TESTBERICHT
Rega Planar 8. Rega Planar 8.

Rega ist bekannt für ungewöhnliche Herangehensweisen. Das sichtbarste Beispiel ist die Optik: Aus fünf Metern Distanz oder mit ungeputzter Brille sehen fast alle Rega-Plattenspieler nahezu gleich aus. Dasselbe gilt für die Rega-Tonarme. Das Statement ist klar: Es geht dem britischen Traditionshersteller um Eigenständigkeit, innere Werte und nicht um die mittlerweile gut verbreitete Geschmacksanbiederung.

Beim neuen Planar 8 von Rega geht es um das Prinzip der Masse, und zwar der Masse der Zarge. Das erlebt man wie ich etwa so: Als ich den Plattenspieler, natürlich ohne Teller, sprich dessen Zarge mit vormontiertem Tonarm aus der (übrigens hervorragenden) Verpackung hob, glaubte ich, eine Drohne angefordert zu haben – eines dieser fliegenden Spielzeuge. Mit einer Hand hob ich das Ding mit Spinnengriff aus dem Karton und setzte es auf die Unterlage am Bestimmungsort.

Die ultraleichte Zarge des Planar 8 besteht aus einem Sandwich aus Tancast-8-Polyurethan-Schaum und zwei Lagen Kunststofflaminat. Die maximale Steifigkeit zwischen Tellerlager und Tonarmlager wird durch beidseitig auflaminierte Metallstreben erzielt.Die ultraleichte Zarge des Planar 8 besteht aus einem Sandwich aus Tancast-8-Polyurethan-Schaum und zwei Lagen Kunststofflaminat. Die maximale Steifigkeit zwischen Tellerlager und Tonarmlager wird durch beidseitig auflaminierte Metallstreben erzielt.

Das Prinzip heisst «stressed beam» und soll unerwünschte, durch Vibrationen erzeugte, Resonanzen verhindern – die Ursache für unnatürliche Verzerrungen in der Musik. Im Widerspruch zur verbreiteten Überzeugung sollen gerade schwere Zargen mit hoher Masse mechanische Energie vom Antriebsmotor oder vom Tellerlager besser – also «unerwünscht besser» – auf den Tonabnehmer übertragen. Die Transmission unerwünschter Energie soll demnach mit dieser ungewöhnlichen Konstruktion effektiver verringert werden als mit den in dieser Preisklasse verbreiteten, schweren Geräte.

Und so geht es auch gleich weiter: Die Konstruktion des Tellerlagers erzeugt gemeinsam mit seiner Befestigung an der Zarge ebenfalls eine geringe Masse, die in verringertem Mass Energie auf die Zarge übertragen kann. Der Subteller besteht aus einem Stück gedrehtem Aluminium mit einer Stahl-Spindel in einem Messinggehäuse.

Aus dieser Perspektive sieht man die untere Verstrebung der Lager: das Tellerlager von aussen (Messing) und der Aluminium-Subteller mit den Rundriemen des Antriebs.Aus dieser Perspektive sieht man die untere Verstrebung der Lager: das Tellerlager von aussen (Messing) und der Aluminium-Subteller mit den Rundriemen des Antriebs.

Der Antrieb erfolgt über ein Paar der neu entwickelten und hochpräzisen Rundriemen. Neu ist der Compound, also die Mischung, welche laut Rega eine über viele Jahre besonders hohe Elastizitätskonstanz garantiert. Auch diese Rundriemen werden bei Rega produziert, und zwar in sehr präzisen Werkzeugen. Bei Rundriemen dieser Art ist der exakte Durchmesser für die Gleichlaufkonstanz sehr wichtig. Kann es sein, dass aus diesem Grund Rundriemen bei Plattenspielern klar in der Minderheit sind?

