Nachdem ich für avguide.ch im Mai den Denon AVR-X1000 getestet habe (Testbericht AVR-X1000), war es nun an der Zeit, die Treppe nach oben zu steigen und dem grösseren Bruder, dem AVR-X3000, auf den Zahn zu fühlen. Während sich der AVR-X1000 in der Einsteigerklasse befindet, bringt Denon mit dem AVR-X3000 ein Gerät der oberen Mittelklasse auf den Markt. Und dieses bietet so einiges.
Aus dem 5.1-System wurde ein 7.2, aus fünf wurden sieben HDMI-Eingänge und aus 145 Watt wurde 180 Watt Ausgangsleistung pro Kanal im Vergleich zum AVR-X1000. Was aber beide Geräte gemeinsam haben, ist das X im Namen. Die X-Serie steht für Xcellent Performance, Xcellent Usability, oder zu Deutsch: eXzellente Leistung, eXzellente Bedienbarkeit.
Macht einen guten ersten Eindruck: Der Denon AVR-X3000, den es nur in schwarz gibtMit seiner bogenförmigen Front- und Rückseite beschreibt der Technics SC-C50 im Querschnitt eine Ellipse, bei der die Vorderseite etwas grösser ist. Unter der Abdeckung der gebogenen Vorderseite sind die Lautsprecher angebracht, sodass sich die Schallwellen breitfächrig im Raum ausbreiten können. Die Rückseite ist gerippt. Diese Rippen dienen einerseits der Steifigkeit des Geräts als auch der Wärmeleitung für die Kühlung der sich erwärmenden Bestandteile. Doch muss man diese nicht als eigentliche Kühlrippen oder Versteifungen ansehen, sondern vielmehr als ein gelungenes Design-Element. Form und Funktion werden beim SC-C50 also sehr elegant kombiniert.
Die Oberseite des Aktivlautsprechers besteht aus einer massiven Aluminiumplatte mit einem OLED-Display mit integriertem Mikrofon. Darum herum sind kreisförmig die Bedienelemente angelegt. Die Aluminium-Oberseite sorgt zusammen mit dem soliden Gehäuse aus Glasfaser für eine sehr hohe Gerätesteifigkeit, was sich positiv auf den Klang auswirkt. Den Lautsprecher erschüttert also so leicht nichts: Die stabile Bauweise lässt kaum Vibrationen entstehen, und die soliden Bauteile sorgen für ein Gesamtgewicht von fast 6 Kilogramm.
Das Gerät kann Musik beispielsweise von den Diensten Spotify, Tidal oder Deezer streamen. Natürlich spielt es auch Internetradio oder Musik ab Bluetooth sowie per Netzwerkwiedergabe wie etwa von einem NAS-Speicher (Network Attached Storage). Über die Technics-eigene App Technics Audio Center (verfügbar für iOS und Android) lässt sich der Ottava SC-C50 im Detail einrichten, zudem können Feineinstellungen vorgenommen werden. Die Streaming-Dienste Spotify, Tidal oder Deezer sind hier ebenfalls integriert. Dieselben lassen sich auch direkt über die jeweilige App oder über Google Home bzw. Chromecast abrufen. Worüber die Musik schlussendlich abgespielt wird, entscheidet man je nachdem, welche Zusatzfunktionen man bevorzugt und welche App einem am besten behagt.
Wer oft zwischen verschiedenen Anbietern und Abspielgeräten hin- und herwechselt, dürfte die Preset-Funktion schätzen, welche es erlaubt, neun verschiedene Quellen zu speichern und diese per Knopfdruck abzurufen. Dies können etwa Spotify-Playlisten oder eine Internetradiostation sein, aber auch ein eingesteckter USB-Stick mit der Lieblingsmusik. Auf diese Weise lassen sich die Quellen wechseln, ohne dass dafür die App gestartet werden muss. Was die Musikformate betrifft, ist der Ottava C50 nicht heikel, er spielt WAV, FLAC, DSD, AIFF, AAC und MP3.
