21. August 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
20. Oktober 2002
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Die Lifestyle 28 und mit ihr die Lifestyle 35 ist nicht eine HiFi-Anlage im bekannten Bose-Format, sondern ein kompaktes Heimkinosystem, das alles nötige enthält: DVD-Video-Spieler, Dolby Digital-Decoder, Endstufen, fünf Satellitenlautsprecher und ein Subwoofer. Hinzu kommen der eingebaute Tuner und eine Reihe an Anschlussmöglichkeiten für externe Geräte. Neben dem DVD-Spieler ist die zweite Neuheit eine technische Raffinesse, die durch die Digitaltechnik erst möglich wurde: ein Einmesscomputer, der über mitgelieferte Mikrofone die Anlage auf die Raumakustik hin optimiert.

Einfache Installation

Dank übersichtlicher Gliederung und eindeutiger Kennzeichnung der Elemente ist die Installation des Systems äusserst einfach.
Dank übersichtlicher Gliederung und eindeutiger Kennzeichnung der Elemente ist die Installation des Systems äusserst einfach.
Die beiden CDs für die Einmessung werden erst mal bei Seite gelegt. Die Anlage will installiert sein. Nach dem grossen Poster, das alle Elemente der Anlage sowie ihre Verkabelung visualisiert, sollte das so einfach sein, dass die ausführliche Bedienungsanleitung gar nicht nötig wird. Die Ausstattung der mitgelieferten Kabel mit unterschiedlich ausgeführten, farbig markierten und beschrifteten Steckern ist denn auch so ausgedacht, dass kaum ein Gedanke an den richtigen Anschluss verwendet werden muss. Grosszügig sind die Längen bemessen: vorne 6 Meter, hinten 15 Meter. Anzuschliessen sind sie am Acoustimass-Modul, das eher seitlich etwas abgesetzt steht und auch etwas versteckt werden kann. Zu den Surround-Lautsprechern führt ein vieradriges Flachbandkabel nach hinten, das gut unter den Teppich verlegt werden kann und so kaum auffällt.

Die fünf Cube-Lautsprecher bestehen aus je zwei gegeneinander verdrehbaren Einheiten. Dadurch kann ein Teil direkt auf die Hörplätze gerichtet werden, während der andere Teil die Wand anstrahlt und über eine Reflexion zu den Hörplätzen gelangt, was die Hörzone merklich verbreitert. Die Satelliten sind solide konstruiert aber dennoch so klein (16 cm hoch, 10 cm tief), dass sie überall Platz finden. Sie können an die Wand oder auf ein Stativ montiert werden. Angeschlossen werden die mit rot und schwarz markierten Drähte, indem sie in ebenso markierte Klemmen gesteckt werden.

Ausgedachte Bedienung

Mit wenigen Tasten wird ein komplettes Heimkinosystem gesteuert.
Mit wenigen Tasten wird ein komplettes Heimkinosystem gesteuert.
Ebenso schnell wie die Installation ist die Bedienung erfasst. Am Gerät selbst gibt es nur wenige Tasten für grundlegende Funktionen wie Öffnen der Schublade, und die Fernbedienung ist ein Ausbund an Übersichtlichkeit. Alle Tasten sind auf Anhieb zu verstehen, etwas Suchen muss man einzig die Skip-Tasten, da sie als Wipptasten mehrere Funktionen erfüllen. Die Fernbedienung kommuniziert per Funk mit der Anlage; sie muss also nicht auf einen Sensor ausgerichtet werden.

Bose hat sich offensichtlich einige Gedanken zur Bedienung eines kompletten Heimkinosystems gemacht und sich dabei überlegt, welche Funktionen weggelassen werden können und wie die notwendigen zu integrieren sind, so dass sie sofort verstanden werden. Weggelassen wurde der allseits beliebte Rauschgenerator, wohl in der Annahme, dass die gewünschten Pegel sowieso nach Gehör eingestellt werden, während der Film läuft. Der Surround-Pegel kann mit zwei eigenen Tasten auf der Fernbedienung erhöht oder erniedrigt werden, was unterschiedliche Abmischungen ausgleichen hilft. Der Centerkanal hingegen muss über das Menu in seiner Lautsärke verändert werden. Da haben die Bose-Entwickler in Boston wohl nicht bedacht, dass synchronisierte Versionen manchmal mit einer vorlauten Dialogspur aufwarten. Ebenfalls nur übers Menu zu ändern ist die Sprach-und Untertitel-Wahl. Das Schnelle Vor- und Zurückspulen läuft nur mit einer Geschwindigkeit (sie kann jedoch über das Menu geändert werden) und nur solange die entsprechende Taste gedrückt wird. Weggefallen ist auch die Einzelbildschaltung vorwärts und rückwärts, die gelegentlich das Vergnügen bereiten konnte, einem Filmtrick auf die Spur zu kommen. Wer aber zum ersten Mal eine Heimkinoanlage kauft und von all dem nichts weiss, erhält mit der Lifestyle 28 eine Fernbedienung in die Hand, die intuitiv die vielen Funktionen, inklusive der Bildschirmmenus, bedienen kann und ein Vorbild an Übersichtlichkeit ist.

