23. Juni 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
ARTIKEL
Publikationsdatum
28. Februar 2005
Themen
Drucken
Teilen mit Twitter
Zum 25jährigen Jubiläum der Firma entschlossen sich die T+A-Verantwortlichen, eine neue High-End-Serie für audiophile Freunde der klassischen Zweikanal-Wiedergabe auf den Markt zu bringen.

Für manchen erstaunlich, setzte man dabei nicht auf hypermoderne, sondern auf klassische Röhren- und Analogtechnik.

Doch von verstaubten Schaltungskonzepten wollten die T+A-Leute nichts wissen und verkündeten stolz, ihre neusten Kultobjekte seien „...entwickelt für heutige und zukünftige Anforderungen“.

Eine klare Sache, dass das ganze Knowhow der T+A-Entwicklungs- abteilung in diese Produkte einfloss.

Keine Nostalgie

Was vielleicht nicht jeder weiss: T+A baut seit über 20 Jahren Röhren- verstärker und macht in der Tat alles andere als auf Nostalgie.

Der V10 soll nicht einfach ein weiterer wunderschöner Röhrenamp sein, sondern Top-Klangniveau mit Komfort und hoher Betriebssicherheit vereinen.

Neue Schaltung

Oben: Push-Pull. Unten: SPPP
Neue Tonformate wie SACD und DVD-Audio stellen höhere Anforderungen an Verstärker und Boxen.

So achtete man bei der Auslegung des V 10 speziell auf grosse Bandbreite, hohen Dynamikbereich und geringe Verzerrungen – alles Dinge, die vielen herkömmlichen Röhrengeräten gewisse Probleme bereiten.

Bei der konventionellen Push-Pull-Schaltung wird das Signal in positive und negative Halbwellen aufgeteilt und in separate Verstärkerzweige geleitet. Erst am Ausgang der Schaltung werden sie wieder zusammengefügt.

Um die negativen Auswirkungen dieser Schaltung zu kompensieren, wendete man meist die zwar verbreitete, von Puristen jedoch nicht so hoch geschätzte „Über-Alles“-Gegenkopplung an.

Die Vorteile

Die neue von T+A entwickelte SPPP- (Single Primary Push Pull) Schaltung arbeitet wesentlich eleganter und bietet eine ganze Reihe von Vorteilen:
- keine Symmetrieprobleme des Ausgangsübertragers
- keine „Über-Alles“-Gegenkopplung
- es können Ringkernübertrager verwendet werden
- am Ausgang steht reiner Wechselstrom zur Verfügung
- ein symmetrisches Netzteil weist keine Nachteile bezüglich Masseströme auf.

Neue Hochstrom-Röhren

Neue Röhren mit hoher Strompotenz
Im V10 kommen speziell für Audio-Anwendungen entwickelte und weltweit erstmals von T+A eingesetzte Hochstromröhren zum Einsatz.

Dabei handelt es sich um extrem leistungsfähige Hochstrom-Pentoden, die als Paar bis zu 100 Watt liefern können.

Unterstützt werden sie durch eine Gegentakt-Treiberstufe und eine Triode für den klirr- und rauscharmen Einsatz im Vorverstärker.

Wohlgemerkt werden die Audiosignale ausschliesslich durch Röhren übertragen.

Für zeitgemässes Handling kommt jedoch ein störstrahlungsfreier Mikroprozessor zum Einsatz.

Pfflichtenheft des Mikroprozessors

Dieser beeinflusst in keiner Weise das analoge Audiosignal und übernimmt folgende Aufgaben:

- automatischen Softstart für Heizung und Netzteil
- Überlast und Überstromschutz für die Endröhren
- Regelung der Lüfterkühlung bei hoher Ausgangsbelastung
- Anzeige der verbleibenden Röhrenlebenszeit
- dynamischer Betriebs-Stundenzähler
- Arbeitspunkt-Einstellung ohne spezielle Werkzeuge und Messinstrumente.

Blick hinter die Kulisse

Der V 10 zeigt einen blitzsauberen Innenaufbau. Der Ventilator ist in der Praxis nicht hörbar.
Ein V 10 enthält, wie ein Blick in das geöffnete und vorbildlich aufgebaute Gerät zeigt, eine beachtliche Menge an Material.

