21. August 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
6. August 2001
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Die bewährte CDM-Reihe von Bowers und Wilkins geht schon in die dritte Generation und erlebt mit der CDM 9NT ihren vorläufigen Höhepunkt. Preislich unterhalb der exklusiven Nautilus-Linie angesiedelt, verfügt die NT-Reihe dennoch über viele innovative Merkmale, die im Rahmen der langjährigen Nautilus-Entwicklung ins Haus standen. Besonders die CDM 9 verfügt über so viele Highlights, dass sich mancheiner, der mit einer Nautilus liebäugelt, fragen muss, ob die NT nicht vielleicht die vernünftigere Variante wäre.

Ausgewachsen

Sahnestück bei der CDM 9 bildet der sickenlose Kevlar-Mitteltöner, der direkt aus der Nautilus-Serie übernommen wurde. Er wird zwecks Vibrationsvermeidung schraubenlos gegen die Schallwand gepresst.
Sahnestück bei der CDM 9 bildet der sickenlose Kevlar-Mitteltöner, der direkt aus der Nautilus-Serie übernommen wurde. Er wird zwecks Vibrationsvermeidung schraubenlos gegen die Schallwand gepresst.
Just einen Meter in der Höhe misst die CDM 9, die aber mit lediglich 22 cm Breite dennoch einen filigranen Eindruck hinterlässt. Zusammen mit dem schön verarbeiteten Echtholzfurnier und dem eleganten, etwas rustikalen Design dürfte sie sich in vielen Wohnumgebungen gut machen, ausser man legt Wert auf eine kühle, moderne Atmosphäre, wo sich die aktuellen Aluminium-Designs besser in Szene setzen.

B&W verspricht mit der CDM eine tiefreichende, druckvolle Basswiedergabe, die den Einsatz eines Subwoofers auch in anspruchsvollen Anlagen, gerade auch in Heimkino-Sets der Spitzenklasse, erübrigt. Zu diesem Zweck wurden der Box zwei hochbelastbare 16,5-cm-Tieftöner mit Kevlar-Papier-Membran und grosser Versteifungskalotte spendiert, die rückwärtig auf ein Bassreflexgehäuse mit aerodynamisch ausgeklügelter Reflexöffnung arbeiten.

Eigentliches Schmankerl ist aber der "sickenlose" Kevlar-Mitteltöner, der direkt aus der Nautilus übernommen wurde und dort schon mit seinen hervorragenden klanglichen Fähigkeiten Furore machte. "Sickenlos" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Kevlar-Membran über einen flachen, kurzen Ring aus geschäumtem Polymer am Korb befestigt ist. Dieser produziert viel weniger Reflexionen als eine herkömmliche, gewölbte Sicke, indem er die anlaufende Schwingungsenergie lediglich in Wärme und nicht in Schallwellen umwandelt. Dazu passt die schraubenlose Befestigung des Wandlers, die den Treiber von der Gehäuserückseite aus via Gewindestange an die Schallwand zieht. Letzere ist so schmal, dass sie ein sehr homogenes Abstrahlverhalten ermöglicht.

Auch der auf der abgeschrägten Oberseite gummigelagert aufgesetzte Hochtöner profitiert von der Nautilus-Technologie: Die aufwendige tubenförmige Gehäusekonstruktion absorbiert den von der Metallkalotte rückwärtig abgestrahlten Schall praktisch vollständig, so dass keine klangverfälschenden Resonanzen mehr auftreten können. Die Verarbeitung der CDM 9NT überzeugt innen wie aussen; das stabile Gehäuse wurde innwendig versteift und macht einen sehr resonanzarmen Eindruck.

