13. Dezember 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
3. Oktober 2005
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Sehr gute Röhrenverstärker waren lange Zeit für viele unerschwinglich.

Dies hat sich geändert, wie der „ProLogue One“ der holländischen Firma PrimaLuna beweist.

Röhrenverstärker sind nicht wieder, sondern immer noch in.

Dies hat seine Gründe, denn die Faszination einer warm glimmenden Röhre lässt keinen musikalischen Menschen kalt.

So hat die Röhre, wie auch das gute alte Vinyl, die „digitale Revolution“ nicht nur überstanden, sie wird wird auch für jüngere Leute, die von MP3 und „Hitech-Sound“ die Nase – sorry die Ohren – voll haben, immer aktueller.

Designed in Holland

Herman van den Dungen heisst der Entwickler der PrimaLuna-Produkte.

Um seine Verstärker preisgünstig und dennoch hochwertig produzieren zu lassen, reiste er mehrmals nach China und besuchte dort diverse Firmen.

Schliesslich fand er zwei seriöse Hersteller, die nun seine Produkte in sorgfältiger Handarbeit fertigen.

Integrierter Röhrenverstärker.

Kontaktfreudig: Alle Anschlüsse sind massiv und vergoldet
Der PrimaLuna ProLogue One leistet nach offiziellen Angaben 2 x 35 Watt und ist absolut spartanisch aufgebaut.

Dies hat zur Folge, dass er ultrasimpel zu bedienen ist.

Vermissen könnte man allerdings einen Tape-Ausgang und einen Balance-Steller.

Die volle Schönheit dieses in schwarzer Saphirfarbe (auf Wunsch auch mit Frontplatte in Silber) gehaltenen Röhrenverstärkers kommt erst dann voll zum Tragen, wenn die Röhrenabdeckung, die mittels umfunktionierten Bananensteckern (!) stabil an Ort und Stelle gehalten wird, entfernt wird.

Die beiden Doppeltrioden 12AX7A, die 12AU7 Treiber und die vier in pushpull arbeitenden EL 34 Trioden - je 2 pro Kanal – machen rein optisch eine gute Figur.

Blick hinter die Kulissen

Bodenplatte weg: Blick von unten....
Der rund 17 kg schwere ProLogue One ist ähnlich wie ein Vintage- Röhrenverstärker aufgebaut und verdrahtet. Die Keramik-Röhrensockel sind massiv mit dem Gehäuse verschraubt und stecken nicht einfach auf einem wackeligen Print.

Die Verarbeitung ist generell sauber und hochwertig. Der Lautstärkeregler stammt von ALPS. Sowohl der Power- als auch die extrem breitbandigen Ausgangstransformatoren sind ausgesprochen üppig dimensioniert.

Alle Anschlüsse sind selbstverständlich massiv vergoldet.

Stummes IC

Ein Print wird nur für ein IC samt digitalem Beigemüse verwendet.

Doch keine Angst, dieser integrierte Schaltkreis hat in Sachen Sound kein Sterbenswörtchen mitzureden.

Er übernimmt lediglich die Aufgabe, den optimalen Arbeitspunkt der Röhren über lange Jahre hinweg aufrecht zu erhalten.

Ein eventuelles Auswechseln von Röhren geht damit problemlos über die Bühne, da kein Nachjustieren der Elektronik erforderlich ist.

Sound of Tubes

Wer den ProLogue One voller Ungeduld aus der Schachtel nimmt und ihn so rasch wie möglich zum Klingen bringen will, wird überrascht sein.

Dieser Röhrenverstärker neigt dazu in den ersten Spielsitzungen sehr vordergründig aufzuspielen. Streicher können dann etwas spitz, Blechbläser sogar aggressiv klingen.

So wurden die Röhren dieses Verstärkers erst mal für rund eine Woche im Dauerbetrieb „eingebrannt“. Danach zeigte er sich wesentlich wärmer, behielt aber einen vitalen und brillanten Charakter.

Er entspricht klanglich keineswegs dem Klischee eines warm und weichzeichnenden Röhrenverstärker, der Fehler bei der Aufnahme verzeiht und den Stimmen jegliche Kehligkeit wegfiltert.

Tube Power

Die beiden Doppeltrioden 12AX7A, die 12AU7 Treiber und die vier in pushpull arbeitenden EL 34 Trioden - je 2 pro Kanal – machen rein optisch eine gute Figur.
Der ProLogue One kann eher dunkel und etwas müde klingenden Boxen zu neuem Leben verhelfen und ihnen eine gute Portion Vitalität verleihen.

Gerade bei perkussiver Musik ist es absolut sensationell, was dieser kleine Röhrenamp leistet. Impulse kommen vital und mit schöner Attacke.

An entsprechend leistungsfähigen Boxen lässt er jeden Transistorverstärker in seiner messtechnischen Leistungsklasse gnadenlos abblitzen.

Mit welcher Dynamik und welchem Pegel der ProLogue One den berüchtigten „Boxenkiller“ der Test Record „Impression“ in den Abhörraum zaubert, ist schon fast unglaublich.

Volumen und Raum

Aber auch bei zarter Kammermusik zeichnet er sehr frisch und lebendig.

Für die Paarung mit von Natur aus etwas überbrillanten Boxen erscheint er aufgrund seiner sehr vitalen Spielweise nicht unbedingt der richtige Partner zu sein.

An klanglich ausgeglichenen Boxen verblüfft der ProLogue One bei orchestralen Werken mit einem fast unglaublichen Klangvolumen.

Die Räumlichkeit, mit welcher er grosse Klangkörper abbildet, kann echt begeistern.

Fazit

Kerniger Tube-Sound zu günstigem Preis: Der top-verarbeitete ProLogueOne von PrimaLuna entfaltet eine Vitalität, die man bei vielen Röhrenverstärkern vergeblich sucht.

STECKBRIEF
Preis:
1600.- Franken
Profil:
Hochwertiger Röhrenverstärker zum Sparpreis: Die fleissigen und sorgfältigen Chinesen machens möglich...
Pro:
frischer, vitaler Sound
Top-Verarbeitung
günstiger Preis
Contra:
spartanische Ausstattung
benötigt längere Einlaufzeit
Ausstattung:
Bestückung: 2 x 12AX7A, 2x 12AU7, 4 x EL34
Technische Daten:
Abmessungen (BxHxT): 280 mm x 190 mm x 395 mm
Gewicht: 17 kg
Wettbewerb