Mittwoch, 14. Oktober 2026 · seit 1999 Newsletter · Werbung · Über avguide.ch
Testbericht · Cyrus · Netzwerk-Player

Generationensprung

Cyrus Streamer 40 ST im Test

Von Schellack über Vinyl und CD bis zum Musikserver und Streaming: Neue Formate stossen auf Begeisterung und Skepsis. Gewohntes aufgeben fürs vermeintlich Bessere? Streaming ist der radikalste Schritt – weg von der eigenen Bibliothek.

Von Fritz Fabig · · Seite 1 von 2
Mit der Serie 40 bringt Cyrus eine neu entwickelte Gerätegeneration auf den Markt. Was leistet der Streamer-DAC 40 ST, das Allroundtalent der Serie?
Mit der Serie 40 bringt Cyrus eine neu entwickelte Gerätegeneration auf den Markt. Was leistet der Streamer-DAC 40 ST, das Allroundtalent der Serie?

Streaming führt weg von der eigenen Sammlung, hin zu einer abonnierten Bibliothek von schier unendlicher Grösse. Bei diesem verlockenden Versprechen kommen zwangsläufig Fragen zur Klangqualität, zur Bedienbarkeit und zur Bibliotheksorganisation auf. Ein Streamer-Test muss folglich mehr Aspekte beleuchten als Klang und Ausstattung eines Gerätes.

Für den audiophilen Musikfreund stehen Musikgenuss und Klangqualität an erster Stelle. Die Geschichte wiederholt sich: Vinyl sei besser als CD – lange Zeit heiss diskutiert, ist der Disput heute für die Mehrheit kein Thema mehr. Nun sind wir bei «CD ist besser als Streaming». Die Kontroverse besteht, wird aber weniger heftig diskutiert.

Die Aufgabe ist definiert. Schauen wir, welche Akzente der Cyrus 40 ST in dieser Diskussion setzt. Vorab: Das wird durchaus aufschlussreich.

Cyrus 40 ST und 40 AMP: kompaktes Power-Team, das sich dank System-Fernbedienung unkompliziert steuern lässt. Der 40 AMP ist optisch und technisch die ideale Ergänzung zum Streamer.Cyrus 40 ST und 40 AMP: kompaktes Power-Team, das sich dank System-Fernbedienung unkompliziert steuern lässt. Der 40 AMP ist optisch und technisch die ideale Ergänzung zum Streamer.

Cyrus und das Shoebox-Format

Mit der Serie 40 vollzieht Cyrus aus Sicht des Autors einen radikalen Schritt nach vorne, ohne aber die seit 1984 gelebte Produkt-Philosophie, die Cyrus-DNA, aufzugeben. Mit dem Cyrus-3-Vollverstärker wurde 1992 die Cyrus-Formsprache gefestigt. Ein schlaues Konzept, bestehend aus einem für alle Produktkategorien einheitlichen Aluminium-Magnesium-Gehäuse in halber Standardbreite von 22,5 cm. Mit den variablen Fronteinsätzen konnte die gegossene Gehäuseschale so alle Gerätetypen aufnehmen.

Auch die Serie 40 greift dieses Grundkonzept auf, geht aber markant weiter. Nun, in der Höhe und Tiefe leicht grösser, präsentieren sich die 40er-Komponenten in einem massiven Aluminiumgehäuse. Im Standby wirkt die Front wie eine dunkle Glasfläche, akzentuiert durch den Drehregler und ein rot leuchtendes Cyrus-Logo. Clever: Berührt man dieses Logo, leuchtet es weiss, worauf das grosse TFT-Gerätedisplay und die berührungssensitiven Bedienelemente erscheinen.

Das hochwertige Gehäuse des 40 ST beeindruckt rundum. Faszinierend, wie die IR-Fernbedienung das Gerätedesign und die Materialisierung widerspiegelt. Ihre Metalloberfläche und die leicht gummierten Tasten vermitteln Eleganz und Wertigkeit.Das hochwertige Gehäuse des 40 ST beeindruckt rundum. Faszinierend, wie die IR-Fernbedienung das Gerätedesign und die Materialisierung widerspiegelt. Ihre Metalloberfläche und die leicht gummierten Tasten vermitteln Eleganz und Wertigkeit.

Üppige Ausstattung

Ein CD-Spieler spielt CDs, ein Radiogerät Radiostationen. Punkt. Und ein Streamer wie der 40 ST? Er spielt Musik aus einer oder mehreren internetbasierten Bibliotheken sowie Radiostationen. Oder Musik von einer lokalen USB-Festplatte/Stick. Der 40 ST ist mit einem hochwertigen D/A-Wandler-Chip ESS Sabre (ES9039Q2M) ausgestattet. Dank digitalen Ein- und Ausgängen (S/PDIF koaxial und optisch) lässt sich der klanglich hochwertige D/A-Wandler auch für externe Digitalgeräte verwenden. Ein betagter CD-Spieler kann so die modernere Wandlertechnik des 40 ST nutzen.

Der Cyrus-Streamer verfügt über zwei analoge, regelbare Cinch-Ausgänge, womit sich zum Beispiel Aktiv-Lautsprecher direkt betreiben lassen.

Die Internet-Anbindung kann über WLAN oder Ethernet-Kabel erfolgen.

