TESTBERICHT
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Publikationsdatum
23. Februar 2023
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Zum 50-Jahre-Jubiläum bringt der britische Traditionshersteller die neue «Classic»-Linie, bestehend aus dem Streaming-Vorverstärker NSC 222, dem externen Netzteil NPX 300 sowie dem Endverstärker NAP 250. Letzterer geniesst bereits legendären Status, kommt er nun doch bereits in der sechsten (technisch auf den neusten Stand gebrachten) Generation auf den Markt.

Der NSC 222 ist hingegen keine Neuauflage des ideellen Vorgängers NAC-N 272, sondern eine grundlegende Neuentwicklung, die wesentliche technische Anleihen bei der exklusiven Statement-Serie vornehmen durfte. So etwa eine miniaturisierte Version der ultrapräzisen Lautstärkeregelung über ein Widerstandsnetzwerk oder auch die neuste Ausgabe des hauseigenen Streaming-Moduls NP800.

Der komplett in UK designte und noch mit reichlich Handarbeit gebaute NSC 222 verfügt unter anderem über handverlötete Polystyrolkondensatoren sowie diskrete Transistor-Eingangspuffer in einer Class-A-Schaltungstopologie. Die Eingangsumschaltung erfolgt über verlustarme Reed-Relais. An analogen Eingängen werden Cinch, 5-Pol-DIN sowie Phono-MM angeboten. Auf der digitalen Seite finden sich vier Anschlüsse. Die Verbindung zum Endverstärker erfolgt wahlweise symmetrisch oder via Cinch. Passende, hochwertige XLR-Kabel zum Andocken des NSC 222 an den Endverstärker NAP 250 werden mitgeliefert.

Der Kaufpreis beträgt je CHF 6999 für jede einzelne Classic-Komponente. Das ist natürlich sehr viel Geld. Die Preise für den Vor- und den Endverstärker liegen jedoch auf dem Niveau der einschlägigen Konkurrenz oder gar darunter. Nur das optionale Netzteil scheint vergleichsweise teuer. Dies hat bei Naim jedoch Tradition. Die gute Nachricht für viele Naim-Liebhaber, die mit den neuen Classic-Komponenten liebäugeln: Die meisten bisherigen Naim-Netzteile können auch beim NSC 222 zum Einsatz kommen.

Vier Digital- und drei Analogeingänge (einer davon Phono-MM) sollten für die allermeisten Ansprüche ausreichen. Die beiden grossen, runden Buchsen sind für den Anschluss des optionalen Netzteils NPX 300 vorgesehen.Vier Digital- und drei Analogeingänge (einer davon Phono-MM) sollten für die allermeisten Ansprüche ausreichen. Die beiden grossen, runden Buchsen sind für den Anschluss des optionalen Netzteils NPX 300 vorgesehen.

Ein sehr grosser Aufwand wurde im NSC 222 bei der digitalen Signalverarbeitung betrieben: Separate Taktgeneratoren für die Frequenzen 44,1 kHz und 48 kHz (bzw. deren Vielfachen) versprechen äusserst niedrige Taktschwankungen (Jitter) bei allen Samplingfrequenzen. Datenströme der Musikprovider (u.a. Tidal, Qobuz und Spotify Connect) werden ebenfalls neu getaktet, währendem Digitalsignale von den S/PDIF-Eingängen zunächst in einem RAM-Puffer zwischengespeichert werden.

Naims hauseigene DSP arbeitet mit einem proprietären Oversampling-Filter, bevor die Signale der eigentlichen DAC-Sektion mit PCM1791A-Wandlerchips zugeführt werden. Auch die aufwändig designte DAC-Ausgangsstufe profitiert von der einschlägigen Erfahrung des britischen Herstellers. Der NSC 222 dekodiert PCM (WAV/FLAC) mit bis zu 384 kHz Samplingfrequenz: DSD64 und 128 werden ebenfalls verarbeitet.

Der hochintegrierte Innenaufbau zeugt vom grossen technischen Aufwand, den Naim beim NSC 222 betreibt. Viel Platz beansprucht die Lautstärkeregelung über Widerstandsnetzwerke. Ein satt dimensioniertes Linearnetzteil ist für die Stromversorgung zuständig.Der hochintegrierte Innenaufbau zeugt vom grossen technischen Aufwand, den Naim beim NSC 222 betreibt. Viel Platz beansprucht die Lautstärkeregelung über Widerstandsnetzwerke. Ein satt dimensioniertes Linearnetzteil ist für die Stromversorgung zuständig.

