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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
25. April 2005
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Schon vor 10 Jahren (1995/1996) hat Revox mit der Digitalbox Scala 3.6 gezeigt, dass sie die Digitalisierung immer wieder ein Stück weiter bringen will und kann. Der neuste Wurf sind digital arbeitende Verstärker mit einer Technologie, die auf der ganzen Welt nur Revox beherrscht.

Zum ersten Mal hatte avguide.ch die Gelegenheit, den brandneuen Revox Class-D Verstärker in aller Ruhe anzuhören.

avguide.ch erhielt für eine Hörprobe eine Kombination allerneuster Komponenten Zudem standen die beiden Revox-Experten Wolfgang Kelpin und Jürgen Lindemann avguide.ch Red und Antwort.

Anlage der Superlative

Die hier angehörte Revox-Anlage kostet rund 30'000 Franken und besteht aus folgenden Komponenten:

Revox Re:system M51 source management System, Revox Re:source M51 server modul, Revox Re:source M37 audio server, Palm Zire71 Handheld Steuerung mit Revox Software. Revox Lautsprecher Re.sound S brilliant in alu, Revox Re:sound S center in alu, Revox Re:sound S bass in alu.

Steuerzentrale M51

Die eleganten, knapp 1.3 Meter hohen Standboxen S brillant.
Das modular aufgebaute „Re:source M51 source management System“ ist schon fast eine eierlegende Wollmilchsau.

Die Module für DVD, Decoder und Verstärker sind im Grundgerät bereits eingebaut. Weitere Module wie Tuner, In/Output, Server, DLC-Submodul (für Steuerung der Digital-Lautsprecher), Multiroom und Multiroom-Nebenraum lassen sich über „Plug and Play“ innert Minuten integrieren.

Weitere neue Module sind zurzeit in der Entwicklung.

Je nach Wunsch, kann man eine Funktionen jederzeit nachrüsten. Dank einfacher und intuitiver Benutzeroberfläche ist es trotz seiner unglaublichen Vielseitigkeit sehr einfach zu bedienen.

Neue Module und Komponenten sind: DVD-Modul MKII Version, M300 Videoschiene mit 6 Eingängen und das M202 Ethernet-Interface.

Das M51 Grundgerät gibt es wie bisher mit analogem 5 x 60 W-Verstärker zu Fr.7400.- und neu als Re:sound M51 digital mit 5 x 200 W zu Fr. 8500.-.

Der bisherige, analoge M51 lässt sich auf die neue Version, den M51 Digital aufrüsten. Preis: Fr. 2150.-. Darin eingeschlossen sind Kosten für einen neuen Trafo, Digital-Endstufen und die gesamte Arbeit.

Audio Server M37

Der bereits bei avguide.ch beschriebene Audioserver M 37 kann bis zu 2700 Stunden Musik ab internem CD-Player oder ab externer Digitalquelle auf seine Festplatte speichern.

Dabei hängt die Aufnahmekapazität natürlich von der gewählten Komprimierungsrate und der damit zusammenhängenden Qualität zusammen.

Möglich ist es auch, Musik völlig umkomprimiert aufzunehmen.

Weitere Infos erhalten Sie unter "2700 Stunden Musik".

„S“ehr brillant

Revox Lautsprecher Re.sound S brilliant in alu, Revox Re:sound S center in alu
Aus der neuen Re:sound „S“-Linie erhielt avguide.ch die eleganten, knapp 1,3 Meter hohen Standboxen S brillant, den Re:Sound S center 02 sowie den Re:sound S bass 02, alle in alu-silber-Ausführung.

Allen Lautsprechern gemeinsam ist ein extrem steifes MDF-Gehäuse, welches keine Gehäusevibrationen aufkommen lässt.

Die Hochtöner spielen locker hinauf bis 39 kHz und strahlen extrem breit ab.

Hochwertige 15cm Langhub-Lautsprecher mit sehr geringem Bewegungswiderstand und hysterese-armem Magnetsystem für saubere Basswidergabe musizieren sowohl in der „brillant“ als auch dem Centerspeaker.

The Sound of Class-D

Digital-Endstufen: Power aus kleinen Abmessungen
Viel wurde bereits über die Revox-Class-D-Technik geschrieben und diskutiert. Kein Wunder, dass da die Erwartungen hoch waren. Würde es dieser neuen Gerätegattung gelingen, sogar mit High-End-Geräten mitzuhalten?

Beim vielleicht etwas unfairen Vergleich der Revox-Class-D- Verstärker (in Stereo) mit der teureren Bryston BP25-/3BSST Vor-/Endstufen-Kombi des kanadischen High-End-Spezialisten vermochten die "Digitalos" durchaus zu überraschen.

Bezüglich Attacke und Dynamik, sei es im Tiefstbass oder bei perkussiven Impulsen in den oberen Mitten und Höhen konnten die Class-D-Endstufen nämlich erstaunlich gut mithalten.

