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Testbericht · Cyrus · Netzwerk-Player

Generationensprung

Cyrus Streamer 40 ST im Test

Von Fritz Fabig · · Seite 2 von 2

Der Streamer-DAC Cyrus 40 ST im Praxis- und Hörtest

Streamen wir Musik aus dem Internet, stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Audiodaten auf dem langen Weg durchs weltweite Netz überhaupt einwandfrei beim Streamer ankommen. Da haben CD und Schallplatte, aber auch Musikdateien auf dem Musikserver im eigenen Rack einen Heimvorteil.

Ob wir Musik von Qobuz auf unseren Musikserver herunterladen oder in Echtzeit über unseren Streamer hören, ist technisch ein Unterschied. Der Download ist nicht zeitkritisch, das Streamen aber schon. Man könnte deshalb annehmen, dass die gestreamte Fassung ungenauer ist als CD und Download und dass man diesen Unterschied hört.

Ein Heimvorteil, der klanglich nicht punkten kann

Die Nulltest-Messwerte zeigen, wie genau zwei nahezu identische Dateien übereinstimmen – die Differenz zwischen der heruntergeladenen Datei (Download) und dem aufgezeichneten 40-ST-Datenstrom. Das Signal bleibt immer auf der digitalen Ebene.

Der 40 ST leistet dabei Schwerstarbeit. Er muss die ankommenden Datenpakete zwischenspeichern (Buffer), decodieren, neu takten und daraus einen PCM-Datenstrom erzeugen. Erst so sind die Daten für die D/A-Wandlung oder den Digitalausgang (S/PDIF) aufbereitet.

Folgerung: Der 40 ST regeneriert aus den Internetdaten eine Audiodatei, die keine hörbaren Unterschiede zum Download einer 24-Bit/96-kHz-Datei hat (Nulltest PK-Metric −158,4 dBFS). Diese Mikrofehler liegen sogar unterhalb des Auflösungsvermögens des ESS-Wandlerbausteins und zudem oberhalb von 20 kHz, also ausserhalb des Hörbereichs.

Damit liefert der 40 ST eine praktisch fehlerfreie digitale Datenbasis – die entscheidende Voraussetzung für eine präzise D/A-Wandlung und überzeugenden Klang.

Mit der Menü-Option «ausblenden» lässt sich das aus Distanz gut lesbare Display nach ca. einer Minute automatisch ausblenden. Nähert man sich dem Gerät, blendet sich das Display von selbst wieder ein, und ebenfalls beim Benutzen der Fernbedienung.Mit der Menü-Option «ausblenden» lässt sich das aus Distanz gut lesbare Display nach ca. einer Minute automatisch ausblenden. Nähert man sich dem Gerät, blendet sich das Display von selbst wieder ein, und ebenfalls beim Benutzen der Fernbedienung.

Wie klingt der Cyrus 40 ST?

Erfahrungsgemäss entstehen die markanten Klangunterschiede bei digitalen Audiokomponenten bei der D/A-Wandlung und der analogen Ausgangsstufe. Im Hörtest muss der 40 ST nun zeigen, wie überzeugend er diese entscheidenden Stufen meistert.

Hörtests mit den akustisch sehr präzise aufgenommenen Symphonien der Haydn-2032-Edition sollten aufzeigen, wo der neue Cyrus-Streamer in Bezug auf Raumauflösung und Klangfarbenreichtum steht. Werden Instrumente punktgenau im Raum abgebildet, stimmt die Tonalität der historischen Streichinstrumente, werden die Bläser, speziell die Hörner, griffig dargestellt, ohne durch Überzeichnung an Schärfe zuzulegen?

Der 40 ST meistert diese anspruchsvolle Aufgabe sehr gut. Das Klangbild ist stimmig, der Drive von Antoninis Interpretation kommt packend rüber. Die Faszination von Antoninis Haydn-Interpretationen liegt in der Mischung von Tempo und Dynamikwechsel, verbunden mit hoher Spielpräzision. Diese Mischung vermittelt der Cyrus 40 ST mit überzeugender Selbstverständlichkeit.

Eine andere Aufgabe stellt sich mit Madeleine Peyroux' Interpretation des Everly-Brothers-Titels «Bye Bye Love». Der weiche Charakter dieser Aufnahme beruht auf der fein austarierten Balance zwischen Wurlitzer-Piano, Schlagzeug mit dominanter Bassdrum und Stimme. Hier kann sich bei mangelnder Systempräzision schnell ein schwammiges, wenig durchhörbares Klangbild einstellen, welches die subtil melancholische Stimmung des Stücks zudeckt. Der Cyrus-Streamer besteht auch diese Prüfung mit sehr guten Noten – im doppelten Sinn. Die subtile Melancholie des Stücks vermittelt er eindringlich und glaubwürdig.

Der Cyrus 40 ST überzeugt mit dieser Darbietung vollumfänglich als subtiler und tonal ausgewogener Netzwerkstreamer.