Ein zentral angebrachter, mikroprozessor- gesteuerter und sehr leiser Lüfter verhindert, dass die hochwertigen Innereien einen Hitzekollaps erleiden.

Die Vorverstärker- röhren sitzen auf hochwertigen Keramiksockeln, welche direkt auf der Vorverstärker- platine angebracht sind. Dies erlaubt extrem kurze Signalwege und damit minimale Klangverluste.

Hermetisch gekapselte Goldkontaktrelais versprechen eine lange Lebensdauer ohne Knackser und Rauschen.

Die zweistufige Lautstärkeregelung geschieht mit hochwertigen Vierfach-Potentiometern von Alps.

Komfort

Dieser topmoderne Röhrenverstärker lässt sich erfreulicherweise fernsteuern.

Die mitgelieferte Fernbedienung F10 kann nicht nur alle Funktionen des Röhrenamps steuern, sondern auch Quellgeräte, sofern diese über einen Rlink-Steueranschluss verfügen.

Zudem nimmt ein Mikroprozessor dem Besitzer des V 10 das Nachpegeln des Röhrenarbeitspunktes ab.

Wer sich für den weiteren technischen Hintergrund interessiert, sei auf die exzellenten technischen Unterlagen von T+A hingewiesen.

Auch das hervorragende Handbuch erleichtert dem zufriedenen Besitzer das Kennenlernen und den Umgang mit dem von A bis Z durchdachten Gerät.

Kampf den Resonanzen

Der G 10 ist ein riemengetriebenes High-End-Laufwerk mit schwerem Spezial- chassis.

Körperschallabsorber und eine Resonanz- entkopplung sollen unerwünschte Vibrationen unschädlich machen.

Alle Baugruppen des G 10 sitzen in einem stabilen Gehäuse. Die robuste Stahlwanne des Korpus lagert auf vier Schockabsorbern.

In Sandwichbauweise sind die äusseren Aluminiumteile montiert. Die dicke, wahlweise in (transparent-) blau oder grau gehaltene Acrylplatte wurde dabei auf den Stahldeckel des Korpus geklebt.

Ein gnadenloser Resonanzkiller ist dabei ein auf die Grundplatte geklebter, mit Sand und Blei gefüllter Resonanzabsorber im Inneren des Korpus.

Konstanter Antrieb

Ein gekapselter, DSP-gesteuerter Synchronantriebsmotor übernimmt, von einem aufwändigen Netzteil gespeist, den Antrieb.

Der Plattenteller dreht sich auf einem eng tolerierten Sinter-Bronze-Gleitlager. Das invertierte Sinter-Bronze-Gleitlager aus gehärtetem und poliertem Stahl, ist auf 5 µm genau toleriert.

Um einen „akustisch toten“ Plattenteller ohne Eigenklang zu bauen, wählte man eine Laminatkonstruktion aus massivem Aluminium, fünf Messinggewichten und einer 10 mm starken, hochpräzise extrudierten, gewalzten und anschliessend lasergeschnittenen Acrylplatte.

Musikalisches Trio

Das hochmusikalische Trio des G 10 S besteht aus dem T+A-Laufwerk made in Germany, dem in England gefertigten Tonarm SME Series M2 und dem Swissmade- High-End-MC-System C10.

Letzteres beruht auf der MC-Zelle „Ace Generator“ von Benz und wurde im Gewicht genau auf den Tonarm „zugeschnitten“ sowie zwecks besserer Abschirmung metallgekapselt.

Bescheiden wie es die SME-Leute nun mal sind, bezeichnen sie ihren SME Series M2-Tonarm schlicht mit „ The best pick-up arm in he world“.

Das Rohr des Arms wird aus verchromtem Edelstahl gefertigt und intern gedämpft.

Der Systemträger und die Rohraufnahme sind aus Aluminium- druckguss hergestellt, das Gegengewicht besteht aus antimagnetischem Wolfram.

Die gesamte Tonarmbasis und das Drehlagergehäuse sind aus verchromtem Messing gefertigt.

Am richtigen Ort verstärkt

Blick von unten in den Plattendreher. Das optionale Phono-MC-Modul sorgt für ultrakurze Signalwege ab der Tonzelle. Beste Voraussetzung für eine rausch- und brummfreie Wiedergabe.
Als Option bietet T+A das Phono- vorverstärkermodul PH-G10 an.