Kurze Riemen – und dazu noch präzise Rundriemen und dann auch noch deren zwei – haben viele Vorteile: Der Antrieb ist viel direkter. Die Traktion ist höher als bei langen, flachen und weichen Riemen. Solche Antriebe lassen sich, in Verbindung mit massereichen Plattentellern, nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Verluste in der Feindynamik führen oft zu einem langweilig wirkenden Klang mit einer gewissen Mattheit. Das macht sich bei besonders dynamischen Passagen bemerkbar, also dann, wenn die plötzlich stärkere Modulation in der Plattenrille eine geringfügige Bremswirkung erzeugt. Man kann das nicht nur hören, man kann es auch messen.

Voraussetzung für den Einsatz von Rundriemen ist aber ein ruhiger Motor: eine Samtpfote von einem Motor und ein guter Plattenteller. Fortsetzung folgt.

Ein Paar präzise und langlebige Rundriemen verbinden den Motor-Pulley mit dem Subteller. Das ist ein schöner Anblick.Ein Paar präzise und langlebige Rundriemen verbinden den Motor-Pulley mit dem Subteller. Das ist ein schöner Anblick.

Perfektes Zusammenspiel

Dreischichtiger Glasteller mit zunehmender Masse gegen den Aussendurchmesser hin. Optimaler Schwungrad-Effekt bei verringerter Masse im Zentrum.Dreischichtiger Glasteller mit zunehmender Masse gegen den Aussendurchmesser hin. Optimaler Schwungrad-Effekt bei verringerter Masse im Zentrum.

Während Zarge und Tellerlager über eine geringe Masse gepaart mit hoher Steifigkeit verfügen, hat der Plattenteller eine hohe Masse. Er besteht aus drei Schichten Glas des Herstellers Pilkington, es werden zwei unterschiedliche Glastypen verwendet. Die drei Schichten sind laminiert und die bewegte Masse nimmt in Richtung des Aussenumfangs zu. Damit entsteht ein perfekter Schwungrad-Effekt. Der Teller bleibt aber trotzdem steif, und die Masse im Zentrum ist wesentlich kleiner als aussen.

Beim Antriebsmotor wird die neuste Generation des Synchronmotors 24VAC von Rega mit minimaler Neigung zu Vibrationen eingesetzt. Besonderes Augenmerk ist aber die Montage-Methode das Motors an der Zarge. Sie soll das Motorgehäuse von jeglichem Stress befreien und wurde direkt von Regas Flaggschiff, dem Najad, übernommen.

avguide.ch meint

Rega kombiniert beim Planar 8 eine leichte, steife Zarge mit geringer Fähigkeit zur Vibrations-Anregung mit einem ebenso leichten Tellerlager und einem Plattenteller, der dank seiner Steifigkeit und optimalem Schwungradverhalten Ruhe und Stabilität einbringt. Die Kraftübertragung vom Motor auf den Subteller wirkt ebenso vertrauenswürdig.

Das Netzteil Neo PSU gehört zum Lieferumfang. Es ist auf den Antriebsmotor abgestimmt. Die beiden Geschwindigkeiten können feinreguliert werden.Das Netzteil Neo PSU gehört zum Lieferumfang. Es ist auf den Antriebsmotor abgestimmt. Die beiden Geschwindigkeiten können feinreguliert werden.

Die Stromversorgung Neo PSU mit Quarz-gesteuerter Drehzahlregelung liefert einen digital generierten, nahezu perfekten Sinus für beide Drehzahlen. Der nachgelagerte Antriebsverstärker generiert ein Signal mit weniger als 0.15 Prozent Verzerrung und soll von unerwünschten Einflüssen und Schwankungen des Stromnetzes völlig unbeeinflusst sein. Das Verbindungskabel ist fest eingebaut und mündet in die nicht näher umschriebene Anti-Vibrationsschaltung unterhalb des Antriebsmotors.

Im Unterschied zu Rega-Plattenspielern, die Neo PSU optional einsetzen können, ist der Planar 8 ausschliesslich mit Neo PSU zu betreiben. Daher ist Neo PSU im Lieferumfang mit dabei.

