TESTBERICHT
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Publikationsdatum
14. Oktober 2023
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Die Sasha V ist die neuste Evolutionsstufe der Sasha und Nachfolgerin der berühmten Watt/Puppy von einst (oder genauer gesagt: vor ca. 30 Jahren). Der Lautsprechertyp ist im Grunde seit Jahrzehnten das Rückgrat von Wilson Audio – und die Neuauflage lässt aufhorchen. Die neue Sasha V kommt eher kurzfristig nach der Vorgängerin Sasha DAW. Dazwischen liegen nur 4 Jahre. Der Zeitraum war wegen Covid und Supply-Chain-Problemen aller Art eher problematisch für das Geschäft. Für High-End-Audio waren es allerdings gute Jahre, weil sich durch die eingeschränkte Mobilität finanzielle Ressourcen in privaten Haushalten verschoben, und zwar zugunsten von Investitionen in den eigenen vier Wänden. Vielleicht hatte das einen Einfluss auf die «Time to Market» bei Wilson Audio.

Nun steht die Sasha V vor uns – in schimmerndem Tungsten Silver. Von vorne betrachtet, sieht man kaum einen Unterschied zum Vorgänger, mit Ausnahme einer gewissen Formvollendung. Wo vorher eine plane Fläche war, ist es nun eine leichte Wölbung. Fast überall wurde optimiert, und insgesamt hat sich die Erscheinung perfektioniert bzw. sie wurde perfektioniert. Darryl Wilson ist schliesslich von Beruf Designer. In den Einzelheiten erfährt man von mindestens zehn Verbesserungen, von denen einige auch sehr gut sichtbar sind. So wurde das Handling bei der Ausrichtung des Hoch/Mittelton-Moduls vereinfacht. Die Wirkung dieser Ausrichtung wurde erweitert. Auch die Kabelzuführung zum Modul wurde verbessert, vereinfacht und verschönert. Es handelt sich bei der Sasha V in der Tat nicht um profane Modellpflege, sondern um ein substanzielles Re-Design.

Die Verbesserungen gingen aber auch ganz schön ins Tuch, mit einem Preisaufschlag von ca. 10 %. Dafür bekommt man neues Gehäusematerial, die Präzisions-Kondensatoren aus eigener Fertigung bei Wilson Audio, die genialen Diode-Spikes – die separat schon 4500 CHF kosten – sowie neue Treiber für den Hochton und den Mittelton. Auch die neu perfekt verstellbaren Verbindungskabel von Transparent leisten ihren Beitrag. Wer sich an die Standardfarben hält, der wird mit 54'000 CHF Paarpreis zur Kasse gebeten.

Edles Geschirr an den neuen Pferden von Wilson Audio.Edles Geschirr an den neuen Pferden von Wilson Audio.

Das Modell Sasha und dessen Vorgänger hatten stets den Vorteil einer gewissen Wohnraumfreundlichkeit bei grossen Lautsprechern. Das Erscheinungsbild ist denn bei der Version V schon etwas zurückhaltender und durchaus vorstellbar ab mittelgrossen Wohnräumen, geeigneten Nischen usw. Der Lautsprecher ist damit nicht auf separate Hörräume beschränkt. In diese Überlegung fliessen natürlich europäische Wohnraum-Dimensionen ein.

Zuspieler

Streaming und DA-Wandlung verantwortete der bewährte DCS Rossini Apex DAC. Er lieferte das analoge Ausgangssignal symmetrisch an die Vorstufe AR LS28 von Audio Research. Die beiden Monoendstufen 400M von Dan D'Agostino folgten darauf und lieferten an die Sasha V ab. Beim digitalen Zuspieler kann man der guten Ordnung halber auch noch den Ethernet Switch Phoenix NET von Innuos erwähnen. Von derartigem «Ethernet-Gezier» halten zwar viele Fachleute wenig bis nichts, aber beim mir zu Hause verrichtet er ebenfalls seine geschätzten Dienste.