Die Alben des Hörtests.Die Alben des Hörtests.

Digitalfilter – das Feld für Missverständnisse

Das Rekonstruktionsfilter (Digitalfilter) im D/A-Wandler formt aus den zeitdiskreten digitalen Abtastwerten wieder ein zeitkontinuierliches analoges Signal. Für diese Funktion können unterschiedliche Filter eingesetzt werden.

Der Cyrus 40 ST bietet acht Digitalfilter, ab Werk ist das Linear-Phase-Apodising-Filter aktiv. Sie lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: Linear-Phase- und Minimal-Phase-Filter. Konzentrieren wir uns auf den Unterschied zwischen den Grundformen von Linear- und Minimal-Phase, erarbeiten die klanglichen Unterschiede und wo der Einsatz jeweils Sinn macht. Beide Filtertypen haben Vor- und Nachteile, das makellose Filter gibt es nicht. Andrerseits bewegen sich die klanglichen Differenzen nahe an der Grenze der Wahrnehmbarkeit.

Die Hörbarkeit der Unterschiede ist zwar gering, lässt sich mit geeigneten Aufnahmen jedoch über ein hochwertiges Audiosystem reproduzierbar nachweisen.

Filtereigenschaften: Linearphase > Gruppenlaufzeit und Phase sind linear. Minimalphase > Gruppenlaufzeit und Phase sind nicht linear, Zeitversatz zu hohen Frequenzen hin.Filtereigenschaften: Linearphase > Gruppenlaufzeit und Phase sind linear. Minimalphase > Gruppenlaufzeit und Phase sind nicht linear, Zeitversatz zu hohen Frequenzen hin.

Diese mathematischen Zusammenhänge muss man jetzt nicht zwingend verstehen. Entscheidend ist, dass Minimal-Phase-Filter Signalanteile je nach Frequenz zeitlich verschieben. Dadurch können akustische Unschärfen entstehen. Die DeltaWave-Werte zeigen, dass ein optimal konzipiertes Linear-Phase-Filter das Musiksignal präzise reproduziert – Linear-Phase-PK-Metric-Wert −98,3 dBFS (Linear Phase Apodising). Die Minimal-Phase-Filter-PK-Metric-Werte liegen im Bereich von −85 dBFS (je höher der dBFS-Wert ist, desto genauer ist die Rekonstruktion des Originals).

Filter-Praxis. Zwei Beispiele, wie jedes Filter seine Stärken ausspielen kann. Wir nehmen zwei unterschiedliche Titel und hören diese jeweils mit den beiden Filtertypen Linear und Minimal Phase an.

Die Alben des Filtertests.Die Alben des Filtertests.

Beispiel 1: Klassische und rein akustische Musik wird immer in einem Raum aufgenommen. Neben der Raumabbildung sind die Position, Abbildungsgrösse und Fokussierung der Instrumente und die Tonalität kritische Grössen. Die Präzision der Wiedergabe kann sich nur dann entfalten, wenn sie bereits durch eine handwerklich sorgfältige Aufnahme angelegt ist. Dies ist der Fall bei der Haydn-2032-Reihe des Alpha-Labels, hier mit dem 1. Satz der Symphonie Nr. 29 von Joseph Haydn.

Das Linear-Phase-Apodising-Filter des Cyrus 40 ST meistert die Aufgabe sehr gut. Die Instrumente sind fokussiert im Raum wahrnehmbar, auch der Raum dazwischen ist vorhanden. Das Orchester präsentiert sich als homogener Klangkörper, tonal ausgewogen mit überzeugender Staffelung der Register.

Mit dem Minimal-Phase-Filter erscheinen die Instrumente breiter, während der Raum dazwischen verblasst. Dabei entsteht bei dieser Aufnahme ein irritierender Effekt: Das Kammerorchester Basel spielt in deutscher Aufstellung, mit den ersten Violinen links und den zweiten rechts. In Unisono-Passagen wirken die beiden Stimmgruppen der ersten und zweiten Violinen leicht gegeneinander versetzt.

Beispiel 2: Das Easy-Listening-Jazz-Album «The Kaempfert Touch» aus dem Jahr 1970 ist eine hochwertige Analog-Aufnahme. Das auf Qobuz verfügbare Album dürfte die CD-Version von 1997 sein. Der Titel «Headin' Home» mit gutem Dynamikumfang hat zwei markante Steigerungsabschnitte, die jeweils durch Dichte der Instrumente, der Tonhöhe und der Intensität des Spiels geprägt sind. In den beiden Höhepunkten dominieren Trompeten, Posaunen und Saxofone. Instrumente, die – besonders bei lautem Spiel – aufgrund des ausgeprägten Obertonspektrums zu einer gewissen Schärfe neigen.

Mit dem Linear-Phase-Apodising-Filter kippt das Obertonspektrum der Bläser in den beiden Höhepunkten über das Angenehme hinaus, das Klangbild bekommt einen aufdringlichen Charakter (Spielzeit Min/Sek 0:45 bis 0:57 und 1:54 bis 2:05).

