Beim neuen Px8 S2 verwirklichten die Ingenieure von Bowers & Wilkins einen Traum: Ohne grosse Rücksicht auf die Kosten ein Kopfhörer-Flaggschiff zu erschaffen, das punkto verwendeter Materialien den eh schon sehr guten Px7 S3 nochmals übertrifft und auch bezüglich Komfort und Klangqualität noch deutlich mehr punktet.
Der eigentliche Vergleichsmassstab ist jedoch das Vorgängermodell Px8, das seinerzeit (2020) im Test bei avguide.ch mächtig Eindruck hinterlassen hatte. In der S2-Version kommt das Spitzenmodell von Bowers & Wilkins deutlich schlanker daher. Auch das Gewicht konnte leicht reduziert werden. Die rund 310 Gramm werden durch die komfortable Bügelkonstruktion sowie durch den perfekt dosierten Anpressdruck der weichen Ohrpolster sehr geschickt «aufgefangen». Mit dem Effekt, dass der Hörer selbst bei lange währendem Tragen nicht unangenehm aufliegt. Dazu passt, dass die Ohren genügend Platz in den Muscheln finden – sogar noch mehr als beim Vorgänger. Man muss den Hörer auch kaum je justieren; die Polster verrutschen selbst bei stärkerer Bewegung des Nutzers eigentlich nie.
Auch die Anfassqualität des Px8 S2 weiss auf Anhieb zu begeistern. Der feine Nappalederbezug des Bügelpolsters wirkt ebenso gediegen wie die stabile und apart mit inliegender Carbonoptik aufgewertete Aluminium-Bügelkonstruktion. Das Kopfband wurde überarbeitet und verfügt nun über eine verbesserte Klebeverbindung sowie eine optimierte mechanische Verriegelung. Diese soll eine bessere Haltbarkeit gewährleisten. Nachhaltigkeit verspricht auch, dass die Ohrpolster und das Kopfbandpolster beim Px8 S2 ausgetauscht werden können.
Auch punkto Technik hat sich im Vergleich zum Vorgänger vieles getan: Zwar finden sich die speziellen 40-mm-Kohlefaser-Membranen bereits im Px8. Aufhängung, Chassis und Magnete der Antriebseinheit sind jedoch neu. Ebenso der dedizierte Kopfhörerverstärker und die ausgefeilte digitale Signalverarbeitung, die in einer separaten 24-Bit-DSP-Einheit zum Einsatz kommt.
Apart: Der stabile Aluminiumbügel wurde designmässig mit einer inliegenden Carbonfaseroptik aufgewertet.Connectivity auf dem neusten Stand
Verbindungstechnisch ist der Px8 S2 auf dem aktuellen Stand: Die jüngste Generation hochwertiger drahtloser Übertragungstechnologien inkl. aptX adaptive 24-Bit/96 kHz und aptX HD/lossless werden unterstützt. Wer kein HiRes-taugliches Handy/Tablet besitzt, kann den Px8 S2 ganz einfach auch per Kabel mit jedem beliebigen Kopfhörerausgang verbinden und das Gerät so zum traditionellen, kabelgebundenen Heimhörer umfunktionieren.
Ebenso wird HiRes-fähiges USB-C unterstützt – eine willkommene Nachricht sowohl für Computernutzer als auch für Nutzer eines DACs mit USB-Ausgang sowie für Besitzer kompatibler Mobilgeräte, einschliesslich der neuesten iPhone-Generation. Beide Kabeltypen sind dem kompakten und hochwertig verarbeiteten Transportetui beigelegt.
Neben dem Px7 S3 wird der Px8 S2 der zweite Kopfhörer von Bowers & Wilkins sein, der Spatial-Audio-Kompatibilität anbieten wird. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, die handelsübliche Technologien verwenden, hat Bowers & Wilkins diesbezüglich eine eigene spezifische Technik entwickelt, um bei allen möglichen Musikformaten die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. LE-Audio (inkl. LC3 Codec & Auracast) soll zukünftig ebenso unterstützt werden (per automatisches Over-the-Air-Update).
In der linken Hörmuschel ist die Taste für das Aktivieren von Noise Cancelling integriert (oberhalb des Schiebeschalters für Ein-/Ausschalten).Effizientes Noise Cancelling
Die Ingenieure von Bowers & Wilkins wollen beim Px8 S2 und beim Px7 S3 die beste Noise-Cancelling-Technologie anbieten, die das Unternehmen je entwickelt hat. Entscheidender Aspekt dabei: die Klangqualität bei aktiver Geräuschunterdrückung möglichst wenig zu beeinträchtigen. Dieses Unterfangen ist den Briten gut gelungen, wie unser Hörtest zeigt.
