Das Dutzend ist voll. Zum zwölften Mal lud Veranstalter Markus Thomann in das Klangschloss. Doch Dutzendware gab es in dem malerischen Gebäude zu Greifensee nahe Zürich auch dieses Jahr nicht zu sehen – vielmehr stand wie immer erlesenes Audio-Equipment zum «Luege und Lose» in den ehrwürdigen Räumlichkeiten parat. Wie gleichfalls schon gewohnt, ergänzt um einen engagiert betreuten Schallplatten-Marktplatz im Kellergewölbe, schmackhafte Versorgung von und mit Speis und Trank sowie einem attraktiven Vortragsprogramm.
avguide.ch als Medienpartner des Klangschlosses war natürlich auch heuer am Wochenende vom 29./30. April vor Ort. Der Wettergott muss audiophile Neigungen haben, denn auch dieses Mal strahlte die Sonne von einem herrlich blauen Himmel, nachdem es am Freitag noch aus einem bewölkten, gut durchkühlten Firmament teils kräftig geregnet hatte. Das gute Wetter zog auch zahlreiche Touristen, Bootsfahrer und Wassersportler zum nahen See, so dass schon bald die Parkplätze knapp wurden. Was der guten Laune jedoch überhaupt keinen Abbruch tat – ein paar Meter mehr zu Fuss durch die warme, frische Luft zu gehen, trug eher noch dazu bei.
Schon am frühem Samstagmorgen zeigte sich das Klangschloss gut besucht, und Veranstalter Markus Thomann schon recht zufrieden. Wobei der Chef des Zürcher Unternehmens Klangwerk gegenüber avguide.ch klar machte, dass er sich selber gar nicht so gerne in den Vordergrund gestellt sieht. Denn "das Klangschloss ist eine partnerschaftliche Veranstaltung mit den Ausstellern, die uns zum Teil schon über ein Jahrzehnt die Treue halten. Dieser Geist ist es, der die Veranstaltung so besonders macht."
Recht hat er. Die Tuchfühlung der Aussteller und ihrer Produkte mit den Konsumenten und die wahrhaft publikumsnahen Präsentationen heben sich wohltuend ab von anderen, durchgestylten und durchorganisierten Highend-Präsentationen. Dass Thomann am Ende mit 650 zahlenden Besuchern einen neuen Rekord für seine nun nicht mehr ganz so kleine, aber immer noch feine Messe verzeichnen durfte, freut natürlich umso mehr.
Schon am Samstagmorgen herrschte grosser Besucherandrang (Bild: Klangschloss).Von Analog pur bis total Digital
Auf dem Weg zum Schallplattenmarkt (Bild: Klangschloss).Durchgängig gut besucht war der Schallplattenmarkt, der gleich neben dem Eingang in einem etwas tiefer gelegenen Gewölbe das schwarze Gold in Hülle und Fülle zeigte. Die Schweizer Analogue Audio Association (AAA), Big Fun Music mit Mike Kern und Goosebumps mit Robert Merker führten alle Schallplattenfans hochsympathisch in Versuchung, die heimische Sammlung doch noch um ein paar wertvolle Stücke zu ergänzen.
Im gleichen Raum zeigte Harry Pawel von Pawel Acoustics etliche hochwertige, elektrostatische Stax-Kopfhörer. Kein Wunder, dass dort am Sonntag auch ganz ungezwungen die Schweizer Kopfhörer- und Tonmeister-Legende Jürg Jecklin sich ein paar Hörproben verschaffte und fachsimpelte.
Zum Stand der Digitaltechnik in der High-Fidelity-Branche konnten sich die Besucher bei zwei wahren Genies ihres Fachs kundig machen. Christof Faller von Illusonics zeigte an einer Lautsprecher-Kombination von Klangwerk, wie der kundige und behutsame Umgang mit Algorithmen die Wiedergabe positiv beeinflussen kann. Beeindruckend, wie unspektakulär und doch hörbar sich insbesondere die räumliche Wiedergabe von Stereosignalen mit entsprechend programmierten Prozessoren verändern kann.
Daniel Weiss von Weiss Engineering hat die Algorithmen gleichfalls bestens im Griff. Er verblüffte mit einer gigantischen Soundbar, der sogenannten Livebox. Die Zuhörer nahmen auf der Mittelachse hintereinander Platz und staunten nicht schlecht, wie mit Hilfe der "Crosstalk Cancellation" Kunstkopfaufnahmen auch über Lautsprecher zum faszinierenden Raumerlebnis wurden. Aber nicht nur binaurale Produktionen – bislang ja richtig nur über Kopfhörer zu geniessen – wirkten livehaftig. Auch gewöhnliche, auf Lautsprecher abgemischte Live-Aufnahmen gewannen. avguide.ch-Mitbegründer Daniel Schmid zeigte sich insbesondere hiervon begeistert, wobei auch Weiss’ überragende Digital-Audio-Komponenten höchste Ansprüche befriedigen.