Hier schafft ein Minimal-Phase-Filter (slow roll off) Abhilfe. Zwar werden auch der Kontrabass und das Schlagzeug beim Intro und Outro breiter abgebildet, sie wirken aber nur unwesentlich überzeichnet. Bei diesem Stück kann dies auch positiv als druckvoll empfunden werden. Durch das feine zeitliche «Schmieren» des Minimal-Phase-Filters verlieren die Bläser an Schärfe, aber nicht an Prägnanz.

Frequenzspektrum. Je heller der Gelbanteil, desto höher ist der Pegel, der mit zunehmender Tonhöhe des Obertonspektrums kontinuierlich abnimmt (Farbe geht gegen blau). Der eingekreiste Bereich zeigt das intensive Obertonspektrum der Blechbläser.Frequenzspektrum. Je heller der Gelbanteil, desto höher ist der Pegel, der mit zunehmender Tonhöhe des Obertonspektrums kontinuierlich abnimmt (Farbe geht gegen blau). Der eingekreiste Bereich zeigt das intensive Obertonspektrum der Blechbläser.

Folgerung: Die Filtervarianten des Cyrus 40 ST bieten eine willkommene Möglichkeit, genre- oder aufnahmespezifische Klangaspekte bei der Wiedergabe zu berücksichtigen. Was jeweils am besten passt, hängt vom Album, dem Audiosystem und den persönlichen Präferenzen ab. Die Grundsatzfrage lautet – mehr Präzision (Linear Phase Apodising) oder mehr «Wärme» (Minimal-Phase). Der häufig verwendete Begriff «Wärme» steht dabei oft für eine leichte Detailreduktion – ähnlich dem Weichzeichner in der Fotografie, wo man ihn bewusst als Gestaltungsmittel einsetzt.

Fazit

Cyrus galt bisher als solides Mittelklasse-High-End. Mit der neuen 40er-Generation steigt Cyrus um ein bis zwei Ligen auf, ohne aber ebenso kräftig an der Preisschraube zu drehen. Der 40 ST überzeugt durch sein edles Gehäuse, das hohe Wertigkeit ausstrahlt, exzellenten Klang, Vielseitigkeit und hohe Praxistauglichkeit durch die Einbindung in die BluOS-Plattform. Die Möglichkeit, mit verschiedenen Rekonstruktionsfiltern den Klang feinstufig seinen Präferenzen oder der Hörsituation anzupassen, ist ein weiterer Beleg für die Vielseitigkeit dieses kompakten Streamers. Wer sich Gedanken über den Kauf eines Streamer-DACs macht, sollte den 40 ST auf jeden Fall auf seine Shortlist setzen.

Steckbrief
Modell40 ST
Preis3,290.00 CHF
HerstellerCyrus
VertriebAudiosphere GmbH
Jahrgang2026
Masse88 x 220 x 385 mm
Gewicht4,8 kg
FarbeSchwarz
AirplayJa
CD-RipperNein
ChromcastNein
Roon ReadyJa
Spotify ConnectJa
Analog Output2 Pre-Out, regelbar
AudioformateFLAC, ALAC, WAV, AIFF, MQA, MPEG-4_SLS, MP3, AAC, WMA, WMA-L, OGG
BetriebssystemBluOS
DA-WandlerESS Sabre ES9039Q2M
Digital Inputkoaxial, optisch, USB
MusikdiensteSpotify Connect, Qobuz Connect, Tidal Connect
Remote AppBluOS-App

Testurteil

10 / 10

Plus

  • Herausragender Klang
  • Gutes Betriebssystem
  • Connect-Funktion (Tidal, Qobuz, Spotify)
  • Roon Ready
  • Exzellente Verarbeitung
  • Gute, praxisgerechte Bedienung
  • Hardware-Upgrade mit 40-PSU-Netzteil
  • Haptisch hochwertige IR-Fernbedienung

Minus

  • USB-B-Anschluss wäre sinnvoll

Profil: Exzellent klingender Streamer mit hoher Praxistauglichkeit: Der Cyrus 40 ST bietet alles, was ein moderner Streamer benötigt. Die acht Filteroptionen seines Spitzenklasse-D/A-Wandlers ermöglichen eine raffinierte klangliche Feinabstimmung. Hochwertige Verarbeitung und herausragende Klangqualität positionieren das Gerät in einer deutlich höheren High-End-Klasse, als es der durchaus attraktive Preis zunächst vermuten lässt.

Der Autor Fritz Fabig

Fritz Fabig ist passionierter Musikliebhaber mit Schwerpunkt in der Klassik-Epoche. Nach einer elektrotechnischen Ausbildung und Management/Marketing Weiterbildung erfolgte ein Wechsel in die Audio Branche. Beinahe zwei Dekaden war Fritz Fabig Geschäftsführer der B&W Group Schweiz. Seit Ende 2021 ist er als freischaffender Berater tätig.

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