TESTBERICHT
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Slow down

Bekannt und doch neu: Die X1D sieht nach Systemkamera aus, ist jedoch ein richtiges Mittelformat, nur etwas kompakter gebaut.
Bekannt und doch neu: Die X1D sieht nach Systemkamera aus, ist jedoch ein richtiges Mittelformat, nur etwas kompakter gebaut.

In der Ruhe liegt die Kraft

Das Display selbst reagiert schnell auf Berührungen, seine Helligkeit kann angepasst werden und das Livebild vom Sensor wird angenehm zügig übertragen. Seine 920'000 Bildpunkte erlauben eine problemlose Bildkomposition, hinken jedoch genau wie der elektronische Sucher mit seinen 2,35 Megapixel etwas dem Stand der Technik hinterher.

Hier wird die X1D klar von der Fujifilm GFX übertroffen. Diese besitzt nicht nur eine grössere Sucher- und Display-Auflösung, auch das Display in OLED-Technik bringt eine bessere Bilddarstellung. Zudem ist der Fujifilm-Monitor kipp- und schwenkbar. Die Kompaktheit der X1D hat auch gewisse Einschränkungen zur Folge.

Diese machen sich besonders beim Überprüfen der Aufnahmen unterwegs bemerkbar. Das erstellte Foto lässt sich natürlich sofort am Monitor betrachten und auch vergrössert darstellen. Möchten es mehrere Personen anschauen, ist ein schwenkbares OLED-Display dank seinem breiteren Betrachtungswinkel gegenüber einer herkömmlichen, fest eingebauten LED-Anzeige aber vorteilhafter.

Und ein weiterer Punkt spricht für einen besseren Monitor: Der elektronische Sucher der X1D hat zwar eine grössere Auflösung als der Monitor, doch leider lassen sich die Fotos zur Kontrolle nicht über den Sucher anzeigen.

Nun könnte man dazu einen externen Bildschirm über die HDMI-Verbindung anschliessen, doch das zusätzliche Equipment stellt wieder die angestrebte Mobilität in Frage.

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Wer sich einmal an das etwas langsamere Fotografieren gewöhnt hat, wird mit der X1D gut zurechtkommen. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit ist nicht gerade berauschend, doch wenn man die Datenmenge von über 100 MB pro RAW-Bild in Betracht zieht, ist sie eigentlich erstaunlich.

Sonnenlicht und Studioblitz

Draussen habe ich tagsüber vor allem durch den Sucher fotografiert. Auf dem Display sieht man im Sonnenlicht nicht viel. Dann ist man froh um die wenigen Knöpfe an der Kamera, die man ertasten kann, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen.

Mit dem elektronischen Sucher lässt sich sehr gut arbeiten. Bei weniger Licht werden sich manche dennoch einen optischen Sucher wünschen. Ist wohl eine Gewohnheitssache, vor allem zu Beginn, oder wenn mit verschiedenen Kameras fotografiert wird.

Im Studio wiederum kommt man per Fingerdruck auf den Kontrollbildschirm am Touch-Display schneller zum Ziel. Studioblitzanlagen zündet man mit drahtlosen Blitzauslösern oder externen Blitzgeräten am Blitzschuh der X1D. Eine PC-Sync-Buchse für Kabelanschluss gibt es an der Kamera nicht. Die X1D kann mit ausgewählten Nikon-Blitzgeräten im TTL-Modus verwendet werden.

Wer "tethered", also vernetzt fotografieren möchte, lädt die kostenlose Software Hasselblad Phocus Digital Imaging herunter und verbindet die Kamera mittels Kabel über den USB-3.0-Anschluss. Oder er arbeitet völlig drahtlos mit der Phocus Mobile App für iPhone und iPad. Damit ist auch ferngesteuertes Betrachten von Bildern und Steuern der Kamera möglich, was ich jedoch nicht ausprobiert habe. Ich lebe in der Android-Welt.

Die X1D besitzt einen manuellen Modus für schnelles Aufnehmen. Dieser funktioniert am besten, wenn die Kamera auf einem Stativ steht. Dann werden zuerst der Fokus und die Bildkomposition in einem der übrigen Modi, und danach dieser "Mq-Modus" eingestellt. Die Kamera löst nun schneller und geräuschloser aus, weil der Verschluss bereits geschlossen ist und sich weniger bewegen muss. Zudem ist der Live-View-Modus nicht in Betrieb und es wird Energie gespart.

Eine weitere Energiesparfunktion, die mich besonders beim Stativ-Einsatz nervte, ist das automatische Abschalten des Live-Views nach rund 15 Sekunden, wenn keine Bedienung an der Kamera erfolgt. Man kann zwar die Zeit für die Abschaltung von Kamera und Monitor bei Inaktivität einstellen, aber für die Live-View-Abschalt-Automatik habe ich keinen Menüpunkt gefunden.

Videofilmen

Dieses Kapitel ist schnell besprochen. Knapp zwei Seiten widmet das Handbuch dem Thema Videofilmen. Das Videomenü lässt die Wahl zwischen den beiden HD-Formaten 720p und 1080p. Das war es dann.

Die Aufnahme erfolgt immer mit 25 Vollbildern pro Sekunde bis zu einer maximalen Dauer von 5 Minuten je Clip. Dieser wird h.264-komprimiert (MPEG-4 AVC) und im MP4-Container abgespeichert. Die Schärfe muss manuell "gefahren" werden.

Video passt einfach nicht zu dieser Kamera. Mir scheint, es wurde nur deshalb eingebaut, weil es andere Hersteller auch machen. Irgendwie lustlos.

Weniger geht nicht: Ganze zwei Einstellungen umfasst das Videomenü.Weniger geht nicht: Ganze zwei Einstellungen umfasst das Videomenü.
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