Der Technics Ottava SC-C50 ist Airplay-fähig. Das heisst, er kann unkompliziert mit einem iOS-Gerät (iPhone oder iPad) eingerichtet und genutzt werden. Die Musik wird dann über die relativ geschlossene WLAN-Technologie von Apple gestreamt. Leider kann zurzeit ausschliesslich die erste Airplay-Version genutzt werden, das neuere Airplay 2 ist noch nicht nutzbar. Airplay 2 bietet eine Multiroom-Unterstützung an, sodass mehrere Geräte gleichzeitig angesteuert werden können. Zudem wurde bei Airplay 2 die Reaktionszeit und der Cache-Speicher erhöht, was verhindern soll, dass es Aussetzer gibt. Solche konnten wir im Test jedoch mit Airplay 1 nicht feststellen. Airplay funktioniert tadellos.
Multiroom ist mit der etwas offeneren Technologie Chromecast möglich. Befinden sich mehrere Chromecast-Geräte in Reichweite, kann dieselbe oder auch unterschiedliche Musik gleichzeitig in mehreren Räumen abgespielt werden. Zwar ist die Einrichtung des Google-Diensts etwas komplizierter (mittels der Apps Google Home und Chromecast), doch bietet er viele Möglichkeiten. So lassen sich nicht nur Streaming-Dienste verbinden, sondern auch ein Google-Voice-Lautsprecher, der zur Steuerung der Musikwiedergabe genutzt werden kann. Wer zwei Ottava SC-C50 sein Eigen nennt, kann diese via App künftig zu einem Stereopaar koppeln. Diese Funktion ist jedoch zurzeit noch nicht verfügbar.
Für Android oder iOS erhältlich: Die Denon Remote App gibt es leider noch nicht für Tablet optimiert.Zone2 für digitale Quellen
EXcellent Performance beweist der Denon AVR-X3000 mit seiner Zone2-Funktion. Werden nicht alle sieben Kanäle für das Surround eingesetzt, können zwei Endstufen als Zone2-Verstärker verwendet werden. Eigentlich nichts neues, doch der Denon AVR-X3000 kann nicht nur analoge Quellen an die zweite Zone weitergeben, sondern reicht sämtliche digitalen Audio-Signale (inkl. HDMI) in den zweiten Raum weiter. Das ist eXcellent!
Für die Bildübertragung steht sogar ein separater HDMI-Ausgang für die zweite Zone zur Verfügung. Dieser HDMI-Ausgang kann dabei ein anderes Signal wiedergeben als im Hauptraum gezeigt wird, so kann zum Beispiel im Hauptraum ein Film mit 5.1 Sound genossen werden und gleichzeitig in der zweiten Zone das Audio- und Videosignal des Satellitenreceivers wiedergegeben werden (Stereo). Theoretisch zumindest. Diese Funktion ist zwar sehr nett, allerdings wird es wird es wohl eher schwierig sein, ein so langes HDMI-Kabel in einen anderen Raum zu verlegen, dass eine Bildübertragung Sinn macht und HDMI-Funkübertragungen (welche längere Distanzen und auch Wände überbrücken) sind mir keine wirklich brauchbaren bekannt.
Zukunftssicher
Kompatibel auch in der Zukunft: Alle HDMI-Anschlüsse des Denon AVR-X3000 sind 4K-tauglich.Damit der Denon AVR-X3000 auch in ein paar Jahren noch brauchbar ist, sind laut Hersteller alle HDMI- Ein- und Ausgänge 4k-tauglich. Die Möglichkeit, JPEG-Fotos zu streamen, ist ebenso verfügbar wie Airplay und direkte Anbindungen an Spotify oder last.fm. Dank DLNA 1.5-zertifiziertem Netzwerkanschluss können neben MP3, WMA und AAC auch FLAC und WAV direkt von einer Netzwerkquelle abgespielt werden. Und natürlich kann auch auf zig Netzwerkradios zugegriffen werden.
Die Netzwerkverbindung kann bedauerlicherweise ausschliesslich per Ethernet hergestellt werden. Wireless-Unterstützung gibt es immer noch keine. Hersteller-Angaben zu Folge arbeitet Denon aber bereits an der Einführung der Wireless-Funktion.
Neben innovativen und zukunftsorientierten Funktionen zeigt Denon auch Liebe zum Detail. Die Funktion "InstaPrevue" zum Beispiel zeigt in Echtzeit in einem Bild- in Bild-Menü, was an den einzelnen HDMI-Quellen für ein Signal anliegt. Eine Quellenwahl kann dann direkt über dieses Menü vorgenommen werden.
