TESTBERICHT
Klang der Superlative: EternalArts OTL-Kopfhörerverstärker kombiniert mit Sennheiser HD 800Klang der Superlative: EternalArts OTL-Kopfhörerverstärker kombiniert mit Sennheiser HD 800
Mit dem Markenname EternalArts (eternal=ewig während) deutet Röhren-Experte Dr. Burkhardt Schwäbe, der in seiner High-End-Schmiede Audiophile Gateway Germany heute wunderschöne Röhrengeräte made in Germany produziert, an, dass die Zeit der Röhren – mindestens seiner Meinung nach - ewig dauern wird.  

Und mit dieser Meinung steht Dr. Schwäbe ganz gewiss nicht alleine da. Denn obwohl viele glaubten die „kalten“ Transistoren hätten den „warmen“ Röhre den Garaus gemacht, sind sie bei den Audiophilen aktueller denn je.

Bekanntes Logo?

Beim Betrachten des EternalArts-Logos meldet die graue Rinde meines Gehirns, dass ein verblüffend ähnlicher Schriftzug irgendwo und irgendwann schon mal gesehen wurde. Und dann wird alles klar: Grundig FineArts!

Die Zusammenhänge werden rasch klar, wenn man erfährt, dass Dr. Burkhardt Schwäbe Produktmanager bei Grundig und später auch bei Sennheiser war, bevor im Jahre 2004 seine eigene Nobelmanufaktur gründete.

Nach dem Rezept: Man ersetze den Begriff „Fine“ durch „Eternal“ wurde das neue Logo „EternalArts“ mit minimalem Aufwand, jedoch maximaler Wirkung entworfen. Offenbar braucht sich Dr. Schwäbe seiner Vergangenheit nicht zu schämen....

Dass Dr. Schwäbe Erfahrung mit Kopfhörern und deren Verstärkung hat, bewies er bereits bei Sennheiser mit dem legendären Orpheus, einer Kombination eines direktgekoppelten elektrostatischen Spitzenkopfhörers mit einem Röhrenverstärker.

Doch Meister Schwäbe ist nicht einfach ein Röhrenfan. Nein, er bekennt sich voll und ganz zum OTL-Prinzip, das in den fünfziger Jahren vom Amerikaner Julius Futtermann entwickelt und patentiert worden war.

Futtermanns „eisenloses“ Erbe

Auf diesem Print mit vergoldeten 70u beidseitig kaschierten Leiterbahnen, verwirklichte Dr. Schwäbe die Idee von Julius Futtermann.Auf diesem Print mit vergoldeten 70u beidseitig kaschierten Leiterbahnen, verwirklichte Dr. Schwäbe die Idee von Julius Futtermann.

Frage: Weshalb brauchen konventionelle Röhrenverstärker Ausgangsübertrager?

Antwort: Röhren haben die Fähigkeit Signale mit relativ hohen Spannungen aber geringen Strömen zu liefern. Lautsprecher und niederohmige Kopfhörer lieben jedoch Signale mit niedrigen Spannungen, dafür hohen Strömen.

Lösung: Der Ausgangsübertrager – sprich Ausgangs-Transformator -  übernimmt die Aufgabe, das ab Röhre kommende Signal für den Lautsprecher mundgerecht umzuwandeln.

Nachteil: Transformatoren haben einen begrenzten Frequenzgang - sowohl nach oben wie nach unten - und liefern damit Impulsverzerrungen. Böse Zungen behaupten, diese weichmachenden Impulsverzerrungen seien der eigentliche Röhrenklang! Doch schenken wir diesen (eventuell nicht ganz unwahren!) Unkenrufen kein Gehör und fordern die Absetzung des Ausgangsübertragers.

Julius Futtermanns Idee bestand nun darin, dank einer geeigneten Schaltung eine so genannt „eisenlose“ Röhren-Endstufe zu bauen, die ohne Ausgangsübertrager auskommt und taufte sie auf den Namen „OTL“ (OutputTransformerLess). Das Problem besteht nun darin, dass diese Schaltung nur mit entsprechendem Aufwand zu realisieren ist. Weiteres über diese Technik ist in entsprechender Fachliteratur zu erfahren.

Musikhören mit Kopfhörer

Musikhören mit Kopfhörer ist bei etlichen Musikfreunden verpönt. Doch der Kopfhörer ist für viele Leute, die nicht gestört werden wollen oder nicht stören wollen/dürfen, die Lösung ihrer Probleme.