Die Livebox von Daniel Weiss, die in Zusammenarbeit mit PSI Audio entwickelt wurde, ermöglicht "binaurales Hören". Dies kommt dem Live-Erlebnis näher als Stereo, unter der Voraussetzung, dass man genau in der Mitte sitzt (Bild: Klangschloss).Erlebnis Bandmaschine
Eingefleischte Analog-Fans wurden im Klangschloss gleichfalls bestens bedient. Eine höchst beliebte Anlaufstelle war wie immer der Raum, in dem Jürg Schopper von Swissonor alte Plattenspieler und Tonbandmaschinen präsentierte.
Eine Studer C 37 wurde gar "nackt" gezeigt – das Innenleben eines solchen Magnettonaufzeichnungs-Dinosauriers ist ein fulminanter Anblick. Mit Kopien originaler Masterbänder bereitete Schopper schöne Hörerlebnisse, wobei in einer Vorführung der etwas verwellte und damit Schleifgeräusche verursachende Teller für einen freitragenden Wickel manchen Besucher irritierte.
Jürg Schopper gewährt einen Blick ins Innenleben der Studer C 37.Für den Autor machte Schopper, wie gewohnt auch mit einer Phalanx restaurierter Lenco- und Thorens-Plattenspieler angetreten, dieses Manko mehr als wett mit einer Demonstration, die jeden Beatles-Fan in den Bann zog: Er hatte eine der extrem seltenen "Kangooroo"-Pressungen von "Rubber Soul" dabei. Also der Ausgabe, die von EMI in den 1960er-Jahren aus dem Verkehr gezogen wurde, weil sie wegen unbegrenzt geschnittener Dynamik und sattem Bass die Nadeln der damaligen Plattenfräsen in den Jugendzimmern zum Springen brachten. Wie das heute mit adäquaten Abtastern übertragen klingt, lässt höchstens das Herz hüpfen.
Lautsprechervariationen
Ob digital oder analog versorgt: Lautsprecher sind und bleiben die entscheidende Schnittstelle zum menschlichen Ohr. Hier konnte der Besucher gleich von mehreren Konzepten gut präparierte Hörproben nehmen. Etwa von den kompakten High-End-Shooting-Stars Kii Three aus Deutschland.
Diese vertreten mit eigenen Endstufen an Bord nicht nur das Aktivprinzip, sondern mit ausgeklügelten Schaltungen auch neueste Technologie. Analog-Digital-Wandler, ein sechskanaliger Digital-Signal-Prozessor (DSP), sechs Digital-Analog-Wandler und sechs Schalt-Endstufen mit insgesamt 1500 Watt pro Lautsprecher sorgen laut Hersteller für bestmögliches Zeitverhalten. Vorgeführt vom Schweizer Vertrieb Kii Audio Swiss brillierten die Kii mit einem imponierend klaren und dröhnfreien, abbildungsscharfen und neutralen Klangbild.
Absolute Neutralität herrschte auch bei PSI Audio. Diese Westschweizer Monitore kommen aus der Studiotechnik, was man ihnen am völlig verfärbungsfreien Ton anhört.
Ralph Zünd spielt Mastertapes von einer Straight-to-Tape-Session aus seinem Studio auf PSI-Audio-Aktivlautsprechern (Bild: Klangschloss).Um die Rundumstrahler des Berliner Herstellers MBL kümmert sich in der Schweiz Design und Ton aus Dietikon. Angetrieben von MBL-Elektronik faszinieren diese eigenwilligen Schallwandler wie schon im letzten Jahr mit ihrer wunderbar raumfüllenden Wiedergabe, die sie als Tonerzeuger regelrecht verschwinden lässt.
Eine ganze Kette hatte auch der bekennende "Soundaholic" Günter Tobian mitgebracht – Röhrenverstärker inklusive. Seine wirkungsgradstarken Lautsprecher sind auf jeden Fall ein Probehören wert. Auch TAD hatte neben edel verarbeiteten Kompakt-Lautsprechern hauseigene Elektronik mitgebracht. Die Vorführung war mit einem hohen Spassfaktor verbunden.
Grosse Kaliber zeigte Voice 70 mit ausgewachsenen Standlautsprechern von Piega und Sonus Faber. Thomas Flammer hatte sich viel Mühe mit der Raumakustik gegeben, so dass das nicht leicht zu beschallende Zimmer des Schlosses in voller Pracht erblühte. Respekt vor dieser Leistung!
Ein kapitales Gedeck unter anderem aus Accuphase-Elektronik sowie B&W- und Focal-Lautsprechern hatte Thierry Mayer zu "Audiophil Dreams" zusammengebaut. Doch vor allem demonstrierte der rührige Chef von Optimize Audio, wie man Gutes mit geschicktem Tuning noch besser machen kann.
Wenig verbessern kann man an der Veranstaltung selbst. Das Klangschloss ist sich treu geblieben. Und das ist gut so.

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