Ein anderes Beispiel eines netten Details: Während der Wiedergabe von Internetradio oder Airplay-Quellen kann videomässig eine andere Quelle gezeigt werden (zum Beispiel das Bild des Kabelreceivers). Auch der Umstand, dass die Lautstärkenanzeige wahlweise in einer dB- oder Punkteskala angezeigt werden kann, zeigt, dass Denon auch kleinere Kundewünsche umsetzt.
Räumlicher Klang und satter Bass
Im Hörtest gibt sich der Denon AVR-X3000 sehr lebendig. Das Zusammenspiel mit den Boston Acoustics M350 Frontlautsprechern funktioniert wunderbar. Klare Höhen, satte Bässe und das sowohl im Stereo-Betrieb mit Musik, wie auch im Surround-Modus. Der Klang wirkt sehr räumlich und spritzig.
Gänsehaut-Feeling kommt auf, wenn bei „Fluch der Karibik“ die Piraten auffahren. Mit viel Power wummern die Bässe, und dennoch bleiben klangliche Details hörbar.
Aber nicht nur mit Action kann der Denon AVR-X3000 gut umgehen, auch bei ruhigeren Szenen zeigt das Gerät, was es kann. Dialoge werden gut verständlich transportiert, säuselnde Winde wirken wie echt.
Die Audyssey MultEQ XT Raumakustik-Technologie trägt zum feinen Klangbild bei. Die Audyssey Dynamic EQ zum Beispiel sorgt für eine Optimierung der Sound-Effekte bei niedrigen Lautstärkepegeln. Einfach ausgedrückt, werden die Nerven der Nachbarn geschont, denn wo immer möglich werden tiefe Bässe, welche durch Wände und Decken gehen, unterdrückt.
Der Denon AVR-X3000 unterstützt DTS NEO:X, Audyssey DSX und Dolby ProLogic IIz, um Front Height- oder Front Wide-Lautsprecher in den Einsatz zu bringen.
Im Gegensatz zum früher getesteten AVR-X1000 wurde im AVR-X3000 auch ein Upscaler für Videosignale verbaut. Die Skalierung von SD-Material zu HD funktioniert einwandfrei und ohne die Bildung von Artefakten. Laut Hersteller können Signale bis zu 4k skaliert werden, dies konnte allerdings nicht getestet werden.
Komplette Linie
Komplettes Line-Up: Die Denon X-Serie bietet AV-Receiver von der Einsteiger- bis zur ProfiklasseMit den fünf Geräten der X-Serie ist Denon ein grosser Wurf gelungen. Die komplette Range von Einsteiger über Mittelklasse bis hin zur Oberklasse ist in dieser Linie umgesetzt worden – und das mit einem sehr hohen Qualitätsansatz.
avguide.ch hatte auch schon die Möglichkeit, das Flaggschiff der X-Serie anzutesten. Und was wir da gesehen und gehört haben, macht Lust auf mehr. So verfügt der Denon AVR-X4000 über den eigens von Denon entwickelten Dynamic Discrete Surround Circuit HD (D.D.S.C.-HD) mit dem AL24 Processing Plus. Diese Schaltung setzt auf hochwertige diskrete Bauteile, sowie separate A/D- und D/A-Konverter und zwei schnelle Signalprozessoren für die Decodierung und das Post-Processing. Hier wird das Niveau der Musikwiedergabe nochmals angehoben.
Fazit
Wie schon beim Denon AVR-X1000 konnte Denon auch mit dem AVR-X3000 die beiden beworbenen Werte der X-Serie, Xcellent Performance und Xcellent Usability, perfekt in Szene setzen. Dank eines sehr nutzernahen und praxisbezogenen Setup-Assistenten ist die technische Hürde zur Einrichtung des Heimkinos sehr tief. Und das ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Eine W-LAN-Anbindung und eine für Tablets optimierte App wären allerdings wünschenswert. Mit einem Preis von 1249 Franken ist der AVR-X3000 auch nicht mehr ganz so günstig wie der AVR-X1000 (529 Franken); das Preis-Leistungsverhältnis ist aber dennoch super. Funktionen wie zum Beispiel die Möglichkeit, analoge und auch digitale Quellen in die zweite Zone verteilen zu können, die Qualität der Audiowiedergabe oder die Tatsache, dass alle HDMI-Anschlüsse 4k-tauglich sind, rechtfertigen den Preissprung. Der AVR-X3000 bringt die Zukunft schon in die Gegenwart!

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