Wie der Px7 S3 verfügt auch der Px8 S2 über acht leistungsstarke Mikrofone, die entlang der Aussenseiten der beiden Ohrmuscheln platziert sind: Zwei Mikrofone messen die Ausgangsleistung jedes Treibers, vier überwachen die Umgebungsgeräusche und sind für eine bestmögliche Erfassung an jeweils gegenüberliegenden Seiten der Ohrmuscheln angebracht; zwei sorgen für eine klare Sprachqualität. Durch die spezielle Positionierung und Ausrichtung der Mikrofone soll selbst in lauten Umgebungen eine gute Performance gewährleistet sein.
Während des Telefonierens werden unerwünschte Geräusche mithilfe der modernen Sprachverarbeitungs-Technologie ADI Pure Voice wirksam unterdrückt. Die acht Mikrofone arbeiten Hand in Hand mit der fortschrittlichen Noise-Cancelling- und Sprachverarbeitungs-Elektronik, mit dem Resultat einer wirklich guten Anrufqualität.
Der Px8 S2 verspricht laut Herstellerangaben selbst bei aktiviertem Noise Cancelling eine Akkulaufzeit von bis zu 30 Stunden. So kann man auch auf längeren Reisen ununterbrochen Musik hören, ohne den Kopfhörer zwischendurch zu laden. Im Falle eines Falles reicht eine 15-minütige Schnellladung für bis zu sieben weitere Stunden Hörgenuss.
Problemlos: Die hauseigene Music App von Bowers & Wilkins (für Android/iOS) richtet den Px8 S2 ein und kontrolliert alle Funktionen.Wie alle aktuellen Over-Ear- und In-Ear-Kopfhörer von Bowers & Wilkins lässt sich auch der Px8 S2 über die hauseigene Music App problemlos einrichten und bedienen. Hierbei kann man auch den Transparenzmodus (de)aktivieren, um die Umgebungsgeräusche ein- bzw. auszublenden. Die App informiert über den aktuellen Ladezustand des Kopfhörers; ausserdem lässt sich die Empfindlichkeit des Tragesensors (für die automatische Abschaltung) festlegen und eine Aktion für die Schnellzugriffstaste am Kopfhörer definieren. Über einen Fünf-Band-Equalizer könne man den Klang an persönliche Vorlieben anpassen. Alternativ gibt es einen speziellen «True Sound»-Modus, der die bevorzugten Audioeinstellungen aus dem Forschungszentrum von Bowers & Wilkins beinhaltet. Nicht, dass der Hörer solches benötigen würde. Selbst ohne EQ-Eingriff bietet der Px8 S2 eine ausgeglichene, sehr geschmackvoll abgeglichene Klangkulisse.
An der rechten Hörmuschel lässt sich die Lautstärke regulieren sowie eine Extrataste frei programmieren.Alternativ zur Music App kann man den Px8 S2 komplett auch über die links und rechts aussen an den Muscheln angebrachten Tasten steuern: Die Play/Pause- und Lautstärke-Tasten wurden im Vergleich zum Vorgänger ergonomischer gestaltet, um eine intuitive Interaktion zu gewährleisten. Die Ein-/Ausschalttaste wurde an die linke Ohrmuschel verlegt. Mit der Schnellzugriffstaste können die Nutzer entweder rasch durch die Noise-Cancelling-Optionen des Px8 S2 (aus, Pass-Through und an) navigieren oder mit nur einem Tastendruck den Sprachassistenten des Smartphones aufrufen. Tatsächlich hat man den Px8 S2 sehr schnell im Griff. Den Zugriff auf die App kann man sich unterwegs eigentlich immer sparen.
Sagenhaft räumlicher und transparenter Klang
Komfortabel: Der Px8 S2 sitzt perfekt und trägt sich unterwegs wie zuhause sehr komfortabel.Bereits beim neuen Px7 S3 haben die Ingenieure von Bowers & Wilkins ein feines Händchen bewiesen, was die klangliche Abstimmung betrifft. (Test nachzulesen hier).
Der Px8 S2 spielt aber nochmals in einer ganz anderen Liga. Vorab zeigte sich schnell einmal, dass für bestmögliche Klangqualität die Verbindung/Schnittstelle von der Musikquelle zum Hörer von entscheidender Bedeutung ist. Hört man per Bluetooth in Standard-Qualität (SBC/AAC), wird das Potenzial des Px8 S2 nicht wirklich ausgelotet. Mindestens aptX adaptive – besser aptX HD oder lossless – sollte es schon sein, wenn man unterwegs Musik in wirklich hoher Qualität hören möchte.
