TESTBERICHT
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Faszination Hornlautsprecher

Geht man den kompromisslosen Weg inkl. Basshorn, können Hornlautsprecher einigen Platz beanspruchen.Geht man den kompromisslosen Weg inkl. Basshorn, können Hornlautsprecher einigen Platz beanspruchen.

Die Hornlautsprecher haben einige faszinierende Eigenschaften, die wir auf avguide.ch einst detailliert beschrieben.

Gerade in den Anfangszeiten der Audiowiedergabe, als die verfügbaren Verstärkerleistungen klein waren, war man auf Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad angewiesen. Ob erst im Kinosaal mit den riesigen Western-Electric-Hörnern oder dann später in den Sechzigerjahren auch im Wohnzimmer: Fast überall fand man Hornkonstruktionen, die mit einigen Watt einen hohen Schalldruck und Live-Dynamik erzielen konnten.

Auch heute noch können konventionelle Lautsprecher den Hornkonstruktionen punkto Impulsschnelligkeit und Livecharakter nicht das Wasser reichen. Da hilft auch keine DSP-Steuerung.

Der grosse Nachteil liegt in der Grösse, die für eine Basswiedergabe der unteren Register benötigt wird. So ein gefaltetes Basshorn verlangt physisch nach einer grösseren Loft, um sich entsprechend auszubereiten, und kontrastiert damit fundamental mit dem heute gängigen Anspruch an eher zierliche Lautsprecher. Ein tiefreichender Bassbereich ist aber unabdingbar für echten Musikgenuss. Also behilft man sich gerne mit Hybridkonstruktionen. Das Horn im Mittel- und Hochtonbereich wird ergänzt durch ein konventionelles Bassreflexsystem, das mit deutlich weniger Gehäusevolumen auskommt.

So ist das auch bei der Blumenhofer Tempesta 17, die wir uns für diesen Test genauer anschauten.

Die filigrane Tempesta 17

Ein Druckkammertreiber mit elliptischem Hornvorsatz sorgt bei der Tempesta 17 für Unmittelbarkeit in der Wiedergabe.Ein Druckkammertreiber mit elliptischem Hornvorsatz sorgt bei der Tempesta 17 für Unmittelbarkeit in der Wiedergabe.

Die Blumenhofer Tempesta 17 ist ein schlanker Zweiweg-Lautsprecher für mittelgrosse Räume. Bei der ersten Begegnung entlockt sie einem gleich ein "Wow", denn sie sieht einfach umwerfend aus. Grund ist das sensationell schöne Holzfurnier; bei unserem Testexemplar eine betörende Versuchung aus hellem europäischen Apfelholz. Dazu kommt eine absolut makellose Verarbeitung.

Die leichte Neigung der Schallwand bringt die akustischen Zentren der beiden Schallwandler auf eine gemeinsame vertikale Linie, wodurch Abstrahlfehler auf der Zeitachse vermieden werden. Im Mittel-/Hochtonbereich arbeitet ein Druckkammertreiber mit einer spiralförmigen Öffnung, dem ein elliptischer Hornvorsatz aufgesetzt ist. Ein richtiges Sahnestück.

Im Bassbereich setzt man aus den vorhergehend erwähnten Gründen auf ein konventionelles Bassreflexsystem. Unterhalb der natürlichen Grenzfrequenz des Chassis erzeugt das System aus Gehäuse und Treiber so eine zusätzlich Resonanz, die den Bassbereich unterstützt. Die Nachteile von Bassreflexsystemen sind ihre Trägheit und die Verzögerung (Gruppenlaufzeitfehler) bei tiefen Frequenzen. Das steht etwas im Kontrast zur Schallschnelle des Druckkammertreibers im Hochtonbereich. Die Reflexöffnung befindet sich über einen Schacht im Gehäuseboden, was unerwünschte Strömungsgeräusche gut bedämpft.