Quelle: YouTube

BluOS-Gerätesteuerung und Bibliotheksverwaltung

Cyrus nutzt seit 2023 (Classic Stream) die BluOS-Plattform. Sie ist nicht nur eine «Fernbedienung», sondern ein vollständiges Streaming- und Geräte-Management-Ökosystem, inklusive Mehrraumsteuerung. So lassen sich markenübergreifend kompatible Geräte steuern, synchronisieren und gruppieren.

Wie sich der Alltag mit einem komplexen Gerät wie einem Streamer gestaltet, hängt wesentlich von der App-basierten Steuerung ab. Da nützt die tollste Hardwarequalität wenig, wenn sich die Musikauswahl und Gerätesteuerung als schwerfällig und unzuverlässig erweisen. Erfahrungsgemäss ist die Entwicklung und der Unterhalt einer schnelllebigen Steuerungsplattform kostspielig und ressourcenintensiv. Eine eigene Streaming-Software dauerhaft zu entwickeln und zu pflegen, kann ein spezialisierter Audiohersteller allein kaum noch stemmen. Mit der BluOS-Kooperation hat Cyrus den Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Über die BluOS-Plattform werden auch Softwareupdates für den 40 ST ausgeführt – was bei unserem Testgerät einfach und problemlos funktioniert hat.

Links: konfigurierbarer Home-Bildschirm mit individuellen Presets. Rechts: Die Suchfunktion kann gezielt Bereiche wie Streamingdienste oder den angedockten USB-Speicher durchsuchen.Links: konfigurierbarer Home-Bildschirm mit individuellen Presets. Rechts: Die Suchfunktion kann gezielt Bereiche wie Streamingdienste oder den angedockten USB-Speicher durchsuchen.
Links: Die Playlist ist übersichtlich, informativ und praxistauglich. Rechts: Lautstärke-Normalisierung (Replay Gain) auf Track- und Album-Ebene ist vor allem für Album-Hörer und im Klassikbereich wichtig.Links: Die Playlist ist übersichtlich, informativ und praxistauglich. Rechts: Lautstärke-Normalisierung (Replay Gain) auf Track- und Album-Ebene ist vor allem für Album-Hörer und im Klassikbereich wichtig.
Links: Liste der aktiv genutzten Dienste. Rechts: Die grosse Auswahl an Diensten und Radioplattformen lässt kaum Wünsche offen. Die Connect-Funktion für Qobuz, Tidal und Spotify ist ebenfalls verfügbar.Links: Liste der aktiv genutzten Dienste. Rechts: Die grosse Auswahl an Diensten und Radioplattformen lässt kaum Wünsche offen. Die Connect-Funktion für Qobuz, Tidal und Spotify ist ebenfalls verfügbar.
Links: Zusätzlich zu den Einstellmöglichkeiten direkt am Gerät bietet die BluOS-App weitere Einstellungen und Funktionen, inklusive Software-Updates. Rechts: Die Content-Indexierung für angedockte USB-Speicher hat Potenzial für Verbesserungen.Links: Zusätzlich zu den Einstellmöglichkeiten direkt am Gerät bietet die BluOS-App weitere Einstellungen und Funktionen, inklusive Software-Updates. Rechts: Die Content-Indexierung für angedockte USB-Speicher hat Potenzial für Verbesserungen.

Kann ein Streamer gut klingen?

Womit wir beim Thema «CD ist besser als Streaming» wären und der Meinung, Streaming sei zwar bequem, könne aber klanglich keine Alternative zu physischen Tonträgern wie CD und Vinyl sein. Wenn dem so wäre, dann könnte der Cyrus 40 ST zwar besser klingen als ein anderer Streamer, aber nie das Niveau einer CD-Wiedergabe erreichen.

Die Gegenseite wird argumentieren: Ein Streamer ist besser als die CD, weil 24-Bit-HiRes-Streaming mehr Musikinformationen liefert als die 16-Bit-CD.

Prüfen wir, ob sich mithilfe des Cyrus 40 ST belastbare Belege für diese Aussagen finden lassen.

Vorweg: Individuelle, subjektive Wahrnehmungen und ihre Beschreibung allein können die Frage nicht belastbar beantworten. Die Hörwahrnehmung von zwei Menschen ist nie absolut identisch. Was der eine beschreibt, kann der andere deshalb nicht zweifelsfrei nachvollziehen. Die Hörinterpretation im Hirn wird durch die Hörerfahrung, Erwartungshaltung und Überzeugungen beeinflusst.

Somit sind ergänzend eindeutig reproduzierbare Messgrössen sehr hilfreich, um das Gehörte zu stützen oder eben auch anzuzweifeln, wenn die Selbstbeeinflussung die Wahrnehmung verbogen hat. In diesem Test stützen Werte aus dem Nulltest (DeltaWave) den Höreindruck des Testers. Mehr über diese Testmethode finden Sie im ergänzenden Magazinartikel:

Der Autor Fritz Fabig

Fritz Fabig ist passionierter Musikliebhaber mit Schwerpunkt in der Klassik-Epoche. Nach einer elektrotechnischen Ausbildung und Management/Marketing Weiterbildung erfolgte ein Wechsel in die Audio Branche. Beinahe zwei Dekaden war Fritz Fabig Geschäftsführer der B&W Group Schweiz. Seit Ende 2021 ist er als freischaffender Berater tätig.

Mehr Testberichte Alle Testberichte →