Zugang zum Heimnetzwerk findet der NSC 222 wahlweise über Ethernet oder via WiFi. Die kabellose Anbindung erfolgt problemlos und komfortabel via Fernbedienung und Display auf dem Gerät. Neben Airplay 2 und Chromecast verarbeitet der Naim gerne auch Bluetooth-Signale ab Handy/Tablet, sodass man insgesamt viele Varianten zum kabellosen Musikstreamen zur Wahl hat.

Punkto Design stösst Naim bei der neuen Classic-Serie in die Moderne vor: Ein vergleichsweise kantiges Design mit seitlichen Kühlrippen (Vorsicht: Fingerkuppen!) verleihen allen drei Komponenten ein unverwechselbares Profil. Zwar immer noch klar als «typisch Naim» erkennbar. Nun jedoch prägnanter und auch edler; sehr gut auch zur Kombination mit anderen Marken geeignet. Richtig apart wirkt beim NSC 222 die seitliche Unterteilung des Gehäueses in drei Ebenen mit leicht niedriger gestuftem Mittelteil: Links der grossflächige, haptisch sehr ansprechende Volumensteller; rechts das 14-cm-Farbdisplay, gefolgt von den vier Naim-typischen Drucktasten, über die sich viele Bedienschritte auch direkt am Gerät vornehmen lassen. Schwarz hochglänzende Flächen verleihen dem NSC 222 einen faszinierenden Touch, verlangen jedoch regelmässig den Griff nach dem Staubtuch.

Informativ und scharfkantig: Das grosszügig dimensionierte Farbdisplay bereitet im Musikalltag viel Freude. Die seitlichen Kühlrippen schärfen das Designprofil der neuen Classic-Komponenten.Informativ und scharfkantig: Das grosszügig dimensionierte Farbdisplay bereitet im Musikalltag viel Freude. Die seitlichen Kühlrippen schärfen das Designprofil der neuen Classic-Komponenten.

Markenzeichen ist natürlich das grossflächige und knackig scharfe (14-cm-)Farbdisplay, welches wahlweise das Albumcover oder die aktuellen Titelinformationen darbietet. Es dient aber auch zur Navigation bei der Bedienung des Geräts über die vorbildlich gestaltete Funkfernsteuerung. Die Eingangswahl kann man sogar per Tastendruck auf der Gerätefront vornehmen. USB lässt sich freilich nur via Fernbedienung oder App anwählen. Erfreulicherweise verfügt der NSC 222 nämlich über zwei Anschlüsse für USB-Datenträger (einen an der Vorder-, einen an der Rückseite). So kann man seine Musiksammlung auf einem Stick permanent hinten am Gerät angedockt lassen.

Vorbildlich und einsteigerfreundlich: Die Hauptebene der Focal-/Naim-App erlaubt den problemlosen Zugriff auf die vielen Musikangebote.Vorbildlich und einsteigerfreundlich: Die Hauptebene der Focal-/Naim-App erlaubt den problemlosen Zugriff auf die vielen Musikangebote.

Tolle Steuerung per Focal/Naim-App

Die ganze weite Welt des Musikhörens ab Internet eröffnet sich über die bewährte Focal-Naim-Streaming-App (wahlweise für Android/iOS), die sehr einsteigerfreundlich gehalten ist. Übersichtlicher geht es kaum noch: Man wählt zunächst die Wiedergabezone und hat sodann sämtliche Analog-/Digitaleingänge bzw. Musikprovider zur Auswahl.

Darunter werden nebeneinander Presets, Alben, Interpreten, Titel, Radiostationen sowie Playlisten dargeboten. Je nachdem, was man drückt, erscheint links die Auswahl, durch die man nach unten scrollen kann. Das ist bestechend einfach und praxisgerecht. Nutzer, die gerne Radio hören, können Sender anhand von Genre, Ort oder Beliebtheit aussuchen. Gesonderte Bouquets finden sich unter «Naim‘s Choice» und «HiDef». In Letzterem werden Internet-Radiostationen zugänglich, die hohe Datenraten und damit eine ausgezeichnete Klangqualität anbieten.

Naim offeriert innerhalb der App einen eigenen Ordner für Webradiostationen, die Musikstreams in HiRes übertragen. Davon gibt es bereits erstaunlich viele – über die Focal-/Naim-App sind sie sehr einfach zu finden.Naim offeriert innerhalb der App einen eigenen Ordner für Webradiostationen, die Musikstreams in HiRes übertragen. Davon gibt es bereits erstaunlich viele – über die Focal-/Naim-App sind sie sehr einfach zu finden.
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