Tatsache ist, dass ich als Bewohner eines ringhörigen Reihenhauses praktisch jeden Tag eine herrlich entspannnende Zeit mit aufgesetztem Kopfhörer verbringe. So ist man von der Aussenwelt abgeschirmt und kann wundervoll in höhere geistige Ebenen entschweben...

Ein weiterer Vorteil des Kopfhörers ist, dass Raumresonanzen kein Thema sind. Tatsache ist aber auch, dass man ganz tiefe Bässe mehr mit dem Körper als mit den Ohren aufnimmt. So entfällt der Adrenalin-Ausstoss, auf den Freunde tiefster Orgel und Synthesizer-Bässe so begierig sind.

Weiterer negativer Punkt ist die „Im-Kopf-Lokalisation“ der meisten Kopfhörer. Man glaubt dabei der Klangkörper sitze „im Kopf“, was alles andere als natürlich wirkt. Doch geben sich viele Hersteller von Kopfhöreren grösste Mühe, diesen Effekt mit speziellen Schallführungen im Hörer zu vermindern.

Summa Summarum sprechen mehr Dinge für den Kopfhörer als gegen ihn. Die logische Konsequenz ist, dass sehr viele Hersteller heute Kopfhörer der Top-Klasse anbieten.

Dampflok-Romantik

Den OTL-Kopfhörerverstärker von EternalArts kann man sich gut als Front-Teil einer Dampflok vorstellen.

Noch ein Kamin drauf, Räder und Lokführer-Kanzel dran - und los geht die Fahrt.  Auch beim Betrachten des optional erhältlichen goldglänzenden, dicken, fetten und foliengeschirmten MFE-HighEnd Netzkabels spürt man: Da erwartet den Hörer Aussergewöhnliches!

Und wer sich dann getraut, den aus dem Vollen gedrehten und vergoldeten Drehknopf mit seinem satten, spiellosen Lauf zu berühren, bekommt schon mal eine ersten Vorgeschmack, was denn eigentlich „State of The Art“ bedeutet.

Made in Germany

Auch mit der Lupe betrachtet macht der OTL-Kopfhörerverstärker dem Prädikat „made in Germany“ alle Ehre.

Das pulverbeschichtete Gehäuse aus Stahlblech mit vorgesetzter, hochglänzender und schwarz hinterdruckter Acryl-Front macht zusammen mit den aus vollem Metall gedrehten, vergoldeten oder vernickelten Standfüssen und dem Drehknopf einen hervorragenden Eindruck. Optimiert ist dieser Verstärker auf den Top-Hörer von Sennheiser, den HD 800.

Dieser OTL-Verstärker lässt sich auf den Betrieb mit zwei Kopfhörern und niederohmigen Kopfhörern umschalten und ist mit vier Röhren bestückt. Zwei davon sind Trioden-Pentoden, die restlichen beiden Stabilisator-Röhren.

Die Verdrahtung geschieht nicht wie bei den guten alten Oldies „fliegend“, also mit einem meist nicht sehr ordentlichen Drahtgewirr, sondern mittels eines platinengstützten Aufbaus mit vergoldeten 70u beidseitig kaschierten Leiterbahnen.

Der Vielspannungs-Ringern-Transformator ist vergossen und enthält Schutzwicklungen zwischen primären und sekundären Wicklungen. Wie es sich für ein State of the Art-Produkt gehört, kommen nur beste und selektierte Bauteile zum Einsatz, wie zum Beispiel ein klassisches Alps-Poti, vergoldete Kopfhörerbuchsen und Neutrik-Cinch-Buchsen. Eine vielfach abgesicherte stabile Schaltung bürgt für hohe Sicherheit und lange Lebensdauer der Röhren.

Top of the Range

Top of the Range: Spitzenmodell HD 800 von Sennheiser

Der Kopfhörer HD 800 von Sennheiser wurde bereits 2009 bei avguide.ch getestet. (Kopflautsprecher HD 800) Er ist das absolute Spitzenmodell dieser Firma.

Klanglich und betreffend räumlicher Projektion der Klangkörper erntete er damals Bestnoten.

Fazit von Martin Freund: „Der Sennheiser HD 800 eignet sich nicht nur für audiophile Geniesser, sondern genauso für professionelle Anwender, welche die Durchhörbarkeit und Tonalität einer Aufnahme beurteilen müssen“.

Thema niedrige Impedanzen

Der OTL-Kopfhörerverstärker wurde primär auf den hochohmigen HD800 mit seinen 300 Ohm Nennimpedanz optimiert.