Ausgewogener Klang

Das Acoustimass-Modul enthält die ganze Leistungselektronik und den Subwoofer.
Das Acoustimass-Modul enthält die ganze Leistungselektronik und den Subwoofer.
Die schnelle Installation verleitet zum Reinhören, ohne die Anlage einzumessen - zunächst mit der High-End-Test-CD in Stereo. Frappant ist die Sonorität der männlichen Stimme, die aus den kleinen Satelliten zu kommen scheint. Die Breite des spektralen Umfangs und die Unauffälligkeit des Subwoofers bleibt bei den diversen Musikarten erhalten. Der Subwoofer bringt bei den tiefen Frequenzen viel Volumen, ohne dick aufzutragen oder gar zu Wummern. Das Cello klingt ebenso voll wie der akustische oder der elektrische Bass; die Pauke kommt mit einigem Druck rüber. Seine Leistungsgrenze offenbart der Subwoofer erst beim Boxenkiller in voller Lautstärke. Hier limitiert er, so dass die wuchtigen Kicks untergehen, jedoch ohne Verzerrungen zu produzieren. In den Höhen spielen die Satelliten ebenfalls differenziert. Bei Bläsern und ganz hohen Streichern wirken die Klänge etwas gepresst, Rockgitarren neigen zum Grellen. Klavieranschläge sind in ihren Impulsen aufgeweicht. Nie aber leidet darunter die Dynamik, die mit ihrem grossen Umfang einen lebendigen Sound reproduziert.

Weiter Kinosound

Die kleinen, qualitativ hochwertigen CubeSpeaker lassen sich auf den Tisch aufstellen, an die Wand oder auf ein Sativ montieren.
Die kleinen, qualitativ hochwertigen CubeSpeaker lassen sich auf den Tisch aufstellen, an die Wand oder auf ein Sativ montieren.
Klanglich hat die Lifestyle 28 mit dem Stereotest bewiesen, dass sie auch für den Kinoton bestens gerüstet ist. Die Stimmen werden in ihrem ganzen Volumen und damit auch gut verständlich wiedergegeben. Filmmusik wird dank des weitgehend ausgewogenen Frequenzganges in seinem vollen Umfang übertragen. Die tiefsten Tiefen des Effektkanales gehen jedoch etwas unter.

In der räumlichen Abbildung leisten die Cube-Speaker erstaunliches. Die akustische Szene vorne ist ausgesprochen breit und offen. Mit der Aufstellung und Ausrichtung der Surround-Boxen kann ihr Ausgreifen in den Raum subtil verändert und dem eigenen Geschmack angepasst werden. Immer wieder frappierend ist die Genauigkeit, mit der Details wiedergegeben werden. Sie wirken so eindrücklich, dass unweigerlich der Kopf zum Geräusch hin gewendet wird. Mit dieser Breite und Räumlichkeit der Abbildung liefert die Bose-Anlage einen adäquaten Filmton auch im Heimkino mit grossem Bild, etwa mit einen Projektor.

Klangliche Optimierung

An fünf Messpunkten erfasst das Bose-System die akustische Situation zu Hause und optimiert die Wiedergabe daraufhin.
An fünf Messpunkten erfasst das Bose-System die akustische Situation zu Hause und optimiert die Wiedergabe daraufhin.
Die Optimierung des Klanges auf den Raum ist mit dem mitgelieferten Zubehör sehr einfach. Über den Aux-Eingang wird der Kopfhörer, der an Stelle der Hörkapseln Messmikrofone eingebaut hat, angeschlossen; die CD liefert die Testsignale. An fünf Plätzen – also nicht nur an der optimalen Stereoposition – werden die Messungen nach der Anleitung ab CD ausgeführt. Anschliessend errechnet das System die notwendigen Korrekturen. Der gesamte Vorgang dauert rund 10 Minuten.