Audiophile Highlights, speziell auch für Kopfhörer: Auf dem Chesky-Label finden sich viele Titel in HiRes, die über den Px8 S2 gehört mit ausgeprägter Räumlichkeit und enormer Feinzeichnung gefallen.Für Besitzer des neuesten iPhones und auch für den Einsatz zuhause bietet sich die Anbindung per USB an. Wir machten die Probe aufs Exempel und dockten den Px8 S2 per ganz normalem USB-Kabel an dem vergleichsweise preisgünstigen Streamer WiiM Ultra an. Dieser erkannte den neuen Bowers & Wilkins auf Anhieb und streamte HiRes-Titel ab Qobuz klaglos und ohne Aussetzer mit Datenraten bis zu 24-Bit/192-kHz. Dies, obwohl die USB-Anbindung nominell auf 96 kHz begrenzt ist.
Die resultierende Klangqualität ist absolut verblüffend und meilenweit davon entfernt, was sich mit herkömmlicher Anbindung (egal ob per Kabel oder Bluetooth) realisieren lässt: Wir hörten HiRes-Aufnahmen vom Label Chesky Records und waren ob der Räumlichkeit, Transparenz und Feinzeichnung der Wiedergabe echt begeistert.
Sagenhaft musikalisch und perfekt aufgenommen: das Album «Tears and Rumba» von Xiamora Laugart aus dem Jahre 2015 vom Label Chesky Records.Die Klangqualität ist so gut, dass man gerne über lange Zeit audiophile Musik hört. Der Tragekomfort des Px8 S2 macht dies klaglos mit, Hitzestau unter den komfortablen Ohrpolstern wurde von verschiedenen Testpersonen nicht moniert. Ebenso trägt das Gewicht von 310 g zumindest zuhause erstaunlich wenig auf.
Aber auch unterwegs beeindruckt der Px8 S2 mit sicherem Halt und angenehmem Langzeit-Tragekomfort durchweg positiv. Hier kann natürlich auch der preisgünstigere Px7 S3 punkten. Vergleicht man diesen jedoch direkt mit dem Px8 S2, so spielt dieser klanglich nochmal in einer ganz anderen Liga. Auch den Px7 S3 hörten wir über die USB-DAC-Anbindung ab WiiM Ultra. Er spielte HiRes-Titel mit bis zu 192 kHz ebenfalls klaglos ab, erreichte aber bei weitem nicht das gleiche Ausmass an Klangtransparenz, Feinzeichnung und Druck/Konturiertheit im Bass.
Eine Klasse für sich: Der 40-mm-Treiber mit Carbonfaser-Membran ist nur eine der technischen Zutaten, mit denen der Px8 S2 eine überlegende Klangqualität realisiert.Fazit
Das Bessere ist des Guten Feind. Unter diesem Motto kann das Topmodell unter den Kopfhörern von Bowers & Wilkins nicht nur gegenüber der hauseigenen Konkurrenz (in Form des sehr guten Px7 S3) punkten. Der Px8 S2 braucht in Sachen HiFi-Wiedergabe auch den Vergleich mit ebenso teuren (oder sogar teureren) kabelgebundenen oder kabellosen Hörern nicht zu scheuen.
Das Noise Cancelling arbeitet sehr effizient und gleichmässig, auch über einen grösseren Frequenzbereich hinweg. Transparenz und Klangfarben der Schallwandler sind nochmals deutlich besser als beim Px7 S3. Die grosse Stärke des neuen Spitzenmodells von Bowers & Wilkins ist die räumliche Abbildung. Die Vorne-Ortung ist phänomenal gut, mit dem Resultat einer aufgefächerten Stereoperspektive. So darf man auch beim Px8 S2 gespannt sein, ob diesbezüglich das versprochene 3D-Audio zukünftig sogar noch eins draufsetzt.
Luxuriös unterwegs: Das zur jeweiligen Version farblich passende Etui ist deutlich kompakter gehalten als beim Vorgänger.Der Aufpreis von rund 250 Franken gegenüber dem Px7 S3 ist zwar kein Pappenstiel. Der Px8 S2 hinterlässt im direkten Vergleich einen nochmals wertigeren Eindruck und punktet bei der Wiedergabe von HiRes-Musik mit sagenhaft audiophiler Klangqualität. Wer zuhause (oder auch unterwegs) gerne Musik in HiRes ohne Abstriche geniessen möchte, für den ist der Preis von CHF 649 sehr gut investiert.
Zwei Farbtöne zu Wahl: Den Px8 S2 von Bowers & Wilkins gibt es in «Warm Stone» oder «Onyx Black».
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