Die Weiche ist mit wenigen Elementen einfach aufgebaut. Sämtliche Verbindungen sind ganz ohne Platine frei verlötet.

Hegel 80 & 160: Verstärker aus Norwegen

Hegel 160 DAC und Vollverstärker in einem Gerät.Hegel 160 DAC und Vollverstärker in einem Gerät.

Als Zuspieler für die Tempesta 17 verwendeten wir im Hörtest Elektronik aus dem hohem Norden. Die Hegel-Verstärker bekommen so langsam Kultstatus. Ihr unscheinbares Äusseres würde kaum darauf schliessen lassen, welch erstaunliche gut klingende Elektronik da drinsteckt. Über das Design kann man sich sicher unterhalten, aber die Firma aus Oslo hat den Dreh raus, wie man gut klingende Audioelektronik zu moderaten Preisen produziert. Da passt ein gewisses Understatement in den Äusserlichkeiten gar nicht schlecht zur Imagebildung.

Herzstück der Hegel-Verstärker ist eine eigenständige Verstärkertopologie, die zum Beispiel spannung- und stromverstärkende Signalpfade komplett trennt, sowie eine patentierte Fehlerkorrektur, welche die klassische Nulldurchgangsverzerrung von Class-AB-Verstärkern beinahe komplett eliminiert.

Sowohl der Hegel 80 als auch der doppelt so leistungsstarke Hegel 160 besitzen einen integrierten Digital-Analog-Wandler und können so über USB direkt von einem Mac Mini oder Ähnlichem mit Musik versorgt werden.

Der Hegel 160 versteht sich zudem auch noch mit Streamingtechnologien und bindet sich sowohl in ein DLNA- oder auch ein Airplay-Netzwerk ein.

Hörtest

Die Blumenhofer Tempesta 17 passte klanglich perfekt zu den Hegel-Verstärkern 160 und 80.Die Blumenhofer Tempesta 17 passte klanglich perfekt zu den Hegel-Verstärkern 160 und 80.

Zum Einstieg in den Hörtest des bayerisch-norwegischen Gespanns muss der Evergreen "Jazz at the Pawnshop" wieder mal herhalten. Die Einspielung des Livealbums mit Arne Domnérus aus den 70er-Jahren hat noch nichts von ihrer Faszination verloren. Die Tempesta 17 schaffte es mühelos, die atmosphärische Dichte des Stampen in Stockholm ausdrucksstark zu reproduzieren. Zu keiner Sekunde wirkt die Tempesta 17 langweilig oder gar unterkühlt. Mit ihrer Schnelligkeit und dem betörend sämigen Hochtonbereich spielt sie packend auf, die Wiedergabe hat Charakter und lädt richtig zum Musikhören ein. Dabei wirkt die Hochtonwiedergabe prägnant, aber jederzeit angenehm mit keiner Spur von Härte. Von der allfälligen Hornlautsprecher-typischen Verfärbung war nichts zu hören. Einzig im obersten Frequenzspektrum wünschte man sich bisweilen einen Tick mehr Luft und Leichtigkeit. Doch insgesamt hat mich die Wiedergabe des Druckkammertreibers im Hochtonbereich komplett überzeugt. Die sehr präsente und ausdrucksstarke Impulswiedergabe gepaart mit einem seidigen Klangtimbre hat Extraklasse.

Im Zusammenspiel mit dem Hegel-Verstärker offenbarte das Duo somit eine feine, aber auch packende Klangkultur. Einzig der Bass wirkte bisweilen etwas schleppend im Vergleich zum filigranen und anspringenden Hochtonbereich. Ein Phänomen, das man auch bei anderen Hybridlautsprechern findet.

