Bundle Marantz CR611 mit Piega Premium 3.2.Berichte über gigantische Vor- und Endstufen an ebenso monströsen Spitzenboxen – und alles natürlich zu Preisen, die sich nur eine betuchte Käuferschar leisten kann – sind für die meist vom Pleitegeier verfolgten Audio-Journalisten die Crème de la Crème und auch für High-End-Freaks mit knapper Kasse sehr spannend zu lesen. Doch was sich der Musikhörer heute für seinen oft eher kleineren, heimischen Konzertsaal leisten kann, steht auf einem ganz anderen Blatt geschrieben.
Ein für anspruchsvolle Musikhörer sowohl preislich als auch qualitativ hochinteressantes Bundle, das heute für 3550 Franken über den Ladentisch geht, besteht aus dem Marantz-Melody-Media-M-CR611-Netzwerk-CD-Receiver und einem wahren Piega-Dauerbrenner, der Premium 3.2, die bereits im Test "Swiss Skyscraper" getestet wurde. Im Bundle bezahlt der Käufer immerhin 280 Franken weniger, als wenn er die Geräte einzeln kaufen würde.
Ziel dieses Tests war zu ergründen, wie diese hochwertigen, aber bezüglich der Verstärkerwahl nicht gerade anspruchslosen High-End-Lautsprecher mit den Class-D-Endstufen eines Netzwerk-Receivers, der für 850 Franken zu haben ist, harmonieren würden.
All in One mit audiophilem Touch
Der Marantz Melody Media M-CR611 bietet neben einem integrierten CD-Player alle Schikanen, die man heute von einem modernen Netzwerk-Receiver erwarten kann.Der Marantz Melody Media M-CR611 ist mit einer Breite von lediglich 30 cm ein kompaktes, schön gestyltes Gerät mit elegant abgerundeten Kanten. Es ist in Schwarz und Schwarz/Weiss erhältlich und wird mit einer grossen Fernbedienung mitgeliefert. Damit sind schon sehr viele Funktionen bedienbar, auch wenn das Gerät noch nicht im Heimnetzwerk integriert ist und dann von der Marantz-HiFi-Remote-App bedient wird.
Der Marantz CR611 ist mit 4 Class-D-Endstufen, die im normalen Stereobetrieb zusammengeschaltet werden, ausgerüstet. Insgesamt geben sie eine Leistung von 60 Watt pro Kanal, also total 120 Watt ab. Es ist aber auch möglich, die vier Endstufen so zu benutzen, dass sie – allerdings mit reduzierter Leistung – zwei verschiedene Räume mit unterschiedlicher Lautstärke versehen können. Für ganz audiophil denkende Hörer ist es sogar möglich, mit den vier Endstufen und Lautsprechern mit entsprechenden Anschlüssen, den Bi-Amping-Betrieb zu realisieren. Vorhanden ist ein integrierter CD-Player, der viele Formate abspielen kann, nur keine hochauflösende SACD. Am einstigen Audio-Superstar besteht heute offenbar kein Interesse mehr.
In Sachen Radio wird keine Möglichkeit ausgelassen. Empfangen werden können UKW, DAB+ und via Netzwerk und Web auch Internetradio. Was die Integration ins heimische Netzwerk inklusive AirPlay alles ermöglicht, soll hier nicht aufgezählt werden. Aber das ist noch lange nicht genug der Möglichkeiten. Die Bluetooth-Verbindung arbeitet beim neuen CR611 nun auch mit dem audiophilen aptX. Mobile IOS-Geräte können auch via USB-Buchse angeschlossen werden. Der M-CR611 unterstützt auch Spotify Connect und etliche weitere Funktionen für digitale Medien und Streaming. Last, but not least verarbeitet der CR611 hochauflösende Formate wie WAF, FLAC, und AIFF-Dateien bis zu 192 kHZ/24Bit, und sogar DSD mit 2,8 GHz.
Der Marantz CR611 ist eine wahre Wundertüte mit fast unendlich vielen Möglichkeiten. Sie hier alle zu erwähnen und zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen.
Mini-Wolkenkratzer mit High-End-Allüren
Die rund ein Meter hohen Premium 3.2 sind in Aluminium geschliffen, schwarz eloxiert oder weiss lackiert erhältlich.Die Premium 3.2 sind mit den gleichen Swiss-Made-LDR-Bändchen 2642 MKII bestückt wie die grössten Boxen dieser Serie, die mit einem Paarpreis von 8000 Franken nicht ganz billigen Premium 50.2. Gespart wurde bei der Premium 3.2 jedoch auch nicht bei den Bass-Mitteltönern, die eine Eigenentwicklung sind, aber in Fernost gefertigt werden. Während beide Chassis im Bassbereich parallel arbeiten, verabschiedet sich das untere Chassis bei 150 Hz. So strahlt nur das obere Chassis die mittleren Tonlagen ab. Diese Technik wird denn auch als 2½-Wege-System bezeichnet.