Versuche mit anderen hochohmigen Kopfhöreren verliefen denn auch meist zufrieden stellend, nicht aber solche, mit niederohmigen Hörern. Das Problem bei der ersten Verstärker-Version bestand darin, dass die Stromtüchtigkeit bei niedrigen Impedanzen bemängelt wurde. Deshalb spendiert man der neusten Version des OTL-Kopfhörerverstärkers auf der Platine zwei Mikroschalter, mit denen man von hoch- auf niederohmigen Betrieb umschalten kann.  

Nun war ich gespannt, was denn die Umschaltung schaltungstechnisch bewirkt. Da nirgends darüber was zu erfahren war, wandte ich mich direkt an Dr. Burkhardt und erhielt umgehend folgende Antwort:

„Auf Ihre Frage kann ich Ihnen verraten, dass zu dem Folienkondensator in der Kathodenauskoppelung ein selektierter hochwertiger Elko parallel geschaltet wird, der den Tiefenfrequenzgang bei niederohmiger Last nach unten erweitert. Man könnte zwar ohne Schalter auskommen, doch hat sich in ausgiebigen Hörsitzungen bewiesen, dass der hochohmige HD800 noch ein Quentchen Feinzeichnung zulegt, wenn er nur über die Folie angekoppelt wird“.

Ob diese relativ simple Massnahme tatsächlich genügt, um niederohmige Hörer perfekt anzusteuern, ist im Hörtest zu erfahren.

Anschliessend wollte ich noch wissen, wie der CD-Player Denon DCD-900HE spielt. Dazu wählte ich den Song «Dune Mosse» von Zucchero/Miles Davis, den ich zuerst gestreamt hörte und dann das identische Stück von der CD auf dem DCD-900 Player abspielte – einmal via Analog-Eingang, dann via Digital-Eingang. Der Vergleich war technisch einfach zu bewerkstelligen, da die Fernbedienung die Umschaltung zwischen den beiden Komponenten und der jeweiligen Anschluss-Art auf Knopfdruck erlaubt.

Die CD klang körperhafter, die Bühne war tiefer und die Musik schien mehr Drive zu haben. Der Streaming-Sound klang etwas höher auflösend, aber damit auch ätherischer und mit mehr Ruhe. Hier eine allgemeingültige Bewertung abzugeben, ist schwierig. Geschmackssache!

Somit kriegt auch der Denon-CD-Player eine ganz klare Empfehlung für alle Audiofans, die noch CDs besitzen. Ebenfalls ein Kompliment an den Denon-Streaming-Amp, der die klanglichen Unterschiede bei diesem Quellen-Vergleich klar aufzeigen konnte.

Fazit

Niederohmige Hörer

Nun darf man gespannt sein, wie sich der OTL-Kopfhörerverstärker an niederohmigen Hörern benehmen wird.

Was eigentlich dem Fachhandel vorbehalten ist, wird nun bewerkstelligt: Mit einem langen, sehr dünnen Schraubenzieher wird durch eine passende Öffnung im Lochgitter „gestochen“ und die beiden Mikroschalter feinfühlig umgelegt.

Eine Testperson, die seit Jahren den AKG 701 Kopfhörer (Impedanz 62 Ohm) als Referenzgerät benutzt und schätzt, meint nach ausgiebiger Hörzeit begeistert: „Klingt rund doppelt so gut wie mit all meinen bisherigen Verstärkern!“ Zudem gibt er zu Protokoll, den Hörer „kaum wieder zu erkennen“.

Begeistert ist er er von der exzellenten Wiedergabe der Streicher und Stimmen. So zieren amüsante Notizen sein Bewertungsblatt wie etwa: „süsser Geigen nie klingen!“.
Aber auch die Räumlichkeit des Klangbildes, die er nun sogar über diejenige des HD 800 stellt (!) habe drastisch zugenommen. Punkto Bass sind allerdings keine neuen Wundertaten zu erkennen: Der AKG 701 bringt auch am OTL-Kopfhörerverstärker wohl eine absolut lupenreinen, aber nicht abgrundtiefen Bass.

Auch die anderen Testpersonen stellen fest: Der OTL-Kopfhörerverstärker und der AKG 701 harmonieren aufs beste!

Nicht geglückt!

Der Grado GS 1000 bildet mit dem batteriebetriebenen Grado RA-1 Kopfhörerverstärker eine stimmig klingende Einheit, passt jedoch nicht optimal zum OTL-Kopfhörerverstärker.