Es wird dort eingebaut, wo es wirklich hingehört, nämlich direkt beim Tonarmausgang!

Einstreuungen in die hochempfindlichen Ausgangssignale des Tonabnehmersystems werden so von vornherein vermieden.

Das aufwändig stabilisierte Netzteil ermöglicht extrem niedrige Rausch- und Störlevel.

Über DIL-Schalter ist der PH-G10 MM/MC optimal an das jeweilige System anpassbar.

High Definition

Bei der Erstinstallation muss das Lager des Plattentellers erst gebührend geölt werden. Auch für Laien kein Problem…
Schon nach wenigen Takten hört man, dass sich der Röhren- vollverstärker durch ein überlegenes Definitionsvermögen auszeichnet.

So gehört er keineswegs zur Kategorie weichzeichnender Röhrenamps, welche die ungebührliche Schärfe mancher Tonträger zwecks Schonung des Gehörs mittels sanfter Diskretion wegpolieren.

Der V 10 klingt im Brillanzbereich nämlich sehr transparent und offen, schafft es aber im Vergleich zu Transistorverstärkern der Topklasse dennoch, dem Präsenzbereich eine besonders elegante Note zu verleihen.

So klingen Stimmen zwar ebenso eindringlich, aber halt doch hörbar unangestrengter und letztlich natürlicher als über die meisten Transistor-Kollegen.

Und dies bei hoher wie niedriger Lautstärke.

Punkto räumlicher Abbildung neigt der V 10 nicht – wie einige Röhrenkollegen – dazu, Solisten zwar wunderbar nahe zu bringen, dafür aber den Hintergrund einzuebnen.

Feinste Anblasgeräusche bei Bläseraufnahmen gibt er wunderbar zart, Schlagzeugbecken hervorragend ziseliert wieder.

Wunderbar weiträumig...

Auch das räumliche Differenzierungsvermögen ist nicht nur ohne Fehl und Tadel, sondern geradezu hervorragend.

So klingen Orgelaufnahmen wunderbar weiträumig, auch die Illusion räumlicher Tiefe, die weit über die Begrenzung des Hörraums hinaus reicht, wird überzeugend gezeichnet.


Erstaunlich für eine Röhre ist das Stehvermögen bei Bassimpulsen. Der V 10 hat mächtig „Knall“ und Tiefgang und nivelliert auch die Konturen akustischer Bassinstrumente nicht.

Sound of Vinyl and Tubes

Die Rückansicht des V 10 offenbart genügend Eingänge (inkl. Tape-Ausgang) sowie einen Umschalter für 4-/8-Ohm-Lautsprecher.
Bald schon wird deutlich, dass dieser Amp durchschnittliche CD-Kost zwar nicht verachtet, so richtig zur Hochform läuft er aber erst mit hochauflösender Software, sprich 2-Kanal-SACDs auf – es sei denn, man lässt ihn von Anfang an mit dem Plattenspieler G 10 aufspielen.

Diese Kombi hat es nämlich in sich und erreicht tatsächlich ein Wiedergabeniveau, das man in dieser Form selten zu hören bekommt: Hohe Spielfreude, erstaunliche Feindynamik und ein wunderbares Klangfarbenpanorama, das wohl nur in der Kombination von Vinyl und Röhre zu realisieren ist.

Da kann man als Zuhörer echt ins Schwelgen kommen, und auch Profi-Hörtester vergessen für einmal ihren Job und legen eine Lieblingsplatte nach der anderen auf.

Es ist die schwer zu umschreibende Empfindung von „Musikalität“, die beim Anhören guter Vinyl-Aufnahmen auftaucht, und zwar in einem Masse, wie man sie insgesamt nur allzu selten zu spüren bekommt.

Nach ein paar Stunden mit dem T+A G 10 ist man subjektiv fast schon wieder überzeugt, dass Analog-Aufnahmen auf Schallplatten, so unperfekt sie objektiv betrachtet sein mögen, letztlich doch natürlicher und damit authentischer klingen, als viele Digitalaufnahmen.