Das hochwertige Gehäuse ist in Aluminium geschliffen, schwarz eloxiert oder weiss lackiert erhältlich. Es besteht aus einem massiven Strangprofil, das man mit einer aufwendigen Verstrebung und Bedämpfung weitestgehend schalltot gemacht hat. Dies spürt man mit dem bekannten "Handauflegen" an verschiedenen Stellen des Lautsprechers, während lautstarke Musik gespielt wird. Auch bei markanten Schallpegeln bleibt das Gehäuse bemerkenswert ruhig. Die im Vergleich zu Holzgehäusen dünnen Aluwände machen diese schlanke Form mit einem gehörigen Innenvolumen erst möglich. So wäre eine Holzbox mit dem gleichen Volumen deutlich grösser ausgefallen. Und das will ja vor allem die stilbewusste Dame des Hauses ganz und gar nicht.
Die Standflächen dieser rund ein Meter hohen, schon fast beängstigend schlanken Säulen können bei Bedarf durch die Bodenplatte LTD Premium 3.2 (690 Franken das Paar) vergrössert und die Säulen standfester gemacht werden. Trotzdem: Die Säulen eignen sich denkbar schlecht als Geh-Hilfestützen für noch nicht ganz standfeste Kleinkinder.
Mit den Pfoten ist verboten!
Die hauchdünne, ultraleichte und damit auch ultraschnelle Membrane des LDR-Bändchens ist sehr empfindlich auf Berührungen.Die glänzende, hauchdünne und federleichte Membran des Bändchens übt seit jeher eine unwiderstehliche Anziehung auf neugierige Finger aus. Die Alumembran reagiert denn auch hochsensibel auf Berührungen und geht schnell kaputt. Der Frontgrill ist denn auch ein perfekter Schutz gegen Fingerchen, die der Versuchung nicht widerstehen können, die Festigkeit dieses technischen Meisterwerkes zu ergründen.
Wer den Frontgrill abgenommen hat, braucht starke Finger, um ihn wieder zu montieren. Das müsse so sein, meinen die Piega-Laute, sonst beginne der Frontgrill bei lautstarker Musik zu scheppern. Doch bei abgenommenem Frontgrill macht sich noch etwas ganz anderes bemerkbar. Doch davon mehr im Hörtest...
Präzise und charmant
Die Premium 3.2 ist mit dem gleichen Bändchen-Hochtöner wie die Premium-50.2-Spitzenbox bestückt. Auch bei den Bass-Mitteltönern, die mit dem Bändchen in einer 2½-Wege-Konfiguration arbeiten, wurde nicht gespart.Da die Premium 3.2, laut Angaben von Chefentwickler Kurt Scheuch, für Räume bis ca. 30 m2 geeignet sind, dürfen sie zusammen mit dem Marantz M-CR611 in einem eher kleineren, aber akustisch guten Wohnraum zum Probespiel antreten.
Ab CD erscheinen Mozarts Klaviertrios mit Klavier, Violine und Cello mit fein gezeichnetem, ausgesprochen charmantem Klangtimbre. Von einem eher hellen, ja bei hohen Streichern sogar leicht spitzen Einschlag der Class-D-Verstärker ist rein gar nichts zu hören. Nein, das klingt – um dieses schon etwas abgedroschene Wort zu benutzen – "analog", also geschmeidig, farbenfroh und elegant. Auch bei Stimmen betört ein feiner Schmelz, es nerven weder rauchige Kehligkeit noch übertriebene Zischlaute. Wie hier grossräumige Klangkörper in den heimischen Mini-Konzertsaal gebracht werden, ist absolut erfreulich.
Um den Class-D-Endstufen des Receivers mal punkto Leistungsfähigkeit auf den Zahn zu fühlen, dürfen sie sich an der Wiedergabe eines Konzertflügels die Zähne ausbeissen. Doch bei sogenannt "normalem Hören", also ohne die ganze Umgebung erzittern zu lassen, genügt die verfügbare Leistung vollkommen. Dasselbe brillante und dynamische Spiel auch bei Blechbläsern, die bis zu erstaunlichen Spitzenpegeln absolut sauber bleiben. Bei jazzigen und rockigen Sounds gibt sich das Bundle bis zu beachtlichen Pegeln impulsfest und kann auch mal tief im Frequenzkeller gehörigen Dampf geben.