Knochentrocken und blitzschnell kamen Zupfbass-Orgien. Fusion-Jazz und technoartige Sounds erschienen mit unglaublichem Druck. Dabei blieb das Klangbild selbst bei hohen Schallpegeln sehr transparent und sauber.

Aber nicht nur bei brachialen Klangorgien konnten die Class-D-Verstärker punkten. Auch bei feinen Streicher- und äusserst kritischen Chorklängen wirkten sie für sich gehört durchaus sauber und gut definiert.

Bei diesen Sounds kamen sie bezüglich Klangschönheit und Differenziertheit allerdings nicht an die high-endigen Kanadier heran, die sich auch in Sachen Feindynamik nicht schlagen liessen, und deren Klangbild noch etwas lebendiger wirkte.

Insgesamt heimsten die Class-D Verstärker jedoch locker ein "sehr gut" ein, und auch anspruchsvolle Hörer dürfen mit dieser neuen Verstärkertechnologie glücklich werden.

Home Cinema grandissimo

Eine begeisternde Klangshow bote die Revox-Kombi bei Filmen mit gutem 5.1 Sound. Mit überzeugender Räumlichkeit zauberten sie grosse Klangbühnen in den Abhörraum.

Feinstes Grillenzirpen kam ebenso überzeugend wie gigantische Wasserbombendetonationen.
Die Sprachverständlichkeit der Anlage ist erstklassig, was nicht zuletzt dem sehr guten Centerlautsprecher zuzuschreiben ist.

Auch in grösseren Wohnräumen und Pantoffelkinos mit übermässigen Dimensionen bleiben punkto Dynamik und Schallpegel kaum Wünsche offen.

Fazit

Revox hat mit neuen Geräten und einer neuen Verstärkertechnologie gezeigt, dass hier ein äusserst innovativer Entwicklerstab am Werke ist und dass diese Schweizer Firma in der Lage ist, im Schwarzwald topmoderne und anwendergerechte Gesamtlösungen in erstklassiger Qualität herzustellen.

Geregelte Sache: Interview mit Jürgen Lindemann

Jürgen Lindemann (rechts) , Elektronikentwicklung bei Revox und Wolfgang Kelpin Entwicklungsleiter.
Hans Jürg Baum sprach mit Jürgen Lindemann, Elektronikentwicklung bei Revox und Wolfgang Kelpin Entwicklungsleiter.

HJBaum: "Weshalb bestückt Revox den bewährten M51 mit neuen Endstufen?
Kelpin: Wir haben den M51 schon seit einigen Jahren im Programmm. Seine 5 x 60 Watt Ausgangsleistung waren aber für die Kunden beim Stereohören in grossen Räumen und mit wirkungsgradarmen Boxen oft zu wenig. Es galt nun, einen Verstärker zu entwickeln, der anstelle von 60 Watt eben 200 Watt Sinusleistung pro Kanal im Stereobetrieb bieten kann. Bei Mehrkanal sind das immerhin 5 x 200W Impulsleistung.

HJBaum: Und weshalb wählte man das digitale Class-D-Verstärkerprinzip?
Kelpin: Ein analoger Verstärker mit dieser enormen Leistung hätte im Gehäuse des M51 keinen Platz gehabt. Da die Class-D-Verstärker so gut wie nicht warm werden, benötigen sie auch keine grossen Kühlkörper.

HJBaum: Also mehr Leistung aus dem gleichen Gehäuse wie bisher. Worin unterscheidet sich Ihr Class-D-Verstärker von andern Digitalverstärkern die auf dem Markt sind?
Kelpin: Unser Verstärker ist nicht nur klein und leistungsfähig, wir haben auch für den Dämpfungsfaktor und den Klirr eine hervorragende Lösung gefunden.

HJBaum: Aufgrund des notwendigen Ausgangsfilters hatten bisher alle Class-D Verstärker zu hohen Frequenzen hin einen geringen Dämpfungsfaktor. Wie haben sie das in den Griff bekommen?
Lindemann: Wir haben eine Gegenkopplungsschaltung mit spezieller Filtertopologie entworfen, die sich aus zwei Schleifen zusammensetzt Diese verbessert nicht nur die Linearität des
Verstärkers, sie kontrolliert auch die Ausgangsimpedanz. Man hat also auch bei 20 kHz einen vernünftigen Dämpfungsfaktor.

HJBaum: Jede Regelung hat aber auch ein Eigenleben und kann die Klangqualität beeinflussen. Treibt man da nicht den Teufel mit dem Belzebuben aus?
Lindemann: Wenn überhaupt ergeben sich Probleme mit der Regelung im nichtlinearen Bereich, sprich, wenn der Verstärker übersteuert. Die galt es zu lösen und die sind gut gelöst. Im linearen Arbeitsbereich bestehen über die Regelung keine Probleme.