Und weiter geht's mit dem wirklich niederohmigen Kopfhörer von Grado GS 1000, der eine Impedanz von gerade mal 32 Ohm aufweist. Als Vergleich wird der Grado RA-1 Kopfhörerverstärker hinzugezogen. So kommt es zwangsläufig zum Vergleich eines batteriebetriebenen und transistorisierten Kopfhörerverstärkers und eines OTL-Röhrenverstärkers.

Das Resultat verblüfft: Der RA-1 Kopfhörerverstärker von Grado bildet mit dem GS 1000 eine wohl sehr brillant und ausgesprochen räumlich klingende Einheit.

Wer glaubt Grado Hörer müssten, wie so oft in der Vergangenheit, eher dunkel und wohlig warm klingen, sieht sich hier getäuscht, denn diese Kombination ist im Hochtonbereich ganz klar hell und brillant getunt. So präsentiert sich das Klangbild ausgesprochen weiträumig und untermauert von einem grandiosen, satten doch lupenreinen Bass. Überlagert ist das Fundament von transparenten Mitten und einem, wie schon erwähnt, eher hell und frisch abgestimmten Hochtonbereich.

Vom  OTL-Kopfhörerverstärker angesteuert, präsentiert sich der Hochtonbereich klar überzeichnet, teilweise sogar grell. Hohe Streicherlagen wirken spitz und für Freunde zarter Streicherklänge nicht sehr angenehm. Stimmen erhalten einen rauhen Beiklang und Beckenimpulse beginnen grell zu zischeln. Die Testhörer zeigen sich von dieser Kombination ganz und gar nicht begeistert.

Spass muss sein...

So rein zum Jux wird der B&W P5, der eigentlich als portabler Kopfhörer gedacht ist, der mit seinem typisch britischen Klang jedoch bereits zu den hochwertigen Hi-Fi-Hörern gezählt werden darf, an den OTL-Kopfhörerverstärker geschaltet.

Dieser steigert die Feinzeichnung des Hörers, ohne ihm jedoch künstliche Glanzlichter aufzusetzen.

Am OTL-Verstärker wechselt der P5 von der Amateur- zur Profi-Liga und spielt so eine Klasse höher zum Konzert auf. Er verblüfft durch einen abgrundtiefen Bass, einem überaus angenehmen Klangbild und betört die Tester-Ohren mit seinem sanften Schmelz und einer bemerkenswerten Klangschönheit.

OTL-klingt anders

Unsere Testergebnisse zeigen ganz klar: Dieser eisenlose Kopfhörerverstärker entspricht ganz und gar nicht der Vorstellung, die man landläufig von typischen Röhrenverstärkern mit Ausgangsübertrager hat.

Dieser eisenlose Röhrenverstärker benimmt sich vollkommen anders. Er ist ein Ausbund an Präzision, Schnelligkeit der Impulsverarbeitung. Er ist sozusagen „charakterlos“, das heisst er besitzt keinen typischen Eigenklang.

Dafür ist er in der Lage, die Charakterzüge des Kopfhörers voll zum Zuge kommen zu lassen.  Anders ausgedrückt: Dieses Präzisionsgerät bringt die Eigenschaften – positive wie negative - des Hörers gnadenlos zu Tage.

Es ist somit total verfehlt zu erwarten, man könne mit diesem Amp einem etwas überbrillant klingenden Hörer etwas „Röhren-Wärme“ verpassen. Trotz aller Präzision und Klangneutralität berührt dieser Klang und zieht den Hörer sofort in den Bann.

Fazit

Der OTL-Kopfhörerverstärker von EternalArts und der darauf optimierte HD800 von Sennheiser bilden ein klanglich kaum noch zu übertreffendes Gespann.

Mit anderen Kopfhörern, vor allem der niederohmigen Sorte,  artet die Paarung jedoch in eine Art Glücksspiel aus. Aufgrund der sagenhaft genauen Zeichnung des OTL-Kopfhörerverstärkers können sich auch mit niederohmigen Kopfhörern erstklassige, aber auch weniger geglückte Kombinationen ergeben.

Der OTL-Kopfhörerverstärker agiert dabei ähnlich wie ein klanglicher Geschmacksverstärker und lässt die  Eigenheiten des Hörers absolut unbeschönigt und ohne sie in irgend einer Weise zu beeinflussen zur Geltung kommen.

Dass solch schöne Klang-Skulpturen heute noch im Zeitalter der unmusikalischen Datenreduktion in kleinen Audio-Schmieden in Europa hergestellt werden, lässt Hoffnung für das musikalisch-kulturelle Überleben der menschlichen Rasse aufkommen.

Summa Summarum: ein fantastisches Produkt, das man einfach lieben muss....