Tonarm und Staubschutz

Der Tonarm RB880 von Rega wurde eigens für den Planar 8 geschaffen und ist vermutlich eine verbesserte Version des RB808.Der Tonarm RB880 von Rega wurde eigens für den Planar 8 geschaffen und ist vermutlich eine verbesserte Version des RB808.

Der neue Tonarm RB880 von Rega verfügt laut Herstellerangaben über ein verbessertes Vertikallager. Dieses ist stabiler und verfügt über eine erhöhte Steifigkeit. Man bringt hier eine Lager-Montagevorrichtung ins Spiel, die keinerlei Spiel aufweist: Die Justage soll innerhalb einer Toleranz von weniger als einem Tausendstel Millimeter erfolgen.

Auch hier bewegt sich Rega abseits vom beliebten «Selbstbau-Plaisir» der Vinyl-Liebhaber, die gerne eigene Tonarme einsetzen und mit allerlei Schablonen in Position bringen. Das geht bei Weitem nicht immer gut aus, auch wenn es meistens gut aussieht.

Man verwendet hochwertige Kabel mit überzeugend satt sitzenden RCA-Steckern (Cinch). Die Verkabelung ist fest eingebaut und erlaubt keine Eingriffe. Ein Massekabel sucht man auch beim Planar 8 vergebens. Trotzdem brummt es nicht. Warum schaffen das andere Hersteller nicht? 

Dann zu einem Detail – der Abdeckung: Sie schützt den Planar 8 und den Tonarm im Ruhezustand vor Staub und auch weitgehend vor unbeabsichtigtem Vandalismus torkelnder Menschlein, die sich temporär oder dauernd in der Nähe des Plattenspielers aufhalten. Man kann dank der Abdeckung den Tonarm nicht so einfach greifen (wobei die Kleinen ja immer einen Weg finden). Die Abdeckung lässt sich dank einem zusätzlichen Positionierungsbolzen auch nicht verdrehen.

Wenn man aber das Neo PSU versehentlich einschaltet, ohne vorher die Abdeckung abzunehmen, dann bekommt der Motor Strom, kann sich aber nicht drehen, weil er durch die Abdeckung gebremst wird – und zwar vollständig. Das ist mir passiert. Zwar hat nichts Schaden genommen – ausser meine Nerven. Dennoch ist Vorsicht geboten. Wenn es nach mir ginge, würde ich am Plattenspieler einen zusätzliche Schalter einbauen, um versehentliches «Anwerfen» zu verhindern.

Detail der Abdeckung, die den Tonarm überdacht. Die Apheta2-MC-Tonzelle von Rega ist mit drei Schrauben am Headshell montiert. Der exakte Überhang ist so eine sorgenfreie Angelegenheit.Detail der Abdeckung, die den Tonarm überdacht. Die Apheta2-MC-Tonzelle von Rega ist mit drei Schrauben am Headshell montiert. Der exakte Überhang ist so eine sorgenfreie Angelegenheit.

Der Planar 8 erlaubt selbstverständlich die Montage vieler handelsüblicher Tonabnehmer. Beim Test kam der Apheta2 Moving Coil von Rega zum Einsatz. Mit 1490 CHF ist er eine kostbare Angelegenheit. Alternativ empfiehlt Rega den Anja MC für 690 CHF. Beide verfügen über eine sichere, weil eindeutige Dreipunkt-Montage. Bei «Nicht-Rega»-Tonzellen mit zwei Befestigungsschrauben erlauben die Langlöcher am Headshell eine saubere Justage des Überhangs innerhalb von ein paar Millimetern.

Eine musikalische Offenbarung

Jetzt brauchen Sie nur noch die Platten dazu.Jetzt brauchen Sie nur noch die Platten dazu.

