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TESTBERICHT
ARTIKEL
Publikationsdatum
3. März 2003
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Um einem Konsumenten einen SACD/DVD-Player für 3790 Franken zu verkaufen, braucht es schlagkräftige Argumente.

Marantz preist diesen Player im Manual mit einer Fülle von attraktiven Merkmalen an: Überragende Audioleistung mit DVD-Audio-, Dolby Digital- und DTS-Software, TruSurround, MP3-Kompatibilität, ein neuer Typ von Digital Noise Reduction für eine präzise Videoeinstellung, hochwertiger 24-Bit/196-kHz-D/A-Wandler.

Top-Features

Und weiter geht es mit Top-Features: Flexible Videosignalausgabe und grafischer Setup-Navigator.

Glatt vergessen hat man den eigentlichen Clou: Die Kompatibilität von SACD und DVD-Audio, vereint in einem attraktiven High-End-Gerät.

Ebenfalls recht bescheiden beschreibt man nur im Manual die Möglichkeit von Progressive Scan bei NTSC. Erst eine nachträgliche, hardwaremässige Umrüstung ermöglicht die progressiven Bildausgabe auch bei PAL.

Das THX-Logo auf der Frontseite des Gerätes bezieht sich vor allem auf den DVD-Video-Teil und bedeutet, dass die Spezifikation dieser strengen Vorschrift für diverse Kriterien vom Gerät eingehalten werden.

Allesfresser?

Luxus-Player auch in GoldLuxus-Player auch in Gold
Das Gerät "frisst" zwar nicht alles, was ihm verfüttert wird, spielt aber doch ein ganze Reihe von Discs ab: SACD, DVD-Audio, DVD-Video, DVD-R/RW, CD-R/RW, CD mit MP3-Files und Video-CD.

Dass sich Marantz wirklich von Philips losgesagt hat, merkt man nicht nur daran, dass das Laufwerk und das Videoteil von Pioneer stammen, sondern auch daran, dass das Gerät die von Philips lancierte DVD+R, DVD+RW nicht unterstützt.

Industrie-High-End

Industrielles High-End: Aufwändiger Aufbau mit getrennten Netzteilen für den Audio- und Videoteil.Industrielles High-End: Aufwändiger Aufbau mit getrennten Netzteilen für den Audio- und Videoteil.
Der sehr niedrig gehaltene Spieler macht äusserlich einen wertigen, eleganten Eindruck. Das beachtliche Gewicht von über 6 kg und die stabile, "durchschusssichere" Frontplatte lassen den Wunsch aufkommen, auch mal in das Gerät hineinzusehen.

Der Aufbau und die Verarbeitung sind gutes Industrie-High-End, aber nicht unbedingt als Selbstzweck betriebenes "Imponier-High-End".

Aus verkupfertem Eisenblech besteht das Gehäuse. Aufwändig gekapselt und damit vor hochfrequenten Störungen geschützt sind empfindliche Module – eine Marantz-Spezialität, die seit jeher zur Philosophie des Hauses gehört.

Damit sich der Audio- und Videoteil nicht gegenseitig mit unerwünschten Signalresten verschmutzen, setzt man getrennte Netzteile ein.

Bassmanagement nicht für DVD-Audio

Auch bei diesem Player wurde das Bassmanagement nicht konsequent realisiert: Es funktioniert wohl bei Dolby Digital, DTS und der SACD, nicht jedoch bei DVD-Audio.

Wer also kleine Center- und Surroundboxen oder sogar ein Subwoofer-Satellitensystem betreibt, hat das Nachsehen, denn bei der DVD-Audio-Wiedergabe erhalten alle Speaker den vollen Basspegel.

In unserem Hörtest verwendeten wir zwar nicht fünf identische, gleich grosse Boxen, aber doch basstüchtige Center- und Surroundlautsprecher.

Bildeinstellungen

Gut ausgestattet mit universellen Anschlüssen.Gut ausgestattet mit universellen Anschlüssen.
Im Menu "Video Adjust" sind mehrere Programme für unterschiedliche Bildschirmtypen abrufbar, so auch für Plasma- oder professionelle Monitore.

Drei Speicherplätze stehen für individuell gewählte Bildeinstellungen zur Verfügung. Die Bildeinstellungen sind extrem vielseitig und brauchen ein gutes Auge.

Beim "Herr der Ringe" und einem Rückprojektor waren bei etlichen Kriterien wie bei Helligkeit, Rauschunterdrückung und bei der Schärfe nur minimale Unterschiede zu erspähen.

Mit optimaler Einstellung der Schärfe, Weiss- , Schwarz- und Chromapegel gelang es, dem etwas matt wirkenden Rückprojektor deutlich mehr Leben und Vitalität einzuhauchen.

Progressive Scan-Bildausgabe erhält man über die Componenten-Ausgänge. In der Realität bringt Progressive Scan momentan nur bei Projektoren einen sichtbaren Vorteil. Und in PAL funktioniert das Progressive-Scan sowieso (noch) nicht.

