Am 6. Mai 2015 wurde bei avguide.ch letztmals über ein Radio berichtet. Über ein Gerät also, mit dem man fast ausschliesslich Radio hören kann. Allzu häufig kommt es nicht mehr vor, dass man über Radios berichtet und sie sogar einem Test unterzieht. Schade eigentlich, denn Radios waren nach den Phonografen, den frühen Plattenspielern, die ersten Geräte, mit denen man Musik hören konnte.
Dabei gibt es auf dem Markt unzählige Radioempfänger vieler Marken zu kaufen – und sie werden auch weiterhin gekauft, denn das klassische Radio ist einfach, praktisch und überall verfügbar. Nielsen Soundscan findet immer wieder, Jahr für Jahr, heraus, dass Radiohören die am weitesten verbreitete Art des Musikhörens ist. Noch nicht einmal die Nutzung der beliebten Streamingdienste kann dem Radio das Wasser reichen. Das verwundert nicht: Die Verbindung von Information und Musik ist unschlagbar.
Radio-Formate
Die Puristen unter den Herstellern haben in den 1990er-Jahren mehrheitlich die Klangregler und Balanceregler abgeschafft – getreu dem Motto, dass der analoge Signalweg so kurz wie möglich sein soll. Dadurch wird auf Klangfilter, Potentiometer und andere Komponenten verzichtet. Im Grunde wurde damit aber die praktische Möglichkeit, den Klang an Raum, Hörgeschmack und Unterschiede bei den Aufnahmen anzupassen, der eigenen Inkompetenz geopfert.
Die Verkürzung des Signalwegs durch Verzicht auf Klangregler in einer Vorverstärkerstufe mutet in Relation der vergleichsweise langen Kabelwege und der zahlreichen Kontaktübergänge zwischen den Geräten (einschliesslich der Lautsprecherkabel) grotesk an. Man wollte die negativen Einflüsse der Klangregler – namentlich Phasenprobleme aufgrund der Filtercharakteristika – vermeiden.
Man tat dies, indem man gar nichts tat. Man verzichtete auf eine nützliche Einrichtung, anstatt sie qualitativ zu verbessern. Das könnte man auch als Inkompetenz interpretieren. Gewiss haben analoge Filter ihre Grenzen und ihre Nachteile, und digitale Filter waren im High-End-Audio der 1990er-Jahre verpönt (beziehungsweise man beherrschte die Technologie damals noch nicht).
Die Folgen waren für die Puristen unter den Herstellern zunächst positiv. Die Kunden kauften ihnen die Begründung mit dem Signalweg ab. Die Produkte waren einfacher zu entwickeln und herzustellen, und sie waren damit auch günstiger – allerdings nicht für die Käufer. Diese bezahlten in vielen Fällen sogar mehr für weniger Möglichkeiten.
Radiohören ist einfach schön
Nicht wirklich. Mancher Musikhörer, der sich nach 30 Jahren wieder einmal eine HiFi-Anlage kaufen möchte, die etwas taugt, sucht die Regler vergebens. Selbst die immer digitalere Wiedergabekette unserer Zeit geht mit dem Thema noch stiefmütterlich um. Allerdings mit Ausnahmen, die ein wenig Hoffnung machen.

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