Ich habe meine heissgeliebten Scheiben durchgehört, von Decca-Originalpressungen über Jazz-Offenbarungen von Blue Note bis hin zu ein paar Platten, bei denen ich manchmal schräg angeschaut werde: Zum Beispiel «Moving» von Peter Paul and Mary oder die frühen Stereo-Live-Alben der Limelighters. Diese alten, seelenvollen Folk-Platten geben Aufschluss über den erzielbaren Hühnerhaut-Effekt. Die Kette ist ja meistens dieselbe: Der Rega-Aria-Phonovorverstärker passt natürlich zu Rega und ist auch sonst top. Dann ging es direkt in die Kii THREE BXT mit umgebauten Vovox-Kabeln (RCA zu XLR). Man möge mir den Umbau verzeihen.

Zuerst eine Beobachtung: Ich erkenne kein subsonisch erzeugtes Schwabbeln der Basstreiber wie mit manch einem Masselaufwerk mit Tonarm nach Kundenpräferenz. Das ist auf Anhieb richtig.

Die musikalische Darbietung der Planar-8-Kombi zeichnet sich durch vollendete Entspanntheit aus. Ich werde in die Musik hineingezogen, besser als an vielen Live-Konzerten. Es ist eine organisch perfekte Angelegenheit. Die tiefen Register der dafür zuständigen Instrumente offenbaren sich wie Bordeaux: Breitschultrig und aufrecht, autoritär, aber mit Anstand und gebührendem Abstand.

Auf diesem Unterbau, der einfach stimmt, kann ich mich nicht so recht auf weitere klangliche Aspekte fokussieren, werde immer wieder vom unglaublich stimmigen Gesamteindruck abgelenkt. Die Musik setzt meine Gedanken frei, die mich wiederum ablenken. Das macht sie aber immer nur, wenn ich mich an gar nichts störe – zum Beispiel bei den Gedanken an Mary (die von Peter & Paul): Ich empfinde sie stimmlich immer erotisierend und ertappe mich bei derartigem Gefühlen ...

Ich brauche eine Abwechslung, wie es scheint: Manu Dibango «Soir au Village», diese tiefgründige, schwarzstimmige, melancholische Acid-Jazz Nummer. Ich bin hypnotisch sediert im schwarzen Afrika und die Sonne brennt. Die Gedanken verlangsamen sich.

Mögen Sie Poesie und dieses «von ihren Gedanken fortgetragen werden»? Dann eignen Sie sich für diesen Plattenspieler. Er «klingt» so, dass er mich auf andere Gedanken bringt. Es lenkt ab vom genauen Hinhören und von der Suche nach dem Makel. Musikhören ist für mich ganz persönlich immer nur dann perfekt, wenn meine Wahrnehmung der Perfektion von meiner emotionalen Reaktion völlig vernebelt wird.

Jetzt brauchen Sie nur noch die Platten dazu.

Fazit

Rega Planar 8 mit Filzauflage. Mit Pucks sollte man vorsichtig pröbeln. Nicht zu schwer, ist die Devise. Im Test gings ohne.Rega Planar 8 mit Filzauflage. Mit Pucks sollte man vorsichtig pröbeln. Nicht zu schwer, ist die Devise. Im Test gings ohne.

Der Planar 8 kostet 2590 CHF, dazu kommt noch der Tonabnehmer Apheta 2 für 1490 CHF. Das ist im Rückblick auf mein Klangerlebnis vergleichbar wie ein Michelin-Stern zu Tarif des Bahnhof-Buffets Olten. Es gibt Restaurants, bei denen man solche Überraschungen erlebt. Man findet sie selten.

Dazu sieht das High-Tech-Ding absolut genial aus. Der Plattenspieler ist aber nicht für Angeber geeignet – und das wollen Sie ja auch nicht sein. Er eignet sich auch nicht so für «B&B» (Bastler und Besserwisser). Er eignet sich für Musikhörer, die einen perfekt gemachten Plattenspieler brauchen und dafür etwas springen lassen wollen, ohne wirklich zu übertreiben.

Rega kann Plattenspieler. Sie haben es erneut bewiesen.

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