Über den G 10 wiedergegeben, gewinnen sie jedenfalls einen unmittelbaren, anrührenden Touch, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Saubere Wiedergabe

Plattenbesen und Andruckgewicht sind als Sonderzubehör (je 175 Franken) erhältlich und bewähren sich im praktischen Betrieb. Zudem gibt es eine schwenkbare Acryl-Abdeckhaube.
Aber auch wenn man sich bemüht, objektiv zu bleiben, kann man diesem Plattenspieler eine aussergewöhnlich saubere Wiedergabe attestieren.

Dazu bei trägt einerseits sicherlich ein Laufwerk, das auch keine noch so geringen Gleichlauf- schwankungen hörbar macht und sich dank gelungener Tonarm- Tonzellen-Kombination (Eigenresonanz im tonal günstigen Bereich) durch eine sehr hohe Rumpelfreiheit auszeichnet.

Hinzu kommt, dass sich die Benz-Tonzelle an sich durch ein besonders niedriges Rillengeräusch auszeichnet, wodurch auch ältere oder leicht verstaubte, nichtsdestotrotz geliebte Vinyl-Schätze noch geniessbar bleiben.

Und nicht zuletzt garantiert der eingebaute Phono-Vorverstärker ein Mindestmass an Rauschen und Brummen, mit dem sich geplagte Vinyl-Freaks leider allzu oft herumschlagen müssen.

Problemloses Handling

Letztlich bedeutet dies, dass man bei diesem Plattenspieler nur wenige der üblichen Kompromisse eingehen muss, die der passionierte Analogfan ansonsten in Kauf nimmt.

So ist – von der fehlenden Endabschaltung abgesehen – auch das Handling übersichtlich und problemlos.

Immerhin sollte man der Platzierung gebührende Aufmerksamkeit schenken.

Ein spezieller Laufwerkstisch mag zwar als Luxus erscheinen, kann aber noch eine ganze Menge an Zusatzhörspass aus dem schwarzen Gold herauskitzeln.

Sehr empfehlenswert sind auch die als Sonderzubehör erhältlichen Accessoires: Staubbesen PB 10 und Andruckgewicht AG 10.

Fazit

Analogtechnik und Röhren in topmoderner Hi-Tech-Manier eingesetzt, verleihen dieser aus Verstärker und Plattenspieler bestehenden Kombination ihren ganz besonderen Reiz.

Dies nicht im Sinne angenehm warm gefärbter Sounds, sondern in einem Klangbild, wie es in vergleichbarer Natürlichkeit selten zu hören ist.

Zweifelsfrei Weltklasse.


Autoren: Martin Freund und Hansjürg Baum
STECKBRIEF
Preis:
T+A V10 8250 Franken,T+A G 10 S 6935 Franken (inkl. Phono-MC-Modul)
Profil:
Röhren und Vinyl, ein hochmusikalisches Gespann.
Pro:
T+A V 10
+ Top-Klangniveau
+ druckvolle Tieftonwiedergabe
+ guter Komfort
+ Top-Verarbeitung und -Design
+ angemessener Preis

T+A G 10 S
+ Top-Klangniveau
+ hohe Laufruhe
+ Top-Verarbeitung und -Design
+ angemessener Preis
Contra:
Das Haar in der Suppe konnte nicht gefunden werden...
Ausstattung:
T+A V10

Anschlüsse
Hochpegel/Phono magn. 4/-
Tape Ein-/Ausgang
Funktionen
Klangregler -
Balance -
Fernbedienung Eingangswahl, Lautstärke
Lautsprecheranschlüsse 1

T+A G 10 S


Antrieb: Riemenantrieb; stabilisierter, gleichspannungsgeregelter Motor
Lager: Spezialbronzelager invertiert
Plattentellermaterial: Acryl-Aluminium-Laminat 4,4 kg
Tonarm: SME M2-9
Tonzelle: T+A C10 (by Benz)
Technische Daten:
T+A V10
Abmessungen (BxHxT) 44,2 x 18 x 38 cm
2 x 80 Watt Sinus bei 4 und 8 Ohm

T+A G 10 S
Drehzahlbereich: 33 1/3 und 45 U/min.
Gleichlauf (bewertet): <0,1 %
Rumpelgeräuschabstand: 82 dB
Abmessungen (BxTxH) ca. 44,2 x 38 x 16 cm
Wettbewerb