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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
3. Juli 2019
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MEDIEN

Für den Testbericht erhielt ich ein schweres, voluminöses Paket von Panasonic. Hervor kamen die spiegellose Vollformat-Kamera DC-S1R mit dem Lumix-S-Standardzoom 24105 mm / F4.0 / Makro / OIS und das Lumix S Pro Telezoom 70–200 mm / F4.0 / OIS.

Im ersten Moment fällt einem weniger die Grösse der Lumix S1R als vielmehr ihr Gewicht beim Hochheben auf. Mit der angeflanschten 24–105-mm-Optik stemmt man gleich über 1,7 Kilogramm Schwermetall.

Im Vergleich dazu ist der neue Vollformater Canon RP zusammen mit dem vergleichbaren Objektiv (24–105 mm, f/4) mit seinen 1,2 kg ein richtiges Leichtgewicht. Wird an Stelle des Lumix-S-Standardzooms das Telezoom 70-200 mm befestigt, hebt man stolze 2,3 Kilogramm in die Höhe. Ein vorheriges Hantel-Training ist sehr empfehlenswert.

Die Panasonic S1R zeigt auch mit ihrer übrigen Ausstattung, dass sie für professionelle Ansprüche konstruiert ist. Ihr staub- und spritzwasserfestes Magnesiumgehäuse soll laut Hersteller auch härtester Beanspruchung widerstehen und bei Temperaturen von bis zu -10 Grad Celsius funktionieren. Der Verschluss ist für 400'000 Auslösungen ausgelegt und sie bietet zwei Speicherkartenslots für SD- und XQD-Karten. Für eine längere Ausdauer auch unterwegs sorgt die Lademöglichkeit per USB-Anschluss.

Neben der Lumix S1R mit effektiven 47,3 Megapixel Auflösung, der derzeit höchsten Auflösung bei spiegellosen Vollformat-Kameras, stellte Panasonic gleichzeitig das Modell S1 mit 24,2 Megapixel vor. Es verwendet einen kleineren CMOS-Sensor, ermöglicht dafür die Standard-ISO-Einstellung bis zu ISO 51200.

Auf Herbst 2019 kündigte Panasonic das Modell Lumix S1H an. Eine neue spiegellose Vollformatkamera, die laut Hersteller als weltweit erste digitale Wechselobjektiv-Systemkamera Videoaufnahmen in 6K/24p ermöglicht und speziell für Videoaufnahmen konzipiert ist.

Familienbande: Von links, Panasonic Lumix GH5, G9 und S1R. Der grosse Vollformat-Sensor der S1R ist nicht zu übersehen.

Micro-FourThirds-Abstammung

Zurück zu unserer Lumix S1R. Sie kann ebenso wenig wie die S1 und S1H ihre Abstammung von der Panasonic Micro-FourThirds-Familie verleugnen. Vom Gehäuse-Design über die Anordnung der Bedienungselemente bis hin zu den Menüstrukturen wurde vieles von ihr übernommen, und das ist durchaus positiv zu verstehen.

So konnte ich mit meinen grossen Händen wie schon bei der GH5 und G9 auch die S1R sicher und fest am tiefen, gummierten und ergonomisch geformten Handgriff halten. Mit dem Unterschied, dass sich die S1R durch ihre schiere Grösse mehr nach Spiegelreflexkamera anfühlt als nach kompakter Spiegelloser.

Während andere Hersteller wie Sony den Wegfall des Spiegels konsequent ausnutzen und Kameras mit viel kleineren Abmessungen bauen, kennt der «Grössenwahn» bei Panasonics Lumix S1R keine Grenzen und übertrifft sogar die Gehäuse-Boliden von Nikon und Canon.

Den Profi kümmert das wenig. Für ihn liegen damit auch grössere Objektive sicher in der Hand. Und im Studio auf dem Stativ stört das Gewicht sowieso nicht. Den befragten Hobby- und Ab-und-Zu-Fotografen sowie Smartphone-Knipsern war die Lumix S1R jedoch ganz klar zu klobig und vor allem zu schwer.