Bildschirmmenü unumgänglich

Der alte Grundsatz: "Ein Gerät, das sich nicht ohne eingehendes Studium des Manuals bedienen lässt, ist unverkäuflich", ist nur noch bedingt gültig. Die Geräte sind derart komplex geworden, dass es ohne intensives Studium des Manuals kaum mehr geht.

Trotzdem wurde das Gerät nach dem Auspacken gleich an die Anlage geschaltet und mit einer mehrkanaligen SACD gefüttert. In der Folge erklang sie nur stereofon, weil die Grundeinstellung im Setup-Menu eben Stereo ist.

Also Fernseher angeschlossen und am Bildschirm über das Set-up alles schön der Reihe nach eingestellt: Wahl der Lautsprecher, Mehrkanalbetrieb etc.

Hat man den Setup einmal hinter sich, so erweisen sich sowohl der Player wie auch die Fernbedienung als übersichtlich und praxisnah.

Audiophile Klänge

Decoder für (fast) alle FälleDecoder für (fast) alle Fälle
Mit strahlenden Klangfarben wartet der 8300 bei klassischer Musik auf.

Mein Redaktionskollege kommentierte den Klang sogar von seinem Arbeitsplatz ausserhalb der Stereo-Hörzone als viel transparenter, definierter und räumlicher als ein bewährter Vergleichsspieler.

Genüsslich wurden die schönsten CDs angehört, und hoch erfreut durften wir feststellen: Der CD-Teil dieses Luxus-Kombis ist klangliche Spitzenklasse.

Nun gings zur SACD, und auch hier kam als Konkurrent ein uns bestens bekanntes Gerät zum Einsatz.

Der 8300 brachte einen grossen Konzertflügel vitaler, harte Anschläge deutlich impulsfester. So konnte man vielleicht vermuten, dass der Marantz bei Streichern eher offensiv wirken könnte.

Doch weit gefehlt! Auch zarte Streicherklänge brachte er hauchfein und mit unerhörter Klangdefinition.

Knallhart hingegen die Bassattacken der mehrkanaligen Telarc-SACD "Monty meets Sly and Robbie” von Monty Alexander.

Perkussive Instrumenten brachte der Marantz hochexplosiv und exzellent durchzeichnet.

Raumklangorgie

Eine wahre Raumklangorgie stellte sich bei der DVD-Audio "New Organ Dimensions" ein.

Die räumliche Darstellung der grossen Kathedrale mit fünf im riesigen Raum verteilten Orgeln beeindruckte selbst Mehrkanal-Abstinente.

Da bei diesem Spieler kein Bassmanagement bei DVD-Audio wirksam ist, donnerten die fundamentalen Bässe von Bachs D-Moll Toccata unlimitiert aus den Surroundkanälen. Wehe dem, der hinten Microboxen einsetzt!

Auch die mehrkanalige DVD-Audio mit mehrchörigen Orchesterwerken von Vivaldi (Naxos 5.110001) überzeugte: Wie im St-Markus-Dom von Venedig erschallen die Orchester von verschiedenen Seiten, was kein Gag, sondern Nachbildung der Realität und ungemein reizvoll ist.

High-End Homecinema

Dass der Dolby Digital-Tonteil von hoher Qualität ist, hört man sofort: Die Räumlichkeit, einen guten Film vorausgesetzt, ist atemberaubend.

Vom tiefsten Dynostampfer bis zum höchsten Grillenzirper bringt der Spieler die volle Dynamik und jede Nuance.

Punkto Bild bleiben ebenfalls keine Wünsche offen. Wer sich Zeit nimmt, die unglaublich vielseitigen Bildbeeinflussungen ordnungsgemäss vorzunehmen, erhält mit unterschiedlichsten Bilderzeugern immer einen optimalen Kontrast, natürliche Farben und exzellente Schärfe.

Fazit

Marantz bringt mit dem DV 8300 einen sehr gut verarbeiteten Kombiplayer auf den Markt, der nicht nur bei den mehrkanaligen Tonformaten SACD und DVD-Audio Spitzenresultate liefert, sondern auch den anspruchsvollen CD-Hörer und Cineasten begeistern kann.
STECKBRIEF
Preis:
3790 Franken
Profil:
Top-Verarbeitung und Top-Leistungen zeichnen den nicht gerade billigen DV 8300 Luxusplayer aus.
Pro:
sehr gute Verarbeitung,
gute Bedienung,
feinfühlige Bildbeeinflussung,
erstklassige Tonqualität
Contra:
kein Bassmanagement für DVD-Audio,
Progressives PAL erst nach hardwaremässigem Umbau,
hoher Preis
Ausstattung:
Abspielmöglichkeiten: DVD-Video/Audio, CD, MP3, SACD, Video-CD,CD-R, CD-RW, SVCD, DVD-R, DVD-RW
Anschlüssse: Scart 1: YC/RGB, Scart 2: FBAS/YC/RGB
Technische Daten:
Abmessungen (BxHxT): 44 x 8.9 x 30.7 cm
Audio-D/A-Wandler: 24 Bit/192 kHz
Wettbewerb