Dann hatten wir auch noch einen grossartigen analogen Zuspieler in Gestalt des zierlichen Laufwerks TTT Compact 2 mit dem Tangential-Drehtonarm Thales Simplicity und einem EMT-Tonabnehmer. Das kleine Hochpräzisionsgerät aus dem Hause HiFiction kann es aus meiner Sicht mit manchem dieser gigantisch anmutenden Referenz-Laufwerke aufnehmen und mit weit weniger materiellen Ressourcen.

Die Referenz-Phonovorstufe Aura von REGA passte klanglich ebenfalls hervorragend ins Konzept.

Der Tangential-Drehtonarm HiFictions Thales Simplicity mit EMT MC-Tonabnehmer auf dem Laufwerk TTT-Compact II diente beim Hörtest als perfekte analoge Quelle.Der Tangential-Drehtonarm HiFictions Thales Simplicity mit EMT MC-Tonabnehmer auf dem Laufwerk TTT-Compact II diente beim Hörtest als perfekte analoge Quelle.
Die Phono-Vorstufe Aura MC von REGA bewies sich als perfekte Spielpartnerin.Die Phono-Vorstufe Aura MC von REGA bewies sich als perfekte Spielpartnerin.

Verbesserungen von A bis Z

Die Sasha V verfügt über gleich zwei neue Lautsprechertreiber. Es kommt nicht überraschend, dass der neue CSC-Hochtöner zum Einsatz kommt. Dieser Hochtöner, der bereits in den grösseren Lautsprechern von Wilson verwendet wird, zeichnet sich durch eine spezielle Kammer für den rückwärtigen Schallanteil aus, was zu einem erweiterten Hochtonspektrum mit sanfter Linearität und bemerkenswerter harmonischer Ausdruckskraft führt.

Für den Mitteltonbereich wird der Alnico QuadraMag eingesetzt. Das Entwicklungsteam hat besonderes Augenmerk auf die Optimierung der perfekten Harmonie zwischen Hoch- und Mitteltönen gelegt. Dabei wurden die Komponenten im Signalweg an verschiedenen Stellen optimiert, einschliesslich der Kabelanschlüsse für Klemmen oder Bananenstecker mit modifizierter Rändelung sowie der Verwendung hochleitfähiger Metalle und Legierungen.

Die Frequenzweiche der Sasha V besteht grösstenteils aus Komponenten, die von Wilson in Eigenfertigung hergestellt werden. Dies umfasst nicht nur Induktivitäten (Spulen), sondern auch hochwertige Kondensatoren. Die Frequenzweiche verzichtet auf eine Leiterplatte und ist stattdessen Punkt-zu-Punkt-verdrahtet.

Im Lieferumfang der Sasha V sind die Wilson Audio Acoustic Diodes enthalten. Das neu entwickelte Spike-System, das bereits in der Alexx V und der Alexia V Verwendung fand, kommt nun auch bei der Sasha V zum Einsatz. Es handelt sich um eine wirkungsvolle Kombination aus Edelstahl und V-Material, das hervorragende Schwingungseigenschaften aufweist und somit mehr dynamische Nuancen über das gesamte Frequenzspektrum offenlegt.

Die Sasha V hat eine ganz vernünftige Grösse und damit gute Chancen, in mittelgrossen Räumen Gnade und Platz zu finden.Die Sasha V hat eine ganz vernünftige Grösse und damit gute Chancen, in mittelgrossen Räumen Gnade und Platz zu finden.

Bei der Sasha V wurde zudem V-Material an der kritischen Schnittstelle zwischen dem oberen Modul und der Oberseite des Bass-Gehäuses verwendet. V-Material zeichnet sich durch ungewöhnliche Schwingungskontrolle und Isolation des oberen Moduls aus, ähnlich der Designphilosophie der Alexx V und Alexia V.

Da wurde nicht einfach nur «spendiert», wie man es salopp in der gewohnten Audio-Redaktorensprache nennen würde. Da wurde konsequent getestet, erprobt, verbessert, verändert unter Nutzung der Erfahrungen und Ergebnisse der letzten Jahre.

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