Am grossen Body ist genügend Platz für Tasten, Drehräder und Schalter vorhanden. Wer die S1R mit der G9 vergleicht, wird sehr viele Gemeinsamkeiten bei deren Platzierung und Funktionen entdecken. Fotografinnen und Fotografen mit Lumix-G- und GH-Kameras bedienen eine S1R ohne grosses Umlernen. Unterschiede gibt es höchstens in der etwas anderen Beschriftung einzelner Tasten, dem neuen «Lock»-Hebel und dem separaten Ein/Aus-Schalter der S1R. Ach ja, noch etwas: Das vordere Drehrad ist unter den Foto-Auslöser gewandert und der Videoaufnahmeknopf befindet sich jetzt nicht mehr auf der Oberseite, sondern wurde auf die Rückseite gleich rechts neben den Sucher verlegt.

Dieser elektronische Sucher ist schlichtweg der beste, der mir jemals ins Auge gestochen hat. Er besitzt eine sagenhafte Auflösung von 5,76 Millionen Pixeln in OLED-Qualität und zeigt dank seiner Bildwiederholrate von 120 Bildern/s ein klares und ruckfreies Bild aufs Motiv. Zudem gibt es drei wählbare Suchervergrösserungen (0,7x, 0,74x und 0,78x), was nicht nur Brillenträger dankbar zur Kenntnis nehmen.

Hochformat: Für Porträts lässt sich das Display der Lumix S1R von unten anheben und erleichtert so vertikale Aufnahmen.

Bildschirm aufklappen

Beim 8,1 cm grossen TFT-LCD-Monitor hat Panasonic bei den APS-C- und Vollformat-Mitbewerbern abgekupfert. Er besteht aus einem robusten Klappmechanismus, der sich bei Gebrauch dennoch etwas filigran anfühlt. Er lässt sich um drei Achsen schwenken und erlaubt eine bequeme Kamerahaltung auch in ungewöhnlichen Aufnahmepositionen. Leider kann er nicht wie bei den Micro-FourThirds-Modellen seitlich um 180 Grad aufgeklappt und nach vorne gedreht werden. Dies wird Youtuber und Selfie-Fans enttäuschen. Zudem entfällt auch das praktische Einklappen mit der Display-Seite nach innen für einen sicheren und geschützten Transport, Gorilla-Glas hin- oder her.

Dafür lässt sich auf dem Touchscreen-Display sehr gut per Finger durch Menüs navigieren, in Bilder hineinzoomen, beim Fotografieren scharfstellen und wenn gewünscht auch gleich das Foto aufnehmen. Navigieren und Autofokus-Feld bestimmen geht auch mit dem Joystick, der das Feld neu auch diagonal über das Display bewegen kann. Mir war dieser Stummel etwas zu empfindlich und ich bin ab und zu übers Ziel hinausgeschossen. Zudem hatte ich mit dem Bestätigen von Einstellungen durch mittiges Draufdrücken auf den Stick einige Mühe. Schliesslich habe ich dies dann nur noch mit der SET-Taste erledigt.

Wer gerne im Dunkeln munkelt bzw. fotografiert, wird sich über Nachtmodus, LiveView-Boost und beleuchtete Tasten freuen. Die Knöpfe für Weissabgeleich, ISO-Wert und Belichtungskorrektur sind unterschiedlich ausgeformt und dadurch ohne Hinzusehen ertastbar. Man kann sich voll auf seine Aufnahmen konzentrieren. Auf dem grossen hintergrundbeleuchteten Info-LC-Display auf der Oberseite der S1R sind alle wichtigen Einstellungen auf einen Blick ersichtlich.

Wie den meisten Profikameras fehlt auch der Lumix S1R ein eingebautes Blitzgerät. Sie ist jedoch mit der übrigen Panasonic-Welt kompatibel und ich blitzte problemlos mit einem externen Micro-FourThirds-Blitzgerät – von Olympus.

Die Panasonic Lumix G9 lässt grüssen: Viele Bedienungselemente der Micro-FourThirds-Kamera (links im Bild) finden sich auch an der Lumix S1R wieder.
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