Entfesselt
Das apt-X-System verbessert die Klangqualität des normalen Bluetooth-Standards und ist heute bei der Mehrheit hochwertiger Bluetooth-Hörer anzutreffen. Zur Klangqualität ist zu sagen, dass die Hörer, die mit dem aptX-Verfahren arbeiten, eine wirklich hohe Klangqualität erreichen können. Doch leider ignorieren gerade gewisse Apple-Geräte diese sehr sinnvolle Technik. Im Klartext: Die iPhones mit ihrem iOS Betriebs-System lassen bis heute das apt-X links liegen und nur via OSX kommt es zum Einsatz.
Doch Hand aufs Herz: Von kabellosen Reise-Kopfhörern erwartet man in der Regel keine absolut audiophile Klangqualität. Und für unterwegs genügt die 4.0 Bluetooth-Übertragung vielen Musikhörern, die sich sowieso meist drastisch datenreduzierte Musik zu Gemüte führen.
So verzichtet Bose laut Angaben von Martin Hug von Bose Schweiz darauf, bei all ihren Bluetooth Geräten apt-X einzusetzen. Zu apt-X und den hörbaren Verbesserungen sei erwähnt, dass sich die Klangunterschiede vor allem bei sehr hochwertigen, nicht datenreduzierten Musikaufnahmen bemerkbar machen können. Bei den heute üblichen Kompressionen wie MP3 mit 128 kbps (oder sogar tiefer!) schrumpfen die Klangunterschiede drastisch, wenn sie überhaupt noch hörbar sind.
Unsere Hörtests wurden denn auch mit nicht datenreduziertem Klangmaterial durchgeführt und nur so zum Gwunder wurden mal MP3-reduzierte Musikstücke zum Vergleich herangezogen. Sehr empfehlenswert ist für iPhones das Apple Lossless-Verfahren, das die Datenmenge praktisch halbiert, die Klangqualität jedoch kaum oder überhaupt nicht hörbar beeinflusst.
Momentan sind zwei apt-X auf dem Markt, das bisherige apt-X mit einer Verzögerung von 100 ms und ein neues, welches sich apt-X LL (Low Latency) nennt und nur noch 35 ms Verzögerung aufweist. Weshalb man das apt-X LL eingeführt hat, ist bei Telme2 beschrieben (englisch). Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, dieses sehr interessante System hier näher zu durchleuchten. Von unseren Testkandidaten gibt nur Denon an, dass sie das neue apt-X LL benutzen.
Fazit: Gut ausgelegte Hörer können auch ohne apt-X, dank neustem Bluetooth-Standard, gut klingen. Doch mit apt-X wird dann auch das letzte Quentchen Feinzeichnung bei nicht daterduzierten Aufnahmen hörbar.
Fazit
Der Hörer überrascht mit einem hellen, frischen Sound, der allerdings bei Klassik zuweilen - insbesondere bei hohen Streicherklängen - etwas kratzbürstig wirken kann. Auch bei Big Band Jazz liefert der MDR-ZX770BN einen knackigen Sound , der gerade bei Blechbläserattacken und Beckenimpulsen tüchtig unter die Haut geht.
Für Leute, die auf samtweiche Schmuseklänge stehen, ist er sicher nicht das richtige Wiedergabe-Instrument. Sakrale Orgelmusik erscheint weiträumig mit hellen Mixtur-Registern und eher diskreten, jedoch wirklich tiefen Bässen. Ganz generell gehört der Sony nicht zu den Kopfhörern, welche die Bässe bevorzugt zu Gehör bringen. Rockige Sounds kommen mit Power, aber ohne Bass-Dröhneffekte.
Wird der MDR-ZX770BN übers Kabel betrieben, so klingt er in den Höhen ganz klar gemässigter, weil da die Frequenzgang-Entzerrung des aktiven Modus fehlt. Das kann man/frau durchaus positiv werten. Doch wer auf knackige Höhen steht, wird das eher negativ empfinden.
Das Noise Cancelling wirkt im Bass und in den Mitten ganz ordentlich. Wie schon die Messungen es angedeutet haben, werden ganz hohe Störfrequenzen durch das Noise Cancelling hörbar angehoben. Wie man das nun wertet, ist eine persönliche Sache. Wer auch mit Noise Cancelling noch etwas von der Umwelt mitbekommen will, wie zum Beispiel warnende Stimmen oder Polizei-Sirenen, wird diese Anhebung sinnvoll finden. Andere Leute, welche die grösstmögliche Ruhe suchen, werden sich daran nerven.

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