Geschichte
Günther Nubert, Entwicklungsleiter: "Wir wollen ehrliche Lautsprecher bauen – also sehr gute, der Neutralität verpflichtete Boxen ohne Schnickschnack."Ehrlich währt am längsten. Oder doch zumindest sehr lang. Als offizielles Gründungsjahr der Nubert Electronic GmbH ist das Jahr 1975 eingetragen. Mithin vor über 40 Jahren – ein paar Jugendjahre Bastelei in der Garage nicht dazugerechnet – begann Günther Nubert damit, professionell Lautsprecher zu konzipieren, zu berechnen und zu bauen. Also in einer Zeit, als es das Internet und damit avguide.ch noch nicht gab, Computer allenfalls in gewaltigen Dimensionen aus heutiger Sicht geradezu lächerliche Rechenleistungen vollbrachten, inzwischen selbstverständliche Hilfsmittel wie Laser-Interferometrie, Frequenzweichensimulation oder kalibrierte Mess-Systeme mit Ausdruck in Echtzeit tatsächlich noch Zukunftsmusik waren.
Team und Work
Heute zählt Nubert zu den grossen Spielern im deutschen Lautsprechermarkt. Günther Nubert hat zwar immer noch die Pflichtenhefte fest im Griff, die Messprotokolle fest im Blick und die Ohren immer fest an der Front. Doch hat er sich längst mit einem Entwicklerteam umgeben: Thomas Bien und Christoph Meiler tüfteln intensiv an den Lautsprechern, Markus Pedal kümmert sich um die Elektronik. Denn intelligente Regelungs- und Verstärkertechnik hat seit langem Einzug gehalten in die von Nubert propagierten "ehrlichen" Lautsprecher.
Noch im Jubiläumsjahr 2015 landete die Manufaktur mit dem hohen Anspruch und den niedrigen Preisen einen weiteren Coup. Der Klangmanager/Vorverstärker nuControl zeigte im Test in avguide.ch seine Vielseitigkeit und klangliche Klasse. Da hat ein Unternehmen nicht einfach irgendwelche Verstärker auf dem Weltmarkt zusammengekauft, sondern mit viel Ehrgeiz eigene Schaltungstechnik verwirklicht und Algorithmen im Digital Signal Processing programmiert. Fast schon typisch für Nubert: Einige davon stammen aus dem früheren Projekt "DXD-Modul" zur Optimierung von Subwoofer-Satellitensystemen mit zwei Subwoofern.
Doch auch ohne Aktiv-Unterstützung setzen Nubert, Bien und Meiler beachtlichen Ehrgeiz in möglichst glatte Frequenzgänge ohne effektheischende Betonung von Höhen oder Bässen. Die sind eine wichtige Voraussetzung für ehrliche, klangfarbentreue Wiedergabe. Massvolle Anpassung an die Geschmäcker und Räume der Kundschaft mit Schaltern zur Unterstützung bestimmter Frequenzbereiche gehört sozusagen zum Service.
Und dennoch bleibt die Entwicklung ständig "work in progress" – zufrieden ist man in Schwäbisch Gmünd eigentlich nur temporär. Wenn es noch einen Tick gradliniger im Frequenzgang geht und wenn doch noch die eine oder andere Phasenabweichung oder eine minimale Gehäuseresonanz sich endgültig ausmerzen lassen, geht es ans verbessernde Werk.
Forum und Community
Aus guter Familie: Die nuBox-Modellreihe.Sehr früh schon setzte man bei Nubert auf das Internet als Verkaufsplattform, aber auch als Informations- und Meinungsforum. Auch wer kein Nubert-Fan ist, es möglicherweise sogar gar nicht werden will, wird beeindruckt sein von Günther Nuberts Kompendium "Technik satt", das man auf der Homepage downloaden kann.
Technisch Interessierte finden hier jede Menge Hintergrundwissen, Zusammenhänge und nicht zuletzt Informationen zu aktuellen Überarbeitungen. Dass Mastermind Günther Nubert in diesem Terrain sogar auf Rückfragen antwortet, kann nur als vorbildlich gelten.
Im nuForum wiederum findet sich eine geradezu schwindelerregende Themen- und Beitragsfülle. Allein zum Thema "Subwoofer" – das hier nur als ein Beispiel – finden sich am Tag der Abfassung dieses Porträts stolze 2891 Themen mit 46'820 Beiträgen. Zu "Hifi Stereo" gibt’s 6000 Themen und 122'305 Beiträge... Gesamtzahl: 8429 Themen und 871'571 Beiträge – da dürfte dann wirklich für jeden, der gern Musik hört, etwas dabei sein.
Natürlich tummeln sich hier überwiegend Nubert-Fans, die dies vor allem wegen des exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnisses ihrer Lieblinge wurden.
Handel und Direktvertrieb
Elektronik: Die Vor-End-Verstärker-Kombination nuControl/nuPower D machte mächtig Furore. (Bild: Nubert)Ein Grund für die attraktiven Preise trotz edler Bauteile und einem nach wie vor hohen Anteil "Made in Germany" ist sicher die Umgehung der sogenannten Handelsspanne. Also dem Teil der Kosten, die üblicherweise für den HiFi-Händler des Vertrauens draufgehen. Das allfällige Argument "Die kann man sich ja nicht mal anhören" unterläuft man unter anderem mit grosszügigen Rückgaberechten zum Vorteil der Kunden.
Nubert hat allerdings auch reichlich Erfahrung als klassischer HiFi-Händler. Es begann 1977 mit einem kleinen Studio. Es waren die goldenen Jahre der High Fidelity – und das Geschäft florierte. Heute findet der Kunde in Schwäbisch Gmünd und Aalen – östlich von Stuttgart – auf jeweils 1000 Quadratmetern eine grosse Auswahl an Unterhaltungselektronik und natürlich die Hörstudios zum ausgiebigen Testen der Nubert-Produkte.
Das Entwickeln und Bauen von Lautsprechern für Wohnzimmer und Auto lief in den Anfangsjahren quasi nebenher – und die Suche nach einem Vertrieb ins Leere.
1995, also vor etwas über 20 Jahren, startete man konsequent mit dem deutschlandweiten Direktvertrieb. Die Kunden bestellen unter Umgehung des Handels die Lautsprecher ab Werk per Direktversand. Da waren die silbernen Jahre der High Fidelity, begonnen mit dem Siegeszug der CD, auch fast schon wieder vorbei. Doch für die kleine Firma Nubert begann eine Erfolgsgeschichte. Einen Dämpfer wie eine Überschwemmung wird man da schon auch noch überstehen.

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