht zusätzlich die Festigkeit des ohnehin schon sehr stabilen Basskonus in sogenannter "Pilzbauweise".

Mit seinem Phaseplug, der eigenartigen Polymer-Membranaufhängung und nicht zuletzt der aus gewobenen Kevlarfasern bestenden Membran hinterlässt das Mitteltonchassis einen geradezu exotischen Eindruck.
Der auf das Gehäuse aufgesetzte B&W-Hochtöner gab schon zu vielen Diskussionen Anlass. Hat dieses Prinzip nun Kef oder B&W erfunden?

Inzwischen findet man den aufgesetzten Tweeter auch bei Sony und Tannoy.

Wie dem auch sei, mit seinem separaten Gehäuse, der kleineren Abstrahlfläche und der zeitkorrigierten Treiberpositionierung ergeben sich beste Abstrahleigenschaften.

Die rückwärtige Schallenergie wird in der nur bei B&W verwendeten Röhre effizient und reflexionsarm absorbiert.

Zusätzliche Massnahmen erweitern den Arbeitsbereich des Hochtöners auf 50kHz (-6dB). So ist man gewappnet für hochauflösende Formate wie SACD und DVD-A.

Auch bei der Frequenzweiche hat man nicht gespart und setzt konsequent eisenlose Spulen für geringste Verzerrungen auch bei hohen Pegeln ein. Generell erfolgt die Auswahl der Bauteile durch intensive Hörtests.

Die Anschlussklemmen akzeptieren 4 mm Bananen-Stecker, 6 mm (1⁄4 in) Kabelschuhe und dicke, blanke Kabel bis ø 6 mm. Neue, noch längere Spikes entkoppeln die Gehäuse vom Fussboden.

Technik: Balanced Drive

Der frei auf dem Gehäuse stehende Hochtöner spielt locker bis 50 kHz.
Die Entwicklungsabteilung in Steyning UK verwendet seit Jahren Laserstrahlen, um die Membranbewegungen zu messen. Dies erlaubt den Ingenieuren die diversen Ursachen für Verzerrungen zu bestimmen und entsprechende Korrekturmassnahmen zu entwickeln.

Sind die Polspalten und somit der Magnetfluss nicht symmetrisch, ergibt dies harmonische Verzerrungen. Ein Kupferüberzug über dem Mitten-Pol reduziert die Induktivität.

Eine Aluminiumscheibe auf der mittleren Polkappe eliminiert positionsbedingte Änderungen der Induktivität .

Die Schwingspule sitzt nun weiter oben in der Polspalte. Dies ergibt eine symmetrische Kraftverteilung und minimiert die Verzerrungen.

Keine Strohfeuereffekte

Die sich nach hinten verjüngende Absorptionsröhre stammt aus der Nautilus-Forschung und vernichtet die rückwärtige Schallenergie ohne"Nebenwirkungen"
Sich zurücklehnen, entspannen und geniessen heisst die Devise, wenn die 703 ihr Konzert beginnen.

Der Klang ist auf eine Art unspektakulär und doch faszinierend. Mit ihrer tonalen Ausgewogenheit sind ihr sogenannte Strohfeuereffekte, die im ersten Moment begeistern und bereits nach kurze Zeit nerven, völlig fremd.

So erscheinen Cembalo-Anschläge mit einem beeindruckenden Obertonreichtum, ohne allerdings, wie so viele punkto Brillanz überzüchteten Boxen, das Gehör mit akustischen Nadelstichen zu peinigen.

Ähnliches gilt für die ewig kritische Wiedergabe der Streichinstrumente, insbesondere hohen Violinpassagen. Bogentechnische Nuancen werden peinlich exakt reproduziert und dennoch artet auch Paganinis Teufelstriller nie in ein Kratzkonzert aus.

Klangtreue und Natürlichkeit haben sich die B&W-Entwickler auf die Fahne geschrieben.
Goldene Klänge dank vergoldeter Anschlüsse
Die Box gleicht klanglich einem Chamäleon: Bei zarter klassischer Musik glaubt man eine eher warm und dezent klingende Box zu hören. Bei knallharten Drum-Orgien verwandelt sie sich in einen explosiv und superdynamisch klingenden Schallwandler.

Voraussetzung ist allerdings dass sie etliche Stunden eingespielt wurde. Frisch aus der Verpackung geschält, spielt sie zunächst etwas müde und erwacht erst nach einigen Stunden.

Ihre ungeheure Breitbandigkeit beweist die Box bei Bachs Orgelwerken.

Hier bringt sie die so wichtigen Basslinien einer Passagaglia und Fuge mit fundamentaler Tiefe und grosser Klarheit. Der Hochtöner lässt die Mixturen in ihrem ganzen Glanz erstrahlen.

Der Klang kommt wie aus einem Guss und ist von den Boxen gelöst.

Beeindruckend auch, wie die 703 die räumlichen Verhältnisse zum Beispiel einer grossen Kathedrale nicht nur in der Breite, sondern auch in der Tiefe darstellt.

Ebenfalls im Element ist sie bei den knallhart pulsierenden Synthesizer-Passagen der High-end Test Record "Explosion" im Track "Tulungusak" und beschallt damit auch grössere Wohnräume locker mit einem bemerkenswerten Klangvolumen.

Natürlich ist hier die Elektronik gefordert. Impulse bis zu 500 Watt verkraftet die Box, ohne mit der Wimper zu zucken.

Fazit

Mit der 703 ist dem britischen Lautsprecherspezialisten B&W ein echter Hit gelungen: Ein Standlautsprecher, der sich mit einem Chamäleon vergleichen lässt und bei zarter Streichermusik ebenso im Element ist wie bei knallhartem Rock-Pop und swingendem Jazz.
STECKBRIEF
Preis:
4800.- Paar
Profil:
Standboxen aus dem United Kingdom, die sich der Musik anpassen können: Von "hauchzart" bis "brutal Power" liegt alles drin.
Pro:
erstklassige Verarbeitung,
exzellente Feinzeichnung,
hohe Dynamik,
enorme Breitbandigkeit
Contra:
-
Ausstattung:
Masse (B xH xT) : 23.2 x 100.7 x 35.7 cm
Anzahl Wege: 3
Bi-Wiring: Ja
magnetische Abschirmung : nein
Ausführungen: Ahorn, Kirsche, Rosenholz, Walnuss, Esche schwarz
Technische Daten:
Empf. Verstärkerleistung: 50 - 200 Watt
Impedanz: 8 Ohm (min 3 Ohm)
Wettbewerb