Breites Repertoire

Massive Gusskörbe bei den Basschassis und stabile Gehäuseversteifungen sorgen für straffen, konturierten Bass.
Massive Gusskörbe bei den Basschassis und stabile Gehäuseversteifungen sorgen für straffen, konturierten Bass.
Die CDM 9NT entpuppte sich im Hörtest als wahres Universalgenie: Hard Rock interpretiert sie genauso überzeugend wie intime Streichmusik oder akustischen Jazz. Die Verfärbungsfreiheit entspricht den hohen Erwartungen, die man an diese Preisklasse stellt. Höchstens fällt ein wohldosierter Schuss an Grundtonstärke auf, welcher der Musik ein angenehmes Mass an Kraft und Volumen verleiht, ohne dass die Straffheit der Wiedergabe darunter leidet.

Durch ihre hohe Neutralität vermisst man vielleicht ein wenig Charakter, wie sie andere britische Lautsprecher wie etwa Tannoy aufweisen mögen, gewinnt dafür aber ein universell hohes Wiedergabeniveau, von welchem sämtliche Musikarten ab guten Aufnahmen gleichermassen profitieren. Problematisch wird’s, wenn ein Teil der Anlage - und seien es "nur" die Kabel - nicht optimal augesucht wurde, oder wenn der Toningenieur einen schlechten Tag hatte. Hier offenbart die CDM gnadenlos alle Schwächen und erweist sich als veritabler Abhörmonitor.

Unproblematisch hingegen die saubere Bassabstimmung, die auch in mittelgrossen Räumen nicht zum Dröhnen neigt, vorausgesetzt, man verwendet hochwertige Lautsprecherkabel mit niedrigem Verlustfaktor.

Die erreichbaren Pegel sind beeindruckend, verlangen dann aber Einiges an Verstärkerleistung. In kleineren Räumen lässt der recht gute Wirkungsgrad hingegen den Betrieb an (hochwertigen) Verstärkern ab ca. 50 Watt zu. Interessant war der Vergleich der CDM 9NT mit einer B&W Nautilus 803. Diese bot noch mehr Feinzeichnung im oberen Mitten- und Hochtonbereich und übertrumpfte die bereits sehr gute räumliche Abbildung nochmals deutlich. Die CDM 9NT punktete dafür mit einem konturierten Bass, der im Gegensatz zur Nautilus auch in kleineren Räumen noch straff daher kommt.
Markenzeichen: Der Metallkalotten-Hochtöner sitzt in einem Extra-Gehäuse, welches über eine ausgeklügelte Schalldämpfung verfügt. Die Technologie stammt ebenfalls von der Nautilus-Entwicklung ab.
Markenzeichen: Der Metallkalotten-Hochtöner sitzt in einem Extra-Gehäuse, welches über eine ausgeklügelte Schalldämpfung verfügt. Die Technologie stammt ebenfalls von der Nautilus-Entwicklung ab.

Fazit

Mit dem neuen Spitzenmodell CDM 9NT präsentiert B&W einen rundum optimierten Lautsprecher, der hinsichtlich des Klangs kaum noch Wünsche offen lässt. Die Ansprüche an die übrige Wiedergabekette sind allerdings entsprechend hoch, genauso wie man beim Anschaffungspreis recht tief in die Tasche greifen muss. Zum Trost: Der Werterhalt ist bei B&W-Lautsprechern erfahrungsgemäss sehr gut.
STECKBRIEF
Preis:
4700.- CHF pro Paar 
Profil:
Das Spitzenmodell der CDM-Serie lässt klanglich kaum noch Wünsche offen und zeigt sich im Hörtest als echtes Universalgenie. 
Pro:
hohe Klangtreue,
straffer, tiefreichender Bass,
Top-Verarbeitung
Contra:
reagiert empfindlich auf schlechte Aufnahmen oder Wiedergabeketten
Ausstattung:
3-Weg Bassreflex
Bi-Wiring möglich
Erhältlich in Kirsche hell, Kirsche rot, Esche schwarz 
Technische Daten:
Masse: 22x100x31,5 cm
Impedanz: 8 Ohm (min. 3 Ohm)
Empfohlene Verstärkerleistung: 50 - 200 Watt 
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