HJBaum: Über die Klangqualität der Class-D-Verstärker hat man auch negative Urteile gehört. Was ergaben Hörvergleiche zwischen ihren bisherigen analogen und den Class-D-Verstärkern?
Kelpin: Zwei Dinge sind für mich ganz deutlich geworden. Die Impulstreue, speziell im Bassbereich, ist frappant. Der ist knochentrocken und sauber und ist in der Lage, den Lautsprecher perfekt zu dämpfen. Im Hochtonbereich klingt er sehr offen und schön weich, am ehesten vergleichbar mit einem Röhrenverstärker, so erstaunlich es in diesem Zusammenhang erscheinen mag.

HJBaum: Wie reagiert Ihr Verstärker auf Lautsprecher mit kriminellen Impedanzen wie zum Beispiel Elektrostaten oder andere „Impedanzsünder“?
Lindemann: Er ist auf kapazitive Last absolut unempfindlich, und bei zu hohen Strömen nahe dem Kurzschluss reagiert eine Schutzschaltung, indem die Lautstärke softwareseitig zurückgenommen wird.

HJBaum: Wird Revox in Zukunft nur noch Class-D-Verstärker bauen?
Kelpin: Im Leistungsbereich ja. Lediglich bei ganz kleinen Leistungen, wie zum Beispiel Kopfhörerverstärkern, wird es analoge Verstärker geben.

HJBaum: Besten Dank die Herren für das interessante Gespräch."

Technik der Revox Class-D Schaltung

Jürgen Lindemann, Entwickler der digitalen Endstufen.
Die Funktionsweise der Class-D Leistungsverstärker- baugruppe des Revox M51 beruht auf dem Prinzip der Pulsdauer-Modulation (PWM, Pulsewidth- Modulation).

Das analoge Eingangssignal des Verstärkers wird dabei in eine hochfrequente Folge rechteckförmiger Impulse mit konstanter Amplitude umgewandelt, wobei das Tastverhältnis (Pulsdauerverhältnis) der beiden dabei gewonnenen Spannungswerte (PWM-Signal) proportional zur Eingangsamplitude ist.

Die durch das PWM-Signal gesteuerte Leistungsstufe besteht aus einer Anordnung von schnellen MOSFET-Schalt-Transistoren, welche jeweils eine der beiden bipolaren Versorgungsspannungen des Verstärkers an ein passives Ausgangsfilter 2. Ordnung durchschalten.

Das Ausgangsfilter dient der Rückformung des verstärkten PWM-Signals in ein analoges Ausgangssignal, sowie der Unterdrückung hochfrequenter Signalanteile am Verstärkerausgang.

Zur Optimierung der Übertragungseigenschaften des Verstärkers wurde eine spezielle Korrekturschaltung entwickelt, welche im wesentlichen aus zwei Rückkopplungsnetzwerken und einem Regelverstärker mit einer Schleifenfiltercharakteristik 3.Ordnung besteht.
Die Schleifenverstärkung (Gegenkopplung) des Verstärkers mit Korrekturschaltung beträgt 65dB, und ist innerhalb der Grenzen des Audioübertragungsbereichs konstant.

Die Abgriffe der Rückkopplungsnetzwerke erfolgen vor dem Ausgangsfilter und direkt
an der Lautsprecher-Polklemme, wodurch ein stabiles, Lastunabhängiges Regelverhalten erzielt wird.

Der Einsatz dieser Korrekturregelung ermöglicht die Realisierung eines hochwertigen
PWM-Audioverstärkers mit den folgenden, hervorzuhebenden Eigenschaften:

sehr geringe Verzerrungswerte (0,005% /50W/ 4Ohm),
starke Unterdrückung von versorgungsbedingten Störsignalen (>90dB) am Ausgang,
niedriger Ausgangswiderstand (hoher Dämpfungsfaktor) im gesamten Audiobereich,
Dämpfungsfaktor: >200 bei 1kHz/8Ohm, >50 bei 20kHz/8Ohm,
lastabhängige Pegelabweichung bei 20kHz < +/- 0,2dB an Lastimpedanzen zwischen
2 Ohm und 16 Ohm
linearer Frequenzgang bis 60 kHz/-3dB
Kanaltrennung >65dB (10kHz)
Rauschspannungsabstand >100dB (20Hz...20kHz)

prinzipbedingte Vorteile der Class-D Technologie gegenüber der
konventionellen Verstärker-Technologie (Class-AB):

hoher Wirkungsgrad (>90%) bei geringen Wärmeverlusten,
keine klassischen Übernahmeverzerrungen im Nulldurchgangsbereich,
kompaktere Bauform,
bessere Nutzung der Netzteilkapazität aufgrund der geringeren Verluste
Unempfindlichkeit gegenüber kapazitiver Last am Ausgang
Prinzipschaltbild des Revox M51 Class-D Verstärkers
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