Besonders überzeugend dann wieder die sehr akkurate räumliche Abbildung, welche – sofern auf der Aufnahme vorhanden – einen herrlichen dreidimensionalen Klangraum erzeugt, ohne dabei zu übertreiben. Auch ohne Nachmessung würde ich der Tempesta 17 jetzt mal einen sehr präzisen Phasengang attestieren. Die Instrumente kleben wie festgenagelt an ihren Positionen und erleichtern so die klangliche Orientierung. Genau so muss das sein.

Bei Harry Belafonte at the Carnegie Hall gingen wir nochmals der versprochenen "Livehaftigkeit" nach. Und die Kombination Blumenhofer Tempesta 17/Hegel 160 schaffte es auch hier, die prickelnde Atmosphäre dieses Klassikers aus den 60er-Jahren mit authentischem Charakter in den Hörraum zu transportieren. Ein echter Genuss. Auch hier könnte das Topend bisweilen noch etwas luftiger daherkommen. Sehr schön dann wieder die staubtrockenen Congas.

Wir platzierten die Tempesta 17 mit einem grossen Abstand zur Rückwand relativ frei stehend im Raum. Dadurch ergab sich ein wunderbarer 3-D-Klangraum, der auch die Tiefe der Aufnahme abbilden konnte. Eine solch freie Ausstellung kommt der Räumlichkeit zugute, geht aber etwas auf Kosten das Bassvolumens. Bewegt man die Speaker näher zur Rückwand, erhöht sich der Anteil im Tiefton. Hier muss jeder selber experimentieren und seine ideale Position finden. Grundsätzlich gehört die Tempesta 17 aber zu den Lautsprechern, welche die Präzision dem Bassvolumen vorziehen.

Einen hochwertigen Verstärker sollte man der Tempesta 17 auf jeden Fall gönnen. Mit dem Hegel 160 hatte sie einen überragend feinsinnigen Spielpartner, als hätten sich da wirklich zwei gefunden, die perfekt harmonieren. Wobei der kleinere Hegel 80 leistungsmässig ausreichend ist und mit der Tempesta 17 ein preislich sehr interessantes Paket bildet, mit dem man wirklich ausgezeichnet und sehr atmosphärisch Musik hören kann.

Zum Hornlautsprecher muss eine Röhre ran, so die gängige Meinung. Also kam flugs noch ein Octave-V40-Vollverstärker zum Einsatz. Das brachte mit seinem Sovtek-6550WE-Penthoden-Röhren dann noch einen Schuss Glamour, aber auch einen gewissen Dunst ins Klangbild, so dass wir diese Übung bald wieder abbrachen und zu den kristallklar und seidig klingenden Hegel-Verstärkern zurückkehrten. Dass die Tempesta 17 den Unterschied so klar hervorbrachte, belegt ihre authentische Klangentfaltung.

Fazit

Das macht beim Musikhören richtig Spass: iMac, Hegel 160 und Blumenhofer Tempesta 17.Das macht beim Musikhören richtig Spass: iMac, Hegel 160 und Blumenhofer Tempesta 17.

Die Blumenhofer Tempesta 17 ist ein wunderschöner und hervorragend verarbeiteter Lautsprecher, der überall Platz findet, sich aber nicht wie ein Allerweltslautsprecher anhört. Die präzise und authentische Klangentfaltung bürgt für geschmackvollen und sehr kultivierten Musikgenuss mit hohem Spassfaktor. Mit dem Hegel-80-Verstärker DAC bildet die Tempesta 17 ein kongeniales Gespann, das auch mit Blick auf das Preisschild als echter Geheimtipp gehandelt werden kann. Der Hegel 160 bietet die doppelte Leistung plus integrierten Netzwerkplayer und ist auch beim Listenpreis von CHF 3190 jeden Franken wert.

Wer sich mehr Volumen und Schnelligkeit im Bass wünscht und über die entsprechenden Raumverhältnisse verfügt, für den lohnt sich eventuell ein Blick auf die grössere Blumenhofer Genuin FS 3 MK 2. Preislich ist die Genuin-Serie jedoch weit höher angesiedelt.

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