Das Ergebnis ist frappant. Die leichte Aggressivität, die vorher in den oberen Lagen zu hören war, ist verschwunden. Bläser und Streicher kommen jetzt weich und rund daher; sie wirken angenehm und ermüden auch über längere Dauer nicht. Insgesamt reproduziert die Bose-Anlage einen ausgewogener Klang mit guter Räumlichkeit und kinotauglicher Dynamik sowie satten Pegeln.

Der DVD-Spieler

Das Media-Center beherbergt neben dem Tuner und den Anschlüssen neu auch einen DVD-Spieler.
Das Media-Center beherbergt neben dem Tuner und den Anschlüssen neu auch einen DVD-Spieler.
Bose hat ihre Lifestyle-Systeme durch Integration eines DVD-Spielers heimkinotauglich gemacht. Dieser spielt neben der DVD-Video in PAL oder NTSC die CD, CD-R/RW und die MP3-CD ab. Der Composite- und der S-Video-Ausgang können so eingestellt werden, dass sie über einen optionalen Adapter auch Komponentensignale wiedergeben, also zusammen mit den leistungsfähigsten Projektoren verwendbar sind. In zwei Stufen lässt sich der Schwarzpegel verändern.

Der DVD-Spieler hinterlässt einen guten Gesamtbildeindruck, der eine glaubwürdige Kinoathmosphäre schafft. Schwierigkeiten bekundet der Spieler gelegentlich mit grossen Flächen, die nur geringe Unterschiede aufweisen, etwas das Weiss eines Scheinwerfers oder der Rauch nach einer Explosion. Hier sind Artefakte der Datenreduktion erkennbar.

Mit der Auflösung hat der DVD-Player keine Schwierigkeiten: Spielend erreicht er 500 Linien. Feine Details lässt er mit einer deutlichen Kantenanhebung zusätzlich prägnant erscheinen. Der Schwarz/Weiss-Umfang ist gut, lediglich im untersten Bereich sind die Abstufungen eingeengt. Gleichmässig und ohne Rauschen geraten die Farben, die gut gesättigt sind und praktisch nicht ineinander übergreifen. Ein leichtes Laufen der Kanten ist zu beobachten.

Übrige Ausstattung

Die Lifestyle 28 ist ein komplette Heimkinoanalge, die um weitere Komponenten ergänzt werden kann. So verfügt sie über analoge und digitale Eingänge für den Fernseher/Sat-Empfänger, einen Videorecorder, ein Tape und ein weiteres (Aux-) Gerät. Die Antennenanschlüsse (AM und FM), ein optischer digitaler Anschluss sowie eine Composite- und eine S-Video-Buchse runden die Anschlussmöglichkeiten eingangsseitig ab. Die angeschlossenen Geräte (TV, VCR und Aux) können per Infrarot über die Fernbedienung gesteuert werden. Ausgangsseitig stehen neben den Lautsprecheranschlüssen für zwei Zonen ein Record-Ausgang (analog, koaxial und optisch) und die Videoanschlüsse zur Verfügung.

Fazit

Der Lifestyle 28 würde eine automatische Klappe für den Zugang zum DVD-Spieler das Tüpfelchen aufs i des gelungenen Designs setzen. Installation und Bedienung inklusive der messtechnischen Optimierung des Klanges sind ein Kinderspiel. Der Klang selber ist sauber und ausgewogen, nur ganz tief unten fehlt der letzte Kick für extreme Filmtoneffekte. Der Tiefstbassbereich ist jedoch in Anbetracht der bescheidenen Abmessungen des Subwoofers bemerkenswert gut.
STECKBRIEF
Preis:
5980 Franken
Profil:
Gestylte Heimkinoanlage mit allem drum und dran, die sich für einen optimalen Raumklang den akustischen Gegebenheiten zu Hause anpasst.
Pro:
Einmesscomputer, einfache Bedienung, diskrete Satelliten, Flachbandkabel, Komponentenausgang
Contra:
keine Zeitlupe, Grenzen im Tiefstbass
Ausstattung:
DVD-Spieler
Tuner
Dolby Digital- und DTS-Decoder
5 Satelliten
Subwoofer
Technische Daten:
Media-Center: 40 x 9 x 28 cm, 3,7 kg,
CubeSpeaker: 8 x 16 x 10 cm, 1,1 kg,
Acoustimass-Modul: 20 x 41 x 62 cm, 16,3 kg
Wettbewerb